Eine Art Rosskur

Pasta con catalogna 1

Als Herr H. am letzten Freitag deutlich verspätet nach Hause kam, strahlte er über beide Ohren. Auf die Frage, wo um alles in der Welt er denn gewesen sei, hielt er mir wortlos einen großen grünen Beutel vor die Nase. Ich versuchte, danach zu greifen, aber er nahm ihn wieder an sich und begann allerlei Kurioses daraus hervorzuziehen, wie der Zauberer Kaninchen und ähnliches aus seinem Hut. Als letztes kam ein riesiger Strunken Grünzeugs zum Vorschein, das ich zwar auch schon häufiger in verschiedenen Geschäften gesehen, wegen allgemeiner Ratlosigkeit, was ich damit anstellen könnte, stets jedoch tunlichst an Ort und Stelle belassen hatte. Nun war er also da, der Catalogna oder wie man das Gewächs, dem ein mächtig bitterer Geschmack nachgesagt wird auch immer nennen will. Herr H. kostete mutig vom grünen Blatt und verzog die Mundwinkel dabei nur leicht. Ja, das Zeug sei eindeutig bitterer als alles andere, was normalerweise in unseren Töpfen landet. Nach kurzer Recherche war klar, wie wir dem Ungetüm zu Leibe rücken würden.

Für die Pasta mit Catalogna und Tomate:

  • Olivenöl
  • 1/2 Zwiebel, fein gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • ca. 300 g Passata
  • 1 TL Tomatenmark
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Pasta nach Belieben (hier Festonati)
  • gut 2/3 einer ausgewachsenen Staude Catalogna, Stiele klein geschnitten, Blätter grob zerteilt
  • Parmesan zum Servieren nach Belieben

zutaten serie

Zunächst schwitzte ich erst Zwiebel, dann Knoblauch in Olivenöl farblos an. Ich gab das Tomatenmark hinzu, ließ es kurz mitschwitzen und füllte mit Passata und wenig Wasser auf. Eine Prise Salz. Fast fertig. Ich ließ die Sauce ca. 30 Minuten offen sanft köcheln. Wird sie dabei zu trocken, einfach etwas Wasser auffüllen. Herr H. hatte derweil den Catalogna „entblättert“. Das innen liegende „Herz“ mit den spargelförmigen Trieben wanderte zurück in den Kühlschrank. Daraus wollten wir in Kürze diesen Salat bereiten. Zurück zur Pasta. Herr H. kochte reichlich Wasser auf, salzte es (10 g/ Liter) und gab die Festonati mit den Stielstückchen hinein. Während der letzten Minuten ließ er schließlich die Blätter mitköcheln. Nachdem alles abgetropft war, gab er die Pasta zur Tomatensauce, hob sie unter und richtete Catalogna und Pasta dekorativ an. Ich hatte eigentlich Spaghetti haben wollen, aber die wurden mit der Begründung abgelehnt, dass man sie schlecht mit der Gemüsebeilage zusammen essen könne, da man beim Aufgabeln immer nur entweder Spaghetti oder Gemüse hätte. Sei’s drum.

Pasta con catalogna 4

Fazit: Wenig zuversichtlich gabelte ich die erste Portion auf und ließ sie zögernd in den Mund wandern. Aber bereits beim zweiten Bissen ging ich wesentlich beherzter vor. Der Catalogna hatte durch das Garen einiges an Bitterkeit eingebüßt und schmeckte einfach nur köstlich. Herr H. war ebenfalls schwer angetan und schweigend leerten wir die Teller und Töpfe bis auf das letzte Fitzelchen. Ich gab zu, etwas zu starr auf meinen Vorurteilen beharrt zu haben und merkte an, dass die köstlich bittere Staude gern häufiger auf den Tisch kommen dürfe. Und ich weiß nicht, ob es am der „entgiftenden“ Wirkung des Catalogna gelegen hat, aber der lange, langsame Lauf am nächsten Morgen fiel mir unerwartet leicht. Vielleicht handelt es sich bei diesem Gericht tatsächlich um eine Art „pflanzliches Doping“.

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16 Gedanken zu „Eine Art Rosskur

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