No hay

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Wenn ich in diesen Tagen das Haus verlasse, spüre ich eine Art fieberhafter Energie von meinen Mitmenschen ausgehen. Alle hasten, rennen, stolpern, schnell, schnell, schnell, alles muss noch rechtzeitig besorgt, erledigt, gebastelt, verschickt, vorbereitet und was weiß ich noch alles gemacht werden. Die Schlange vor den Postfilialen reicht in der Regel bis auf den Bürgersteig. Was für ein Wahnsinn. War das schon immer so? Oder wird es mit jedem Jahr schlimmer? Ich kann mich nicht erinnern. Vermutlich ist es ein eher schleichender Prozess gewesen. Der Sog dieser Energie ist jedenfalls enorm. Und dennoch entziehe ich mich ihr in diesem Jahr zum ersten Mal bewusst. Geschenke? No hay. Gar nichts muss, alles kann und wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm. Ganz entspannt lasse ich die Feiertage auf mich zukommen. Was es an Heilig Abend geben wird? Keine Ahnung. Es wird sich schon noch etwas finden. Die Vorräte sind gut gefüllt und zur Not gibt es dieses kleine, aber feine Ragout eben noch einmal.

Für das Pfifferlingsragout mit Gurken und Kartoffeln:

  • 1 Gurke à 400 g, geschält, geviertelt, entkernt, in 1 cm lange Stückchen geschnitten (alternativ Schmorgurke)
  • 250 g Pellkartoffeln, gegart, am besten am Vortag (ich: ca. 400 g)
  • 1 – 2 EL Öl
  • 100 g kleine Pfifferlinge, geputzt
  • 1 Schalotte, geschält, fein gewürfelt
  • Pfeffer
  • 250 g Gemüsebrühe (ich: ca. 200 g Hühnerfond)
  • 1 EL weißer Balsamico
  • Salz
  • 1 TL Dill, fein gehackt
  • (ich: einige Streifen Räucherlachs)

pfifferlingsragout-serie

Vorab eine Bemerkung zu den Mengen. Im Rezept ist die doppelte Menge an Zutaten für 4 Personen angegeben. Das mag im Rahmen eines mehrgängigen Essens passen, aber wenn man das Ragout wie Herr H. und ich als alleinige Mahlzeit einnimmt, empfiehlt es sich, die Menge der Kartoffeln nach oben zu korrigieren. Die Menge an Brühe hingegen ist sehr großzügig bemessen. Ich hätte mir eine weniger „suppige“ Konsistenz gewünscht und würde beim nächsten Mal nur die Hälfte der Brühe verwenden. Da wir uns spontan für das Rezept entschieden hatten, kochten wir die Kartoffeln und ließen sie ca. 15 Minuten vor dem Pellen abkühlen. Dann gab Herr H. ca. 100 g der gegarten, gepellten Kartoffeln zwei Mal durch die Kartoffelpresse und rührte sie mit dem Fond mit dem Schneebesen glatt. Die restlichen Kartoffeln viertelte er längs. Ich schwitzte die Schalotte im Öl glasig, gab die Pfefferlinge hinzu und ließ sie ca. 2 Minuten mitdünsten. Dann kam die Gurke hinzu, durfte ebenfalls 2 Minuten mitdünsten und schließlich füllte ich mit Fond auf, gab die Kartoffelviertel hinzu und ließ alles nach dem Aufkochen ca. 5 Minuten sämig einkochen. Gelegentliches Rühren ist empfehlenswert. Herr H. schmeckte mit Salz, Pfeffer, Essig und Dill ab und äußerte erstaunt, dass es gar nicht übel schmecke. Aber etwas fehle. Meine Assoziationskette spuckte dazu flink, Gurke, Dill – Räucherlachs natürlich, aus und im Nu war das Ragout auf vorgewärmten Tellern angerichtet.

