Ein Hauch von Sommer

Endlich, endlich ist es soweit. Jeans und Pullover wurden im Kleiderschrank in die hinterste Ecke verbannt, vorn liegen nunmehr luftige T-Shirts, Tops und kurze Hosen. Gestern hielt mich bereits am frühen Vormittag nichts mehr in den eigenen vier Wänden. Die Sonne strahlte, das Thermometer zeigte schon über 20°C und ich holte flugs das arg vernachlässigte Velo aus Keller. Fast bildete ich mir ein, es vor Freude jauchzen zu hören. Schon ging es raus aus der Stadt an die Elbe. Obwohl ich schon eine ganze Weile keine längeren Strecken mehr geradelt bin, fuhr es sich mühelos und unbeschwert. Die Kilometer flogen nur so vorbei. Den Deich zur Rechten und die Felder zur Linken verschwanden Alltagsproblemchen und Wehwehchen wie von Zauberhand. Die Blüten des Rapses waren von so sattem Gelb, dass ich mich beim Hinschauen beinah geblendet fühlte. Herz, was willst du mehr? Als ich nach der wundervollen Tour wieder zu Hause eintrudelte, stellte ich fest, dass Herr H. bereits in wenigen Minuten ebenfalls heimkehren würde. Über ein mögliches Abendessen hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Wie gut, dass vom Vortag eine gute Portion Pellkartoffeln übrig geblieben war. Der Rest ergab sich ganz von selbst.

Für die „flinke“ Tortilla:

  • 450 – 500 g festkochende Kartoffeln, am Vortag in der Schale gegart, erkaltet, gepellt, in Scheiben geschnitten
  • 1 rote Spitzpaprika, klein gewürfelt
  • 2 frische Chorizo, gehäutet, gewürfelt
  • 3 Eier
  • 50 g Sahne
  • 1 kleine Knobauchzehe, fein gehackt
  • 1 Zwiebel, fein gehackt
  • Olivenöl
  • Manchego, frisch gerieben
  • frischer Thymian nach Belieben, Blättchen gezupft, grob gehackt
  • Salz, schwarzer Pfeffer

Nachdem ich alle Zutaten bereit gestellt hatte, erhitzte ich etwas Olivenöl und schwitzte zunächst Zwiebel, dann Knoblauch darin glasig. Ich gab Paprika und Chorizo hinzu und ließ sie ca. 5 Minuten bei mittlerer Hitze brutzeln. Anschließend briet ich die Kartoffeln kurze Zeit mit, streute den Thymian darüber und goß die mit der Sahne verquirlten Eier, die ich mit Salz und Pfeffer gewürzt hatte, ein. Just als ich die Hitze reduzierte, trudelte Herr H. ein. Er habe bereits im Flur einen köstlichen Duft wahrgenommen, was es denn zum Abendessen gäbe. Tortilla, sagte ich, rieb etwas Manchego über die gestockte Eimasse und schob die Pfanne in den auf 180°C Umluft vorgeheizten Backofen. Nach knapp 20 Minuten war die Tortilla appetitlich gebräunt und herrlich luftig aufgegangen. Die Dinge gingen wir üblich ihren Lauf und endlich konnten wir essen.

Fazit: So frugal das Essen auch wirken mag, so grandios schmeckt es. Leicht scharf, rauchig und herrlich kartoffelig. Eine Tortilla ist zudem schnell gemacht, sollten Hunger groß und Zeit knapp sein. Es ist allerdings wichtig, die Kartoffeln bereits am Vortag zu garen, da sie sich dann wesentlich besser schneiden lassen. Und die Qualität der Chorizo ist für das Gelingen natürlich ebenfalls entscheidend. Ich habe meist einen größeren Vorrat frischer (nicht luftgetrockneter), scharfer Chorizos ohne Farb-, Konservierungs- und sonstiger -stoffe im Tiefkühler, da sie in unserem Geschäft nicht immer verfügbar sind. Sie lassen sich gefroren zudem leichter schneiden und pellen und haben uns schon oft „gerettet“. Für eine vegetarische Variante könnte ich mir geräucherten Scamorza bestens vorstellen. So oder so ist die spanische Tortilla jedenfalls eines unserer liebsten Sommeressen!

