Metamorphosen

grünes risotto 3 Leben ist Veränderung. Noch nie ist mir das stärker bewusst geworden als in diesem Frühjahr. Im Februar ist alles kalt und grau und doch stecken die ersten Schneeglöckchen mutig ihre Köpfe in die Kälte. Die Tage werden länger und länger, erst zaghaft, dann explosionsartig wächst alles. Das zarte Hellgrün der Blätter ist inzwischen zu tiefem Dunkelgrün geworden. Der Himmel scheint sich in seinem durchdringenden Blau höher zu wölben, als es möglich ist. Die längsten Tage des Jahres gehen einher mit den ersten Ernten, frische Erbsen, Radieschen, Gurken, dicke Bohnen und Spargel natürlich. Und so schließt sich der Kreis wieder. Alles Wachstum braucht Nahrung. Und bevor wir nun am Wochenende unsere komplette Küche neu gestalten, damit der neue Turboherd ein Plätzchen findet, es scheint tatsächlich keine brauchbaren Standherde mehr zu geben, stärkten wir uns noch mit einem frühsommerlichem Risotto.

Für das grüne Frühsommer-Risotto:

  • 1 Knoblauchzehe, in dünne Scheiben geschnitten
  • 1 Frühlingszwiebel, in Ringe geschnitten
  • 120 g Risottoreis
  • 200 g dicke Bohnen, enthülst
  • 250 g grüner Spargel, in ca. 2cm lange Stückchen geschnitten, Köpfe beiseite gelegt
  • 100 g Erbsen, idealerweise frische
  • ca. 50 g Weißwein
  • ca. 700 g Hühnerbrühe
  • Saft und Schale 1 kleinen Zitrone
  • einige Blätter Minze, fein gehackt
  • 2 Zweige (Orangen-)Thymian, Blättchen gezupft, fein gehackt
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Parmesan nach Belieben
  • einige dünne Scheiben Speck nach Belieben

risotto serieWährend wir schnippelten, informierte ich Herrn H. über den Ausgang des Gespächs mit dem Verkäufer des Elektrofachgeschäfts. Er hatte sich sofort bereit erklärt, den nicht einwandfrei funktionierenden Herd zurückzunehmen und mich gefragt, ob eventuell auch eine Einbaulösung möglich sei. Da gäbe es in Punkto Ausstattung und Wertigkeit etwas mehr Auswahl. Ich betrachte gedankenverloren meine kleine Küche und gab mir schließlich einen Ruck. Ja, das sei möglich. Was er denn vorschlüge. Nach einigem Hin und Her entschied ich mich schließlich für ein quasi mit Raketentechnik ausgestattetes Model. Herr H. sah mich fragend an. Das würde natürlich ein wenig mehr kosten, erklärte ich ihm. Als ich den Preis nannte, schluckte er kurz. Aber dafür hätten wir dann hoffentlich ein Gerät, dass außer zu spechen nahezu alles könne. Herr H. schwieg, erhitzte etwas Olivenöl mit einem Stückchen Butter und schwitzte Frühlingszwiebel und Knoblauch darin farblos an. Dann gab er den Reis hinzu, briet ihn einige Minuten mit und löschte schließlich mit Wein ab. Nachdem der Wein verkocht war, gab er den Thymian und eine Kelle heißer Brühe hinzu, rührte kurz und drehte sich dann zu mir um.

Nun war es an mir zu schlucken. Sein Gesicht verzog sich zu einem breiten Grinsen. Was soll’s, sagte er. Eine Investition in ein gutes Gerät sei die beste Wertanlage. Während wir die Küchenumgestaltungsdetails besprachen, fügte ich dem Risotto erst die Spargelstückchen, dann die dicken Bohnen und zuletzt Erbsen und Spargelspitzen hinzu. Nach ca. 25 Minuten war der Reis perfekt cemig und dennoch bissfest. Ich schmeckte mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft und -schale, Minze und reichlich Parmesan ab und ließ das Risotto noch einige Minuten ruhen, während ich die Speckscheiben bei 150°C im Backofen knusprig buk.

grünes risotto 1Fazit: Ein leichtes, frisches und sehr stimmiges Risotto, sei das, merkte Herr H. an. Nach dem Essen wandten wir uns erneut den Neugestaltungsplänen zu. Einiges an Arbeit wird auf uns zu kommen, wir werden etwas kostbaren Stauraum einbüßen, aber dafür am nächsten Dienstag hoffentlich in die nächste Dimension des Kochens und Backens eintreten. Hoffentlich. Bis dahin müssen wir leider ohne Herd und Backofen leben. Wie gut, dass wir einen Reiskocher besitzen.

