Überraschung!?

Raviolo con sorpresa (6)Ich mag keine Überraschungen, ich mochte sie noch nie. Parties, die ohne mein Wissen für mich organisiert werden und in die ich dann hineinstolpere – nein danke. Plötzlich an der Haustür klingelnde Freunde, die sich spontan selbst zum Abendessen einladen, ein Graus! Herr H. konnte sich schon zu Beginn unserer Beziehnung vor einer gefühlten Ewigkeit davon überzeugen, wie ungern ich überrascht werde. Eines Abends, nach einem sehr langen und anstrengenden Arbeitstag, bat er mich, mich in Schale zu schmeißen, wir hätten noch etwas Besonderes vor. Hartnäckige Nachfrage meinerseits brachte keine Erhellung und so fand ich mich deutlich overdressed in einem Kasino wieder und musste um echtes Geld spielen. Weitere Überraschungen blieben danach zum Glück aus. Ich halte die Fäden des Geschehens einfach lieber selbst in der Hand und bereite mich mental auf bevorstehende Ereignisse vor. Kontrollfreak? Vielleicht. Die Etikettierung ist mir völlig egal, wenn ich mich in Ruhe vorbereiten kann. Es gibt jedoch eine einzige Ausnahme. Vom Geschmack einer unbekannten Speise lasse ich mich gern überraschen. Es gibt nichts, das ich nicht zumindest kosten würde. Und zum Glück sind wir uns diesbezüglich einig.

Für die Ravioli con Sorpresa:

Ravioliteig:

  • 90g Weizenmehl 405er
  • 45 g Hartweizenmehl
  • 1 Ei + 1 Eigelb
  • 1 Pr. Salz
  • 1/2 TL Olivenöl
  • evtl. 1 – 2 EL Wasser

Für die Spinat-Ricotta-Füllung (inspiriert von Robert):

  • 300 g frischer Spinat (ich: TK, aufgetaut, gut abgetropft)
  • 150 g Ricotta, am besten über Nacht abgetropft
  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • wenig Butter zum Anschwitzen
  • 15 g Parmesan, fein gerieben
  • Muskat, Pfeffer, Salz
  • 1 Prise Currypulver (ich: Madras)
  • 2 frische Eigelbe (nach Belieben mehr)
  • ca. 25 g Butter
  • 5 – 6 frische Salbeiblätter

zutaten serieIch gab alle Zutaten für den Teig bis auf das Wasser in eine Schüssel, vermengte sie grob mit dem Löffel und knetete den Teig von Hand ca. 10 Minuten lang. Bröselt er nach 5 minütigem Kneten noch zu stark, füge ich noch etwas Wasser hinzu, aber keinesfalls zuviel, da der Teig in der Ruhezeit noch feuchter wird. Ich lagerte ihn für 2 Stunden abgedeckt bei Raumtemperatur und rollte ihn dann in zwei Portionen mit der Nudelmaschine zu sehr breiten Bahnen bis Stufe 7/9 (Marcato Atlas 150) aus. Beim nächsten Mal würde ich ihn noch mindestens eine Stufe dünner ausrollen. Herr H. hatte in der Zwischenzeit Schalotte und Knoblauch in wenig Butter glasig geschwitzt, den gut ausgedrückten Spinat hinzu gegeben und wenige Minuten mitschwitzen lassen. Er würzte mit Salz, Pfeffer, Muskat und einer Prise Curry und ließ alles in einer Schüssel abkühlen. Dann mengte er Ricotto und Parmesan unter.

füllen serieIch hatte aus den Bahnen vier 11 cm große Kreise ausgestochen und auf Hartweizenmehl gelagert. Nun bestrich ich die Ränder zweier Kreise mit Wasser, setzte einen Ring aus Füllung darauf und ließ jeweils ein Eigelb hineingleiten. Es empfiehlt sich nicht nur aus hygienischen Gründen möglichst frische Eier zu verwenden. Bei der Lagerung tritt Wasser vom Eiweiß ins Eigelb und seine „Hülle“ wird dadurch fragiler, so dass sie beim Einsetzten in den Füllungsring reißen kann (ist mir leider bei einem passiert). Ich legte den „Deckel“ mittig auf die Füllung und drückte die Ränder vorsichtig aufeinander. Herr H. entfernte ggf. entstandene Luftblasen mit der Stecknadel. Die fertigen Ravioli lagerte ich ebenfalls bis zum Garen auf Hartweizenmehl.