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Sie rennt und rennt

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Es ist einfach unglaublich. Schon seit gut zwei Wochen komme und komme ich nicht dazu, diesen Artikel zu schreiben. Woran es liegt? Nun, zum einen mussten Herr H. und ich dringend eine Kurzreise zum Paradies der Radfahrer unternehmen (Link folgt). Mit dem Fahrrad natürlich. Das Wetter war uns freundlicherweise hold und die Berichte hatten ausnahmsweise nicht zuviel versprochen. Aber davon an anderer Stelle mehr. Zum anderen ist das „reale“ Leben plötzlich so prall gefüllt, dass ich froh sein kann, wenn ich es schaffe, Brot und Brötchen zu backen und abends etwas Warmes auf den Tisch zu bringen. Dafür eignet sich das folgende Gericht perfekt. Ist erst einmal alles bereit gestellt, steht das Essen quasi schon auf dem Tisch.

Für den scharfen Tofu mit Frühlingszwiebeln (und Paprika):

  • 250 g fester Tofu, in 2 cm große Rechtecke geschnitten
  • Maisstärke zum Bestäuben
  • Pflanzenöl zum Braten
  • 75 g Butter (ich: ca. 30 g)
  • 175 g kleine Schalotten, fein gehackt
  • 4 rote Chilischoten, in Streifen geschnitten (ich: 1 großzügiger EL Gochujang)
  • 6 Knoblauchzehen, zerdrückt (ich: 1 fein gehackt)
  • 1,5 EL frischer Ingwer, fein gehackt
  • (ich: je 1/2 rote und grüne Paprika, entkernt, in dünne Streifen geschnitten)
  • 1,5 EL süße indonesische Sojasauce (Ketjap manis)
  • 1,5 EL helle Sojasauce
  • 2 EL dunkle Sojasauce
  • 1 EL Zucker
  • 2,5 EL schwarzer Pfeffer, grob gemörsert (ich: 1 knapper EL)
  • 8 dünne Frühlingszwiebeln, in 3 cm lange Stücke geschnitten
  • Reis, gegart, zum Servieren (ich: Basmati)

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Ich wendete zunächst die Tofuwürfel in Maisstärke, briet sie in etwas Erdnussöl allseitig goldbraun und ließ sie auf Küchenkrepp abtropfen. In der gleichen (ausgewischten) Pfanne zerließ ich nun die Butter, schwitzte die Schalotten farblos darin an und gab Knoblauch, Ingwer und Gochujang dazu. Nach kurzem Schmurgeln folgten Paprikastreifen und Frühlingszwiebeln. Nachdem sie al dente gegart waren, gab ich die restlichen Würzzutaten und einen Schluck Wasser hinzu und ließ alles noch etwas sacht köcheln. Derweil hatte der brave Reiskocher, der leider demnächst wieder ersetzt werden muss, da die Beschichtung des Topfes warum auch immer schon wieder so angegriffen ist, dass der Reis stets heftig ansetzt, den Reis gegart. Ich hob die Tofuwürfel unter das Gemüse und erwärmte sie darin. Dann servierte ich alles in vorgewärmten Schalen – Herr H. war höchst erstaunt, dass das Essen tatsächlich in 30 Minuten vor ihm stand. So kann es eben auch einmal gehen.

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Fazit: Warum ich drei Jahre um dieses Rezept herumgeschlichen bin, kann ich mir heute partout nicht erklären. Der milde Tofu fühlt sich in der recht kräftig gewürzten Umgebung pudelwohl und die von mir ergänzten Paprika machen sch bestens dazu. Ein rundum gelungenes, leichtes und  höchst befriedigendes Essen, das in den letzten Wochen hier tatsächlich regelmäßig auf dem Tisch stand. Dabei habe ich einmal den schwarzen durch Szechuan-Pfeffer ersetzt, was jedoch nicht zu Verbesserung des Geschmacks beitrug. So und damit schließe ich diese kurze Rückmeldung. Aber keine Sorge, eine deutliche Verlangsamung der Zeit zeichnet sich am Horizont ab und dann werden wir wohl auch endlich wieder einmal zum Backen kommen. Versprochen!

