Ein Hauch von Sommer

Endlich, endlich ist es soweit. Jeans und Pullover wurden im Kleiderschrank in die hinterste Ecke verbannt, vorn liegen nunmehr luftige T-Shirts, Tops und kurze Hosen. Gestern hielt mich bereits am frühen Vormittag nichts mehr in den eigenen vier Wänden. Die Sonne strahlte, das Thermometer zeigte schon über 20°C und ich holte flugs das arg vernachlässigte Velo aus Keller. Fast bildete ich mir ein, es vor Freude jauchzen zu hören. Schon ging es raus aus der Stadt an die Elbe. Obwohl ich schon eine ganze Weile keine längeren Strecken mehr geradelt bin, fuhr es sich mühelos und unbeschwert. Die Kilometer flogen nur so vorbei. Den Deich zur Rechten und die Felder zur Linken verschwanden Alltagsproblemchen und Wehwehchen wie von Zauberhand. Die Blüten des Rapses waren von so sattem Gelb, dass ich mich beim Hinschauen beinah geblendet fühlte. Herz, was willst du mehr? Als ich nach der wundervollen Tour wieder zu Hause eintrudelte, stellte ich fest, dass Herr H. bereits in wenigen Minuten ebenfalls heimkehren würde. Über ein mögliches Abendessen hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Wie gut, dass vom Vortag eine gute Portion Pellkartoffeln übrig geblieben war. Der Rest ergab sich ganz von selbst.

Für die „flinke“ Tortilla:

  • 450 – 500 g festkochende Kartoffeln, am Vortag in der Schale gegart, erkaltet, gepellt, in Scheiben geschnitten
  • 1 rote Spitzpaprika, klein gewürfelt
  • 2 frische Chorizo, gehäutet, gewürfelt
  • 3 Eier
  • 50 g Sahne
  • 1 kleine Knobauchzehe, fein gehackt
  • 1 Zwiebel, fein gehackt
  • Olivenöl
  • Manchego, frisch gerieben
  • frischer Thymian nach Belieben, Blättchen gezupft, grob gehackt
  • Salz, schwarzer Pfeffer

Nachdem ich alle Zutaten bereit gestellt hatte, erhitzte ich etwas Olivenöl und schwitzte zunächst Zwiebel, dann Knoblauch darin glasig. Ich gab Paprika und Chorizo hinzu und ließ sie ca. 5 Minuten bei mittlerer Hitze brutzeln. Anschließend briet ich die Kartoffeln kurze Zeit mit, streute den Thymian darüber und goß die mit der Sahne verquirlten Eier, die ich mit Salz und Pfeffer gewürzt hatte, ein. Just als ich die Hitze reduzierte, trudelte Herr H. ein. Er habe bereits im Flur einen köstlichen Duft wahrgenommen, was es denn zum Abendessen gäbe. Tortilla, sagte ich, rieb etwas Manchego über die gestockte Eimasse und schob die Pfanne in den auf 180°C Umluft vorgeheizten Backofen. Nach knapp 20 Minuten war die Tortilla appetitlich gebräunt und herrlich luftig aufgegangen. Die Dinge gingen wir üblich ihren Lauf und endlich konnten wir essen.

Fazit: So frugal das Essen auch wirken mag, so grandios schmeckt es. Leicht scharf, rauchig und herrlich kartoffelig. Eine Tortilla ist zudem schnell gemacht, sollten Hunger groß und Zeit knapp sein. Es ist allerdings wichtig, die Kartoffeln bereits am Vortag zu garen, da sie sich dann wesentlich besser schneiden lassen. Und die Qualität der Chorizo ist für das Gelingen natürlich ebenfalls entscheidend. Ich habe meist einen größeren Vorrat frischer (nicht luftgetrockneter), scharfer Chorizos ohne Farb-, Konservierungs- und sonstiger -stoffe im Tiefkühler, da sie in unserem Geschäft nicht immer verfügbar sind. Sie lassen sich gefroren zudem leichter schneiden und pellen und haben uns schon oft „gerettet“. Für eine vegetarische Variante könnte ich mir geräucherten Scamorza bestens vorstellen. So oder so ist die spanische Tortilla jedenfalls eines unserer liebsten Sommeressen!

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Älpler ganz elbnah

älplermagronen 5Ich bin Flachländler, durch und durch. Als ich damals aus dem Flugzeugfenster auf die Anden hinabsah, bekam ich einen riesigen Schrecken. Ich hatte einfach keine Vorstellung davon gehabt, dass es fast überall auf der Welt mehr oder weniger bergig ist. Eine abstrakte vielleicht, aber keine konkrete. Dort sollte ich Fahrrad fahren? Es stellte sich zum Glück heraus, dass zwischen Bergen auch immer Täler sind und die Berge nur selten am höchsten Punkt überquert werden müssen. Glück gehabt! Als Flachländler habe ich zudem nie eine besondere Vorliebe für den Wintersport entwickelt. Natürlich sind wir als Kinder gerodelt und auf dem „Hausberg“ (ca. 100m) Ski gefahren. Als ich jedoch älter wurde, erlahmte mein Interesse am Winter immer mehr. Deshalb entdeckte ich dieses köstliche Gericht, dass wahrscheinlich vielen aus dem Skiurlaub bekannt sein wird, erst jetzt. Älplermagronen. Pasta UND Kartoffeln UND Milch UND Sahne UND Käse. So etwas kann man doch nicht essen, oder? Herr H. rieb sich begeistert die Hände.

