Bunter Teller

Zwiebelhirse 1

Nachdem wir festgestellt hatten, dass wir schon eine ganze Weile recht fleischlos über die Runden gekommen waren, sollte es am Samstag endlich einmal wieder welches geben. Die Wahl fiel auf die dicken Hühnerbeine, mit knapp 500 g pro Bein trugen sie diesen Namen zurecht. Ich hatte sie bereits mittags zum Auftauen auf den Schrank gelegt. Als ich den Teller am frühen Abend wieder herunter nahm, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass sie mindestens zur Hälfte noch sehr tief gefroren waren. Wie konnte das angehen? Der Platz auf dem Schrank war der wärmste in der ganzen Wohnung. Leicht ratlos hielt ich Herrn H. die halbgefrorenen Beine hin. Er verzichtete auf eine Berührungsprobe, stellte den Teller in den Kühlschrank und verkündete, nun müssten wir eben Plan B verfolgen. Er habe da schon eine hervorragende Idee. Die Beine konnten wir morgen immer noch zubereiten. Ich hatte mich zwar schon sehr auf das Knochen abgnagen gefreut, war jedoch glücklich, dass nun kein stundenlanges Rezeptesuchen stattfinden musste.

Für die Zwiebel-Hirse:

  • 125 g Hirse, gut abgespült
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 TL Currypulver oder Ras el Hanout
  • 300 g Gemüsebrühe
  • 300 g weiße Zwiebeln oder Gemüsezwiebel (ich: stinknormale gelbe), gewürfelt
  • 3 EL Olivenöl
  • Salz, schwarzer Pfeffer, gemahlener Piment
  • Petersilie nach Belieben

zwiebelhirse serie

Er habe das Rezept notiert, da wir uns vorgenommen hätten, unsere Vorräte soweit abzubauen, dass wir guten Gewissen wieder neue anlegen könnten. Und somit sei der Rest Hirse perfekt verwertet. Ich dünstete inzwischen die Zwiebel bei kleiner Hitze ca. 10 Minuten lang, bis sie weich und durchscheinend waren und ihre ganze Süße entfaltet hatten. Herr H. hatte die Hirse mit Curry, Lorbeer und Brühe in einen Topf gegeben, kurz aufgekocht und 5 Minuten köcheln lassen. Nun durfte sie 10 Minuten zugedeckt ausquellen. Ich mischte die gegarte Hirse unter die Zwiebeln, würzte mit Salz, Pfeffer, Piment und hob die Petersilie unter. Herr H. stellte sie abgedeckt warm.

Für das Apfel-Lauch(Pastinaken)-Gemüse:

  • ca. 300 g Lauch, in schmale Ringe geschnitten (ich: Pastinaken, geschält, gestiftelt)
  • 3 – 4 Zweige Thymian
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 grüne Chili, entkernt, fein gehackt (ich:rote)
  • 2 – 3 Äpfel (ca. 400 g), in schmale Spalten geschnitten
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 2 TL Apfelbalsamessig
  • (ich: eine Handvoll kernlose grüne Oliven mit halbgetrockneten Weintrauben gespickt)
  • (ich: eine Handvoll Walnüsse, geröstet, grob gehackt)

apfel-Pastinakengemüse serie

Ich fand, dass die Zwiebelmenge in der Hirse für ausreichend schwefeliges Aroma sorgen würde und ersetzte den Lauch kurzerhand durch Pastinaken. Herr H. erhitzte das Olivenöl bei mittlerer Hitze in der Wokpfanne und ließ die Pastinakenstreifen mit dem Thymian ca. 10 Minuten darin dünsten, bis sie weich zu werden begannen. Dann fügte er Apfelspalten, Chili, etwas Salz und Pfeffer hinzu und garte alles unter Rühren weitere 7 Minuten. Ich schmeckte das Gemüse mit Essig und Thymianblättchen ab (die Zweige hatte ich zuvor entfernt) und gab die gepickten Oliven hinzu. Herr H., der eine Kostprobe genommen hatte, nickte zustimmend. Ich richtete Hirse und Gemüse auf vorgewärmten Tellern an, streuselte Walnüsse darüber und übte mich während des Aufräumens wie immer in Geduld.

Zwiebelhirse 3

Fazit: Der bunte Teller der anderen Art überzeugte uns auf ganzer Linie. Eine perfekte Kombination von gegensätzlichen Aromen und Konsistenzen. Ich war sogar so begeistert, dass ich vorschlug, gleich ein neues Päckchen Hirse zu besorgen. Aber Herr H. sagte nur, „schwarzer Venere-Reis, Thai-Klebreis, Fregola sarde, Miniaturpasta, Couscous, Perlgraupen, rote Quinoa, Glasnudeln… soll ich die Liste fortsetzen?“ Seufend gabelte ich den letzten Rest Zwiebel-Hirse auf. Gegen diese Vielzahl an „Argumenten“ war ich schlicht machtlos. Und es werden uns sicher für diese Schätze aus dem Vorrat weitere köstliche Verwendungsmöglichkeiten einfallen.

Aus: Gemüse kann auch anders Bettina Matthaei

 

 

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21 Gedanken zu „Bunter Teller

  1. Hirse statt Hühnerbeine, eine schöne Geschichte :-). Und der bunte Teller klingt ganz wunderbar, zumal ich Hirse so gern esse. Aber wie Du schon schreibst, die Abteilung Getreide im Küchenschrank ist – neben den Gewürzen – droht auch hier ständig aus allen Nähten zu platzen ;-). Lieben Gruß!

  2. Oh, unsere Vorratsschränke dürften da ähnlich bestückt sein. Ich hoffe auf ein Rezept mit dem Venero-Reis …
    Deine Hirsevariation gefällt mir sehr gut. Wenn ich an die armen Leute denke, die glauben, Gemüse in Salzwasser kochen ist der Weisheit letzter Schluss … 😮

    • Danke, Susi. So ein Rezept habe ich sogar noch auf Halde. Sieht aber leider aufgrund des Reises nicht so umwerfend aus. Mal sehen, ob ich es dennoch poste…
      Und das mit dem Salzwasser, schüttel. Hast du schon das buttrige Steckrübengratin aus „Nopi“ probiert? Ein Traum!

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