(Natürlich) aus: Genussvoll vegetarisch Yotam Ottolenghi

Ein ganz anderer Schnack

Rib Eye Asia 1

Fleisch, perfekt gegart, war im Hause H. bislang nur mit einem großen Quentchen Glück zu haben. Und es ist nicht so, dass wir nicht versucht hätten, uns zu informieren. Ein Fleischbuch nach dem anderen wurde akribisch studiert, verschiedene Methoden ausprobiert und die Erkenntnis, die blieb, war, dass ein zuverlässig vorhersagbares Ergebnis nicht möglich zu sein schien. Ich konnte mich langsam nicht des Eindruck erwehren, schlicht zu blöd zu sein. Fleischversteher, das waren die anderen. Und dann erblickte ich kürzlich in der Bücherhalle ein Buch mit dem Titel Perfektion – Die Wissenschaft des guten Kochens Band 1 Fleisch. Noch vor Ort vertiefte ich mich derart in die Lektüre, dass mich erst die Ankündigung der Schließung der Bücherhalle wieder in die Gegenwart zurückholte. Das ist das erste Buch, bei dem ich das Gefühl habe, als Unwissende nicht von oben herab behandelt zu werden. Streng wissenschaftlich und durch zahlreiche Versuchsreihen praktisch belegt, räumt dieses Buch mit allen Halbwahrheiten und Fehlannahmen in Punkto Fleisch auf. Jeder Vorgang, der während der Zubereitung von Fleisch stattfindet, wird so detailliert und nachvollziehbar erklärt, dass zumindest bei mir keine Fragen offen bleiben. Ich habe das Buch inzwischen komplett durchgelesen wie einen spannenden Roman, mir Notizen gemacht und Marker für Nachkochversuche gesetzt. Den Anfang bildete diese „asiatisch“ angehauchte Steak-Gemüse-Pfanne.

Für das Ribeye-Steak:

  • 1 Ribeye-Steak, gut 300 g, knapp 3cm dick
  • 27 g Sojasauce
  • 27 g neutrales Pflanzenöl
  • 10 g Vollrohrzucker
  • 10 g Fischsauce
  • 10 g rote Currypaste
  • 10 g frischer Ingwer, gerieben
  • 1 Knoblauchzehe, zu Paste zerrieben
  • 10 g Limettensaft

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Bislang war ich der festen Überzeugung, dass man Fleisch mindestens 24 Stunden marinieren müsste, damit die Aromaten tief ins Fleisch eindringen können. Im Buch wird erklärt (und durch Versuche belegt), dass, egal, wie lange man Fleisch mariniert, die Aromaten nur maximal 3mm tief ins Fleisch eindringen. Eine einstündge Marinade vor dem Garen und eine 10minütige danach, seien in jedem Fall ausreichend. Die Säure (in diesem Fall der Limettensaft), wird dem zurückbehaltenen Rest der Marinade zugegeben und das Fleisch damit erst nach dem Garen bestrichen, da Säuren nur das Muskelgewebe auf der Oberfläche des Fleisches lockern und daduch die Gefahr besteht, dass das Fleisch an der Oberfläche breiig wird.

Doch zur Praxis. Herr H. verrührte alle Zutaten bis auf den Limettensaft für die Marinade, nahm etwa 1/4 davon ab und stellte es in einem Schälchen beiseite. Dann bestrich er das Steak beidseitig damit und legte es in einen Gefrierbeutel, aus dem er beim Verschließen möglichst viel Luft herausdrückte. Da das Steak noch recht kalt war, ließ er es 1 Stunde bei Raumtemperatur marinieren. Ist es wärmer, gibt man es besser in den Kühlschrank. Nach der Stunde heizte er den Backofen auf 135°C vor, nahm das Steak aus der Marinade und ließ es auf mittlerer Schiene auf dem Rost (mit Fettpfanne darunter) auf ca. 32°C Kerntemperatur garen. Das dauerte ca. 20 Minuten. Anschließend erhitzte er Erdnussöl bei großer Hitze in der Pfanne und briet das Steak beidseitig ca. 1,5 Minuten, bis sich eine appetitlich Kruste gebildet hatte. Er nahm das Fleisch aus der Pfanne, bestrich es beidseitig mit der zurückbehaltenen Marinade, die er mit dem Limettensaft verrührt hatte, deckte es locker mit Alufolie ab und ließ es ca. 15 Minuten ruhen.

