Karnivorentäuschung leicht gemacht

Bergkäseknödel 3Es war wieder mal ein Bild, dass mich sofort davon überzeugte, das Rezept zeitnah zu testen. Die Schwester hatte die Knödel bereits nachgekocht und war begeistert gewesen. Topfen hatte ich schon vor Wochen gekauft und das am Vorabend genossene dicke Steak gab letztlich den Ausschlag. Ein bisschen Abwechslung muss schließlich sein. Auch wenn Herr H. begehrlich gen Tiefkühler schielte. Ein Blick auf das Bild im Kochbuch überzeugte schließlich auch ihn von der dringenden Notwendigkeit, das völlig fleischlose Rezept zu testen. Leicht grummelnd begann er, alle Zutaten bereit zu stellen.

Für die „ultimative Veggie-Jus“:

  • 1 Gemüsezwiebel, halbiert (ich: 1 rote)
  • etwas Olivenöl zum Anbraten
  • 1 große Möhre, in Scheiben geschnitten
  • 2 kleine Stangen Sellerie, in Stückchen geschnitten
  • 1 Knoblauchzehe, halbiert
  • ca. 300 g Rotwein
  • ca. 100 g roter Port
  • ca. 100 g Sherry (ich: Shao Xing)
  • ca. 50 g Sahne (würde ich beim nächsten Mal weg lassen)
  • 1 EL Tomatenmark
  • nochmal ca. 100 g Rotwein
  • 1 EL alten Balsamico
  • 1 TL Zuckerrübensirup
  • 1 Zweig Rosmarin
  • 1 Zehe schwarzer, fermentierter Knoblauch (ich: weg gelassen, keiner im Haus)
  • 1 TL Teriyaki
  • 1 TL schwarzes Miso (ich: braunes)
  • 1 EL Parmesan, fein gerieben
  • (ich: 1 TL Sepiatinte)
  • Butter

Veggie Jus SerieJa, die Zutatenliste liest sich auf den ersten Blick ziemlich umfangreich. Ist aber erst einmal alles bereit gestellt, macht sich die Jus wie von selbst. Herr H. briet die Zwiebel im großen Bräter (der hohe Rand schützt später den Backofen vor allzu großer Verschmutzung) kräftig braun an, gab das restliche Gemüse hinzu und ließ es etwas Farbe annehmen. Dann löschte er mit Rotwein, Port und Shao Xing ab, ließ alles kurz aufkochen und stellte den Bräter für 90 Minuten in den auf 190° C vorgeheizten Backofen. Zwischendurch kontrollierte ich gelegentlich den Flüssigkeitsstand im Topf und gab etwas Wasser hinzu. Neben den Bräter legte ich für eine gute Stunde eine in Alufolie verpackte Rote Bete.

Nach den 90 Minuten gab er den Topfinhalt durch das feine Sieb und drückte ihn gut aus. Die ca. 150 g gab er zusammen mit den restlichen Zutaten (bis auf die Butter!) zurück in den wie von Zauberhand gesäuberten Bräter und ließ es ca. auf die Hälfte einkochen, bis es eine sirupartigen Konsistenz hatte. Durch die Sahnezugabe ließ die Farbe der Sauce leider zu wünschen übrig. Ich färbte kurzerhand mit etwas Sepia. Wozu hat man das Zeug sonst? Herr H. montierte die Jus schließlich mit eiskalter Butter. Ein Abschmecken ergab, dass jede weitere Würzung vollkommen überflüssig war. Wir mussten uns sehr beherrschen, die Jus nicht direkt löffelweise aus dem Topf zu essen.

Für die Bergkäseknödel:

  • 300 g Quark (ich: Topfen 20%ig)
  • 100 g Bergkäse (vom kräftigen)
  • 100 g flüssige Butter
  • 100 g Panadebrösel (ich: Panko)
  • 2 Eigelb
  • 8 Cocktail Tomaten, gehäutet

Knödel Serie 1Ich verrührte alle Zutaten mit dem Löffel zu einem homogenen Teig und knetete ihn kurz von Hand. Dann stellte ich ihn für 30 Minuten in den Kühlschrank. Herr H. formte dann etwa handtellergroße Teigscheiben, legte je eine Tomaten ein und klappte den Teig drumherum nahtlos zusammen. Das klappte schon einmal bestens. Anschließend legte ich den ersten Knödel in siedendes Wasser. Er stieg nach kurzer Zeit brav an die Wasseroberfläche und durfte dort weitere 5 Minuten verharren. Die restlichen Knödel garte ich genauso. Herr H. hatte inzwischen die Bete gehäutet und gewürfelt und zwei Teller vorgewärmt. Ich gab die Knödel auf die Teller, goss etwas Jus an und streute Betewürfel und statt den vorgeschlagenen Rotweinschalotten Cassis-Perlzwiebeln dazu. Anschließend verfolgte ich mit knurrendem Magen das übliche Prozedere.

Bergkäseknödel 1

Fazit:  Was für ein himmlisches Gericht! Die Jus war derart köstlich, dass wir die letzten Reste recht ungehobelt mit den Fingern von den Teller wischten. Die Bergkäseknödel waren herrlich fluffig und die Bete passten perfekt. Die im Rezept vorgeschlagenen gelben hätten vermutlich den Optik des Tellers nicht geschadet, aber es war eben nur eine rote im Vorrat gewesen. Herr H. lehnte sich nach dem Essen höchst zufrieden zurück, schielte nicht mehr zum Tiefkühler und wunderte sich ein ums andere Mal, wie unverschämt gut die Jus geschmeckt habe. Und das soll schon etwas heißen.

