Schon die Römer

Hühnerleber mit Feigensosse 4Wussten, wie sie es sich gut gehen lassen konnten. Als ich das Foto der Gnocchi di semolino alla romana im Pastabuch zum ersten Mal erblickte, war es um mich geschehen. Das geht mir, davon mal ganz abgesehen, mit jeden Bild in diesem Buch so. Pastawahn, völlig untypisch eigentlich für das herbstliche Schmorwetter. Aber so ist es zur Zeit nun einmal. Herr H. wurde sogleich beauftragt, Weizengrieß zu besorgen, während ich mir das Hirn zermarterte, was ich zu den Gnocchi gesellen würde. Ich blätterte fieberhaft und fiel schließlich einem weiteren Bild zum Opfer. Entenleber war zwar nicht im Haus, aber hey, Hühnerleber würde es wohl auch tun, oder? Und die Feigen mussten eh weg. Perfekt.

Für die Gnocchi di semolino alla romana:

  • 375 g Milch (oder Milch und Wasser halb und halb)
  • 50 g Butter
  • 1/2 TL Meersalz
  • 125 g feiner Weizengrieß
  • Olivenöl
  • 1 Ei
  • 50 g Parmesan, frisch gerieben
  • einige Striche Muskat

Griesgnocchi SerieIch kochte die Milch mit 15 g Butter und dem Salz auf, ließ unter Rühren den Gries einrieseln und reduzierte die Hitze auf ein sanftes Köcheln. Im Rezept steht, man solle den Grieß unter Rühren noch 20 Minuten garen. Meiner war schon nach wenigen Minuten nicht mehr rührbar. Also zog ich den Topf vom Herd und ließ ihn abkühlen. Herr H. hatte das Ei mit 10 g Parmesan und etwas Pfeffer in einer Schüssel verschlagen und gab den lauwarmen Grieß dazu. Nach dem Vermengen war die Masse leider recht weich. Ich entschied mich dagegen, ihn auf die Arbeitsplatte zu streichen und später Kreise daraus auszustechen und wickelte ihn stattdessen in Frischhaltefolie zu einer Rolle, die ich für 20 Minuten tiefkühlte. Danach ließen sich leidlich gut Scheiben abschneiden, die ich dachziegelartig in die gebutterte Form schichtete. Parmesan und Butterflöckchen darauf verteilt, etwas Muskat und schon durften die Gnocchi für 20 Minuten bei 180°C in den Backofen. Da sie danach noch etwas blass wirkten, schaltete ich noch für einige Minuten den Grill zu.

Für die Portweinfeigen:

  • 125 g Portwein
  • 1 EL Zucker
  • 1 Zacken Sternanis
  • 2 Feigen, geschält, in dicke Scheiben geschnitten

Portweinfeigen serieHerr H. hatte Portwein und Zucker mit dem Sternanis etwa um die Hälfte eingekocht. Nun entfernte er den Sternanis, legte die Feigen nebeneinander in ein flaches Gefäß und goss den Sud darüber. Da ich inzwischen mit der Zubereitung der übrigen Dinge beschäftigt war und der Platz knapp, stellte ich das Gefäß oben auf den Schrank über den Herd. Eine folgenschwere Entscheidung.

Für die Feigensauce:

  • 2 Feigen, geschält, in dicke Scheiben geschnitten
  • 125 g Portwein
  • 1 TL Zucker
  • 125 g Kalbsglace (ich: Fond)
  • schwarzer Pfeffer
  • (ich: 1 Spritzer dunkle Sojasauce)
  • 1 Pr. Salz
  • einige Walnüsse, grob gehackt, in Walnussöl gebraten zum Bestreuen

Feigensosse serieIch gab alle Zutaten in einen Topf und ließ sie ca. 20 Minuten offen sanft köcheln, bis die Feigen komplett zerfallen waren. Dann pürierte ich die Sauce, kochte sie erneut auf und schmeckte sie mit Salz und Pfeffer ab. Sollte die Konsistenz der Sauce noch zu flüssig sein, kann mit wenig Pfeilwurzstärke gebunden werden. Die fertige Sauce stellte ich warm.

