Von Fonds und Zerzaustem

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Als uns kürzlich wieder einmal der Geflügelfond ausgegangen war, lief uns beim Einkauf im Feinkostgeschäft ein Schwarzfederhuhn über den Weg. Herr H. hob es behutsam aus dem Regal und hielt es mir fragend entgegen. „Sieht gut aus“, antwortete ich lapidar und packte es in den Korb. Zu Hause angekommen, betrachteten wir es eingehender. „Fast zu schade, um es zu zerstückeln, oder?“, fragte Herr H. mich darauf hin. „Kann schon sein“, gab ich zurück, „aber der Fond ist nun einmal alle und wir brauchen ständig welchen“. Seufzend bereitete Herr H. den „OP“ vor und ich machte mich daran, das stolze Huhn in seine Einzelteile zu zerlegen. Von der Statur her erinnerte es mich an das Bresse-Huhn, das wir einmal im Ganzen garten. Seine Beine waren sehr kräftig und muskulös, während die Brust eher schwach ausgebildet war. Das machte es recht schwierig, sie sauber auszulösen. Auch wenn ich inzwischen schon diverse Hühner zerlegt habe, bereitet mir das Auslösen der Brust immer noch die größte Schwierigkeit. Herr H. beschied, als er die zerzauste Brust sah, dass wir sie dieses Mal nicht einfrieren, sondern direkt zubereiten würden.

Für den Wirsing-Reis mit Schwarzfederhuhn:

  • Kokosöl zum Braten
  • 2 (Schwarzfeder)hühnerbrüste
  • 1 Pr. Currypulver
  • einige Blätter Wirsing, in feine Streifen geschnitten
  • 1/2 rote Chili, entkernt, fein gewürfelt
  • eine Handvoll getrockneter Aprikosen, gewürfelt
  • eine Handvoll Cashewkerne, trocken geröstet
  • 1 Pr. Asafoetida
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 100 g Basmati-Reis, gegart

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Nachdem ich die Wirsingstreifen für ca. 3 Minuten in Salzwasser blanchiert und abgeschreckt hatte, erhitzte ich etwas Kokosöl in der Wokpfanne, schwitzte die Chili darin an und gab den Wirsing hinzu. Nach kurzem Rührbraten gab ich den gegarten (abgekühlten) Reis hinzu, würzte mit Salz, Pfeffer, Curry und Asafoetida und ließ alles noch ein Weilchen brutzeln. Dann hob ich die Aprikosen und Cashews unter und stellte die Pfanne abgedeckt warm. Herr H. hatte derweil den Backofen auf 120°C Umluft vorgeheizt und die Hühnerbrüste mit der Hautseite nach unten ohne Fettzugabe in eine kalte Pfanne gelegt. Nun erhitzte er sie auf mittlerer Hitze und ließ die Hühnerbrüste braten, bis die Haut knusprig braun war. Dann wendete er sie und stellte die Pfanne für ca. 12 Minuten in den Backofen. Fehlte nur noch die süß-saure Salsa.

Für die süß-saure Salsa:

  • 3 EL Schalottenwürfel
  • 50 g Olivenöl
  • 2 EL Weißweinessig
  • je 1/4 Bund Koriander und Petersilie, Blättchen gezupft (was auch immer 1/4 Bund in g sein mag. Ich hatte ca. 30 g insgesamt)
  • 1/2 Chili,entkernt, in feine Streifen geschnitten
  • 1 EL Xanthan-Mix zum Binden*
  • Meersalz, Zucker, schwarzer Pfeffer

