La Cremosa

Eine cremige Blumenkohlsuppe hatte Herr H. sich ausgesucht. Ausgerechnet! Cremesuppe, Blumenkohl. Dennoch hatte ich brav alle Zutaten nebst Blumenkohl dafür besorgt, die Zubereitung jedoch Abend für Abend aufgeschoben. Da war zum einen die Angst, von so einem leichten Cremesüppchen nicht satt zu werden und zum anderen natürlich meine latent immer noch vorhandene Abneigung gegenüber dem krausen Kopf. Am Sonntag Abend waren mir dann leider alle Ausreden ausgegangen und es ging dem Kopf an den Kragen. Meine Befürchtungen konnte ich plötzlich locker in den Wind schlagen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie anpassungsfähig der Mensch ist. Bei mangelnder Sättigung gäbe es halt einfach noch eine Scheibe Käsebrot und dank des nicht mehr ganz so neuen Atomisierers würden definitiv keine Konsistenzprobleme auftauchen. Also machten wir uns mutig ans Werk.

Für die cremige Blumenkohlsuppe:

  • 500 g Blumenkohl (samt Strunk), gestückelt
  • 15 g Weißwein
  • 10 g Butter
  • 250 g Gemüsefond
  • Salz
  • 25 g Sahne (ich: 100 g)

Im Rezept werden die Blumenkohlröschen vor dem Kochen blanchiert. Da sich mir der Sinn dieses Vorgangs nicht erschloss, gab ich schlicht Butter und Wein in einen Topf, ließ beides etwas einkochen und gab Blumenkohl, Fond und Sahne hinzu. Nach 10 Minuten sanften Köchelns war der Blumenkohl perfekt gegart. Ich gab den Inhalt des Topfes in den Mixbecher und ließ ihn ca. 2 Minuten auf höchster Stufe laufen. Danach war eine dermaßen glatte, cremige Suppe entstanden, wie ich sie mit dem Stabmixer noch niemals hinbekommen habe. Die Konsistenz war perfekt „suppig“, nicht zu dick, nicht zu dünn. Ich schmeckte mit wenig Salz ab und gab sie zum Warmhalten zurück in den Topf. Beim Abschmecken musste ich zudem feststellen, dass die angegebene Sahnemenge tatsächlich ausreichend ist. Man lernt nie aus.

Für das Blumenkohl-Zitrusfrüchte-Ragout:

  • ca. 100 g Blumenkohl, fein gehackt
  • 20 g rote Zwiebel, fein gehackt
  • Olivenöl zum Anschwitzen
  • 3 – 4 Orangenfilets, gewürfelt
  • 1 rosa Grapefruitfilet, gewürfelt
  • 1 TL Kapern, fein gehackt
  • eine handvoll Korianderblätter, in Streifen geschnitten
  • Salz

Ich schwitzte die Zwiebeln bei milder Hitze farblos an, gab den gehackten Blumenkohl hinzu und ließ beides ca. 5 Minuten offen schmurgeln. Dann gab ich Zitrusfruchtwürfel, Kapern, wenig Salz und Koriander hinzu und vermengte alles vorsichtig. Einen Schönheitspreis gewann diese Mischung zwar nicht, geschmacklich war sie hingegen top. Ich stellte sie bis zum Anrichten gemeinsam mit den Tellern warm.

Für das Finish:

  • einige Scheiben Blumenkohl, ca. 2 mm
  • Öl zum Frittieren
  • 2 Orangenfilets
  • 4 Kapern mit Stiel
  • Senföl (5 g Pommery-Senf und 25 g Olivenöl auf 50°C erwärmt, einen Tag ziehen gelassen)

Ich erhitzte das Frittieröl auf 180°C und gab die Blumenkohlscheiben hinein. Sie begannen recht schnell zu bräunen, wurden jedoch leider nicht so knusprig wie erhofft. Beim nächsten Mal würde ich sie schlicht in der Pfanne braten. Herr H. hatte derweil das Ragout mit Hilfe eines kleinen (5,5 cm) Dessertrings mittig auf den Tellern angerichtet und die Suppe vorsichtig angegossen. Ich richtete den frittierten Blumenkohl, die halbierten Kapern und den Koriander darauf an und träufelte abschließend wenig Senföl auf die Suppe. Das sah schon einmal recht vielversprechend aus.

Fazit: Wir beide waren vom ersten Löffel an gleichermaßen begeistert. Von der fein cremigen Konsistenz der Suppe, die einen wunderbaren Gegensatz zur eher bissfesten Textur des Ragouts bildete oder eben umgekehrt. Geschmacklich überzeugte die Harmonie von Kapern, Blumenkohl und Koriander und der spannende fruchtig-saure Gegenpart der Zitrusfrüchte. Wider Erwarten wurden wir beide so satt, dass später nur noch eine halbe Scheibe Käsebrot zurate gezogen werden musste. Daumen hoch!

