Handfeste Verlockung

Es ging in letzter Zeit eher ruhig hier auf dem Blog zu. Das lag absolut nicht daran, dass ich nicht mehr kochen und backen würde, allein es gab nicht viel Neues zu berichten. Nachdem wir bereits so viele verschiedene Rezepte, Zubereitungsarten und Dinge ausprobiert haben, greifen wir im Alltag gern darauf zurück. Wir müssen nicht mehr unbedingt an jedem Abend oder Wochenende neue kulinarische Horizonte auftun. Ich habe für mich entschieden, dass ich nur noch das verblogge, was mich wirklich nachhaltig begeistert, sprich was ich so oder so ähnlich immer wieder zubereiten würde. Ich hoffe, dass mir derlei in Zukunft wieder häufiger unterkommt, aber versprechen kann ich nichts. Den Anfang macht auf jeden Fall dieses schlicht anmutende Kotelett, dessen Einzug in unsere Küche wir Herrn H. neuem Heimweg verdanken, der ihn nun quasi direkt am Feinkostgeschäft vorbei führt. Eine ewige Verlockung…

Für das Schweinekotelett:

  • 2 Schweinekoteletts mit Knochen und Fettrand
  • je 1 Zweig Rosmarin und Thymian
  • 1 Knoblauchzehe, geschält, in dicke Scheiben geschnitten

Da unsere Koteletts in einem Stück kamen, schnitt ich sie als erstes zwischen den Knochen ansetzend in Scheiben. Herr H. hatte derweil den Backofen auf 80°C vorgeheizt. Ich legte die Koteletts auf den Rost und schob ihn über der Fettpfanne in den Backofen. Nach ca. 40 Minuten hatten die Koteletts eine Kerntemperatur von 52°C. Ich nahm die Koteletts aus dem Backofen und stellte sie mit der Fettseite aufrecht in eine auf knapp mittlere Hitze aufgeheizte Pfanne ohne weitere Fettzugabe. Nun brauchte es etwas Geduld. Herr H. und ich wechselten uns mit dem Aufrechthalten der Koteletts ab, zwei von ihnen wollten leider nicht allein stehen. Während Herr H. sie hielt, bereitete ich rasch den Rest des Essens vor. Siehe unten. Nachdem ca. die Hälfte des Fetts geschmolzen und sich eine appetitliche Kruste gebildet hatte, briet ich die Koteletts noch einzeln von beiden Seiten an und legte sie auf vorgewärmte Teller.

Für den Chicorée und das Finish:

  • 1 weißer Chicorée, Strunk entfernt, in feine Streifen geschnitten
  • 1 roter Chicorée (oder ein länglicher Radicchio), Strunk entfernt, in feine Streifen geschnitten
  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 20 g Butter
  • 2 Stiele Estragon
  • 150 – 200 g Kefir
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Kartoffeln in der Schale gegart, gepellt, nach Belieben
  • Estragonöl zum Anrichten

Ich ließ die Butter in der Wokpfanne aufschäumen und schwitzte die Schalotte farblos darin an. Nun gab ich den Radicchio hinzu und ließ ihn einige Minuten garen. Dann gab Herr H.  den Chicorée ebenfalls in die Pfanne. Nach einer Minuten füllte ich das Gemüse in eine Schüssel, würzte mit Salz, Pfeffer und 1 – 2 TL Estragonpüree (übrig von der Ölherstellung) und goss den Kefir an. Nach dem Umrühren stellte ich fest, dass ein weiterer Schluck nicht schaden würde. Gedacht, getan. Das fertige Gemüse durfte nun im ca. 60°C warmen Backofen parken. Herr H. hatte derweil die Kartoffeln gekocht und anschließend gepellt. Endlich konnten wir essen. Doch nein. Da wir ein wenig eingerostet waren, vergaß ich, dass ja noch ein Fototermin aus stand. Also reichte ich den angerichteten Teller ins Studio und räumte wie üblich auf.

Fazit: Ich muss gestehen, dass ich mich nicht erinnern kann, je ein Schweinekotelett mit Knochen gekostet zu haben, umso gespannter war ich. Der erste Bissen inklusive Fettrand war ein absolute Offenbarung. Selten habe ich so delikates Fleisch genossen. Der leichte Bitternote von Chicorée und Radicchio passten wunderbar zum eher süßem Schweinefleisch und der frische, cremige Kefir rundete sie perfekt ab. Welch‘ Hochgenuss. Wieder einmal fielen im Laufe des Essen wenige Worte, dafür hörte man gelegentlich ein behagliches Brummen. Ein schöneres Kompliment für ein gelungenes Essen gibt es kaum!

Frei nach: Regional mit Leidenschaft Andi Schweiger

Eine gelungene Rezension und weitere Rezepte gibt es hier bei Susanne/ Magentratzerl

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12 Gedanken zu „Handfeste Verlockung

  1. Schwein oder Kalb – die Frage stellt sich mir hier nicht mehr, denn in Thailand gibt es kein Kalbfleisch (will sagen: alles ist Kuh, auch das gewesene, weibliche Rind wird erst viiiel später als Kuh geschlachtet…).
    Aber auch schon früher, als ich noch in westlichen Ländern weilte, als das Kalbfleisch möglichst hell gezüchtet wurde, habe ich mich eher für ein Schweinekotelett entschieden!

    • Ich kann dir nur zustimmen, Milchkalb (oder Lamm oder Spanferkel) muss ich nicht unbedingt haben, mag der Geschmack auch noch so „fein“ sein. Es kommt mir seltsam vor, Tiere so jung zu schlachten. Aber solange die Nachfrage besteht…

  2. Hey kann dich ganz gut verstehen, mir geht es auch manchmal so. Dann denke ich du kannst doch nicht alles 20x posten. Und meine Tochter sagt immer du kochst so viele tolle Sachen, aber ich bekomme sie immer nur einmal zu essen…..Aber dein Kotelett und der Chicorée sieht mega lecker aus. Habe euch auch vermisst! Schön etwas von euch gehört und gesehen zu haben. LG Malou

    • Danke, Malou. Bei uns gibt es tatsächlich einige Gerichte, die jede Woche wieder auf dem Tisch stehen. Unter der Woche bin ich stets sehr froh, wenn ich nicht darüber nachgrübeln muss, was es geben soll. Am Wochenende darf es dann natürlich gern auch etwas Neues sein. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Das Einfache, das so gut ist… ach ja :)! Überhaupt ist der Wert eines ordentlichen Fleischereifachgeschäfts nicht zu unterschätzen! Da bin ich ganz bei Euch – auch, was das Bloggen-nur-bei-Wiederholungsgefahr betrifft. Also: Feuer frei!

    • Wobei auch das komplexe durchaus seinen Reiz hat. Das haben wir gerade gestern Abend wieder einmal erfahren dürfen, es gab zwar dadurch erst spät Essen, aber es war umwerfend gut – und natürlich werde ich berichten. 😉

  4. Da hat Herr H. ja einen tollen Heimweg – so ein schönes Stück Fleisch.
    Und Andi Schweiger ist ein wirklich genialer Koch; ich muss dringend dieses Buch wieder aus dem Regal ziehen, sobald ich wieder mehr Luft habe.

    • Und es ist zum Glück nicht nur der Weg, der sich deutlich verbessert (und verkürzt) hat. Eine wirklich gute Veränderung. Aus dem Buch machen wir auch sicher noch mehr. 🙂

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