Für das pfannengerührte Gemüse:

  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • entsprechend viel Ingwer, fein gerieben
  • 2 kleine Möhren, in Julienne geschnitten
  • 1 rote Spitzpaprika, in Julienne geschnitten
  • 125 g braune Champignons, blättrig geschnitten
  • 1 Frühlingszwiebel, in feine Ringe geschnitten
  • 1 EL Shao Xing
  • 1 EL Austernsauce
  • 2 EL helle Sojasauce
  • 1 TL Limettensaft
  • ca. 50 g Gemüsebrühe
  • wenig (ca. 1/4 TL) in Wasser gelöste Pfeilwurzstärke

Asia Gemüse Serie

Während Herr H. mit dem Steak beschäftigt war, hatte ich zunächst Möhre und Paprika bei hoher Hitze im Wok pfannengerührt. Dann gab ich die Champignons hinzu, garte sie eine kurze Zeit mit, gab Ingwer, Knoblauch und Frühlingszwiebel in den Wok und briet auch sie unter Rühren kurz mit. Nun löschte ich mit Shao Xing, Austern- und Sojasauce ab, ließ alles kurz köcheln, gab Wasser und gelöste Pfeilwurzstärke hinzu (wir sind große Saucenfans, wer das nicht ist, kann den Schritt auch weglassen) und wartete, bis die Flüssigkeit gebunden war. Dann schmeckte ich mit Limettensaft und Salz ab. Herr H. schnitt das Steak quer zur Faser in dünne Scheiben und bemerkte verwundert, dass kaum Flüssigkeit austrete. Ich richtete alles (den Reis hatte wie üblich der brave Reiskocher gegart) auf vorgewärmten Tellern an und konnte es kaum erwarten, vom Steak zu kosten.

Rib Eye Asia 4

Fazit: Was für ein Genuss! Das Steak war superzart, perfekt gewürzt und mit Sicherheit eines der besten Steaks, die ich je in meinem Leben gegessen habe. Mit den pfannengerührten Rindfleischstreifen, die ich bislang produziert habe, eher grau und zäh, hatte dieses Fleisch so gar nichts gemein. Ein ganz anderer Schnack eben. Das Steak fühlte sich zudem in Gegenwart von pfannengerührtem Gemüse und Reis pudelwohl und war leider, leider viel zu schnell vertilgt. Herr H. merkte an, dass wir durchaus noch ein zweites Steak hätten zubereiten können. Satt geworden war er trotzdem. Der erste Nachkochversuch aus diesem Buch war, wie sein Titel vollmundig ankündigt, in der Tat perfekt und ich bin schon sehr gespannt, was die nächsten Rezept bieten werden.

„Entfischt“

Fischsuppe 3Als ich kürzlich bei Marco/ myfoodprints die Bilder des Tsukiji Fischmarks sah, wurde mir, zugegeben neben der Faszination, die sie auslösten, einmal mehr bewusst, welch unglaubliches Raubtier der Mensch eigentlich ist. 700 000 Tonnen Fisch werden pro Jahr allein dort umgesetzt. Eine absolut unvorstellbare Menge. Für mich zumindest. Es ist nicht so, dass ich keinen Fisch mag, aber da es ziemlich schwierig ist, hier „nachhaltig“ und „verantwortungsbewusst“ gefischten Fisch zu bekommen, halte ich mich beim Verzehr lieber zurück. Und muss dennoch nicht verzichten. Weniger ist auch hier mehr. Diese „Bourride“ wird zwar traditionellerweise mit mindestens drei Arten von weißfleischigen Fischen angereichert und stets mit Aioli gebunden. Da ihr Geschmack jedoch hauptsächlich vom (zugegebenen) Fond lebt, ist es durchaus möglich, sie mit geringerer Fischeinlage zu servieren, dachte ich mir und probierte es aus.

