Die zweite Chance

Es gibt kaum ein anderes Gemüse, mit dessen Verwendung ich mich so schwer tue, wie den guten alten Blumenkohl. Eine Weile hatte er hier sogar Hausverbot. Dabei mag ich ihn durchaus. Nur weiß ich einfach meistens nicht, was ich mit ihm veranstalten soll. Da ich kein Unmensch bin, bekam er kürzlich eine zweite Chance. Die hat bei mir jeder gut. Bloß was tun mit dem großen Kopf? Sicher, im Ofen knackig geröstet macht er sich vorzüglich, genauso wie als feine Creme. Aber es muss doch noch mehr Verwendungsmöglichkeiten geben, dachte ich mir und wurde zum Glück schnell fündig. Ein Curry, echte Liebhaber der indische Küche mögen ob der fertige Gewürzmischungen vielleicht die Nase rümpfen, aber wenn es einmal schnell gehen soll, spricht für mich nichts dagegen, auch einmal so zu verfahren. Dogmatismus war noch nie wichtig für mich.

Für das Curry mit Blumenkohl, Kartoffeln, Kichererbsen und Erbsen:

  • 1 EL mildes Currypulver
  • 1 TL Garam Masala
  • 200 g Pelati, zerdrückt
  • Öl zum Braten
  • 1 Zwiebel, fein gewürfelt
  • 170 g rote Kartoffeln, geschält, in 1 – 1,5 cm Würfel geschnitten
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 TL Ingwer, fein gehackt
  • 1 Serrano-Chili, entkernt, fein gehackt (ich: zwei getrocknete, entkernt, mit 1/2 TL grobem Meersalz fein gemahlen)
  • 1 TL Tomatenmark
  • 150 g Wasser
  • 1/2 Kopf Blumenkohl (ca. 250 g), in Röschen geschnitten
  • 200 g Kichererbsen (Dose) (ich: 100 g, gehäutet)
  • 100 g Erbsen (TK-Ware)
  • 40 g Sahne oder Kokosmilch

Zunächst röstete ich Currypulver und Garam Masala bei mittlerer Hitze ca. 1 Minuten lang trocken an, bis die Gewürze eine Nuance dunkler wurden und aromatisch dufteten. So stand es im Buch. Der Geruch ist allerdings eher durchdringend als aromatisch und hält sich noch tagelang in der Küche. Besitzer von guten Dunstabzugshauben sind hier klar im Vorteil. Herr H. hatte derweil Zwiebeln und Kartoffeln ca. 10 Minuten lang in Erdnussöl gebraten, bis die Zwiebeln karamellisierten und die Kartoffeln einen goldbraunen Rand bekamen. Nun schob er beides an den Rand und briet in der Mitte Knoblauch, Ingwer, Chili und Tomatenmark kurz an. Ich gab die gerösteten Gewürze und den Blumenkohl hinzu. Herr H. briet beides ebenfalls kurz an. Dann gab ich Wasser Tomaten und Kichererbsen in den Topf, rührte alles einmal gut durch, um den Bratensatz zu lösen und ließ es anschließend ca. 30 Minuten abgedeckt sanft köcheln. Im Buch stand, dass das Gemüse bereits nach 15 Minuten gar sei. Ich prüfte das, aber natürlich verhinderte die Säure der Tomaten einen allzu zügigen Garprozess. Nach der halben Stunde gab ich Erbsen und Sahne zum Curry, ließ es nach einige Minuten offen köcheln und schmeckte mit Salz ab. Herr H. hatte sich derweil um das Chutney (ich weiß, eigentlich eher ein würziger Joghurt, aber so wird es nun einmal im Buch bezeichnet) gekümmert und so konnte ich das Curry sogleich damit und mit Reis anrichten.

