Auf ein Neues?

Gemüse 5

Es gibt diese Zeiten im Leben, in denen alles auf Umbruch gepolt zu sein scheint. Wo es vorher behaglich und manchmal auch ein wenig langweilig war, tauchen plötzlich an allen Ecken und Enden Fragezeichen auf. Gehen oder bleiben? Und wenn ja, dann wohin? So vieles ist gerade ungewiss, dass mir ein wenig schwindelig im Kopf ist. Noch vor 10 Jahren hätte ich mich begeistert ins Ungewisse gestürzt. Was sollte schon groß passieren, dachte ich mir damals. Das ganze Hab und Gut verkaufen, den Job und die Wohnung kündigen und für ein Jahr mit Fahrrad und Zelt durch die Weltgeschichte gondeln? Welch hinreißende Idee! Inzwischen liegt das alles lange hinter mir. Eine neue Existenz wurde aufgebaut und Herr H. und ich richteten uns gemütlich in ihr ein. Und nun noch einmal von vorn das Ganze? Mein Enthusiasmus hält sich in Grenzen. Aber hey, wer weiß, wozu es gut ist. Und damit wir die neue Situation mit voller Kraft meistern können, steht zur Zeit meist Gemüse im Vordergrund des Speiseplans.

Für das Gemüse:

  • 150 g Geflügelfond A
  • 6 kleine Bundmöhren mit Grün (ich: je 1 orange und weiße Möhre, geschält, gestiftelt)
  • 6 kleine weiße Rübchen mit Grün (ich: s. o.)
  • 6 Stangen grüner Spargel (ich: 1/2 Stange Lauch, das Weiße, in Ringe geschnitten, ist noch keine Spargelzeit)
  • 100 g Erbsen A
  • 100 g Dicke Bohnen, nach dem Enthülsen gewogen
  • 60 g Bauchspeck, in Streifen geschnitten
  • 6 frische Morcheln, geputzt (ich: 125 g braune Champignons, in nicht zu dünne Scheiben geschnitten)
  • 100 g Erbsen B
  • 50 g Geflügelfond B
  • 25 g Kalbsjus (ich: etwas vom Ochsenschwanzgelee)
  • Olivenöl
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • (ich: eine Handvoll Estragonblätter, grob geschnitten)

Gemüseserie klein

Die Zubereitung vereinfachten Herr H. und ich ein wenig. Herr Ducasse gart alle Gemüse separat in Geflügelfond. Ich beschloss, sie einfach je nach Gardauer nacheinander zuzugeben. Zusätzlich fehlten uns grüner Spargel und Morcheln, aber wie ließen es auf einen Versuch ankommen. Ich schwitzte zunächst die Möhrenstifte in wenig Olivenöl an, ließ sie abgedeckt ca. 5 Minuten im eigenen Saft schmoren und gab erst Dicke Bohnen (3 Minuten), Champignons (weitere 3), Lauch (nochmal 3) und zum Schluss Erbsen und Geflügelfond hinzu, salzte und pfefferte und ließ alles offen noch einige Minuten köcheln, so dass die Flüssigkeit fast vollständig reduziert und die Gemüse knapp gegart waren. Herr H. hatte inzwischen den Speck knusprig ausgelassen, die Erbsen B. in Geflügelfond gegart, gewürzt, püriert und durch ein Sieb gestrichen. Ich hob das Püree unter die Gemüse, um die Sauce zu binden und stellte den Topf kurz beiseite.

Für die Kartoffeln:

  • 200 g neue kleine Kartoffeln
  • 40 g Butter
  • 1 kleine Knoblauchzehe, angedrückt
  • Salz
  • Olivenöl

Kartoffel Serie

Ich briet die ungeschälten Kartoffeln in wenig Olivenöl an, salzte und ließ die zugegebene Butter aufschäumen. Dann legte ich den Deckel auf und überprüfte nach 10 Minuten den Garzustand der Kartoffeln mit einem spitzen Messer. Nach ca. 25 Minuten waren sie perfekt. Ich goss die Butter ab (kann anderweitig verwendet werden) und stellte die Kartoffeln ebenfalls warm. Herr H. hatte derweil die gefrorenen Ochsenschwanzgeleewürfel erhitzt, auf etwas die Hälfte (50 ml) reduziert und die Teller vorgewärmt. Ich richtete Gemüse, Kartoffeln, Jus und Speck an und war recht überrascht, wie einladend der Teller ausschaute.