Für die Dicken Bohnen:

  • 300 g Dicken Bohnen, enthülst (ergibt ca. 200 g)
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 EL Butter
  • 1 TL Minze, fein gehackt

Dicke Bohnen serieIch gab die enthülsten Dicken Bohnen in reichlich kochendes Salzwasser, ließ sie 8 Minuten köcheln und schreckte sie eiskalt ab. Dann zerließ ich die Butter in der Pfanne, schwitzte den Knoblauch darin an und schwenkte die Dicken Bohnen darin. Zu guter letzt hob ich die Minze unter. Herr H. hatte derweil die Hühnchenlebern pro Seite 3 Minuten bei mittlerer Hitze gebraten und im Ofen nachziehen lassen, bis ich mit den Bohnen fertig war. Es war inzwischen schon recht spät geworden. Ich richtete alles auf vorgewärmten Tellern an. Herr H. fotografierte und endlich konnten wir kosten. Da sah Herr H. zufällig nach oben. Was sich den in dem Gefäß auf dem Schrank befände…?

Hühnerleber mit Feigensosse 2Fazit: Die Portweinfeigen, natürlich. Die hatte ich im Eifer des Gefechts irgendwie völlig vergessen und Herr H. hatte beim Fotografieren auch eher auf alles mögliche andere geachtet. Zu blöd aber auch. Sie machten sich sowohl optisch als auch geschmacklich bestens. Was soll’s? Die Gnocchi waren auf jeden Fall innen herrlich fluffig und außen knusprig. Das war meine Herbstentdeckung 2015. Sie machen sich sicher auch mit einer schlichten Tomatensauce bestens. Die fruchtig-säuerliche Feigensauce passte allerdings vorzüglich, auch zu den Lebern. Alles in allem ein durchaus gelungenes Sonntagsessen!

Gnocchi aus: Pasta Antonio Carluccio

Leber mit Feige und Walnuss aus: Meine leichte Küche Cusine Douce Douce Steiner

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20 Gedanken zu „Schon die Römer

  1. Für die Damen und Herren Römer habe ich ja was übrig. Irgendwie. Auch, wenn meine Leistungen im Latein-Unterricht eher überschaubar waren. ;))

    Jedenfalls: Das Rezept wird nachgekocht ( — so ähnlich)

    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Wohl eher für ihre Nachfahren, was? 😉
      Ich muss gestehen, dass ich das Lateinische sehr geschätzt habe in der Schule, leider ist das menschliche Gedächtnis so löchrig, viel weiß ich nicht mehr.
      Die Gnocchi schmecken sicher mit Tomatensauce großartig!
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. einfach toll !!
    mit Grieß stelle ich mir diese Dinger sehr gut vor! und erst die Leber und die Feigen…
    und schon wieder Carluccio, ich habe in den Tiefen des Schrankes doch auch irgendwo ein Kochbuch von ihm…
    lg

    • Danke, Friederike. Das musst du unbedingt ausgraben. Der Herr steckt voller guter Rezepte, die zumindest bei mir tadellos funktionieren. Und das kommt nicht soo oft vor.
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Ich hab ziemlich viel Hartweizengries im Vorrat. Wie hiess doch gleich dieser Kochevent?
    Ich bewundere dein „mise en place“ vielleicht nur der Photographie geschuldet aber von enormen Vorteil. Frage: Hast du eine Spühlmaschine?
    Liebe Grüsse
    Frau A. vom Bodensee

    • Welcher Kochevent?
      Das mis en place machen wir für jedes Essen, auch für das unfotografierte. Macht es leichter, den Überblick zu behalten. 🙂
      Und natürlich habe ich eine Spülmaschine, ein Leben ohne sie kann ich mir schwer vorstellen. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  4. Tolle Kombination! Und diese römischen Gnocchi stehen auch schon länger auf meiner ToDo-Liste, wollte sie zu Ossobuco servieren. Vielleicht nehme ich aber auch Deine Variante. Mal schauen, was ich auf dem Markt bekommen 🙂

  5. Mjam. Leber geht ja bei mir immer…egal von welchem Tier. Ich werfe mal Lammleber in den Raum, an die komme ich neuerdings gut ran. Und Gnocchi…beim Lesen schoß mir die Packung weiße Polenta durch den Kopf, die im Küchenschrank wohnt. Da müsste sich doch was machen lassen…

    • Lammleber hatte ich leider erst einmal, war klasse, soweit ich erinnere. Und mit weißer Polenta lassen sich die Gnocchi sicher auch problemlos herstellen. 🙂

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