Sie rennt und rennt

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Es ist einfach unglaublich. Schon seit gut zwei Wochen komme und komme ich nicht dazu, diesen Artikel zu schreiben. Woran es liegt? Nun, zum einen mussten Herr H. und ich dringend eine Kurzreise zum Paradies der Radfahrer unternehmen (Link folgt). Mit dem Fahrrad natürlich. Das Wetter war uns freundlicherweise hold und die Berichte hatten ausnahmsweise nicht zuviel versprochen. Aber davon an anderer Stelle mehr. Zum anderen ist das „reale“ Leben plötzlich so prall gefüllt, dass ich froh sein kann, wenn ich es schaffe, Brot und Brötchen zu backen und abends etwas Warmes auf den Tisch zu bringen. Dafür eignet sich das folgende Gericht perfekt. Ist erst einmal alles bereit gestellt, steht das Essen quasi schon auf dem Tisch.

Für den scharfen Tofu mit Frühlingszwiebeln (und Paprika):

  • 250 g fester Tofu, in 2 cm große Rechtecke geschnitten
  • Maisstärke zum Bestäuben
  • Pflanzenöl zum Braten
  • 75 g Butter (ich: ca. 30 g)
  • 175 g kleine Schalotten, fein gehackt
  • 4 rote Chilischoten, in Streifen geschnitten (ich: 1 großzügiger EL Gochujang)
  • 6 Knoblauchzehen, zerdrückt (ich: 1 fein gehackt)
  • 1,5 EL frischer Ingwer, fein gehackt
  • (ich: je 1/2 rote und grüne Paprika, entkernt, in dünne Streifen geschnitten)
  • 1,5 EL süße indonesische Sojasauce (Ketjap manis)
  • 1,5 EL helle Sojasauce
  • 2 EL dunkle Sojasauce
  • 1 EL Zucker
  • 2,5 EL schwarzer Pfeffer, grob gemörsert (ich: 1 knapper EL)
  • 8 dünne Frühlingszwiebeln, in 3 cm lange Stücke geschnitten
  • Reis, gegart, zum Servieren (ich: Basmati)

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Ich wendete zunächst die Tofuwürfel in Maisstärke, briet sie in etwas Erdnussöl allseitig goldbraun und ließ sie auf Küchenkrepp abtropfen. In der gleichen (ausgewischten) Pfanne zerließ ich nun die Butter, schwitzte die Schalotten farblos darin an und gab Knoblauch, Ingwer und Gochujang dazu. Nach kurzem Schmurgeln folgten Paprikastreifen und Frühlingszwiebeln. Nachdem sie al dente gegart waren, gab ich die restlichen Würzzutaten und einen Schluck Wasser hinzu und ließ alles noch etwas sacht köcheln. Derweil hatte der brave Reiskocher, der leider demnächst wieder ersetzt werden muss, da die Beschichtung des Topfes warum auch immer schon wieder so angegriffen ist, dass der Reis stets heftig ansetzt, den Reis gegart. Ich hob die Tofuwürfel unter das Gemüse und erwärmte sie darin. Dann servierte ich alles in vorgewärmten Schalen – Herr H. war höchst erstaunt, dass das Essen tatsächlich in 30 Minuten vor ihm stand. So kann es eben auch einmal gehen.

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Fazit: Warum ich drei Jahre um dieses Rezept herumgeschlichen bin, kann ich mir heute partout nicht erklären. Der milde Tofu fühlt sich in der recht kräftig gewürzten Umgebung pudelwohl und die von mir ergänzten Paprika machen sch bestens dazu. Ein rundum gelungenes, leichtes und  höchst befriedigendes Essen, das in den letzten Wochen hier tatsächlich regelmäßig auf dem Tisch stand. Dabei habe ich einmal den schwarzen durch Szechuan-Pfeffer ersetzt, was jedoch nicht zu Verbesserung des Geschmacks beitrug. So und damit schließe ich diese kurze Rückmeldung. Aber keine Sorge, eine deutliche Verlangsamung der Zeit zeichnet sich am Horizont ab und dann werden wir wohl auch endlich wieder einmal zum Backen kommen. Versprochen!

(Natürlich) aus: Genussvoll vegetarisch Yotam Ottolenghi

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27 Gedanken zu „Sie rennt und rennt

  1. Das ist wieder ein Beispiel dafür, wie lecker Tofu sein kann, wenn man weiß, wie man ihn zubereitet. Auf Butter als Zutat wäre ich nie gekommen, aber sonst mache ich den auch gerne ganz grob in der Art, immer mal etwas anders, statt Ketjap manis dann auch mal Hoison-Sauce, weil die eher daheim ist. Aber egal wie, die Frühlingszwiebeln und Paprika dazu sind der Hit. Und guter Reis. Schmeckt!