Recht frei interpretiert aus: Ein Herd und eine Seele Tobias Sudhoff

Advertisements

21 Gedanken zu „Karnivorentäuschung leicht gemacht

  1. Pingback: Stuffed Cabbage with Chestnuts and Beetroot | Hefe und mehr

  2. Hallo Eva – den schwarzen Knoblauch bekommt man überall im Fachhandel oder man kann ihn sich schicken lassen (einfach bei Google schwarzer Knoblauch online eintippen). Mein Rezept ist übigens eine Abwandlung von einem Rezept Stephan Hentschels, dem Berliner Veggie-König. Ich mache diese Sauce bei uns an der FH oft mit Studenten zum Thema Umami (ohne Fleisch).
    Schön, wenn es geschmeckt hat, herzliche Grüße an die Alster (bin übrigens am 10.3. dort in Lauenburg mit meiner Band…)

    Tobias Sudhoff

    • Danke für den Tipp, Tobias. Ich hatte gesehen, dass es ihn online gibt, war mir aber bezüglich der Qualität nicht sicher, da es dort wohl große Unterschiede geben soll. Beim nächsten Mal dann. Und geschmeckt hat es fantastisch!

      Liebe Grüße,

      Eva

  3. Pingback: Maronen-Rote Beete-Kohlroulade mit Veggi-Jus | Hefe und mehr

  4. Sieht köstlichst aus und kommt auf die toDo-Liste. Wenn der Jus schon der „ultimative Veggie-Jus“ heißt, muss ich ihn ausprobieren. Mit all den Umami- Komponenten kann das ja nur gut schmecken. Allerdings ohne die Sepiatinte, denn mit ihr ist das ja eigentlich nicht mehr „veggie“ 🙂 .

    • Danke, Stefanie. Das mit der Tinte war eine Notlösung. Ich hatte unbedachterweise Sahne zur Sauce gegeben und Rotwein und Sahne -> ganz schlimme Farbe. Vielleicht hätten schwarzes Miso und schwarzer Knoblauch das ganz „retten“ können…

      • Inzwischen haben wir die Jus nachgekocht und zu Kohlrouladen (gefüllt mit Kürbis-Kastanien-Steinpilz-Mischung) serviert. Die Jus war ein Traum. Ich habe auf die Sahne verzichtet und so war die Farbe auch ohne Sepiatinte schön dunkel, fast schon schwarz.
        Ich habe zum Glück in weiser Voraussicht die doppelte Menge angesetzt. Die zweite Hälfte ruht im Tiefkühler für Weihnachten (rate, wer hier noch hamstert 😉 ) und ich muss dann nur noch erwärmen und mit Butter aufmontieren.

      • Deine Kohlrouladen sind „gespeichert“, schöne Idee! Ich habe leider keine Jus mehr, dafür aber noch ein paar Klöße. Auch nicht verkehrt. 🙂

      • Der Kohlroulade fehlte meiner Meinung nach ein wenig der Biss. So war mir die Mischung zu weich. Da muss ich noch ein bisschen tüfteln (bis Weihnachten habe ich ja noch Zeit)

  5. toll! Das wird bald ausprobiert, eventuell etwas vereinfacht (sind wirklich viele Zutaten…). Von Tim Mälzer habe ich mal was ähnliches gelesen, hast du den Vegetarier-Jus zufällig auch schonmal ausprobiert?
    Da ich öfter nicht nur für einen Vegetarier, sondern auch für einen Tomatenallergiker koche, frage ich mich: gehen die Knödel auch ohne Füllung? Oder hättest du einen Alternativvorschlag? Danke und liebe Grüße, Lara

    • Den aus „Greenbox“? Nein, den habe ich nicht probiert, nur einst das Rezept gelesen. Kann mich allerdings nicht mehr genau erinnern. Die Knödel gehen sicher auch ohne Füllung oder eben mit Gemüse nach Wahl (zerkleinert) gefüllt.
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Oha, das klingt ja formidabel! Schmeckt das nun wie Jus oder eher nach Asien?
    Bei uns gibt es sehr selten Fleisch, einmal pro Woche oder so. Und da bin eher ich die treibende Kraft. Mein Mann könnte auch ganz ohne.

    • Danke, Susi. Eher nach klassischer Jus, soweit ich das beurteilen kann, aber ich hatte ja auch keinen schwarzen Knoblauch, wahrscheinlich gibt der noch einmal einen extra „Kick“.

  7. Oh, so ein tiefgründiges Sößchen merke ich mir für den ersten Kälteeinbruch vor, wenn alles nach *Schmorbraten* ruft. Vorallem, wenn ihr so schwärmt – da sollte ich wohl ob des Aufwandes gleich doppelte Portion machen 😉

    • Die doppelte Portion lohnt ganz bestimmt. Ich habe zum Glück noch einen Rest „Sauce“ retten können und der Kälteeinbruch kommt so sicher wie… 😉

  8. Hihihi …. ein von Zauberhand gesäuberter Bräter – so einen habe ich auch zu Hause 😉
    Der Jus liest sich sehr lecker und ja, es muss wirklich nicht immer Fleisch sein.
    Einen schönen Sonntag Euch zwei,
    Andy

    • Danke, Andy. Ja, das muss es nicht immer. Ich finde den Geschmack der Jus auf jeden Fall klasse. Gibt bestimmt noch einige andere Einsatzmöglichkeiten dafür.
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s