Da hilft auch kein Pythagoras

Berlingots 3

Ein paar lose Enden gab es dann doch noch. Da war diese Sache mit den tetraedrischen Ravioli, Berlingots genannt. Nachdem ich das Rezept wohl dutzendfach studiert hatte, war mir zumindest theoretisch klar, wie die Formgebung vonstatten ginge. Aber in der Praxis verblasst die Theorie nur zu gern. Herr H. und ich gaben tüftelnd, faltend und schwitzend unser Bestes, um hinter das Geheimnis zu kommen und nachdem wir einige unförmige Exemplare gefaltet hatten, fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Ehrlichweise muss ich gestehen, von Herrn H.s Augen. Mein Hirn brauchte noch etwas länger um zu verstehen.

Für den Pastateig (ergibt ca. 100 Ravioli):

  • 180 g Weizenmehl 405er
  • 80 g Hartweizenmehl
  • 3 Eigelb + 1 Ei
  • 1 Pr. Salz
  • 1 TL Olivenöl
  • evtl. 2 – 3 EL Wasser

Nudelteig Serie Klein

Ich gab alle Zutaten für den Teig in eine Schüssel, vermengte sie grob mit dem Löffel und knetete anschließend alles von Hand zusammen. Ergibt es keinen zusammenhängenden Teig, gebe ich löffelweise wenig Wasser hinzu. Zuviel Wasser erschwert das spätere Auswalzen der Teigplatten, also lieber zu wenig als zuviel. Als der Teig zusammenballte, knetete ich ihn ca. 10 Minuten von Hand, bis er seidig-glatt und elastisch war (fühlt sich ein bisschen an wie Knetgummi früher). Abdeckt durfte er nun ca. 2 Stunden bei Raumtemperatur ruhen.

Für die Füllung:

  • 300 g Ricotta (abgetropft ca. 200 g)
  • 100 g Ziegenkäse, halb rezent (ich: 150 g Ziegenfrischkäse)
  • 30 g Zitronensaft (ich: 15 g)
  • Abrieb 1 Zitrone
  • Salbei und Thymian, fein gehackt
  • Salz, weißer Pfeffer

Füllung Serie

Bevor ich den Teig bereitet hatte, hatte ich den Ricotta zum Entwässern in eine dicke Lage Küchenpapier gewickelt. Nachdem ich das Papier zweimal gewechselt hatte (innerhalb von 2 Stunden), war er recht bröseltrocken. Ich gab ihn gemeinsam mit den übrigen Zutaten in eine Schüssel und vermengte alles zu einer relativ festen Creme. Herr H. füllte sie in den Spritzbeutel mit 10er Lochtülle und legte ihn in den Kühlschrank. Ich hatte derweil die erste Teigkugel flach gedrückt und bis zur feinsten Stufe zu einer 8 cm breiten Bahn ausgerollt. Darauf setzte ich direkt an die Kante der Breitseite im Abstand von ca. 4,5 cm etwa haselnussgroße Tupfen der Füllung.

Füllen Serie

Ich bestrich den gegenüberliegenden Rand mit wenig Wasser und rollte die Bahn von der Füllungsseite vorsichtig auf. Die äußere Kante drückte ich nun mit dem Messerrücken zusammen. Herr H. drehte die Rolle um 90°, drückte mit dem Finger im folgenden Zwischenraum direkt an der vorderen Füllung den Teig zusammen (dadurch kippt die senkrechte Kante nach hinten und man erkennt schon den Tetraeder) und schnitt den Raviolo ab. Gar nicht übel! Leider gelang es uns nicht immer, die Menge der Füllung so zu dosieren, das zwischen den einzelnen Ravioli keine Teigstreifen entstanden. Gesammelt machten sie sich jedoch vorzüglich in einer Suppe. Die fertigen Ravioli lagerte ich auf einem gut begrießten Tuch. Hat man den Dreh einmal heraus, macht sich sogar eine so große Menge wie im Handumdrehen. Ca. 64 Ravioli fror ich als Vorspeise für’s Weihnachtsessen ein (erst ausgebreitet auf einem Blech vorgefroren), die anderen garte ich ca. 4 Minuten in siedendem Salzwasser.