Für die „entfischte“ Bourride:

  • Olivenöl zum Braten
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 1 TL Fenchelsamen, angestoßen
  • Fenchelabschitte
  • 1 Stück Lauchstange, weißer Teil (ca. 100 g), in Ringe geschnitten
  • 2 kleine Tomaten, geviertelt
  • 1 Lorbeerblatt
  • etwas getrocknete Orangenschale
  • 100 g Weißwein
  • 500 g Fischfond
  • 1 Streifen Lachs (125 g)
  • 6 Riesengarnelen
  • 1 Pr. Safran
  • 2 EL Aioli*
  • Petersilie nach Belieben
  • Brot (dieses passte perfekt)
  • 1 Fenchelknolle, geputzt, halbiert, in Steifen geschnitten, in Olivenöl abgedeckt gar gedünstet, ca 15 Minuten

zutaten serieHerr H. schitzte Schalotte, Knoblauch und Fenchelsamen kurz in Olivenöl an, gab Lauch, Tomaten, Fenchelabschnitte und das Lorbeerblatt hinzu und goss den Weißwein an. Nachdem er um ca. die Hälfte reduziert war, gab er den Fischfond hinzu und ließ alles abgedeckt ca. 20 Minuten köcheln. In der Zeit bereite ich die Aioli vor. Siehe unten. Herr H. gab die fertige Suppe durch das feine Sieb, brachte sie erneut zum Kochen und reduzierte die Temperatur auf ein leichtes Sieden. Er gab Lachs, Garnelen und Safran in die Suppe, ließ sie 4 Minuten darin ziehen. Dann legte er sie auf einen vorgewärmten Teller und stellte sie bei 50°C im Backofen warm. Ich verrührte 2 EL Aioli mit einer Kelle Suppe, gab die Mischung unter Rühren zurück in die Suppe und ließ sie weitere 5 Minuten sacht sieden (sie darf nicht kochen!), bis sie anzudicken begann. Ich schmeckte mit Salz und weißem Pfeffer ab, füllte sie in vorgewämte Schalen und legte Lachsstückchen, Garnelen und Fenchelstreifen ein. Etwas Petersilie darüber. Et Voilà.

Für die Aioli:

  • 1/2 halbe Knoblauchzehe, zu feiner Paste zerrieben
  • 1 Eigelb, raumtemperiert
  • 1 TL Zitronensaft
  • 1 Pr. Salz
  • 75 g Öl (ich: Maiskeimöl und Olivenöl halb und halb)

aioli serieIch gab das Eigelb mit Knoblauch, Zitronensaft und Salz in eine kleine Schale und schlug alles mit dem Handrührgerät weißschaumig auf. Dann gab ich unter Rühren das Öl erst tropfenweise, dann in einem feinen Strahl hinzu und schlug weiter, bis eine dicklich-cremige Masse entstanden war. Diese schmeckte ich erneut mit Salz und Zitronensaft ab. Köstlich!

Fischsuppe 7Fazit: Auch in der „entfischten“ Version schmeckte uns die Suppe ganz vorzüglich. Safran, Fenchel und Aioli gaben ihr ein ganz spezielles Aroma. Die Schalen waren wie üblich viel zu schnell geleert. Auch der hineingeschmuggelte Fenchel machte sich bestens und ich bin sehr überrascht, wir oft hier in letzter Zeit Suppen auf dem Speiseplan stehen, wo ich doch noch vor einem Jahr felsenfest überzeugt war, cremige Suppen nicht als mahlzeittauglich zu erachten. So kann man sich irren und ändern. Man darf gespannt sein, wohin das noch führen wird.