Gemüse 4

Fazit: Auch wenn das frische Grün noch ein Weilchen auf sich warten lässt, kann man aus den Vorräten vom letzten Jahr diesen vortrefflich frischen und frühlingshaft anmutenden Teller hervorzaubern. Die intensive Sauce erdet das luftige Gemüse und der knusprige Speck setzt einen krönenden Akzent. So gestärkt können wir uns nun all dem Neuen widmen, das auf uns zukommt. Es bleibt spannend.

Recht frei aus: Grand Livre de Cuisine – Kulinarische Enzyklopädie, Alain Ducasse

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41 Gedanken zu „Auf ein Neues?

  1. Ich sehe schon ich sollte mal wieder regelmäßiger Blogs lesen, sonst verpasse ich viel zu viel. Oder wir telefonieren einfach mal? Oder seid ihr irgendwann mal in Berlin? Liebe Grüße Melanie

    • Hihi… ja, wir waren gerade erst Anfang März in Berlin. Da war der Zeitrahmen leider sehr eng. Telefonieren, gern. Habe allerdings deine Nummer gar nicht.
      Liebe Grüße,
      Eva

      • Dann muss ich sie dir unbedingt mal schicken…Irgendwie habe ich es nicht einmal geschafft dir eine Email zu schicken, es ist zur Zeit dauernd so viel los…Aber ich hab dich nicht vergessen!

  2. «Wer nicht wagt…», das habe ich mir in meinem Leben oft gesagt. Und eigentlich habe ich immer gewonnen. Das letzte Mal: Auswandern (mit 56 Jahren)!
    Eine gute Planung und das Abschätzen von +/- ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Veränderung.
    Ein glückliches Händchen dafür wünscht euch
    FEL!X

    • Danke, Felix. Ja, das habe ich mir auch immer gesagt (bzw. die Steigerung „no risk, no fun), aber das „Alter“ hat mich definitiv vorsichtiger gemacht, um es milde auszudrücken. Die Listen wälzen wir. Ausgang noch ungewiss….
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Da bin ich ja auch sehr gespannt, wie es weitergeht! Aber egal wo und wie – ich bin sicher, solche Teller werden euch überall zufrieden sein lassen! Ich hab heute übrigens dem ersten grünen Spargel eine Chance gegeben, war gar nicht schlecht 🙂

    • Das stimmt, Petra. Und selbst, wenn wir nicht darüber bloggen, essen wir inzwischen täglich fürstlich. 😉 Echt, Spargel? Ich kann’s kaum erwarten. Deiner war tatsächlich aus Europa?

  4. Jetzt habe ich -ohne, dass ich das wirklich wollte- ein paar Wochen hier leider nicht mehr mitgelesen bzw. auf nahezu keinem Blog, geschweige denn auf meinem eigenen, elektronische foodprints hinterlassen… Und dann lande ich heute endlich mal wieder hier und du fällst mit solch einer Neuigkeit ins Haus… Ich drücke euch jedenfalls schon jetzt ganz doll die Daumen bei dem, was ihr beide Neues in Angriff nehmt!

    • Ich hatte mich schon ein wenig gewundert. 😉 Schön, dass du wieder da bist! Eine richtige Neuigkeit ist es ja (noch) nicht. Mal sehen, was kommt. Und danke für’s Daumendrücken!

  5. Oh, oh, oh, was ist da los? Ihr wollt Eure Zelte in der schönsten aller schönen Städte abbrechen? Chapeau! Wobei: Allem Anfang wohnt…! Ich hadere ja auch nach wie vor mit meinem (Über-)Mut des „Alles Neu und Anders“ aus dem vergangenen Herbst – um mich im nächsten Moment wieder drüber zu freuen. Zumal: Was kann schiefgehen, bei so einer Wegzehrung?
    Denk‘ an Euch!

