Was bleibt

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„Verweile doch! Du bist so schön!“, nur zu gern hätte ich dies den letzten Sommertagen, die Herr H. und ich gnädigerweise ganztägig draußen verbringen durften, zugerufen. Allein, es hätte nicht genützt. Zumal das faust’sche Zitat immer wieder falsch verwendet wird. Liest man weiter, so fährt Faust fort, „Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zugrunde gehn!“. Stillstand, gleich welcher Art, bedeutet eben letztlich Tod. Also akzeptiere ich zähneknirschend den Lauf der Dinge. Der Steg am Lieblingssee, auf dem wir so manchen Sommertag verbrachten ist nun verbarrikadiert, „Betreten verboten“, das Gelände Eigentum eines Hamburger Angelvereins. So geht es nun einmal. Das einzige, was bleibt, ist der Augenblick und, bei uns zumindest, das Bedürfnis nach einer köstlichen Mahlzeit am Abend, die sich zum Glück problemlos täglich neu erschaffen lässt.

Für die Buchweizenravioli mit Kürbis-Burrata-Füllung* (ca. 25 – 30):

Für den Teig:

  • 100 g Buchweizenmehl
  • 100 g Weizenmehl 405er
  • 1 Pr. Salz
  • 1 Ei + 1 Eigelb

Für die Füllung:

  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 1 winzige Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 300 g Hokkaidokürbis, geputzt, grob gewürfelt
  • Olivenöl
  • 150 g Burrata
  • ca. 80 g junge Spinatblätter
  • scharfes Paprikapulver
  • Muskat, frisch gerieben
  • Salz
  • ca. 250 g Brühe nach Belieben
  • reichlich geriebener Bergkäse
  • einige Spinatblätter

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Ich gab alle Zutaten für den Teig in eine Schüssel, verrührte sie grob mit dem Löffel und knetete den Teig anschließen von Hand ca. 10 Minuten. Nun durfte er abgedeckt mindestens 1 Stunde ruhen. Herr H. hatte in der Zwischenzeit das Gemüse gerüstet und die Kürbiswürfel mit etwas Olivenöl überzogen, leicht gesalzen und in einer Auflaufform in den auf 190°C vorgeheizten Backofen geschoben. Nach ca. 25 – 30 Minuten waren sie gar. Herr H. stellte sie zum Abkühlen beiseite. Ich schwitzte Zwiebeln und dann Knoblauch in wenig Öl glasig und ließ den Spinat dann in der Pfanne zusammenfallen. Als auch die Zwiebel-Spinat-Mischung abgekühlt war, gab ich sie gemeinsam mit Kürbis und Burrata in den Zerkleinerer und ließ ihn laufen, bis eine dicklich-cremige Masse entstanden war. Herr H. schmeckte mit Salz, Paprikapulver und Muskat ab und ich rollte den Pastateig portionsweise mit der Maschine zu Bahnen bis Stufe 6/9.

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Sicher hätte ich ihn noch dünner auswalzen könne. Ich befürchtete jedoch, dass der Teig durch den hohen Buchweizenanteil beim Kochen reißen würde, da Buchweizen nicht über das Konsistenz gebende Gluten verfügt. Ich stach mit dem mittleren Gebiss Kreise aus, gab einen guten TL Füllung in die Mitte und klappte es zusammen. Durch den Druck halten die Teigränder auch ohne zusätzliche Feuchtigkeit zusammen, sehr praktisch. Die fertigen Ravioli lagerte ich auf einem leicht begriesten Küchenhandtuch. Herr H. garte sie portionsweise ca. 4 Minuten in leicht siedendem Salzwasser. Ich hatte in der Zwischenzeit etwas Ochsenschwanzbrühe einreduziert und richtete die Ravioli mit einigen Spinatblättern und reichlich geriebenen Bergkäse nun auf vorgewärmten Tellern an.

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Fazit: Da der Pastateig sich beim Kochen reichlich „geweitet“ hatte, waren die Ravioli leider nicht so prall gefüllt. Das und die recht unscheinbare Farbe des Gerichts tat dem Hochgenuss jedoch keinen Abbruch. Ich habe wirklich selten so köstliche Ravioli gegessen. Der Buchweizenteig wird hier in Zukunft sicher häufiger zum Einsatz kommen. Auch Herr H. war sehr angetan und bedauerte wie üblich nach dem Essen, dass es schon vorbei war. So ist es eben. Zum Glück wird es auch heute Abend wieder ein gutes Essen geben und ein goldener Herbsttag kann ja durchaus auch reizvoll sein.

Aus: Die neue Alpenküche Hans Gerlach

* im Original-Rezept wird statt Spinat Bärlauch verwendet

Die Zitate aus dem Faust fand ich hier, da meine alte Reclam-Ausgabe bei einem der Umzüge verloren ging.

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36 Gedanken zu „Was bleibt

  1. Ach Eva – bei dir kann ich doch immer was lernen. Buchweizenravioli! Man kann also das Mehl auch für was anderes als Blinis verwenden. Hab mich mal wieder in deinem Blog rückwärts durchgefressen!

  2. Man könnte die Schönheit ja garnicht so schätzen, wäre sie der Normalzustand. Eine Portion deiner Ravioli könnte ich heute durchaus vertragen, diese Nudeln machen bestimmt glücklich.