Die angegebene Menge an Teig und Füllung reicht für ca. 24 „normal“ große Ravioli oder für ca. 8 Ravioli con Sorpresa. Ich habe nur zwei gemacht, da ich ohnehin immer zuviel Eiweiß übrig habe. Aus den restlichen Zutaten habe ich einfach 6 cm große Ravioli mit Spinat-Ricotta-Füllung gemacht. Die Ravioli con Sorpresa garte ich 6 Minuten in siedendem Salzwasser, die „normalen“ nur 4. Herr H. hatte derweil die Butter aufgeschäumt und den Salbei darin einige Minuten ziehen gelassen. Ich richtete die Ravioli auf vorgewärmten Tellern an und goß die Butter darüber.

Raviolo con sorpresa (2)Fazit: Was soll ich sagen? Ein absolut köstliche „Überraschung“. Die Harmonie von Spinat und Eigelb ist zwar ein alter Hut, aber so verpackt und um cremigen Ricotta ergänzt erstrahlt sie in völlig neuem Glanz. Ich bedauerte ein wenig, nur zwei der Ravioli mit Eigelb bestückt zuhaben, aber auch die nur mit der Spinat-Ricotto-Füllung versehenen Ravioli waren traumhaft. Mehr als Salbeibutter braucht es wirklich nicht dazu. Mir persönlich war der Pastateig etwas zu dick, aber Herr H. befand ihn für genau richtig. So werden wir seine Stärke wohl abwechlsend gestalten müssen, mal dicker, mal dünner. Über die Prise Curry in der Spinat-Ricotta-Füllung hingegen waren wir uns einig, sie erst gab ihr das gewisse „je ne sais quoi“. Wie gut, dass ich mich an Roberts Rezept erinnert hatte.

Aus (leicht modifiziert): Pasta Antonio Carluccio

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44 Gedanken zu „Überraschung!?

  1. Köstlicher kann man Eigelb wohl kaum verpacken, großes Ravioli-Kino :-). Das erinnert mich von der grundsätzlichen Idee her an Yotam Ottolenghis ausgebackenen Brik-Teig mit Eigelben – auch ein wahrer Schmaus, zumal die Taschen frittiert werden. Lieben Gruß!

  2. Was Überaschungen angeht, bin ich komplett bei dir. Das musste mein Mann auch erst lernen – ein Reinfall war z.B. mal ein Tauchkurs als Geschenk für mich. Ich schwimme und schnorchle zwar liebend gerne, aber die Vorstellung, mich in einen engen Taucheranzug zwängen zu müssen, ist der reine Horror…

    Kulinarisch sieht das alles natürlich ganz anders aus 🙂

  3. „Die Harmonie von Spinat und Eigelb ist zwar ein alter Hut, aber so verpackt und um cremigen Ricotta ergänzt erstrahlt sie in völlig neuem Glanz.“ – da schreibst du mir direkt aus der Seele. Ohne das probiert zu haben, bin ich überzeugt, dass das himmlisch schmecken muss. Es wird höchste Zeit, dass ich meine Pastamaschine mal wieder auspacke! Im Übrigen schätze ich Überaschungen sehr. Ungebetene, spontan klingelnde Gäste vor der Türe – au ja, immer nur reinspaziert! Es gibt bestimmt etwas, vorher ich sie als Versuchskaninchen missbrauchen kann 😉

    • Danke, Marco! Ich bezweifele zwar, dass dich diese schlichten Ravioli nach deinem Mahl in dem exklusiven Sushi-Restaurant vom Hocker reißen könnten, aber man kann natürlich nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Sie waren für Ravioli schon recht fein. 🙂

  4. Fällt für mich zwar aus, aber ich koche ja auch gerne für andere und beim Italiener kann ich sicherlich damit punkten – Spinat & Ei liebt er sehr 😀

    Ist auf alle Fälle notiert!

  5. Will ich auch schon die ganze Zeit machen, mir fehlen aber die Gäste dazu. Na, nächste Woche frühestens.
    Anscheinden muss man keine Befüruchtung haben, die ich habe, dass das Eigelb seine ‚Spannkraft‘ spontan aufgibt, wenn der Deckel drauf kommt. Da habe / hatte ich Berfüruchtungen.
    Wenn Du überraschen zu Besuch kämst … da hätte ich bspw. so gar nichts dagegen. Kommt halt auf die Überraschung an (welche Weisheit … ich hab’s heute damit.)

