Der Kandidat

Shortbread 23

Es ist mir ein wenig unangenehm, dass ich der Öffentlichkeit eine absolut süchtig machende Knabberei so lange vorenthalten habe. Alles begann mit einem Besuch bei der Schwester. Zum Kaffee wurde dort geradezu andächtig eine Packung „Kekse“ geöffnet und liebevoll auf einen hübschen Teller drappiert. Ich besah die so ehrfürchtig behandelten Kekse, konnte jedoch absolut nichts besonderes an ihnen entdecken. Etwas blass in der Farbe, goldbarrenförmig und relativ dick. Auf der Oberfläche gelöchert. Vorsichtig nahm ich den ersten Bissen und bereits nach der ersten Kaubewegungen begann ich das Ausmaß ihres Suchtpotentials zu verstehen. Ich bat meine Schwester, mir die Packung zu geben, las mir die erstaunlich kurze Liste der Inhaltsstoffe, – Butter, Zucker, Mehl, Salz, – durch und erfuhr, dass eine 250 g Packung rund 4 € koste. Und sogleich war mir klar, dass ich probieren musste, sie selbst herzustellen. Ein passendes Rezept war schnell gefunden.

Für das Shortbread (2 Bleche):

  • 85 g Puderzucker
  • 85 g feiner Zucker
  • 280 g weiche Butter
  • 450 g Weizenmehl 405er
  • 4 g Salz

shortbread serie

Die angegebene Menge reicht für 2 Backbleche. Ich teile den fertigen Teig meist in zwei Portionen und friere eine Hälfte ein. So ist bei Bedarf neues Shortbread schnell gemacht. Und der Bedarf kann schnell entstehen. Ich rührte als erstes die Butter weißschaumig, gab beide Zuckerarten und das Salz hinzu und schlug alles gemeinsam eine Weile auf. Je länger man schlägt, desto besser löst sich der feine Zucker. Herr H. hatte inzwischen das Mehl drei Mal gesiebt. Ich weiß nicht wirklich, warum das Rezept danach verlangt, habe mich aber bislang daran gehalten. Nun gab er es zur aufgeschlagenen Masse. Ich vermengte alles zunächst grob mit dem Löffel und fügte es dann rasch von Hand zu einem homogenen Teig zusammen. Es sollte auf keinen Fall zu lange geknetet werden, da das Shortbread ansonsten zäh wird. Den fertigen Teig rollte ich zwischen Folie ca. 12mm dick zu einer rechteckigen Fläche aus und ließ ihn eine gute Stunde im Kühlschrank ruhen. Dann schnitt ich ihn mit dem Pizzaroller in ca. 7 x 2 cm große „Barren“, stippte sie mit der Gabel und buk sie 35 Minuten bei 140°C Grad. Sie sollten auf keinen Fall beginnen zu bräunen. Nach dem Abkühlen können sie mindestens eine Woche luftdicht verpackt aufbewahrt werden. Länger haben sie hier noch nicht überlebt.

Shortbread 20 mit Wappen

Fazit: Sehr schnell kristallisierte sich heraus, dass sowohl Salzmenge als auch Backtemperatur- und zeit entscheidend für die perfekte Shortbread-Kopie sind. Beim zweiten Versuch bestätigte meine Schwester in einer Blindverkostung, dass kein Unterschied zwischen dem gekauften und dem selbst gebackenen Shortbread mehr wahrnehmbar sei. Was für ein Erfolg! Allein die Form bereitet mir weiterhin Kopfzerbrechen. Das gekaufte Shortbrad ist in der Form perfekt rechtwicklig. Das selbst gebackene tendiert dazu, im Fußbereich leicht breit zu laufen. Herr H. zerstreute meine Besorgnis lapidar mit der Bemerkung, dass das gekaufte Shortbread sicher nicht frei, sondern in speziellen Formen gebacken werden würde. Zudem seien die leichten Unregelmäßigkeiten doch ein Zeichen für echte Handarbeit. Ich ließ das einfach einmal gelten und buk sogleich die nächste Charge. Die lange Wartezeit, ich habe es inzwischen sicher an die zehnmal gebacken, lag übrigens daran, dass Herr H. der Meinung war, dass das Shortbread der perfekte Kandidat für den 500.sten Blogpost sei. Er überreichte mir dafür ehrenhalber ein eigens gefertigtes Wappen mit den Worten, auf die nächsten 500! Es wird sich zeigen, ob mir dafür nicht irgendwann die Ideen ausgehen. Shortbread passt übrigens nicht nur bestens zum Kaffee, sondern macht sich vorzüglich zu einem feinen Single Malt. Muss an der Herkunft liegen. Cheers!

