Das große Warten

Hackbällchen in Joghurtsosse 2

Wenn alles Machbare getan ist, bleibt nichts mehr als zu warten. Mein Geduldsreservoir ist zwar im Laufe der Jahre um einiges voller geworden, ich flippe nicht wie früher komplett aus, wenn ich auch nur 10 Minuten auf etwas Langersehntes warten muss, aber meine Lieblingsbeschäftigung ist es dennoch nicht. Die Zeit scheint sich gleichzeitig auszudehen und schneller und schneller zu laufen. Grässlich. Wobei ich mit meiner Abneigung dem Warten gegenüber wahrscheinlich in bester und zahlreicher Gesellschaft bin. Ein schwacher Trost. Der Hunger zeigt sich hingegen vom Warten gänzlich unbeeindruckt. Also besinne ich mich auf das Wesentliche und koche. Mittags Hirse für die Kleine und abends etwas ausgefeilteres für den arg gebeutelten Herrn H. Leib und Seele wollen schließlich zusammengehalten werden.

Für die Lammbällchen (6 Stück):

  • 250 g Lammhackfleisch
  • 40 g frische Semmelbrösel
  • 17 g Pinienkerne, geröstet (ich: Mandeln)
  • 1/4 TL Zimt
  • 1/2 TL Koriander, gemahlen
  • 1 Pr. getrocknete Minze
  • 1/2 TL Piment, gemahlen
  • 1 Knoblauchzehe mit 1/2 TL grobem Meersalz zerstoßen
  • schwarzer Pfeffer
  • Öl zum Braten

klopse Serie

Ausnahmsweise nahm ich mich der Bällchenbereitung an, da Herr H. noch nicht zurück war. Ich gab alle Zutaten in eine Schüssel, verknetete sie gründlich von Hand und ließ die Masse ca. 30 Minuten ruhen, bevor ich sechs runde Bällchen daraus formte. Ich briet die Bällchen bei mittlerer Hitze ca. 4 Minuten goldbraun an und stellte sie warm.

Für das Ofengemüse:

  • 1 Aubergine, grob gewürfelt
  • ca. 200 g kleine Tomaten, geviertelt oder geachtelt
  • 1 Pr. Kreuzkümmel, gemahlen
  • Olivenöl, Salz

Gemüse Serie

Ich vermengte Auberginen und Tomaten mit wenig Olivenöl, Salz und Kreuzkümmel und garte sie bei 200°C ca. 30 Minuten im Backofen. Das hatte ich in der Zeit erledigt, in der die Hackmasse ruhte. Nachdem der Backofen wieder abgekühlt war, stellte ich Gemüse und Hackbällchen darin warm.

Für die Joghurtsauce:

  • Olivenöl
  • 1 kleine Zwiebel oder Schalotte, fein gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 Tl frische Chiliwürfel
  • 150 g Mangold, Stiele entfernt, in Streifen geschnitten (ich: Spinat)
  • 1/2 TL Piment, gemahlen
  • 150 g Hühnerbrühe
  • 20 g Zitronensaft
  • 250 g griechischer Joghurt
  • 75 g Wasser
  • 1 TL Speisestärke, in wenig Wasser gelöst
  • 1 Eigelb
  • Granatapfelkerne und frischer Koriander nach Belieben
  • Salz, schwarzer Pfeffer

Joghurtsosse Serie 1

Ich rührte Joghurt, gelöste Stärke, Eigelb und Wasser in einer großen Schüssel glatt. Nun erhitzte ich wenig Olivenöl in der Pfanne, schwitzte erst Zwiebel. dann Knoblauch, Chili und Spinat darin an. Ich würzte mit Piment, gab die Brühe und Zitronensaft hinzu und zog die Pfanne, nachdem alles aufgekocht war, vom Herd. Nach und nach gab ich unter Rühren die heiße Spinatmischung zur Joghurtmischung, würzte mit ca. 1 TL Salz und gab die Sauce wieder zurück in die Pfanne. Bei schwacher Hitze brachte ich sie unter stetem Rühren bis kurz vor den Siedepunkt, damit der Joghurt nicht ausflockte. Dann legte ich die Bällchen ein und ließ sie ca. 20 Minuten bei sehr schwacher Hitze darin ziehen. Der Reiskocher kümmerte sich derweil freundlicherweise um den Basmatireis. Inzwischen war auch Herr H. zurück gekehrt. Höchst erfreut machte er sich an die Arbeit. Es kommt in letzter Zeit nicht sehr oft vor, dass das Essen so früh fertig ist.