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Fazit: Herr H. hatte mit der geschmacklichen Bewertung wie üblich leicht untertrieben. Das Ragout kam überraschend üppig (und das ohne Sahne oder Crème fraîche), frisch (dank Gurke und Dill) und rund daher. Auch ohne Lachs ein Hochgenuss, wobei wir uns einig waren, dass es mit Lachs noch einen kleinen Tick besser war. Wie auch immer. Jetzt ist es langsam an der Zeit, mit den wenigen Vorbereitungen zu beginnen, die ich bislang aufgeschoben habe. Eine neue Gurke kaufen, zum Beispiel. Herr H. und ich bedanken uns nun wie jedes Jahr bei allen Lesern, Co-Bloggern und anderen Menschen für das Interesse an unserer Küchenaktivität und wünschen allen entspannte, friedliche und harmonische Feiertage – frohe Weihnachten eben!

Aus: Die Küche Tim Mälzer

26 Gedanken zu „No hay

    • Danke, Christine. Friedliche Tage hatten wir und mal sehen, wie das mit dem neuen Jahr wird. Aufzuhalten ist es ja nciht. 😉
      Ich hoffe, ihr hattet ebenfalls schöne und friedlichen Festtage!

  1. Liebe Eva, ich wünsche euch wirklich entspannte Festtage. Eigentlich macht ihr es genau richtig! Wir haben geschenketechnisch zurückgeschraubt: es gibt nur noch Dinge, die man essen, trinken, verbrauchen kann. Die Tour zur Verwandtschaft haben und wollten wir aber nicht ausfallen lassen….

    • Danke, Richensa. Das kann ich gut verstehen. Wir als Familie treffen uns eher zu den jeweiligen Geburtstagen, das hat sich als einfacher erwiesen. 🙂
      Ich hoffe, du hattest eine ebenfalls schöne und entspannte Zeit!

  2. Liebe Eva, auch ich wünsche euch wunderschöne, entspannte und friedliche Feiertage 🙂 und ich schätze, egal was bei euch auf den Tisch kommt, es wird ganz sicher schmecken 😉

    • Vielen Dank, liebe Britta. Die Abendessen der letzten beiden Tage waren wirklich sehr gut, wenn auch nicht mit so genannten Delikatessen gespickt. 😉
      Ich hoffe, ihr hattet auch schöne, entspannte Festtage!

  3. Deine gemachten Beobachtungen kann ich mitunterschreiben. Da bin ich seit langem raus.
    Ich wünsche dir und Herrn H. frohe und besinnliche Festtage und einen guten Rutsch in das hoffentlich friedliche Jahr 2017!
    Gleichzeitig bedanke ich mich gerne für die vielen interessanten Posts, Rezepte und Tipps, welche ich mit grosser Freude gelesen und teilweise nachgekocht habe.

    • Vielen Dank für das schöne Kompliment. Ich hoffe, du hattest auch ein paar schöne Tage und ich wünsche ebenfalls einen guten Start ins bestimmt besser werdende neue Jahr! Ich scheine Optimist zu bleiben… 😉

  4. Liebe Eva,
    dir ein großes Dankeschön für die vielen tollen Gerichte, die du gezeigt hast. Einige davon habe ich nachgekocht und deine Beschreibungen führen immer zum Erfolg.
    Dir und dem Herrn H. geruhsame Weihnachten!

    • Vielen Dank, liebe Susi. Es freut mich sehr zu hören, dass einige der Rezepte funktionieren. Das ist mir bei der Bloggerei am wichtigsten, da ich immer wieder höchst genervt bin über unpräzise (oder schlicht falsche) Rezepte in Kochbüchern.
      Ich hoffe, ihr hattet auch ein paar schöne Tage. Geruhsam waren sie bei uns, geradezu himmlisch ruhig. 🙂

  5. Gurkenschmorgericht: immer lecker! Passierte Kartoffeln werde ich mir merken, bisher verwendete ich jeweils Sahne.
    Hier gibt es keinen Weihnachtsstress – und eigentlich auch sonst keinen! Nicht einmal im Supermark hat es «getschingelt» und «gebellt», bloss bei meinem (100 m entfernten) Nachbarn blinkt es wie verrückt, aber dorthin muss ich ja nicht sehen.
    Frohe Festtage und auf Wiederlesen,
    FEL!X

