Perfekt vermählt

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Das mit den wilden Ideen ist so eine Sache. Ich musste in den letzten Jahren immer wieder feststellen, dass die Kreation „neuer“ Gerichte oder Backwerke keineswegs so mühelos und spielend ist wie es den Anschein haben mag. Das Aromenlexikon* gab zwar immer wieder die ein oder andere Hilfestellung, aber allzu oft fiel ich mit meinen Ideen einfach komplett auf die Nase. Im wahrsten Sinne des Wortes. Herr H. hob sie vielmals neugierig über Töpfe und Schüsseln, nur um dann irritiert das Gesicht zu verziehen und mich zu fragen, was denn bitte das jetzt wieder solle. So habe ich endlich Zurückhaltung gelernt. Weniger ist definitiv mehr. Fast immer jedenfalls. Deshalb wäre ich auch im Leben nicht auf die Idee gekommen, Shiitake in ein italienisches Pasta-Gericht zu schmuggeln Qin Xie-Krieger*² schon und die Idee war einfach zu verlockend, um sie als absurd abzutun.

Für die Shiitake-Pasta:

  • 10 g Shiitake-Pilze, getrocknet
  • 70 g Weizenmehl 405er
  • 70 g Hartweizenmehl
  • 1 Ei
  • 1 Pr. Salz
  • einige EL Wasser

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Ich gab die Pilze grob gestückelt in den Zerkleinerer und versuchte, sie zu Staub zu mahlen. Das klappte in meinem Gerät leider nicht sonderlich gut. Wer eine leistungsstärkeres Gerät hat, ist hier eindeutig im Vorteil. Beim nächsten Mal würde ich die Pilze einfach 30 Minuten in wenig heißem Wasser einweichen, pürieren und statt dem Wasser dem Teig beigeben. Hinterher ist man immer schlauer. So siebte ich das Pilz-Pulver über die restlichen Zutaten und vermengte alles grob mit dem Löffel. Mit der Wasserzugabe bin ich anfangs immer sehr zurückhaltend, da der Teig während des Knetens immer elastischer wird. Wenn er nach 5 Minuten immer noch bröselt, gebe ich wenig Wasser hinzu, bevor ich weiterknete. Insgesamt knetete ich ihn 10 Minuten von Hand, stellte ihn anschließend 1 Stunde abgedeckt beiseite und gab ihn dann durch die Pasta-Maschine.

Für das Haselnuss-Pesto:

  • 100 g (ich: 50 g) Haselnüsse, geröstet, gehäutet, gemahlen
  • 50 g (ich 25 g) glatte Pertersilie, grob gehackt
  • 1 (ich: 1/2) kleine Knoblauchzehe, gehäutet
  • Olivenöl
  • Salz, schwarzer Pfeffer

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Ich gab alle Zutaten bis auf das Öl in den Zerkleinerer und ließ ihn eine Weile laufen. Dann würzte ich mit Salz und Pfeffer und gab etwas Olivenöl dazu. Nach kurzem weiteren Zerkleinern war eine eher feste Paste entstanden. Das hängt natürlich davon ab, wie viel Öl man hinzu gibt. Da ich das Pesto später noch mit einigen Löffeln Pasta-Kochwasser vermengen wollte, hielt ich die Ölmenge eher gering. Zudem reduzierte ich die Menge der Zutaten spontan auf die Hälfte und tatsächlich benötigte ich auch so nur die Hälfte des Pesto. Der Rest lagert nun mit Öl bedeckt im Kühlschrank.

