Spare in der Zeit…

Pasta mit Dörrbohnen 4

… so hast du in der Not, war eine der vielen Weisheiten, die meine Ur-Großmutter mir mit auf den Weg zu geben versuchte. Als Kind konnte ich speziell mit dieser Weisheit herzlich wenig anfangen. Ich sollte meine geliebten Süßigkeiten nicht auf einmal verputzen und dadurch maximalen Genuss erlangen, sondern sie mir einteilen und aufsparen? Das machte keine Sinn. Wer wüsste, ob ich in nebulös-ferner Zukunft überhaupt noch da wäre, um die Schätze angemessen zu würdigen? So futterte ich (mit üblichen Folgen) munter drauflos. Und zahlte. Lange. Es dauerte gut drei Jahrzehnte, den tiefern Sinn der Weisheit zu ergründen. Vielleicht ist es heutzutage nicht mehr nötig, den Überfluss der sommerlichen Ernte für den langen Winter selbst zu konservieren. Alles ist jederzeit „frisch“ erhältlich. Seltsamerweise scheint das jedoch eine Rechnung zu sein, die nicht aufgeht. Denn der Genuss bleibt dabei auf der Strecke. Wir haben leider (noch) keinen großen Gemüsegarten, aber zum Glück gibt es andere Menschen, die sich auf diese besondere Art des Konservierens spezialisiert haben.

Für die Bohnen-Kartoffel-Pasta:

  • 30 g Dörrbohnen, über Nacht in kaltem Wasser eingeweicht
  • 1 kleine Schalotte, fein gehackt
  • 1 kleine Möhre, in Brunoise (Kantenlänge max. 2mm) geschnitten
  • 1 kleines Stück Knollensellerie, in Brunoise geschnitten
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 rote Peperoncino, in Brunoise geschnitten
  • ca. 300 g Gemüse- oder Geflügelbrühe
  • 3 Zweige Bergbohnenkraut (ich: Bohnenkraut)
  • Olivenöl
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 3 Tomaten, filetiert, ca. 1 Std. bei 100°C bei Umluft im Ofen getrocknet (ich: 3 halbgetrocknete Tomaten, fein gehackt)
  • 170 g Trenette (ich: Linguine)
  • 100 g festkochende Kartoffeln, geschält, klein gewürfelt
  • 100 g Weißwein + 100 g Wasser
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 2 – 3 EL Basilikumpesto (s. u.)
  • Parmesan nach Belieben

Zutatenserie

Ich goss das Einweichwasser der Bohnen ab, schwitzte die Schalottenwürfel in Olivenöl glasig und gab Knoblauch und Peperoncino hinzu. Nach kurzem Mitdünsten, gab ich Möhren- und Selleriewürfel in den Topf und ließ sie langsam anbraten. Dann löschte ich mit Gemüsebrühe ab, gab die Bohnen, das Bohnenkraut und Salz hinein. Nun durfte alles 45 Minuten mit Deckel sanft garen und anschließend noch ca. 15 Minuten ohne Deckel, damit die Flüssigkeit weitestgehend verdampfte. Zum Schluss schmeckte ich noch einmal mit Salz und Pfeffer ab und hob die Tomatenwürfel unter. Ähnlich wie getrocknete Pilze gewinnen auch Dörrbohnen durch den Trockenvorgang einen herrlich intensiv „bohnigen“ Geschmack. Herr H. hatte in der Zwischenzeit die Kartoffeln ca. 45 Minuten in der leicht gesalzenen Wein-Wasser-Mischung gegart. Wir hatten uns für diese Zubereitungsart entschieden, da nur noch mehligkochende Karoffeln im Haus gewesen waren. So behielten sie einen gewissen „Biss“. Ich garte die Linguine ca. 12 Minuten in leicht gesalzenem Wasser, behielt beim Abgießen einige Esslöffel des Kochwassers zurück, die ich dann mir dem Pesto verrührte. Herr H. vermischte Pasta und Pesto, hob Bohnen und Kartoffelwürfel unter und richtete alles mit etwas Parmesan auf vorgewärmten Tellern an. Es roch extrem verheißungsvoll.

Für das Basilikum-Pesto:

  • 1/2 Bund Basilikum
  • 1/2 kleine Knoblauchzehe
  • Meersalz
  • 50 g Pinienkerne
  • 50 g reifer Pecorino (oder Pamesan), gerieben
  • 50 g Olivenöl (idealerweise aus Ligurien)

Pesto Serie 1

Wer mag, zerkleinert alles bis auf das Öl im Mörser und arbeitet dann nach und nach das Öl ein. Ich bin dazu zu faul, auch wenn gesagt wird, dass der Geschmack dadurch um vieles besser wird. Ich gab alle Zutaten in der Zerkleinerer und ließ ihn kurz laufen, bis eine homogene Paste entstanden war. Die hier angegebene Menge ist reichlich. Reste halten im Kühlschrank sicher einige Wochen.

Pasta mit Dörrbohnen 6

Fazit: Die Kombination von Pasta und Dörrbohnen mag etwas eigenwillig erscheinen, geschmacklich war sie jedoch ein echter Höhepunkt. Herr H. überschlug sich förmlich vor Begeisterung. Das Aroma von Dörrbohnen ist wirklich ungleich kräftiger und intensiver als das von TK-Ware. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass sie selbst die erntefrischen übertreffen. Diese Behauptung gilt es dann im Sommer zu überprüfen. Und falls ich recht behalten sollte, werde ich zumindest gekaufte frische Bohnen selbst dörren. Wer nicht so lange warten will, kann sie auch vorab hier bestellen, zwar nicht in Bio-Qualität, aber um einen Eindruck des herrlichen Geschmacks zu bekommen, sollte auch konventionelle Ware in Ordnung sein.

Aus (leicht modifiziert): Das große Buch der Kräuter & Gewürze Teubner Verlag

 

 

 

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16 Gedanken zu „Spare in der Zeit…

  1. Ich kenne das Rezept mit frischen grünen Bohnen, das mag ich im Sommer sehr gerne. Die Wintervariante mit den Dörrbohnen klingt auch fein, da muss ich doch gleich mal nach den Bohnen schauen 🙂

  2. Interessant. Obwohl wir beide Bohnen mögen, gibt es sie vergleichsweise selten – in der gedörrten Form noch nie. So wie das klingt, sollten wir das schleunigsten ändern. Regionale Bezugsmöglichkeiten sind beim Kerl ja net weit :).

  3. Diese Dörrbohnen habe ich noch nie gegessen und würde so gern! Dein Rezept ist toll!
    Und ich bin froh, dass ich recht viel konserviere, weil ich mag keine frischen Birnen, die aus Südamerika kommen, auch keine Fisolen aus Südafrika.

  4. Au fein, Dörrbohnen sind wirklich toll.
    ….und das mit dem Einteilen, naja, die Geschichte wiederholt sich. Ich diskutiere es gerade mit meinen Kindern…. 😉

    • Eine Portion ist noch da. 🙂
      Ja, es ist schwierig Obwohl. Ich konnte es als Kind auch nicht und heute kann der ganze Schrank voller Schokolade sein. es kratzt mich irgendwie gar nicht mehr… Geduld!

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