    • Danke, Felix.
      Ich habe zuvor auch immer Sahne verwendet. Auf die am nahe liegensten Ideen kommt man manchmal gar nicht. 😉
      Wir hatten die Tage zum Glück auch keinen Stress und haben ihn nicht vermisst.
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Das schaut mal wieder fein aus – selbst mit der Gurke.
    Den Weihnachtsstress in der Stadt umgehe ich – wenn ich kann – großräumig. Und freue mich darüber, dass bei uns die Geschenkesitutation so schön entspannt ist, seitdem wir beide Familienseiten auf „Weihnachtswichteln“ für die Erwachsenen umgestellt haben. So muss jeder nur noch ein Geschenk für jeden Familienzweig kaufen. Das entspannt die gesamte Vorweihnachtszeit ungemein. Die drei Weihnachtstage sind dann zwar trubelig – aber das macht dann wieder Spaß.
    Vielen Dank für die vielen Rezept-Inspirationen im vergangenen Jahr! Ein friedliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    • Danke, Stefanie. Das mit dem Wichteln haben wir auch jahrelang so gemacht. Leider schaffen wir es inzwischen nicht mehr, die ganze „Kernfamilie“ an einem der Weihnachtstage an einem Ort zu versammeln. Also haben wir es ganz „aufgegeben“ und treffen uns halt an anderen Tagen im Jahr wie Geburtstagen oder so. Das ist schön entspannt.
      Dir auch einen guten Rutsch und den Dank für die Inspiration gebe ich sehr gern zurück!

  7. das erinnert mich ein bisschen an die Wiener „eingebrannten Hunde“ (Kartoffeln), nur ist dein Gericht viel feiner und gefällt mir ausgesprochen gut mit dem Räucherlachs und den hineingespressten Kartoffeln!
    Ich wünsche dir und Herrn H. geruhsame Feiertage! Wir ziehen uns auch eher zurück und überlassen den Weihnachtsstress anderen…

    • Danke, Friederike! Rückzug ist manchmal die beste Lösung. Haben wir auch so gemacht. Und „eingebrannte Hunde“, herrlich. Ich bedauere fast ein wenig, nicht in Österreich geboren zu sein. Die Sprache ist einfach zu schön…:-)

  8. Geruhsame Feiertage Euch!
    Ich lasse mich Weihnachten nicht hetzen, das fehlte noch. Ich staune immer wieder, was für Massen unterwegs sind und wundere mich, weil ich das Gefühl habe, dass da in der Innenstadt auch eine gewisse Aggressivität zu spüren ist. Fest der Liebe….Nun denn…

  9. Ha, da wir auch noch in der Findungsphase für den 24. sind – ich schlage es gleich mal vor.
    An dieser Stelle: Dir und Deinem Mann schöne Festtage und echt danke für die tollen Rezepte nebst Beschreibung samt Fotos über das Jahr!

  10. Dem Weihnachtsstress entziehe ich mich auch seit ein paar Jahren. Familienbesuch wird wenn überhaupt vorher oder nachher abgehandlet. Verreisen zu den Weihnachtsfeiertagen ist mir zu irre.
    Die Sippschaft bekommt ihre Lebkuchen per Post aber das kann man auch Anfang Dezember machen, da sind die Schlangen am Postschalter noch sehr kurz.
    Dieses Jahr hab ich zwei Kalbsbeinscheiben beim Metzger bestellt und mache Ossobucco.

    Euch schöne Feiertage!

    • Danke, Tina. Die wünsche ich euch auch. Ossobucco klingt sehr, sehr gut. Ein paar Beinscheiben ruhen hier auch noch im Eis. Vielleicht genau das richtige für den bevorstehenden Kälteeinbruch. 🙂

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