Frischer Wind Teil 2

 

linsen süss sauer 1Wie bereits angekündigt hier nun das zweite Rezept aus dem neuen Lieblingskochbuch*. Linsen essen Herr H. und ich schon seit einigen Jahren sehr, sehr gern. Was recht erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass wir uns früher bereits beim Gedanken an sie schüttelten. Ich erinnere mich noch an einen Besuch im Elternhause H., bei dem uns eine traditionelle deutsche Linsensuppe angeboten wurde. Herr H. und ich sahen uns nur kurz an, lehnten höflich ab und verkündeten ausweichend, dass wir eh geplant hätten, auswärts essen zu gehen. Ich weiß gar nicht mehr, was genau den Umschwung in Punkto Linsen-Liebe einleitete, vermutlich waren reichlich „exotische“ Gewürze im Spiel. Inzwischen haben wir stets mindestens drei verschiedene Sorten Linsen im Haus und das MHD wird im Gegensatz zu vielen anderen Vorräten nie überschritten. Die gelben Linsen für diese Suppe musste ich allerdings eigens anschaffen.

Für den gelben Rettich (soll 48 Stunden ziehen):

  • 200 g weißer Reisessig
  • 50 g japanischer Senf (war nirgends aufzutreiben, wurde ersetzt durch mittelscharfen)
  • 1 TL Senfsaat
  • 1 kleiner weißer Rettich, geschält, in Würfel von 5 x 5 mm geschnitten (ich: Streifen, da ich die Reste für Sushi verwende)

Ich gab Essig, Senf und Senfsaat in einen Topf, kochte alles auf, gab die Rettichstreifen hinzu und kochte alles erneut kurz auf. Nach dem Abkühlen füllte ich Rettichstreifen und Marinade in einen Behälter und stellte ihn für 48 Stunden in den Kühlschrank. Die Reste befinden sich seit ein paar Wochen in unverändert gutem Zustand dort und schmecken von Tag zu Tag besser.

Für die Linsencreme:

  • 8 g gelbes Currypulver
  • 15 g Rapsöl
  • 300 g Geflügelfond
  • 200 g Sahne
  • 125 g gelbe Linsen, eingeweicht
  • 50 g Crème fraîche
  • 25 g Shirodashi (flüssiges asiatisches Würzmittel, ich: selbst hergestellt)
  • 5 g Orangenöl
  • 8 g weißer Balsamico
  • Salz

Linsen Serie

Ich schwitzte das Currypulver kurz in Rapsöl an, löschte mit Fond und Sahne ab und gab die abgetropften Linsen dazu. Sie durften ca. 20 Minuten sachte köcheln, bis sie sehr weich geworden waren. Anschließend pürierte ich alles, schmeckte mit den restlichen Zutaten ab und strich die Creme durch ein feines Sieb. Bis zur Verwendung stellte ich sie warm.

Für die Einlage:

  • 75 g gelbe Linsen, al dente gekocht
  • 80 g gelber Rettich, gewürfelt
  • 40 g Dörraprikosen (Mist, keine mehr da, deshalb Cranberries, die farblich nicht gut harmonierten)
  • 40 g Staudensellerie, blanchiert, gewürfelt
  • 50 g Wildschweinsalami, gewürfelt
  • ein paar Sellerieblätter

einlage serie

Während Herr H. die Zutaten für die Einlage identisch kleine Würfel schnitt, kochte ich die gelben Linsen knapp gar, so dass sie noch nicht zu zerfallen begannen und stellte sie nach dem Abgießen ebenfalls warm. Die Selleriewürfel blanchierte ich. Als alles fertig war, schöpfte ich Linsencreme auf vorgewärmte Teller, gab Sellerie, Rettich, Salami, Cranberries und Linsen in die Mitte und dekorierte mit einigen Sellerieblättchen mangels Hunds-Kerbel. Das sah schon mal gar nicht schlecht aus.

linsen süss sauer 3

Fazit: Und es schmeckte uns hervorragend. Zu schade, dass wir immer noch nicht von selbst auf so gute Ideen kommen. Alle Komponenten der Einlage passten perfekt zur Linsencreme und mit ein par Scheiben frisch gebackenen Baguettes sättigte uns das Gericht völlig ausreichend. Ich würde beim nächsten Mal allerdings nicht nur aus optischen Gründen darauf achten, Dörraprikosen im Haus zu haben. Die Cranberries machten sich zwar ganz gut, aber mit Aprikosen schmeckt es sicher noch einmal doppelt so gut.