Für das Koriander-Minze-Chutney:

  • 1/2 Bund Koriandergrün
  • 1/4 Bund Minze
  • 40 g Joghurt, 10%ig (ich: 150 g)
  • 1 EL Zwiebel, fein gehackt
  • 1 TL Limettensaft
  • 1 TL Zucker
  • 1/4 TL Kreuzkümmel, gemahlen
  • Salz

Er hatte Koriander und Zwiebeln (Minze war leider nicht im Haus) gemeinsam fein gehackt, den Kreuzkümmel gemahlen und alle Zutaten in einer Schüssel verrührt. Als ich ein Löffelchen vorab probierte, war ich ob des feinen Geschmacks sehr erstaunt. Es war ihm hervorragend gelungen, süß, sauer und salzig auszubalancieren. Das Fotografieren war zum Glück schnell erledigt und endlich konnten wie essen.

Fazit: Das Curry war eine echte Wucht und, obwohl ich nur wenig getrocknete Chilis verwendet hatte, ausgesprochen scharf. Herrn H. standen bereits nach zwei Löffeln Schweißperlen auf der Stirn. Das kühle Chutney machte sich deshalb ganz prächtig dazu. Mir fiel es zudem tatsächlich nicht negativ auf, eine fertige Gewürzmischung verwendet zu haben, obwohl ich sie ansonsten stets selbst aus ganzen Gewürzen herstelle. Manchmal kann eine Abkürzung durchaus sinnvoll sein. Und der Blumenkohl darf von nun an wieder häufiger in den Einkaufskorb wandern. Ich bin schon gespannt, was sich noch alles damit anstellen lässt.

Aus: Perfektion – Die Wissenschaft des guten Kochens – Band 2 Gemüse Stiftung Warentest 2016

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33 Gedanken zu „Die zweite Chance

    • Das habe ich schon gesehen, Andy. Hatten wir ungefähr einen Tag vor deinem Post, aber nicht fotografiert, weil es nicht passte. Hat uns sehr, sehr gut geschmeckt. Aus dem Nopi koche ich tatsächlich immer mal wieder. Da sind noch einige Schätze zu heben. 🙂
      Liebe Grüße aus dem Hamburger „Seuchenwetter“,
      Eva

  1. Ja, ich habe auch lange gebraucht, bis ich mich mit Blumenkohl anfreunden konnte 🙂 Als Curry schmeckt er mir auch heute noch am besten! Allerdings habe ich eben erst kürzlich eine längst fällige Zubereitung, die ich auf amerikanischen Blogs oft gesehen habe, ausprobiert. Blumenkohl mit samt Strunk und allem in den Blender, zu Bröseln verarbeiten, in heissem Chili-, Sesam- oder sonstigem Würzöl anrösten und fertig – Blumenkohlcouscous 😉 Great!

  2. Das sieht gut aus und wird für den nächsten Blumenkohl vorgemerkt.
    Bei uns gab es gestern auf Wunsch eines Herren ganz klassisch Blumenkohl, junge Kartoffeln und Bernaise. Ist auch lecker. Am allerliebsten esse ich Blumenkohl aber im Moment geröstet aus dem Ofen. Sei es als Tarte oder als Pasta-Bestandteil. Und meistens muss ich aufpassen, dass ich nicht den gesamten Blumenkohl vor dem Servieren wegnasche 🙂

  3. Ich mag ihn auch am liebsten als Curry, die indische Variante. Mir geht’s mit Bumenkohl irgendwie so ähnlich. Deutsch, komplett totgekocht mit Bröseln, mochte ich ihn noch nie.

    Da lagert sogar noch einer im Kühlschrank, den ich gekauft habe, bevor sich die Grippe meiner bemächtigte. Ich fürchte, der taugt nur noch für den Kompost…

  4. Tatsächlich esse ich Blumenkohl auch ausschließlich in der indischen Variante: Also als Curry mit vielen Gewürzen! Böse Zungen behaupten, dass man dann einfach den Blumenkohl nicht mehr so schmeckt 😉 Köstlich (und kühlend) ist auch ein Gurken-Raita dazu: Joghurt (fett), gewürfelte Gurke (geschält, entkernt), etwas Kreuzkümmel (gemörsert), Salz vermischen und etwas durchziehen lassen.