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38 Gedanken zu „Der Kandidat

  1. Pingback: Sabinas-Allerlei | Shortbread

  2. Glückwunsch und nur Mut zu den nächsten 500!
    Zum Rezept: ähäm… ja: ziemlich genau so backe ich eigentlich meine Sablés, mit dem Unterschied, dass ich den Teig in einer Pyramidenform fest werden lasse und dann in Dreiecke schneide!
    Liebe Grüsse,
    FEL!X

    • Danke, Felix! Mut ist schon vorhanden, nur ob die INspiration reichen wird? 😉
      Und ob Dreiecke oder Barren, schmecken tun sie alle vorzüglich. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Vielen liebe Dank, Andy! Wie gesagt, ich weiß noch nicht, wie lange ich (wir) noch „durchhalten“ werden. Andererseits haben wir gerade gestern Abend wieder Patisserie-Equipement in Frankreich bestellt. Es scheint also durchaus noch Motivation vorhanden zu sein. 😉
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  3. Ich schließe mich den Glückwünschen an und hoffe auf (mindestens) 500 weitere 😀
    Shortbread finger mag ich auch gerne, besonders mit selbstkandierten Ingwer. Bei mir kommt sogar noch etwas mehr Butter in den Teig, und ich backe sie sogar nur bei 130°C. Dann halten sie die Form sehr gut.

    • Danke, Stefanie! Mal sehen, ob ich noch so viele Ideen habe. Zur Zeit bin ich zuversichtlich, aber es gibt natürlich auch diese „Hängerphasen“…
      Kandierter Ingwer? Klingt gut. Und ich werde sie dieses Mal auch bei 130° backen. Bin gespannt!

  4. Gratulation zum 500ten. Das sind ganz schön viele Rezepte und noch tollere Fotos und Geschichten. Ich bin erst beim 71ten Post und freue mich eigentlich schon auf den 100sten. Ich hoffe, dass bei dir noch viele dazu kommen. Vielen Dank für die ersten 500 !!

  5. Toll – 500, Glückwunsch 😀
    Und so ein Riegel vom Shortbread würde ich direkt mal nehmen, oder zwei oder drei…
    Mir laufen die auch immer etwas breit und ich glaube, wie auch Herr H., dass die sonst in einer Form gebacken werden 😉

  6. 500 Sternstunden, Glückwunsch und wow!
    darauf ein Shortbread- ich mag diese Kekse auch soo sehr, obwohl so gar keine Schokolade drin ist. Hab sie noch nie selber gebacken und es erscheint richtig so, auf dein Rezept gewartet zu haben.

    • Vielen lieben Dank, Christine! Ja, Shortbread hat es in sich. Ich bevorzuge normalerweise auch eher Schokoladiges, aber diese kleinen Barren sind einfach unwiderstehlich. 🙂

  7. Wow, Eva! 500 Beiträge! Das ist eine reife Leistung, umso mehr, als dass jeder der 500 von höchster Qualität ist/ war. Ich freue mich wirklich, dass du mich damals entdeckt hast und wir uns so kennen lernen durften. Mach weiter so!
    Die Shortbreadleidenschaft teilen wir übrigens! Ich liebe die Dinger auch so sehr. Besonders dieses ganz kleine bisschen Salz darin, finde ich so reizvoll. Da sieht man mal, das gute Zutaten gut schmecken 😉 .
    Ganz liebe Grüße
    Maren