*Aus: Deutscher Wein Deutsche Küche Paula Bosch, Tim Raue

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22 Gedanken zu „Frischer Wind Teil 2

  1. Ich bin ja schon ein Fan der heimischen Linsensuppe (natürlich mit einem Frankfurter Würstchen drin) und der Düsseldorfer in unserem Haushalt schwärmt für rheinische Ääätzesopp. Aber richtig begeistert sind wir von indischer Linsensuppe – mit den roten, geschälten Daal-Linsen und jeder Menge Chili, Ingwer und hausgemachtem Curry! Deine Suppe sieht hervorragend aus und zeigt mal wieder, wie vielseitig dieses lange verpönte „Arme-Leute-Lebensmittel“ ist!

    • Danke, Julia. Genau, das ist überhaupt auch noch ein Aspekt. Die arme Linse erlitt ein ähnliches Schicksal wie hier die Steckrübe. Es scheint aber nun an der Zeit zu sein, mit diesem alten Vorbehalten aufzuräumen!
      Erbsensuppe lieben wir übrigens auch sehr. 🙂

  2. Linsen- ich bin von Anfang an auf schwäbische sozialisiert und mochte die auch immer gern. Wildschweinwurst dazu, das versuche ich mir mal zu merken- und gelbe Linsen hatte ich tatsächlich noch nicht oft. Also, fein, außerordentlich fein.

  3. Richtig sämig schaut sie aus, deine Linsencreme! Tatsächlich blieben Linsen auch sehr, sehr lange meinem Speiseplan fern… Ich empfand sie stets als langweilig und fad. Das Schlüsselerlebnis waren auch bei mir exotische Gewürze, allen voran die indische Küche. Und trotzdem, wenn ich solche leckeren Gerichte hier sehe, stelle ich immer wieder fest, dass ich viel zu selten mit Linsen koche. Wieso denn eigentlich? Ein Paket roter oder gelber Linsen steht nämlich stets im Vorratsschrank daheim parat 🙂

    • Das liegt am Passieren. War mir früher immer der eine Arbeitsschritt zuviel, aber inzwischen ist mir die „richtige“ Konsistenz wichtiger als der Arbeitsschritt. Und überhaupt, gute Idee, ich glaube, heute gibt es hier auch wieder Linsen. 🙂

  4. Oh herrlich! Linsensuppe ist so was wunderbar altmodisches, das aber so lecker ist. Eure Creme bringt wunderschöne Farbe rein…wobei ich ja hoffe, dass jetzt noch ein paar warme Tage kommen an denen man lieber (kalte) Suppe löffelt oder Salat isst und grillt 😉
    Ganz liebe Grüße, Miriam

    • Danke, Miriam. Es scheint, als läge ich derzeit mit Suppen und Co. ganz richtig. 😉 Ich gebe aber zu, dass ich auch bei 30°C im Schatten gern etwas Warmes esse…
      Liebe Grüße und viel Kraft zum Lernen,
      Eva

  5. Hm. Linsen mag ich ja schon immer. Und die Suppe sieht ganz hervorragend aus. Bloss über den Rettich müssen wir nochmal reden. Der gehört tatsächlich zu den wenigen Lebensmitteln,, mit denen ich mich partout nicht anfreunden kann. Vielleicht mit Radieschen? 😁

    • Danke, Susanne. Das mit dem Rettich ist komisch, er schmeckt doch recht ähnlich wie ein Radischen, das man sicher ersatzweise auch nehmen könnte. 😉

  6. Euch geht es wie mir: Um Linsen habe ich (viel zu) lange einen Bogen gemacht – um jetzt die verpassten Jahre gefühlt mir doppelter und dreifacher Dosis wettzumachen. Eure fantastische Vorlage wird sicher nicht nur dazu gut sein – merci!

    • Danke schön! Und wer weiß, vielleicht krame ich in diesem Winter wieder einmal die Nähmaschine hervor – wobei das eher unwahrscheinlich ist, aber man weiß ja nie. 😉

  7. Oh ja, gute deutsche Linsensuppe, am besten noch süß-sauer, mag ich auch nicht. Zu Hause gabs das nie, weil man meine Mutter mit Hülsenfrüchten allgemein weit weg jagen kann. Ich kannte es nur aus Schulspeisung (das waren die Tage wo ich eher hungrig war in der 6. Stunde saß).
    Mein Umschwung kam mit indischem Essen (Dal aus roten Linsen), bei den Bohnen waren es Baked Beans und Refried Beans.

    Dein Rezept sieht sehr gut aus, allerdings würde ich an der Zutatenliste ein wenig verzweifeln 😉

    • Danke, Tina. Ja, vermutlich brachte mir auch ein Dal die Linsen näher. Warum lässt dich die Zutatenliste verzweifeln? So viel Exotisches ist doch gar nicht drin und den japanischen Senf habe ich doch auch einfach ersetzt…

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