Aus: (recht frei) Lieblingssuppen und knusprige Beilagen Janneke Philippi

Tage wie diese

Pasta e Fagioli 1Verschlafen! So ein Mist. Herr H. wälzt sich hektisch aus dem Bett, absolviert die Morgenroutine noch im Halbschlaf und sprintet zur Bahn. Zu Spät. Natürlich. Im Büro verkündet der missgelaunte Chef, dass es drastische Budgetkürzungen geben werde. Die Anrufe besorgter Kunden häufen sich. Endlich Feierabend. Auf dem Nachhauseweg, natürlich regnet es, tritt er in einen schon zertretenen Haufen. Die Bahn ist wie üblich um diese Zeit gerappelt voll. Zwischen feuchten Mänteln, abgestandenen Parfum- und Rauchwolken harrt er aus. An lesen ist nicht zu denken. Seufzend betritt er die dunkle Wohnung. Keiner da. Erst wenige Minuten später trudele ich ähnlich geschafft ein. Und jetzt? Zum Glück erinnere ich mich an das perfekte Rezept für diese Gelegenheit.

Für die Bohnensuppe mit Pasta:

  • 150 g getrocknete Cannelinibohnen, über Nacht eingeweicht (oder eine Portion vorausschauenderweise vorgekochter aus dem TK oder 1 Dose)
  • Olivenöl
  • einige Scheiben italienischer roher Schinken, möglichst auch ein Stück mit Knochen, in Stücke geschnitten oder 1 Stück Speck, gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt oder in Scheiben geschnitten
  • 5 Kirschtomaten, halbiert
  • (ich: 125 g braune Champignons, blättrig geschnitten, mussten weg)
  • 500 g Rinder- oder Hühnerbrühe (oder Gemüsebrühe)
  • 150 g gemischte kleine getrocknete Pasta
  • 1 EL frisches Basilikum
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Olivenöl zum Beträufeln
  • 1TL fein gehackte Chili, nach Belieben
  • (ich: Parmesan nach Belieben)

zutaten serieIch pürierte die Hälfte der abgewaschenen Bohnen, während Herr H. erst Speck, dann Champignons und Knoblauch einige Minuten in Olivenöl anbriet. Ich gab Tomaten und Brühe hinzu und brachte alles zum Kochen Herr H. mengte die pürierten und ganzen Bohnen, etwas Salz und die Pasta unter und ließ alles unter gelegentlichem Rühren ca. 10 Minuten köcheln, bis die Pasta al dente war. Die kurze Zeit reichte aus, um die Küche mit köstlichstem Suppenduft zu füllen und den Tag kurz Revue passieren zu lassen, bevor wir einen Mantel des Schweigens über ihn breiten konnten. Ich schöpfte die fertige Suppe in zwei Schalen, bestreute sie mit Basilikum, Chili und Käse (im Rezept wird Chili statt Käse verwendet) und in nicht einmal einer halben Stunden war das Abendessen fertig.

Pasta e Fagioli 5Fazit: Nachdem wir die Schalen wohlig schweigend geleert hatten, sahen wir uns verblüfft an. Was für eine unglaublich einfache, schnell gemachte und doch überaus köstliche Suppe! Absolut perfekt für Tage, an denen man eigentlich besser im Bett geblieben wäre, befand Herr H. und natürlich konnte ich ihm nur zustimmen. Wir haben die Suppe inzwischen mehrmals gekocht und waren jedes Mal genauso begeistert wie beim ersten Probieren.

Aus: Pasta Antonio Carluccio

 

It’s a kind of magic

pasta mit spinatbällchen 4Die arme alte Zucchini spielte bislang in meiner Küche eher eine Nebenrolle, ja, man könnte fast sagen eine Statistenrolle. Unter ferner liefen durfte sie gestückelt oder gescheibelt das ein oder andere Gemüse-Potpourri ergänzen. Dabei hielt sie sich stets so vornehm zurück, dass man sich nach dem Essen nie bewusst erinnern konnte, ob sie überhaupt mit von der Partie gewesen war oder nicht. Ich probierte zarte, winzige Zucchini, größere und riesige, die man zudem noch von den Kernen befreien musste, doch das kulinarische Hochgefühl wollte sich beim Verzehr von keiner von ihnen einstellen. Fast glaubte ich schon, es müsse an mir liegen. Vor ein paar Tagen jedoch hatte ich dann DAS Zucchini-Offenbarungserlebnis. Auf diese Art zubereitet entfaltete sich endlich das ganze Potential der bescheidenen Frucht. Und es war zudem so einfach!