Für die Sauce:

  • Saft einer mittelgroßen Orange
  • 100 g Kalbsfond
  • 40 g Butter
  • Salz, weißer Pfeffer
  • Thymian, fein gehackt (ich: Estragon, einzelne Blättchen in zwei bis drei Teil geschnitten, Thymian war aus)

sosse Serie

Ich gab den Orangensaft mit dem Fond in einen kleinen Topf und ließ ihn ca. auf ein Drittel einreduzieren. Dann mixte ich (mit dem Zauberstab) portionsweise die sehr kalte Butter ein, schmeckte mit Salz, Pfeffer und Estragon ab und richtete die Berlingots gemeinsam mit ihr auf vorgewärmten Tellern an. Ein wenig monochrom, aber man sollte sich hier nicht von Äußerlichkeiten leiten lassen.

Berlingots 5

Fazit: Ein ganz außergewöhnlicher Ravioli-Genuss. Diesbezüglich waren Herr H. und ich uns ausnahmsweise völlig einig. Sogar der Estragon machte sich in der Sauce unerwartet gut. Und da wir unsere (Vor-)Weihnachtsgäste so üppig bekocht hatten, dass in ihren Mägen partout kein Platz mehr für ein paar Ravioli gewesen war, können wir uns auf eine weitere Portion in naher Zukunft freuen. Und mit diesem Post verabschieden auch wir uns in die wohlverdienten Ferien. Inzwischen dürfte unser Archiv prall genug gefüllt sein, dass der ein oder andere etwas ansprechendes zum Nachkochen oder -backen finden sollte. Wir bedanken uns bei allen Lesern, Co-Bloggern und anderen Menschen für das Interesse an unserer Küchenaktivität und wünschen allen ebenso entspannte, friedliche und harmonische Feiertage – frohe Weihnachten eben!

 

 

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36 Gedanken zu „Da hilft auch kein Pythagoras

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  3. Sieht lecker aus, aber irgendwie starre ich die ganze Zeit auf den Titel und überlege mir, ob ich da ein Wortspiel nicht verstehe oder einfach ein h zuviel ist. Und das mit der Form ist glaube ich einfacher, wenn man ein Blatt Papier vor sich hinlegt und es dann ausprobiert als darüber lange zu theoretisieren. Das bringt nur noch mehr Knoten ins Gehirn.

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  4. Bei uns gab es die kleinen Tetraeder gestern und ich bin immer noch ganz angetan. Das Formen war für mich direkt klar, da ich schon häufiger solche kleinen Teraeder aus Papier als Geschenkverpackung gebastelt habe (gerade erst zu Weihnachten wieder). Und wenn man den Dreh raus hat, sind sie richtig flott gemacht! Diese Form wird es bestimmt noch häufig bei uns geben.
    Die Füllung war allerdings nur grob an die deine angelehnt, denn ich habe Weihnachtsreste verbraucht: Frischkäse, gemahlene Mandeln, etwas Parmesan, Thymian und ein Viertel gehackte Salzzitrone. Dazu die vegetarisierte Version der Orangensoße – einfach ein Gedicht!
    Vielen Dank für all die Kücheninspirationen des vergangen Jahres und dir und Herrn H. einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • Danke für das Feedback, Stefanie. Du warst ja ganz schön fix! Und schön, dass es so gut geklappt hat. Ich bin ja eher ein „Bastel-Legastheniker“. ;-)
      Ich wünsche dir auch einen guten Start ins neue Jahr und danke dir ebenfalls für die Inspiration zu so mach‘ leckerem Gebäck!

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  5. Die schauen toll aus! Ich müsste ja auch mal wieder Nudel bzw. Ravioli machen…. Und Ziegenfrischkäse wäre genau meins… Mal schauen, ob ich mich während der freien Tage dazu verleiten lasse :)

    Schöne Feiertage Euch und gute Erholung!