Für das Finish:

  • eine Handvoll frische Shiitake-Pilze
  • (ich: Brokkoli nach Belieben)
  • Parmesan nach Belieben, gehobelt oder gerieben

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Da ich kein großer Fan von Beilagen-Salaten bin, schon gar nicht zu dieser Jahreszeit, auf die Portion Gemüse jedoch nicht verzichten mag, dichtete ich noch etwas gedämpften Brokkoli hinzu. Nach 8 Minuten hatte er bei mir die perfekte Konsistenz. Herr H. brachte derweil das Wasser für die Pasta zum Kochen, salzte und blanchierte die Shiitake-Pilze ca. 2 Minuten darin. Danach garte er die Pasta wenige Minuten und goss sie ab. Ich rettete etwas des Kochwassers, verrührte es mit der Hälfte des Pesto zu einer cremigen Sauce und schwenkte die Pasta darin. Herr H. arrangierte alles auf vorgewärmten Tellern und eilte von Dannen.

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Fazit: Das schlichte Pasta-Gericht begeisterte uns beide gleichermaßen. Selbst Herr H., der normalerweise ein bekennender Fleischtiger ist, lobte das karge Mahl in den höchsten Tönen. Haselnuss-Pesto und Shiitake-Pasta sind ein echtes Dreamteam und der Brokkoli fügte sich klaglos ein. Und da Andy/ lieberlecker sich derzeit in Zorras 125. Blog-Event schöne Gerichte wünscht, in denen die Haselnuss, die mir liebste aller Nüsse, eine Rolle spielt, sende ich ihm schon einmal diese köstliche Pasta und hoffe, dass sie ihm schmecken wird!

Blog-Event CXXV - Haselnuss (Einsendeschluss 15. November 2016 - Icons made by Freepik from www.flaticon.com)

*Das Lexikon der Aromen- und Geschmackskombinationen Karen Page, Andrew Dornburg

*² Aus: Sichuan-Pfeffer meets Sauerkraut Qin Xie-Krieger

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18 Gedanken zu „Perfekt vermählt

  1. Pingback: Blog-Event CXXV – Haselnuss – Zusammenfassung – 1x umrühren bitte aka kochtopf

  2. Liebe Eva!
    Bei mir ist es eher so, dass ich wilde Ideen im Kopf habe und davon überzeugt bin dass das dann super zusammen passt bis ich dann wieder eines besseren belehrt werde… Aber wer neue Rezepte zaubern will, muss halt auch mal was wagen 😉 Dein Rezept hört sich sehr gut an und an dem Haselnuss Pesto werde ich mich definitiv bald versuchen!
    Liebe Grüße
    Anja

    • Natürlich muss beim Kochen und Backen auch gewagt werden. Ich habe einfach nur festgestellt, dass es sich mit einer fundierten Grundlage besser wagen lässt. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Zurückhaltung in der Küche ist so gar nicht meine Sache 😉 Da darf es gerne wild sein und wenn man auf die Nase fliegt, umso besser: schliesslich lernt man nur so, wie man es beim nächsten Mal besser machen würde… Ich gebe dir aber recht: die Kreation „neuer“ Gerichte ist keineswegs so leicht, wie es scheint (sofern es denn noch schmeckt). Irgendwie wurde fast ausnahmslos alles schon mal irgendwo von irgendwem gekocht…

    • Das stimmt natürlich. Zumal ich ja auch nur eine mittelprächtig begabte Hobby-Köchin bin. Umso mehr freue ich mich über jedes gelungene Gericht, auf welchem Mist es auch immer gewachsen sein mag. 😉

  4. Für mich bitte eine Portion ohne Broccoli. 🙂
    Die Idee mit dem Pilzpulver in der Pasta ist super! Das Pesto klingt auch verlockend.

  5. Das sieht gut aus. Schade, dass ich keine Haselnüsse vertrage.
    Dieses Buch von Qin Xie-Krüger, das ist genial, ich hatte es neulich in der Mangel ;-). Ich habe mich teilweise auch gewundert, wie toll diese doch recht wilden Kombinationen schmecken. Vielleicht ist das ja alles einfach Übungssache ;-).

    • Danke, Susanne.
      Das Buch ist definitiv interessant. Wir haben gerade gestern Abend wieder etwas daraus gemacht – sehr, sehr lecker – auch wenn man das ja nicht sagen darf. 😉

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