    • Naja, von unbedingt Wollen kann da nicht die Rede sein. Aber du weißt ja, wie das ist. Mal sehen, wie es sich alles so entwickeln wird. Ich werde berichten. Heute gibt es auch keine Kochexperimente, sondern eine solide Lasgne – Nervennahrung. 😉

  6. Das sieht köstlich aus.
    Wir kennen uns zwar nicht – aber ich wünsche Dir viel Glück und Kraft bei den neuen Herausforderungen!

    LG, Sarah (seelenfutterx3)

  7. minus die Champigons und du hast mich mal wieder am Tisch sitzen- mit dem Hintergedanken gleich auszuforschen was da an Neuigkeiten im Busch ist. So oder so- toi-toi-toi, so sagt man in Künstlerkreisen, hat uns am Wochenende gut geholfen und wird auch bei euch seine Wirkung tun.

    • Die würde ich dir zuliebe glatt weglassen. 🙂 Dein Toi-toi-toi scheint geholfen zu haben. Mal sehen, wie es weitergeht. Ich bin genauso gespannt, wie ihr auch alle und werde dann auch berichten!

    • Danke! Und, nein, Maren. Nichts Schlimmes. Eher etwas sehr Positives, was aber ungemein viele unbekannte Variabeln beinhaltet. Und ich weiß einfach noch nicht, was da so alles auf uns zu kommt. Abwarten und backen. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  8. Mich hast Du auch neugierig gemacht 😉
    Abgesehen davon ist es grad Mittag und ich hätte das grad gern auf dem Teller.
    Abgesehen davon bekomme ich hier dicke Bohnen als gute TK-Ware. Nicht so toll wie frisch. Aber besser als gar keine.

    • Verzeih‘. Ich werde beizeiten Genaueres berichten. Und den Teller kannst du dir ja ganz einfach selber richten. Solange der Nachwuchs nicht protestiert. 😉

  9. Du machst mich ganz arg neugierig! Ich bin arg gespannt, was du nun vorhast.
    Bis dahin werde ich auf die Pirsch nach dicken Bohnen gehen. Die sind nämlich gar nicht so leicht zu bekommen in Wien.

    • Ich werde berichten, wenn alles etwas konkreter wird. Über ungelegte Eier usw. Es geht nur gerade so vieles in meinem Kopf herum, deshalb die ungenaue Schilderung. Wird schon. Und ich hoffe, du hast Dicke Bohnen gefunden? 🙂

  10. Ich sehe etwas Neues immer als Herausforderung, an der man sich messen kann, resp. wachsen kann. Und wenn ich mein Alter betrachte (52) , tut es mit gut, im Nachhinein, zu Wissen dass ich noch mit den anderen mithalten kann, man kommt aus seinem Alltags-Trott heraus. Es ergeben sich neue Perspektiven, lasst es auf euch zukommen. Gemeinsam werdet ihr es schon meistern, was immer es auch ist.
    Dein Rezept…herrlich .es ist jetzt 11.50 Uhr wenn mir jemand den Teller hinstellen würde, und sagen würde: Guten Appetit! Dann waere mein Tag gerettet.LG Malou

    • Danke, Malou! Ich sehe es ähnlich, habe aber festgestellt, dass meine Bereitsschaft zu wachsen nicht mehr ganz so stark ausgeprägt ist wie früher. 😉 Aber es stimmt schon. Man sollte der Angst einfach ins Auge sehen und losmarschieren. Das werden wir dann wohl auch tun. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Stimmt. Danke für die Erinnerung. 🙂 Das Blog wird vorerst bleiben, aber wahrscheinlich werde ich es nicht mehr schaffen, so häufig zu posten. Wir werden sehen. 🙂

  11. ja, denke mir beim 2. Mal ist das nicht mehr so neu, weil man ja manches schon erlebt hat,
    trotzdem wird es auf gewissen Art und Weise neu bleiben,
    was ich persönlich zu deinen Zeilen sagen muss – du machst uns alle neugierig was du vor hast.

    lg netzchen

    • Es hat vor allem viel mit „Loslassen-Können“ zu tun und das Bekannte, wenn auch nicht optimal, ist eben das vertraute… alles nicht so einfach, aber auch nicht so schwer. Ich werde beizeiten Genaueres erzählen. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

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