    Viel Spaß im Leben 1.0!

  2. Aber es ist doch schön, wenn das wirkliche Leben so vollgefüllt ist, dass man für das virtuelle nicht arg viel Zeit hat!
    Das Rezept habe ich auch schon ausprobiert und fand es sehr gut. Keine Ahnung, wieso ich das nicht noch einmal gekocht habe. Danke für die Erinnerung.

    • Wenn das Leben mit angenehmen Dingen gefüllt ist, dann stimme ich dir zu, aber es war wirklich eher quälend. Zum Glück geht es seit ein paar Tagen wieder steil bergauf. 🙂

  3. Ueber Fel!x bin ich wieder mal hier und erfreut ueber den asiatischen Einschlag des Gerichts mit hier in Thailand geschaetzten Zutaten. In hiesigen Rezepten kommt auch (fast) immer Zucker vor, allerdings von den Sojasaucen meist nur eine auf’s mal. Eine Geschmacks-Sinfonie koennte man dieses Gericht nennen, sehr lecker und deftig sieht es aus 🙂

    • Danke, Erich. Ja, Ottolenghi wirft gern einmal Dinge zusammen, die seltsam anmuten. Butter hätte ich auch nicht unbedingt an ein solches Gericht gegeben, aber es schmeckte erstaunlich gut. 🙂

  4. Ach, du sprichst mir aus der Seele, liebe Eva. Da sind gefühlte tausend Rezepte, die ich (gerade jetzt zur Wildsaison) ausprobieren möchte. Aber eben, wenn sie bloss nicht rennen würde… Solche Rezepte kommen da aber gerade richtig. Meine bessere Hälfte mag Tofu total gerne, damit werde ich sie wohl bald mal überraschen 😉

    • Darüber freut sie sich bestimmt.
      Und zum Wild. Wir hatten letzt‘ einen herrlichen Damhirsch-Rücken einfach auf dem Grill zubereitet. Das war ganz unklassisch auch ein echter Hochgenuss. Für Aufwendigeres fehlt es mir leider gerade an Kraft.

  5. Ich finde es immer wieder faszinierenden, welche Rezepte im Kochbuch einem gar nicht auffallen, und die mich dann auf irgendeinen Blog dann anspringen: „Muss ich sofort nachkochen…“
    Und das „reale“ Leben muss einfach wichtiger sein – solange es im positiven „prall gefüllt“ ist, dann ist doch alles gut 🙂 Auch wenn ich mich freue, von dir zu lesen.

      • Inzwischen nicht nur einmal, sondern gleich zweimal nachgekocht. Einmal in der Orginal-Ottolenghi-Variante (also ohne Paprika), einmal mit zusätzlichen Pilzen. Ein Hochgenuss!
        Wie gut, dass du das Rezept verbloggt hast, im Buch war es mir gar nicht so ansprechend erschienen. Aber jetzt hat es gute Chancen, unter die „Alltagsgerichte“ zu rutschen, denn es ist so lecker und auch noch leicht gekocht!

      • Oh, das freut mich zu hören, Stefanie! Ich koche es wahrscheinlich heute auch mal wieder, vorausgesetzt, es fällt mir nicht noch etwas Verlockenderes ein. 😉

  6. Dieser Tofu ist so, so gut – und ich frage mich, warum ich den seit Entdeckung nicht schon öfter gehabt habe! Euer Leben 1.0 klingt aber definitiv so, als könnte man den Blog dafür getrost eine Zeitlang Blog sein lassen… am Ende ist es schließlich das, worauf’s ankommt, gell?
    Herzlichste grüße aus dem Süden!

    • Bei uns falle auch im Laufe der Zeit viele einst für gut befundene Sachen wieder unter den Tisch. Deshalb ist es gut, erinnert zu werden. Und das Leben hat mich gerade leider wieder einmal mit einer Erkältung beschenkt. *grummel*

  7. Schön, von Dir zu lesen.
    Und wieder ein Rezept, das mir im Buch nicht aufgefallen ist. Ich habe aber aufgrund einer gewissen Schussligkeit grade einen gewissen Vorrat an Paprika (und an Salaten, Hilfe!). Jetzt weiß ich, wohin damit….

    • Danke, Susanne. Ist alles nicht so einfach. Mich hat schon wieder eine Erkältung flach gelegt. Das erschwert neue Artikel und Vertreibt die Lust am Kochen und Backen nachhaltig…

  8. Ein tolles Rezept, habe ich auch schon probiert, es schmeckt wunderbar und ist wie du richtig sagst super schnell gemacht. Perfekt für den Alltagsstress. LG Malou

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