Für die Älplermagronen mit Röstziebeln:

  • 200 g festkochende Kartoffeln, geschält, in kleine Würfel geschnitten
  • je 250 g Milch und Wasser
  • 150 g Hörnchen oder Makkaroni
  • 1 große Zwiebel, in feine Ringe geschnitten
  • 1 EL Butterschmalz
  • 150 g Bergkäse (ich: 100 g)
  • (ich: ca. 50 g Speck, gewürfelt, knusprig gebraten))
  • Salz, schwarzer Pfefffer, Muskatnuss

magronen serieDie Sahne wird in diesem Rezept unterschlagen, ich bemerkte das leider erst zu spät. Beim nächsten Mal wird sie hinzugefügt. Ich brachte Milch und Wasser mit 1/2 TL Salz zum Kochen und ließ die Kartoffelwürfel darin 7 Minuten köcheln. Dann gab die Makkaroni hinzu und ließ sie ca. 12 Minuten mitköcheln. Dabei rührte ich recht häufig, da Milch und Stärke recht schnell ansetzten. Herr H. briet unterdessen die Zwiebelringe in Butterschmalz langsam goldgelb und knusprig. Das dauerte ca. 15 Minuten. Ich rieb den Käse, heizte den Backofen auf 200°C vor und butterte die Auflaufform. Die Makkaroni hatten nach der Kochzeit erstaunlicherweise die gesamte Flüssigkeit aufgenommen. Ich vermischte sie mit der Hälfte des Käses, der Hälfte der Zwiebeln, dem Speck, schmeckte alles mit Salz, Pfeffer und Muskat ab und füllte es in die Form. Darüber streute ich den restlichen Käse und die restlichen Zwiebelringe. Nach 15 Minuten Backzeit waren die Magronen perfekt überbacken.

Für das Apfelkompott:

  • 250 g süßsaure Äpfel
  • etwas Zitronensaft
  • etwas Apfelsaft oder Wasser
  • 1/2 Zimtstange
  • 1,5 – 2 EL Zucker
  • 1 Schuss Holunderblütensirup
  • (ich: ca. 250 g Ofenapfelmus, 1/2 Cox, fein gewürfelt, etwas Zitronensaft, 1TL brauner Zucker, Bratbutter)

apfelkompott 10Wer nicht das Glück hat, auf fertiges Ofenapfelmus zurückgreifen zu können, schält und entkernt die Äpfel, beträufelt sie mit Zitronensaft und kocht sie mit etwas Apfelsaft, Zimt und Zucker weich. Am Ende kann man das Apfelmus noch mit Holunderblütensirup abschmecken. Alternativ kann man natürlich auch gekauftes Apfelmus verwenden.

Ich taute das Ofenapfelmus auf, briet die fein gewürfelten, mit Zitronensaft besprengten Cox-Würfel in etwas Butter an, fügte den Zucker hinzu und ließ sie kurz karamellisieren. Dann vermengte ich sie mit dem Ofenapfelmus und servierte es zu den Magronen.

älplermagronen 10Fazit: Man muss definitiv kein Bergbauer sein, um sich für die wunderbaren Älplermagronen begeistern zu können! Und dass ich ein Gericht in den höchsten Tönen lob, obwohl es so gar kein Gemüse enthält, ist fast schon revolutionär. Herr H. meinte zwar, Kartoffeln und Apfelmus gingen doch als Gemüse durch. Aber der Meinung konnte ich mich nicht anschließen. Wie auch immer. Älplermagronen wird es bei uns von nun an sicher häufiger geben, ich bin schwer angetan!