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  6. Schöne detaillierte Anleitung, und vor allem ist es ein Schubs für mich, wieder mal Ravioli zu machen. Ich wünsche Euch ruhige Festtage weiterhin und alles beste im neuen Jahr, vor allem Gesundheit und viel Freude am Leben.
    Grüsse aus Chiang Mai, Erich

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    • Danke, Erich! Ravioli sind nicht nur beim Essen ein echter Genuss, auch die Zubereitung ist etwas ganz Besonderes (siehe Claudio! ;-)). Ich wünsche euch auch einen guten Start ins neue Jahr!
      Liebe Grüße,
      Eva

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  7. Großartig! Ich hätte vermutlich irgendwann aufgegeben und auf altbewährte Teigtaschenverfahren zurückgegriffen – am Geschmack ändert das schließlich nichts. Aber ihr wäret nicht ihr, wenn nicht hinterher doch diese zaubrig-schönen Zeltchen auf dem Teller lägen.
    Herzliche Grüße zum Fest!

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    • Danke schön! Aufgeben ist nicht gerade meine Stärke. ;-) Wobei, eben, für den Wohlgeschmack spielt die korrekte Form in diesem Fall keine Rolle.
      Ich wünsche dir und dem Kerl wunderschöne, entspannte und was noch alles Tage!

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  8. wunderschön gelungen! meine Reverenz! Sie müssen satt gefüllt sein, dann behalten sie ihre Form. Ein Tetraeder ist ein platonischer Körper, da wäre Pythagoras ohnehin überfordert. Liebe Eva, ich wünsche Dir und deinem Herrn H. schöne Festtage.

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    • Danke Robert! Das mit dem satten Füllen erschwerte bei uns den Verschluss. Aber sobald die gelagerten verspiesen sind, werde ich sie erneut herstellen…
      Euch auch angenehme Festtage mit nicht zu frugalen Mählern. ;-)

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  9. Vielen Dank für die netten Wünsche, die ich gerne erwidere. Ebenso bedanke ich mich für die vielen interessanten und leckeren Rezepte (inkl. Kommentare) von denen ich doch Einige oder Teile davon, z.B. das Pizzasugo :-) nachgebastelt habe. „E guete Rutsch“ und bis im 2016.

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  10. Liebe Eva,
    Dir und Herrn H. wünschen wir eine friedvolles und schönes Weihnachtsfest … und gleich auch einen guten Start ins Neue Jahr.
    Gut dass es keine Bohnen jedweder Art zu diesen herrlichen Berlingots (sind immer noch für die WH und mich verboten!) gab. Nur das hätte den Herrn Pythagoras abgeschreckt, daran mitzuwirken.
    Liebe Grüße Gerd

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    • Lieber Gerd,
      vielen Dank für Weihnachtswünsche. Ich hoffe, ihr habt ebenfalls entspannte und ein wenig genussreiche Zeit.
      Pasta ist verboten? Oje, gerade im Winter… Übertreibt es nicht! ;-)
      Liebe Grüße,
      Eva

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  11. Ha! Erinnert mich irgendwie an den (Karotten-)Rollschnitt, der eigentlich auch ganz einfach ist, jedoch schwierig mit Worten zu erklären und der, wenn man zusieht, stets ein «Aha-Erlebnis» hervorruft!
    Schöne Zeit und auf Wiederlesen,
    FEL!X

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  12. na, mein naturwissenschaftliches Hirn hat anhand der Bilder glaub ich den Dreh raus, im wahrsten Sinne des Wortes. Dennoch käme es auf einen Praxistest an….
    Liebe Eva, schöne Weihnachtsgrüße nach HH, machts euch einfach schön

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  13. Ui zwick! Keine Ahnung, wie das gehen sollte. Trotz der Fotos habe ich keine Vorstellung. Ich werde das wohl wie deine Torten einfach anschmachten.

    Wunderprächtige Weihnachten, liebe Eva und lieber Herr H.! Lasst es euch gut gehen und genießt die freien Tage. Schön, dass es euch und diesen Blog gibt.

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    • Danke, Susi. Das werden wir tun.
      Und, oh, ich hatte gehofft, dass es mithilfe der Fotos leichter nachvollziehbar wäre. Aber mei, die Füllung schmeckt sicher auch in einer anderen Form bestens. ;-)

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