Besser als berauschend

Mohntörtchen 2

Mohn gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen des Menschen und ich bezweifle, dass es ihnen bei der Kultivierung einst in erster Linie um den delikaten Geschmack der Samen ging. Für mich jedoch wird die rauschhafte Erfahrung der Pflanze wohl für immer im Verborgenen bleiben. Zu groß ist der Respekt vor dem gefährlichen „Gift“, zu groß die Abneigung gegen das Gefühl des Ausgeliefertseins. Befindet sich der gereifte Samen hingegen auf Brötchen oder in Gebäcken jeglicher Art bin ich geradezu berauscht vom unvergleichlichen Geschmack. Viel zu selten kommt er in unserer Küche zum Einsatz, da seine Lagerung gelinde gesagt problematisch ist. Kaum ist er in Berührung mit Sauerstoff gekommen, schon setzt die Oxidaton ein und er wird ranzig. Auch die vielfach gepriesene Lagerung im Froster verzögert den Prozess nur unwesentlich. Deshalb musste ein Rest so schnell wie möglich verarbeitet werden.

Für den Mohn-Mürbeteig (4 Tartes à 8 cm):

  • 45 g kalte Butter, gestückelt
  • 35 g Puderzucker
  • 12 g Mohnsaat
  • 1 Pr. Salz
  • 90 g Weizenmehl 405er
  • 12 g Ei

Mürbeteig Serie

Nach dem Abwiegen der Zutaten vermengte ich Butter, Puderzucker und Mohn mit dem Löffel in einer Schüssel zu eine homogenen Creme. Dann gab ich 1 Prise Salz und das Mehl hinzu und zerrieb alles mit kalter Hand zu einer sandigen Masse. Wer saubere Hände behalten möchte, kann stattdessen den Zerkleinerer bemühen. Ich gab das Ei zur Masse und fügte alles schnell zu einem Teig zusammen, den ich dünn ausgerollt zwischen Folie für 2 Stunden in den Kühlschrank legte. Nach der Pause rollte ich die Teigplatte ca 3 mm dünn aus, stach Kreise mit 10 cm Durchmesser aus und passte sie in die gebutterten Ringe. Ich stippte die Böden und fror die Ringe für 30 Minuten ein. Das erspart das lästige Blindbacken. Anschließend buk ich sie ca. 20 Minuten bei 170°C. Sollten sich wider Erwarten kleine Wölbungen in den Böden bilden, kann man sie beim Backen kurz mit dem spitzen Messer anpieksen.

Für die Mohn-Frangipane:

  • 25 g Puderzucker
  • je 12, 5 g Mohnsaat (gemörsert) und Mandelmehl
  • 25 g Butter
  • 25 g Ei
  • 1 TL Orangenlikör

frangipane Serie

Ich verrührte Puderzucker Mandelmehl, Mohn und Butter, gab das Ei hinzu und rührte weiter, bis eine gleichmäßige Masse entstanden war. Diese strich ich zu gleichen Teilen in die 4 vorgebackenen Tarteschalen und buk sie erneut ca. 20 Minuten bei 170°C. Nach dem Abkühlen bewahrte ich sie luftdicht verpackt bei Raumtemperatur auf.

Für die weiße Schokoladen-Mousse (6 Halbkugeln à 7 cm):

  • 1, 7 g Gelatine (1 Blatt), in kaltem Wasser eingeweicht
  • 50 g Crème pâtissière
  • 65 g weiße Kuvertüre, fein gehackt
  • 160 g Sahne, locker aufgeschlagen

weiße Schokoladen Mousse SerieIch schmolz die Gelatine im Wasserbad und rührte etwa ein Drittel der Crème pâtissière mit dem Schneebesen ein. Dann gab ich die restliche Crème  hinzu und rührte sie unter. Ich beließ die Schüssel im Wasserbad, schmolz die gehackte Kuvertüre in einer zweiten Schüssel und rührte sie unter die Crème. Herr H. hatte in der in der Zwischenzeit die Sahne locker aufgeschlagen, rührte 2 EL davon unter die Crème und hob den Rest behutsam unter. Ausversehen landete ein Löffelchen der Mousse in meinem Mund und ich musste laut seufzen – diese leichte weiße Schokoladen-Mousse ist mein absoluter Liebling. Ich füllte die Mousse in die 6 Mulden der Silikonform, ließ ca. 1 cm zum Rand dabei frei und fror alles für mindestens 4 Stunden ein. Dann erhitzte ich frisch gekochtes Blutorangengelee (ca. 100 g), verteilte es auf den gefrorenen Kuppeln und stellte sie erneut in den Tiefkühler. Nachdem auch das Gelee erstarrt war (ca. 1 Stunde später), bereitete ich einen exotischen Guss (dreifache Menge), ließ ihn auf 40°C abkühlen und überzog vier der Halbkugeln damit. Die glasierten Halbkugeln setzte ich auf die vorbereiteten Tartelettes. Herr H. ließ für Dekorationszwecke noch einige Mohnsamen auf die glasierten Kuppeln fallen.

Leider befand sich nach dem Geleekochen keine einzige Blutorange mehr in unserem Besitz. Ansonsten hätte ich sie filetiert, in den Guss getaucht und um den Rand gelegt. Der einzige Ersatz, der sich fand, waren einige in die Jahre gekommene Kumquats. Ich schnitt sie in dünne Scheibchen, entkernte sie dabei, tauchte sie in den Guss und legte sie rundherum. Nicht optimal, aber besser als nichts.

Mohntörtchen 5

Fazit: Während des Herstellungsprozesses war ich recht skeptisch gewesen, ob diese selbst entworfenen Tartes sich wohl geschmacklich würden behaupten können. Beherzt biss ich ein erstes Stückchen ab und hielt sogleich überrascht inne. Eine so harmonische Aromenkombination hatte ich im Leben nicht erwartet. Die Rechnung war aufgegangen. Das alte Dreamteam Mohn und Orange hatten sich erneut zu Höherem aufgeschwungen. Allein die leichte Bitternote der Kumquatschale verursachte leichte Turbulenzen. Mit Orangenfilets hingegen wird der Höhenflug nicht erschütterbar sein, soviel ist sicher!

Inspiriert von einer unlängst genossenen Mohn-Tarte von Du Bonheur

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20 Gedanken zu „Besser als berauschend

  1. Selbstentworfen und wie immer grandios. Ich bin echt beeindruckt! Den Mohnmürbeteig merke ich mir jedenfalls für meinen Mohnkuchen, welcher bis anhin immer mit regulärem Mürbeteig auskommen musste 😉

  2. So unglaublich schön!
    Ich denke gerade an meine missglückte Glasur aus weißer Kuvertüre und dagegen deine eleganten Törtchen.

  3. Eva, was machst du…., ich hab gerade Rhabarber Törtchen fertig gemacht, und jetzt kommst du mit sowas. Ach ich muss dann bis nächsten Wochenende warten.

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