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Ich dünstete die Schalottenwürfel in 1 EL Olivenöl an und löschte mit Essig ab. Herr H. hatte derweil die Kräuter fein gehackt. Nach dem Erkalten gab ich die Schalotten mit den restlichen Zutaten zu den Kräutern und schmeckte mit Salz, Zucker und Pfeffer ab. *Das Xanthan ersetzt in diesem Fall eine Essig-Öl-Emulsion und verbindet (so Alexander Herrmann). Dazu wird eine Emulsion aus 2,5 g Xanthan und 250 g Wasser mit dem Stabmixer hergestellt. Ich bin nicht ganz sicher, ob das in Zukunft meine präferierte Vorgehensweise sein wird. Der Xanthan-Mix ist im Kühlschrank eine gute Woche haltbar. Ich habe den Rest nach 3 Wochen entsorgen müssen, da ich für diese Mengen an Bindemittel keine Verwendung hatte. Aber das muss natürlich jeder selbst entscheiden. Ich richtete schließlich Wirsing-Reis mit Huhn und Salsa auf vorgewärmten Tellern an und musste wieder einmal feststellen, dass ein kunstvolles Anrichten gerade solch‘ „zerzauster“ Gerichte ein echtes Kunststück ist – das ich leider nicht beherrsche.

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Fazit: Ungeachtet der wilden Optik machte sich das Essen ganz vorzüglich. Die Hühnerbrust war zart, sehr, sehr aromatisch und die Haut herrlich knusprig. Die Salsa passte bestens. Allein der Wirsing-Reis hätte irgendetwas Cremiges zusätzlich vertragen können. Er schmeckte gut, das war es nicht, aber für meinen Geschmack kam er ein wenig zu trocken-krümelig daher. Über Ideen, was dazu passen könnte wäre ich sehr dankbar.

(Huhn und Salsa) aus: Geschmacksgeheimnisse – Rezepte I Techniken I Aromen Alexander Herrmann

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16 Gedanken zu „Von Fonds und Zerzaustem

  1. Für mich sieht das auch wunderbar aus!

    Bei den anderen Aromen würde ich nichts mit Milchprodukten zum Cremig-machen wollen, mir wäre dann eher nach was kokossigem, damit könnte man spielen. Nicht Kokosmilch, eher Kokosfett?

  2. Da kriegt man ja gleich Hunger, so farbenfroh und appetitlich wie das ausschaut. Geflügelfond ist bei mir leider auch schon eine ganze Weile alle. Da drücke ich mich bisher drum, mir endlich mal wieder neue Vorräte anzulegen. Ich beneide dich jedenfalls darum, dass du es offensichtlich wunderbar verstehst ein Huhn zu zerteilen (das sieht nämlich gar nicht zerzaust aus!). Ich glaube, da könnte ich bei noch einiges lernen 😉

  3. Hihi… einen Kurs im Geflügel-in-schön-auseinandernehmen sollte ich auch besuchen. Wobei sooo zerzaust schaut es doch wirklich nicht aus bei dir!!! Und Hauptsache selbstgemachten Fond! Das wiegt sowieso (auch geschmacklich alles auf)! Dir/Euch einen guten Start!

    • Danke, Eva. Beim nächsten Mal mache ich ein Foto vom zerlegten Huhn, dann weißt du, was ich meine. Es fällt mir zwar inzwischen leichter, aber so richtig elegant klapp es noch nicht. Übung macht eben jeden Meister. Dir auch einen guten Jahresbeginn!

  4. Butter. Ich täte an den Wirsingreis nur Butter tun 😀 vielleicht wäre damit schon ein bisschen was gerettet, ich weiß, was du mit trocken und krümelig meinst, mag ich bei Reis auch nicht so 😉
    Ein schönes neues Jahr noch liebe Eva!

  5. Ach siehst du, um den Xanthan-Mix habe ich mich bisher immer gedrückt. Aber interessieren würde er mich schon….
    Im übrigen finde ich nicht, dass da irgendwas besonders zerzupft aussieht. Und was den Wirsing-Reis angeht…..Vielleicht ein wenig Frischkäse?

    • Danke, Susanne. Frischkäse? Hm, weiß nicht. Ich denke, ich würde eher wie Barbara auf etwas kokoshaltiges setzen.
      Und der Xanthan-Mix? Ich finde ihn, wie gesagt, für diesen Zweck eher überflüssig. Aber um kalte Saucen oder Cremes zu binden ist Xanthan perfekt. Willst du etwas abhaben? Ich habe noch reichlich. 😉

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