    • Danke Maren! Ich freue mich auch, dass wir uns zumindest virtuell kennenlernen konnten! Aber ob wirklich jeder Beitrag von höchster Qualität ist? Auf jeden Fall habe ich im Laufe der Zeit aufgrund des Bloggens eine Menge gelernt. Am wichtigsten war die Erkenntnis, dass ich eigentlich noch gar nichts weiß. 😉
      Das Shortbread wird heute wieder gebacken werden, da die Macarons vom Wochenende leider fast aufgegessen sind. 🙂
      Ganz liebe Grüße,
      Eva

  8. Na dann auf die nächsten 500… 🙂 Mit dem Shortbread hast du was angefangen, ich hatte schon fast vergessen wie süchtig man nach dem Zeug werden kann! Und es stimmt, die gekauften Packs sind wirklich fast unverschämt teuer. Ich werde dann wohl auch mal backen gehen… Danke fürs Tüfteln! Liebe Grüße, Tring

  9. Doch ! Eine beachtliche Zahl – meine besten Glückwünsche zum 500-er-Jubiläum !
    Ich bedanke mich für das (bestimmt) süchtigmachende „Keksdroge“-Rezept und freue mich auf weitere „gluschtige“ Leckereien aus deiner Küche .

    • Danke schön. Mir war das gar nicht so bewusst. Man schreibt halt einfach so vor sich hin und irgendwann ist es dann soweit. 🙂
      Es werden sicher noch ein paar Leckereien für dich kommen!

  10. Ach ja, Shortbread! Das ist schon die schönste Form, völlig unnötige Kalorien zu sich zu nehmen. 😉 Also unnötig sag jetzt nicht ich, würden diverse Ernährungsfachleute sagen. Für mich ist das Soulfood vom Feinsten!

    • Oh, ich wüsste da noch die ein oder andere Methode, um sinnlos Kalorien zu sich zu nehmen. Andererseits bedeutet diese Aufnahme enormen Genuss und das macht dann doch schon wieder Sinn, oder? 😉

    • Danke Milchmädchen. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich noch einmal 500 werden. Weißt ja selbst, wie schwierig das manchmal alles ist. Aber zur Zeit bin ich ganz guter Dinge. 🙂

  11. Was für ein tolles Jubiläum! Und sehr sympathisch, dass keine zehnstöckige Torte serviert wird – die sind bei euch immer wunderschön und schmecken sicherlich fantastisch, in meiner Single-Küche kriegt man die nur leider nicht so schnell weg 😉 Ich habe mal ein Rezept gelesen, bei dem die Shortbreads direkt nach dem Backen noch heiß in Stücke geschnitten werden – ob das besser ist, weiß ich nicht.
    Ganz liebe Grüße und auf die nächsten 500!!! Miriam

    • Danke, Miriam. Zehnstöckige Torten sind auch für uns eher nicht zu bewältigen. 😉
      Das mit dem hinter schneiden habe ich gesehen. Wird beim nächsten Schwung getestet.

      Liebe Grüße,

      Eva

  12. Herzlichen Glückwunsch zum 500sten Post! Gerade bei mir nachgeguckt und bemerkt, dass ich dieses Jubiläum auch schon überschritten habe. War mir gar nicht aufgefallen. Tststs….
    Ich backe Shortbread immer mit einem kleinen Anteil (Voll)Reismehl, dadurch werden sie noch mürber und behalten perfekt ihre Form.

    • Danke schön. 🙂 Ich hätte auch kein Bohei drum gemacht, aber Herr H. hat darauf bestanden…
      Die Variante mit dem Reismehl habe ich gesehen. Aber da auf der Walker-Packung nur Mehl stand, wollte ich es erst so probieren.

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