Für die Spinatbällchen (ergibt 10 – 12 walnussgroße):

  • 300 g junger Spinat (TK funktioniert auch)
  • 1 mittelgroßes Ei, verquirlt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • etwas frisch geriebener Muskat
  • 25 g frische Semmelbrösel (oder Panko, leicht gemörsert)
  • 25 g Parmesan, gerieben (oder alter Caciocavallo)
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Olivenöl zum Braten

spinatbällchen serieIch gab den tiefgefrorenen Spinat in reichlich kochendes Salzwasser und ließ ihn 3 – 4 Minuten blanchieren. Dann schreckte ich ihn im Sieb in Eiswasser ab, drückte ihn aus und ließ ihn gründlich abtropfen. Herr H. vermengte die übrigen Zutaten in einer Schüssel, gab den abgekühlten, abgetropften (er sollte wirklich nicht mehr viel Wasser enthalten) Spinat hinzu und vermengte alles von Hand. Nachdem er die Masse mit Salz, Muskat und Pfeffer abgeschmeckt hatte, formte er walnussgroße Bällchen daraus, briet sie rundherum in Olivenöl goldbraun und stellte sie warm.

Für die Zucchinisauce:

  • Olivenöl zum Braten
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 kleine rote Peperoni, entkernt und fein gehackt
  • 200 – 300 g Zucchini, geraspelt
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Parmesan oder alter Caciocavelli, fein gerieben nach Belieben
  • Pasta (große Penne oder Mezzi Rigatoni) nach Belieben

sosse serieNachdem die Spinatbällchen fertig waren und die Pasta knapp al dente gegart, erhitzte ich das Öl bei mittlerer Temperatur, briet Knoblauch und Peperoniwürfel kurz darin an (der Knoblauch darf nicht bräunen, da er ansonsten bitter wird) und gab die Zucchiniraspeln hinzu. Nach 3 Minuten Rührbratens mischte ich die abgetropfte Pasta unter und schmeckte mit Salz und Pfeffer ab. Herr H. richtete die Pasta mit den Spinatbällchen auf vorgewärmten Teller ab, gab etwas Käse darüber und trollte sich damit „ins Studio“.

pasta mit spinatbällchen 3Fazit: Ich hatte mir beim ersten Lesen des Rezepts nicht einmal ansatzweise vorstellen können, wie umwerfend gut diese absolut schlichte Zucchini-„Sauce“ schmecken würde. Knoblauch, Peperoni und Olivenöl unterstreichen ihren sanft nussigen Geschmack perfekt, so dass sie für einmal ganz und gar im Rampenlicht stehen konnte. Die knusprigen Spinatbällchen rundeten alles wunderbar ab und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich Zucchini von nun an nicht mehr anders zubereiten werde. Auch Herr H. äußerte nach dem Essen vollste Zufriedenheit und plädierte für die Aufnahme in den wöchentlichen Speiseplan und das soll bei einem vegetarischen, sprich wurstlosen Gericht schon etwas heißen.

Aus: Pasta Antonio Carluccio

Gastbeitrag: Spuren von Verwahrlosung

lachs und kartoffelsalat 3

Die Kochpoetin ein paar Tage mit der Mischpoke in der Sommerfrische und Herr H. allein zu Haus. Normalerweise ereigneten sich in solchen Zeiten seltsame Dinge im Hause H. Am Morgen tauchten eigenartige Kleiderhaufen an merkwürdigen Orten auf, irgendwer hat aus unerfindlichen Gründen leere Hüllen BIFI-Roll in der Wohnung verteilt, warum lief der Fernseher noch, wo kamen die „King of Queens“-DVD’s her und warum stand der Klodeckel offen? Völlig unerklärbar. Dieses Mal passierte nichts dergleichen. Außer, dass Eva heute bei Ihrer Rückkehr feststellen wird, dass Ihr kleiner, bestbewachter Schatz im TK einem kleinen kulinarischem Experiment zum Opfer fiel. Ihr Bio-Lachsfilet, fast schon ein Familienmitglied und so teuer wie ein Stück vom Koi-Karpfen. Das gibt Ausmecker!