    • Weisheit ist immer gut!
      Das Eigelb hält die Bedecklung mühelos aus, wenn man behutsam vorgeht, nur Mut!
      Und ich mag zwar nicht so gern überrascht werden, aber das heißt ja nicht, dass ich andere nicht gern überrasche. 😉

  6. Du machst immer wunderbare Sachen! Ei und Spinat geht wirklich immer, wenn man es dann noch so toll verpackt, ist das eine Überraschung, die ich auch gern nehme.
    Für mich war es auch mal eine eigenartige Überraschung, als ich von einigen Leuten den Eintritt in ein Kasino + Geld zum Verspielen geschenkt bekam. Das war mein erster und letzter Kasinobesuch.

    • Danke, Susi. Zum Glück gibt es einige (wenige) gute Kochbücher. 😉
      Das Geld zum Verspielen habe ich damals auch bekommen und nach dem Spielen unreduziert wieder nach Hause gebracht. Herr H. hat seins verloren und mit Geld spielen wir seither nicht mehr…

  7. Ohhh, wie du mir aus der Seele sprichst bzw. schreibst – ich mag keine Überraschungen, wohingegen der Signore diese liebt. Manchmal gelingt es mir diese rechtzeitig zu verhindern 😉
    Von kulinarischen Überraschungen allerdings kann ich nicht genug bekommen.

  8. Auch ich werde in oben erwähnten Situationen nicht gerne überrascht…
    Ich empfinde mich deshalb keineswegs als Kontrollfreak.
    Überraschungen kulinarischer Art sind jedoch stets willkommen!
    Die «Prise Curry» – ich schreibe jeweils «eine Spur» – gibt tatsächlich so vielen Zubereitungen das gewisse Etwas, ohne dass dies als Curry wahr genommen wird.
    Weil ein Eigelb von einem Hühnerei doch sehr gross für ein Raviolo ist, würde ich diese «Sorpresa» wohl lieber mit einem Wachtelei umsetzen!
    Grüsse aus Fernost, FEL!X

    • Das ist auch ein blödes Wort, das stimmt. Sagen wir es so, wissend, dass es keine absolute Kontrollmöglichkeit gibt, kontrolliere ich das Unkontrolliebare gern. 😉
      Das Hühnereigelb war bloß so groß, weil ich grad nur L-Eier da hatte. Mit kleineren sollte es kein Problem sein. Aber Wachteleier gehen natürlich auch.
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  9. Das mit den Überraschungen haben wir gemeinsam. Ich hab da öfter mal dran zu knabbern…..spontane Übernachtungsgäste (Kinder halt) gibt es hier oft, und so richtig glücklich bin ich nicht damit…nur so als Beispiel.. 😉
    Die Überraschung in den Ravioli nehme ich aber gerne …. so etwas in der Art steht schon lange auf meiner Liste. Ich hab mich nur noch nicht getraut……fragiles Eigelb und Angst vor bösen Überraschungen 🙂

    • Ich denke, mit Kindern bleibt einem nichts anderes übrig, als sich an Überraschungen zu gewöhnen. Ich weiß schon, warum ich so gern Tante (und nicht Mutter) bin. 😉
      Die Ravioli sind, auch wenn es nicht danach aussieht, leicht gemacht. Nur Mut!

  10. Um diese Ravioli schleiche ich auch schon seit geraumer Zeit. Ich denke daran, das Eigelb erst etwas zu verfestigen (etwa im Sinne eines Onsen-Eis). Dann könnte man es problemlos in die Ricotta-Spinathülle legen und ganz normal in 3 Minuten garen.

    • Das würde natürlich auch den Salmonellenrisikofaktor minimieren, oder?
      Die „Hülle des Eigelbs ist aber, wenn es frisch ist, wirklich recht stabil. Ich habe bei meinem Versuch Eigelbe verwendet, die bereits einen Tag ohne schützendes Eiweiß im Kühlschrank lagerten. Deshalb ging das erste Kaputt.

  11. Ui, das sieht genial aus. Ich glaub das kommt auf die Weihnachtskochliste, da hab ich Zeit und Muse für solche Experimente.
    Was die Überraschungen angeht: kann ich voll verstehen. Geht mir ähnlich. Zu viel Spontanität ist ähnlich problematisch 🙂

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