Aus: Schnittlauch statt Petersilie Anna Matscher

Frau Bushcook hat übrigens eben diese Suppe bereits im vergangenen November gekocht und für ebenso gut befunden

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28 Gedanken zu „La Cremosa

    • Danke, Friederike.
      Hm. Leuchtet mir immer noch nicht ein. Der Kohl wird doch gut 10 Minuten gekocht oder ist es, weil beim Blanchieren Stoffe ausgeschwemmt werden und das Wasser weggeschüttet? Auf jeden Fall soll er im Gegensatz zu anderen Kohlsorten leicht verdaulich sein.

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      • Genau so ist es: beim Blanchieren werden gewisse Enzyme deaktiviert (beim Blumenkohl wird dadurch eine Braunverfärbung gestoppt und intensiv «kohlige» Geschmacksstoffe eliminiert), sowie unerwünschte Verunreinigungen entfernt, die durch blosses Waschen nicht beseitigt werden können (bei Pilzen gewisse Schadstoffe).
        Bei grünem Gemüse resultiert dies in leuchtender Farbe.

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      • Danke für die Info, Felix. Aber beim Kochen mit Sahne passiert doch das Gleiche? Warum vorher zusätzlich blanchieren? Egal. War auch so gut. :-)

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      • … müsste jetzt eigentlich nach Evas Frage weiter unten stehen, geht aber nicht…
        Beim Blanchieren bleiben diese Verunreinigungen/unerwünschten Stoffe im Wasser und werden weggeschüttet. Beim Kochen in Sahne bleiben sie in der Sahne.

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  1. Ganz wunderbar! Klingt auch so, als könnte man das Süppchen gut vorbereiten, oder? Ich klau dir das Rezept, denn Kohlrezepte in jeder Art sind gerade in dieser Jahreszeit sehr willkommen.

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    • Das kann man. Frau Matscher serviert das Ragout auch kalt und die Suppe kann man ganz sicher wieder aufwärmen, ohne das sie leidet. Bei uns gibt es derzeit mindestens zwei Mal pro Wochen Pasta-Rosenkohl-Champignons-Speck-Taleggio-Gratin mit Bechamel – soooo gut. Leider optisch problematisch…

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  2. Sehr raffiniert! Ich bin begeistert! Ich als Suppenkasperin würde am liebsten gleich in die Küche gehen und diese Suppe und insbesondere das superlecker klingende Ragout zubereiten. Mal sehen, ob ich meinen Liebsten überzeugen kann ;-) . Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und endlich Gesundheit!
    Liebe Grüße Maren

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  3. Ich liebe ja Blumenkohl in allen Varianten, und diese Suppe hat mich schon bei Frau Bushcook angelacht. Bei Dir ist sie übrigens besonders schön angerichtet.
    Und was den Hunger angeht: bei uns gibt es zu Suppe meist noch etwas Baguette oder anderes Brot ;-).

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  4. Wie beruhigend, dass „Macht das auch satt?!“ gepaart mit der (unvermeidlichen) Anschlussfrage „Magst Du auch noch ein Brot?“ nicht nur bei uns regelmäßig debattiert wird… ;D. Ich hielt uns schon für verfressen…
    Das Fruchtragout klingt tatsächlich nach einer großen Bereicherung für einen Kohl, der hier ähnlich wenig hoch im Kurs steht. Vielleicht ist es mal einen Versuch wert! Aber zuerst: die Schnecken :D!

    Herzlich: Charlotte

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    • Naja. So eine Suppe ist sicher als Teil eines Menues gedacht. Deshalb war ich unsicher. Aber da wir momentan beide keinen Sport machen dürfen, passt das schon. Ansonsten – eben – bei Hunger Brot!
      Hoffe, die Schnecken sind gelungen?
      Liebe Grüße,
      Eva

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      • Kein Sport? Was ist da los?
        Ja, sind sie – und frisch aus dem Ofen waren sie toll. Danach mussten sie sich – geschmacklich und konsitenziell – allerdings Sarah Owens‘ Sauerteigschnecken geschlagen geben – die können on the long rund definitiv mehr.

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      • Tja, es ist zur Zeit einfach der Wurm drin. Ist das eine ausgestanden, steht das nächste Wehwehchen schon auf der Matte. Ich werde es vermutlich am Samstag mal wieder mit einem Lauf probieren. Und zur Frischhaltung kann ich leider nix sagen. Ich friere sowas immer gleich nach dem Erkalten ein und dann ist es quasi beim Auftauen immer frisch. :-)

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  5. Blumenkohlsüppchen liebe auch ich mit etwas Fruchtigem, bei mir sind es meistens Birnen. Mit Zitrusfrüchten stelle ich mir das ebenfalls lecker vor.
    Darf ich anmerken: bei den «Kapern mit Stiel» handelt es sich um Kapernäpfel, also die Früchte des Kapernstrauchs. Die sonst gebräuchlichen Kapern sind die ungeöffneten Blütenknospen.

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  6. Ah die Frau Matscher, an der bin ich auch grade dran. Die Suppe ist klasse, vor Allem weil sie ohne Kartoffeln auskommt was selten der Fall ist bei Cremesuppen, wie ich immer wieder feststellen muß. Und ich mag Blumenkohl…

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