Für den eingekochten Lachs:

  • 600 g dickes Lachsfilet
  • 1 unbehandelte Zitrone in Scheiben
  • 3 Lorbeerblätter
  • 1 Zwiebel in Scheiben (ich: 1 Schalotte)
  • 1 EL Salz
  • 45g Zucker
  • 5 ganze Pfefferkörner

lachs einkochen serie

Ich kochte 1 Liter Wasser mit den Zitronen, Schalotten, Lorbeer, Salz, Zucker und Pfefferkörnern auf und goss den Sud schwungvoll über den Lachs, der in ca. 2cm dicken Scheiben in einer ofenfesten Auflaufform seinem Schicksal harrte. Der Lachs erblasste vor Schreck schlagartig und ich deckte die Form mit einem Teller ab, ließ den Fisch durchziehen und abkühlen.

Für den Kartoffelsalat vom Blech:

  • 1kg neue Kartoffeln  (ich: 500g)
  • 3 Knoblauchzehen
  • 1 Dose Artischockenherzen (400g)
  • 100ml Olivenöl (ich: 30g )
  • 1 Handvoll Basilikumblätter, gehackt

kartoffeln serie

Ich hackte die Artischocken grob und verteilte sie auf einem leicht eingeöltem Backblech. Die Kartoffeln habe ich 7 Minuten lang vorgegart, in 1 cm dicke Scheiben geschnitten und mit dem dünn geschnitten Knoblauch auf diesen verteilt. Dann habe ich alles mit etwas Öl -nicht ersaufen- beträufelt und ca. 1 EL für das Dressing zurückbehalten. Das Vorgaren hätte ich mir schenken können, denn die Kartoffeln kamen nun in den auf 200°C vorgeheizten Ofen, obere Schiene, bis sie schön braun waren. Das sollte auch mit rohen Kartoffeln klappen.

Für das Dressing:

  • ½ EL grobes Salz
  • 60g Mandeln
  • abgeriebene Schale von 2 unbehandelten Zitronen (ich: 1 Zitrone)
  • Saft von 1 Zitrone (ich ½ Zitrone)
  • 2 TL flüssiger Honig

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Ich habe die Mandeln im sich aufheizenden Backofen geröstet, sie anschließend grob gehackt und mit Zitronenabrieb, -saft, Salz und Honig verrührt. Vorsicht mit dem Zitronensaft, beim nächsten Mal würde ich ihn nach und nach einrühren und immer mal wieder abschmecken. Das Dressing wird sonst ganz schnell zum Muultrecker. Die noch heißen Kartoffeln wurden mit dem Dressing übergossen und durften noch eine Weile durchziehen. Ich musste ja noch die Fotosession vorbereiten. All set up! Ich habe den Kartoffelsalat und den nun fast lauwarmen Lachs angerichtet, das Basilikum gehackt, welch Frevel, und den Salat damit bestreut. Schnell waren die Bilder gemacht und ich durfte endlich probieren.

Hinweis: Ich habe die Mengen aus dem Originalrezept angegeben, auf den Fotos sieht man natürlich nur die halbe Menge.

lachs und kartoffelsalat 1

Fazit: Ich war unsicher, ob dem Lachs diese ungewöhnliche Zubereitungsart gerecht werden würde? Außerdem bin ich kein Freund von halbgarem Kochfisch, doch ich wurde angenehm überrascht. Butterweich war der Fisch, mit einer frischen, leicht säuerlichen Note und hatte irgendwie den „pure taste“. Der Kartoffelsalat harmonierte mir seinen nussigen und zitronigen Aromen sehr gut und brachte zusätzliche Röstaromen in das Gericht. Normale Bratkartoffeln mit den angegebenen Zutaten vermischt hätten auch geschmeckt. Ich werde dieses Gericht wohl noch einmal zubereiten, um Eva den Verlust des Fisches etwas leichter zu machen.

Wie schrieb die Autorin scherzhaft zu diesem Gericht: „Es könnte der Anfang von etwas ganz Neuem, etwas sehr Spannendem sein“. Q.E.D.

Aus: Komm Du Mir Nach Hause – Das Kochbuch für die perfekte Ehefrau  😦  Lotta Lundgren