    • Wenn das Essen noch sehr warm ist, schmeckt man ihn im Curry tatsächlich nicht. 😉 Und Gurken-Raita schätze ich auch sehr. Es war nur leider keine Gurke im Haus…

  5. Hmmm 🙂 ein Blumenkohlcurry hab ich schon ewig nicht mehr gemacht, dabei ist es soo lecker! Das kommt demnächst dringend auf den Speiseplan 😉

  6. Blumenkohl gehört zu meinen liebsten Gemüsen- und ich gebe zu durchaus langweilig in der Zubereituung zu sein; in einer feinen Käse-Béchamel zu dünnen Schnittlauch-Pfannkuchen. Lese ich mal von einer anderen attraktiven Zubereitung, falle ich doch meist auf diese Variante zurück. Dein Curry, das tönt allerdings so fein, ich denke das kriegt eine Chance.

  7. Probiere den Blumenkohl mal anzubraten oder im Backofen zu rösten. Schmeckt wunderbar. Es kursieren in letzter Zeit viele solche Rezepte in den Blogs. Grüsse aus Zürich

  8. Uns geht’s ähnlich mit dem Blumenkohl. Wobei ich ihn eigentlich ganz gern mag, meine bessere Hälfte eher nicht. Da ich auch auf indische, scharfe Küche stehe, denke ich, dass euer Gericht zumindest meinen Geschmack treffen würde.

    Liebe Grüße Maren

    • Ach Maren, ich glaube, ich muss dich mal zu all den Speisen einladen, in deren Genuss du zu Hause nicht kommst. 🙂
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
      Eva

  9. Mh… als Curry finde ich deinen ungeliebten Blumenkohl sehr lecker! Das könnten wir auch mal wieder machen! Ich mag den Blumenkohl sehr gerne auch als getarnten Fake-Reis geraspelt und geröstet aus der Pfanne…
    Liebe Grüße,
    Eva

  10. Ich als Single-Köchin stehe mit Blumenkohl eher vor der Herausforderung, dass ich den zwar mag, aber nicht ne ganze Woche jeden Tag essen will 🙂 Aber gut, lecker ist er auf jeden Fall… nur als trendigen low-carb-Pizzaboden finde ich den nicht soooo toll 😉
    Lg, Miriam

    • Mit low-carb kannst du mich sonstwohin jagen. 😉
      Und zum Single-Problem. Es gibt manchmal richtig kleine Köpfe, die nicht mal 500 g wiegen. Die kriegst du sicher auch schneller weg!
      Liebe Grüße,
      Eva

  11. Blumenkohl mag ich gern, im äußersten Notfall, also wenn mir sonst nichts einfällt, dann einfach geröstet aus dem Ofen. Das mampfe ich meist weg, bevor es den Esstisch erreicht :-).
    Dein Curry sieht toll aus. Blumenkohl-Kartoffelcurry ist bei uns ein Klassiker – ich freue mich, wenn ich auch mal andere Varianten entdecken kann.

    • Danke, Susanne! War auch wirklich gut, wobei das Blumenkohl-Gericht am Donnerstag (aus NOPI – das hast du doch auch? Ganz am Anfang bei den Vorspeisen) noch um Längen besser war. Leider waren wir zu faul zum Dokumentieren… 😉

  12. Blumenkohl gibt es in indischen Rezepten oefter. Ich habe ein dickes Kochbuch und da gern mal reinschauen ob da noch was leckeres drin ist und dir schicken. Das bekannteste Rezept ist wahscheinlich Aloo Gobi (Blumenkohl-Kartoffel-Curry), gibt es in vielen indischen Restaurants und ist durch den Film „Kick it like Beckham“ fast berühmt geworden.

    Euer Chutney ist uebrigens eher ein Raita, das gibt es auch in verschiedenen Varianten und wird neben anderen Dingen als typische Beilage gereicht. Sehr lecker ist es auch mit Gurke oder Spinat oder gekochter Kartoffel.

    • Danke für die Infos, Tina.
      Gerade vorgestern hatten wir Blumenkohl mal auf eine ganz andere Art. Sehr köstlich. Leider gibt es keine Fotos. Vielleicht beim nächsten Mal. 🙂

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