  3. Ich habe selten so ein köstliches Ravioli-Rezept gelesen, ganz ehrlich! 🙂 Das liest sich absolut grossartig und wird hier im Herbst auf jedenfall mal nachgekocht! Die Pastamaschine müsste eh unlängst mal wieder zum Einsatz kommen!

  4. Da bekommt man ja direkt wieder Hunger! Tolles Rezept, ich wünschte ich hätte eine Küchenfee zuhause, die mir immer so leckere Gerichte kocht! Liebe Grüße aus Südtirol 🙂

  5. Liebe Eva,
    seit einiger Zeit wundere ich mich, dass ich keine Mail zu einem neuen Beitrag von dir bekomme. Jetzt entdecke ich gerade, dass die (und andere) im Spam Ordner meine Postfachs gelandet sind! Ich muss doch öfter mal genauer hinschauen. Das darf doch nicht wahr sein!! Da sind mir einige deiner Beiträge echt durch die Lappen gegangen. Aber jetzt werde ich besser aufpassen. Gerade diese Ravioli sind ja ganz, ganz lecker! Also nichts für ungut 😀 – bin wieder dabei !
    Liebe Grüße
    Maren

  6. Von mir ebenfalls ein bisschen Goethe:
    «Auch das ist Kunst, ist eine Gabe:
    Aus all den sommerlichen Tagen
    sich so viel Licht ins Herz zu tragen
    dass, wenn der Sommer längst verweht,
    das Leuchten immer noch besteht.»
    Dass es kulinarisch weiterhin durch eure Küche leuchtet, bin ich mir ziemlich sicher!
    FEL!X

  7. Ein schönes Frühherbstessen, danke! Mag Buchweizen gerne, habe es vor Jahren in Südtirol kennen- und schätzengelernt.
    Ich weile ja noch in der Provence und bin auf der Jagd nach Mehl oder Grieß aus Emmer, welcher hier angebaut wird. Bin sehr gespannt darauf…

  8. Ich halte mal ein Zitat von George de Santayana dagegen: “Den Wechsel der Jahreszeiten miterleben zu wollen, ist eine glücklichere Einstellung, als hoffnungslos in den Frühling verliebt zu sein.” 🙂
    Und wenn es nie Herbst würde, gäbe es auch nie Ravioli mit Kürbis-Burrata-Fülllung. Und das wäre doch schade, sie sehen nämlich köstlichst aus!

      • Stimmt schon, der Frühling kommt immer wieder – aber diese Liebesbeziehung birgt trotzdem ein dreiviertel Jahr Herzschmerz – also bleibe ich bei Santayna. Und einen Heinrich Seidel habe ich auch noch im Angebot:

        Ob der Frühling grünt und blühet,
        Sommer steht in goldnem Kleid,
        Ob der Herbst in Farben glühet,
        ob‘s im Winter friert und schneit –
        Glücklich, wem es stets gefällt:
        O, wie herrlich ist die Welt!

        Mein Stundenbeginn heute um die Biologieschüler auf „Der Wald im Wandel der Jahreszeiten“ einzustimmen.
        Die Ravioli habe ich am Montag nachgekocht: Sehr fein!

      • Du bist Lehrerin? Respekt! Schöner Stundenbeginn!
        Leider kann ich mit verstopfter Nase der Welt nicht viel Herrliches abgewinnen…
        Aber schön, dass dir die Ravioli gefallen haben. 🙂

  9. Das schaut sehr fein aus! Nix mit unscheinbar, wie du schreibst! Burrata und Kürbis, das ist wie Sommer trifft Herbst, also mehr als passend zur Jahreszeit. Wunderbar.

  10. Bei denen würde ich aber gerne verweilen, es klingt jedenfalls köstlich. Wenn nicht mein Nudelholz schon in irgendeiner Umzugskiste verschwunden wäre… Das Rezept ist in jedem Fall gespeichert 🙂
    Liebe Grüße, Tring

  11. Ah, ich muss das Buch mal wieder aus dem Regal ziehen. Es hat tolle Ideen. Und mit Buchweizen kann man mich sowieso immer locken :-).
    Abgesehen davon bin ich im Grunde heilfroh, dass alles vergänglich ist. Und auch, dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. Das passt schon so.

    • Hast du schon einmal diesen gerösteten russischen probiert? Ich habe gerade eine Kilopackung nachgekauft. 🙂
      Und ich weiß nicht, ob ich das mit der Vergänglichkeit genau so sehe. Manchmal hadere ich ein wenig…

      • Ach so. Und ich finde das mit der Vergänglichkeit tatsächlich notwendig. Ich bin sicher, das wäre ganz ungut, wenn wir in so rosa Glückswölkchen feststecken würden. Aber ich habe auch mal einen Arbeitskollegen verschreckt, der mir zum Geburtstag wünschte, dass all meine Wünsche in Erfüllung gehen sollen. Er hat es gut gemeint. Und mein „Bloß nicht!“ hat er nicht verstanden…

      • Das mit den Wünschen ist in der Tat so eine Sache. Kennst du den dazu passenden Roman von Thomas Glavinic, „Das Leben der Wünsche“? Hat mir auf jeden Fall sehr gefallen.

      • 🙂 Wobei ich zur Zeit nichts dagegen hätte, im vormaligen Zustand der Gesundheit fest zu stecken…

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