Hackbällchen in Joghurtsosse 1

Fazit: Da das meine erste warme Joghurtsauce war, war ich recht gespannt. Und wir wurden nicht enttäuscht*. Sauce, Bällchen, Gemüse und Reis ergaben ein so wohlschmeckendes Mahl, dass ich es inzwischen bereits mehrmals erneut gekocht habe. Das kommt ebenfalls nicht besonders häufig vor. Deshalb kann ich auch eine klare Nachkochempfehlung aussprechen! Und weiter warten…

* Was bei dem Buch, aus dem das Rezept für Bällchen und Sauce stammt, auch nicht anders zu erwarten gewesen: NOPI Yotam Ottolenghi, Ramael Scully

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24 Gedanken zu „Das große Warten

  1. Ich sehe schon, ich muss mir wohl doch noch auch das nächste Ottolenghi-Kochbuch anschaffen… Es sieht jedenfalls mal wieder ganz köstlich aus, und auf so ein Essen würde ich dann auch glatt ein bisschen warten 🙂
    LIebe Grüße, Tring

    • Ich kann es dir wirklich nur wärmstens empfehlen. Wobei, es ist ganz anders als die Vorgänger, schon ein wenig „anspruchsvoller“. Muss man sich halt ein bischen Zeit nehmen. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Das stimmt! 🙂
      Und ja, NOPI ist klasse. Manchmal picke ich mir auch einfach nur ein Detail heraus – und davon gibt es ziemlich viele darin. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Ist die Kleine denn nun Stammgast bei euch? Soll sie Appetit auf Nachwuchs machen? 😉
    Lamm ist wirklich was Feines! Wir essen es nur viel zu selten. Muss ich dringend ändern!

    • Ja, das ist sie, zwei Mal pro Woche habe ich das Vergnügen. Und nein, das Thema Nachwuchs ist bei uns schon lange durch. Da ist so ein „Leihkind“ doch etwas feines. 🙂

  3. Mir gefällt das Warten.- Muss ich zu den „Deutschen Ämtern“ komme ich so früh, dass ich bereits runde 30 Minuten vor Arbeitsbeginn der Sachbearbeiter vor dem Zimmer im Flur warte. Das macht grosse Laune bei den Sachbearbeitern und inzwischen hattr ich auch bereits den Abteilungsleiter im Flur begrüsst.-

  4. Ob wir efrahren, worauf da so sehnlich gewartet wurde? Ich bleibe gespannt und ergötze mich während der Warterei ob den feinen Fleischbällchen 🙂
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  5. Ach, die Bällchen habe ich auch noch auf meiner Liste. Du hast sie wieder hochgeschubst. Danke ☺
    Und Warten ist blöd. Naja, ein bisschen kommt es darauf an, auf was. Auf den Bus geht noch. Aber auf den Ausgang einer spannenden Sache, das ist deutlich unangenehm.

    • Gern geschehen. So schubsen wir uns immer gegenseitig. 😉
      Ich finde es manchmal sogar schlimmschlimmschlimm, 6 Minuten auf die nächste S-Bahn zu warten. Manchmal hilft atmen, aber meistens scharre ich mit den Füßen…

    • Ähh, irgendwie habe ich es nicht übers Herz bekommen, ihm das Gericht länger vorzuenthalten, da er es gerade nicht ganz einfach hat.
      Er hat jedenfalls gefuttert, als hätte es drei Tage nix gegeben und er freut sich, wenn ich es „ganz bald“ wieder mache … jetzt ist der Interessenkonflikt da, denn meins war es irgendwie nicht so richtig.

      • Hihi. Ich kenne diese Zwickmühle gut. Herr H. liegt mir zur Zeit auch ständig in den Ohren, wir müssten doch unbedingt noch einmal Grünkohl essen…

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