Aus: Mittagstisch – Leidenschaftlich vegetarisch Eschi Fiege

 

Das Rundumglücklich-Gericht

mejadra serieSabine von Schmeckt nach mehr hat die Seelenfutterzeit ausgerufen und fordert uns auf, unsere besten Mittel gegen schlechte Laune und Schmuddelwetter preiszugeben. Meine Seelentröster wechseln je nach Jahreszeit und Laune. Pizza stand lange Zeit unangefochten auf Platz eins. Mit dünnen, knusprigen Teig, Salami, Tomaten, Champignons und schwarzen Oliven. Es gab nichts, was mich glücklicher machen konnte. Dicht gefolgt von Chili, ob mit oder ohne Fleisch, auf jeden Fall mit selbst gebackenen Ciabatta und Guacamole. Die beiden Favoriten haben allerdings in den letzten Wochen eine ernstzunehmende Konkurrenz bekommen von einem Gericht, das viele Namen trägt. Ich konnte weder seinen Ursprung, noch seine eindeutige Bezeichnung ausfindig machen. In Indien steht es angeblich schon auf dem Frühstückstisch. Kichri (Indien), Khichari (Irak), Kosheri (Ägypten), Mejadra (Israel), Mseto (Tansania) besteht in erster Linie aus Linsen (aller Art) und Basmatireis. Was Würzung und Beilagen angeht, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Nach wiederholten Versuchen ist dies meine derzeitige Lieblingsvariante.

Für das Kosheri:

  • 125 g braune Linsen
  • 100 g Basmatireis
  • 200 g Hühnerbrühe (oder Wasser)
  • 2 Möhren, in winzige Würfel geschnitten
  • 2 Stangen Staudensellerie, in winzige Würfel geschnitten
  • je 1/2 TL Piment, Koriander, Kreuzkümmel, geröstet und gemahlen
  • 1/4 TL Kurkuma
  • 1 kleine Zimtstange
  • 2 rote oder weiße Zwiebeln, in Ringe geschnitten
  • Öl zum Frittieren

Für die pikante Tomatensauce:

  • 5 reife Tomaten, gehackt (ersatzweise eine kleine Dose Tomaten)
  • 1 scharfe rote Chili, entkernt, grob gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, zerdrückt
  • 2 EL Apfelessig
  • 1 TL Kreuzkümmel, geröstet und gemahlen
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • eine handvoll frisches Thai-Basilikum (oder Koriander)

GEWÜRZE serieAls erstes spülte ich die Linsen unter klarem Wasser und kochte sie dann mit der dreifachen Flüssigkeitsmenge (375ml) und der Zimtstange in ca. 45 Minuten gar. Dann wusch ich den Reis und ließ ihn in einem Sieb abtropfen. Anschließend hackte ich die Tomaten und die Chili, zerdrückte den Knoblauch und briet ihn und die Chilistückchen in Olivenöl kurz an. Dann gab ich Tomaten, ca. 200 ml Wasser, Essig, Kreuzkümmel und Salz hinzu und ließ die Sauce offen eine gute halbe Stunde köcheln. Da Herr H. noch aushäusig war, würfelte ich Sellerie und Möhren. Übung macht den Meister, inzwischen kann ich das fast schon schneller als er.

Ich erhitzte etwas Olivenöl in einem Topf, briet die Gemüsewürfel einige Minuten an und fügte den Reis und die Brühe hinzu. Nun durfte der Reis 12 Minuten köcheln. Inzwischen waren die Linsen gar. Ich gab sie zum Reis, zog den Topf von der Platte, verrührte alles gründlich und legte ein Geschirrtuch zwischen Topf und Deckel. Dadurch wird der Reis schön körnig.

Ich erhitzte auf der gleichen Platte Frittieröl ca. 3cm hoch in einer weiten Pfanne und gab die Zwiebelringe hinein. Nach knapp 10 Minuten waren sie goldbraun. Ich fischte sie aus dem Öl und ließ sie auf Küchenpapier abtropfen. Herr H. lugte neugierig um die Ecke, ah, endlich wieder Kosheri, freute er sich. Ich pürierte die Tomatensauce mit dem Thai-Basilikum, schmeckte noch einmal ab und servierte.

mejadra 3Fazit: Wir genossen schweigend und Herr H. fragte, direkt nachdem wir aufgegessen hatten, wann es wieder Kosheri gäbe. Von mir aus jeden Tag, entgegnete ich.

Wir haben auch schon eine Joghurtsauce dazu probiert. Mit gefällt die saure Tomatensauce aber eindeutig besser. Das Thai-Basilikum ist beim ersten Kochversuch mehr zufällig in der Sauce gelandet, weil ich keinen frischen Korinader zur Hand hatte. Aber es machte sich dort so umwerfend gut, dass ich es jetzt immer hinein gebe. Auch im letzten Pizzasugo schmeckte es hervorragend!

Ich habe außerdem versucht, die Zwiebeln einfach zu braten, da das Frittieren schon recht geruchsintensiv ist, aber sie werden bei weitem nicht so knusprig. Also öffne ich beim Frittieren einfach das Fenster groß und erfreue die gesamte Nachbarschaft mit köstlichem Zwiebelduft.

Es ist wirklich lange nicht mehr passiert, dass mich ein Gericht, noch dazu ein so schlichtes, dermaßen begeistert, dass ich es ständig essen könnte. Und deshalb ist es ein perfekter Kandidat für Sabines Event „Seelenfutter„.

Frei nach: Das Kochbuch Yotam Ottolenghi