It’s a kind of magic

pasta mit spinatbällchen 4Die arme alte Zucchini spielte bislang in meiner Küche eher eine Nebenrolle, ja, man könnte fast sagen eine Statistenrolle. Unter ferner liefen durfte sie gestückelt oder gescheibelt das ein oder andere Gemüse-Potpourri ergänzen. Dabei hielt sie sich stets so vornehm zurück, dass man sich nach dem Essen nie bewusst erinnern konnte, ob sie überhaupt mit von der Partie gewesen war oder nicht. Ich probierte zarte, winzige Zucchini, größere und riesige, die man zudem noch von den Kernen befreien musste, doch das kulinarische Hochgefühl wollte sich beim Verzehr von keiner von ihnen einstellen. Fast glaubte ich schon, es müsse an mir liegen. Vor ein paar Tagen jedoch hatte ich dann DAS Zucchini-Offenbarungserlebnis. Auf diese Art zubereitet entfaltete sich endlich das ganze Potential der bescheidenen Frucht. Und es war zudem so einfach!

Für die Spinatbällchen (ergibt 10 – 12 walnussgroße):

  • 300 g junger Spinat (TK funktioniert auch)
  • 1 mittelgroßes Ei, verquirlt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • etwas frisch geriebener Muskat
  • 25 g frische Semmelbrösel (oder Panko, leicht gemörsert)
  • 25 g Parmesan, gerieben (oder alter Caciocavallo)
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Olivenöl zum Braten

spinatbällchen serieIch gab den tiefgefrorenen Spinat in reichlich kochendes Salzwasser und ließ ihn 3 – 4 Minuten blanchieren. Dann schreckte ich ihn im Sieb in Eiswasser ab, drückte ihn aus und ließ ihn gründlich abtropfen. Herr H. vermengte die übrigen Zutaten in einer Schüssel, gab den abgekühlten, abgetropften (er sollte wirklich nicht mehr viel Wasser enthalten) Spinat hinzu und vermengte alles von Hand. Nachdem er die Masse mit Salz, Muskat und Pfeffer abgeschmeckt hatte, formte er walnussgroße Bällchen daraus, briet sie rundherum in Olivenöl goldbraun und stellte sie warm.

Für die Zucchinisauce:

  • Olivenöl zum Braten
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 kleine rote Peperoni, entkernt und fein gehackt
  • 200 – 300 g Zucchini, geraspelt
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Parmesan oder alter Caciocavelli, fein gerieben nach Belieben
  • Pasta (große Penne oder Mezzi Rigatoni) nach Belieben

sosse serieNachdem die Spinatbällchen fertig waren und die Pasta knapp al dente gegart, erhitzte ich das Öl bei mittlerer Temperatur, briet Knoblauch und Peperoniwürfel kurz darin an (der Knoblauch darf nicht bräunen, da er ansonsten bitter wird) und gab die Zucchiniraspeln hinzu. Nach 3 Minuten Rührbratens mischte ich die abgetropfte Pasta unter und schmeckte mit Salz und Pfeffer ab. Herr H. richtete die Pasta mit den Spinatbällchen auf vorgewärmten Teller ab, gab etwas Käse darüber und trollte sich damit „ins Studio“.

pasta mit spinatbällchen 3Fazit: Ich hatte mir beim ersten Lesen des Rezepts nicht einmal ansatzweise vorstellen können, wie umwerfend gut diese absolut schlichte Zucchini-„Sauce“ schmecken würde. Knoblauch, Peperoni und Olivenöl unterstreichen ihren sanft nussigen Geschmack perfekt, so dass sie für einmal ganz und gar im Rampenlicht stehen konnte. Die knusprigen Spinatbällchen rundeten alles wunderbar ab und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich Zucchini von nun an nicht mehr anders zubereiten werde. Auch Herr H. äußerte nach dem Essen vollste Zufriedenheit und plädierte für die Aufnahme in den wöchentlichen Speiseplan und das soll bei einem vegetarischen, sprich wurstlosen Gericht schon etwas heißen.

Aus: Pasta Antonio Carluccio

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18 Gedanken zu „It’s a kind of magic

  1. Zucchinis gehört zu meinen absoluten Lieblingsgemüsen, ich kann davon kaum genug kriegen. Und die sind so dankbar vielseitig verwendbar, das finde ich das Schöne daran. In einer solch schlichten Sauce mit Pasta wie bei dir hier schmecken sie mir aber erntefrisch aus dem Garten auch am besten! Die Spinatbällchen allerdings sind neu und werden unbedingt ausprobiert, die sehen toll aus 😉

    • Echt? Wow. Die Zucchini an sich hat ja eher wenig Eigengeschmack. Aber es stimmt, sie ist dadurch höchst anpassungsfähig. 🙂 Und die Spinatbällchen sind klasse! 🙂

  2. Antonio Carluccio habe ich vor vielen, vielen Jahren im Fernsehen gesehen und habe sofort gedacht, dem Mann kann man vertrauen. Dein Rezept bestätigt mich nun in meiner Annahme.

    • Eins meiner ersten Rezepte (Linsensuppe umbrisch) ist auch aus einem älteren Kochbuch von ihm und die übrigen Rezepte im Pasta-Buch machen richtig Lust zum Ausprobieren. 🙂

  3. Ich unterschreibe erst mal bei nandalya…und habe deswegen meine Gemüsekiste. Da weiß ich, dass die Sachen schmecken, auch wenn sie manchmal krumm und schief aussehen.
    Spinatbällchen kenne ich, die sind klasse. Auf die Idee, sie in eine Zucchinisauce zu stecken bin ich aber noch nicht gekommen. Ich hole das nach, sobald die Abokiste mir gewogen ist und Zucchini liefert 🙂

    • Ich halte beim Einkauf direkt Ausschau nach dem eher „krummen“ Gemüse. Schmeckt meist besser. Die Kombi von Spinat und Zucchini in diesem Rezept ist wirklich empfehlenswert! 🙂

  4. Wir bekommen in Deutschland oft nur minderwertiges Gemüse. Der Grund ist unsere Spar- und Billigkultur. Unsere europäischen Nachbarn geben viel mehr Geld für frisches Gemüse aus und bekommen daher auch stets die bessere Wahl. Daher kann es schon passieren, dass die Zucchini „bitter“ schmeckt. Nein, das ist dann noch kein Cucurbitacin. Aber trotzdem pfui!

  5. Mir geht es da so ähnlich, außer als „Füllmasse“ ist mir Zuccini noch selten begegnet. Gestern las ich von eine „Pizza Crust“- vielleicht werd ich das mal testen. Und deine Pasta, nur mit ein paar anderen Bällchen. Und überhaupt, Zuccini-Rosmarin-Pasta, fallen mir da noch ein… schad nur dass ich grad verpflegt werde für den Rest der Woche.

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