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22 Gedanken zu „Metamorphosen

  1. Das nenne ich konsequent, Eva, die Küche dem Herd anzupassen und nicht umgekehrt ;-). Dann bin ich mal gespannt, welche Werke dem Raketentechnik-Equivalent künftig entspringen werden und bewundere derweil das schöne Spargel-Risotto. Lieben Gruß!

    • Naja. Es ging halt nicht anders. Aber der Umbau hat sich wirklich absolut gelohnt. Ich hätte nie gedacht, dass wir dadurch sogar noch Platz gewinnen würden. 🙂 Und der Herd macht wirklich richtig Spaß!
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Den Herd, bzw. die neugebaute Küche werde ich in dem alten Artikel über meine Küche zeigen. Jetzt muss mir der Backofen bei den ersten Brötchen erstmal zeigen, was er kann. 😉

  2. Gespannt warte ich auf denen Porsche, Ferrari oder was immer da einziehen wird! Mein Herd geht mir zwar auch schon ziemlich auf den Senkel, aber bei uns wird immer erst ein Teil entsorgt, wenn es nach 27 Reperaturen tatsächlich den wirklich allerletzten Seufzer tut.

    Und nun nehme ich mir ein Schälchen von deinem tollen Risotto!

    • Ich auch. 😉
      Generell handhaben wir das mit den Geräten genauso wie du. Meine Waschmaschine hat inzwischen auch schon stolze 15 Jahre auf dem Buckel – und wäscht. Und deshlab darf sie auch gern bleiben. Aber der alte Herd (insbesondere der Backofen) war ein einziger Quell der Frustration. Bin sehr gespannt, wie das mit dem Neuen wird und werde berichten…

    • Danke. Spaß wäre nicht schlecht. Mal sehen, wie alles klappt. Spätestens am Dienstag Abend ist der Spuk hoffentlich vorbei. Es ist schon komisch, wenn man „Umzug“ in der eigenen Wohnung spielt.
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Also jetzt ein neuer „Neuer“? Drücken unsere Daumen gleich mit! Angesichts der Temperaturen hier würde ich Euch unsere Herd-/Ofen-Kombi glatt leihweise abtreten… (wobei: ganz ohne kommt man selbst für kalte Küche nicht immer aus. Und der Weg wäre ganz schön weit…). Macht Fotos! Und habt trotz allem ein schönes WE!

    • Ja, quasi ein Ferrari unter den Herden, oder so. Ich hoffe wirklich sehr, dass er mehr taugt.
      So heiß? War es gestern hier auch, für morgen sind aber wieder nur 18°C angesagt, ein einziges Auf und Ab. Fotos werden natürlich gemacht! Euch auch ein schönes Wochenende!

      • Bin gespannt – sehr!
        Ja – sogar so warm, dass ich gestern Abend Gazpacho serviert habe (Ich HASSE Gazpacho – aber Daniel Humms Version mit Erdbeeren musste ich trotzdem probieren. War allerdings wenig spektakulär und nicht dazu angetan, meine Meinung zu ändern… – schad‘!). Heute geht’s aber wieder.

      • Ich bin auch kein großer Fan von kalten Suppen. Habe es ein paar mal probiert und „bekämpfe“ Hitze nun doch wieder mit „Hitze“. 😉

  4. So ein Risotto muss ich auch jedes Frühjahr machen.
    Und ich drücke Daumen für die Neugestaltung. Bin auch neugierig, was Du mit dem tollen Herd zaubern wirst.
    …..und Cooketeria hat recht….in solchen Fällen ist der Slowcooker nicht verachten. Ich habe außerdem eine Mikrowelle mit zusätzlicher Heißluft. Auch nicht blöd.

    • So ähnlich gibt es dieses Risotto zur Zeit mindestens 1 x pro Woche. 🙂
      Danke für’s Daumen drücken. Können wir gut gebrauchen.
      Und eben, für weitere Geräte habe ich wirklich partout keinen Platz…

    • Danke, Cookie! Ich hoffe wirklich ganz doll, dass er hält, was er verspricht.
      Für einen Slowcooker habe ich wirklich keinen Platz mehr, die Getreidemühle musste schon in mein Zimmer umziehen…

  5. ich drücke die Daumen für die Küchen-Metamorphose
    und nasche derweil vom Risotto, sehr gelungen. Vermutlich wirds dann nach dem Einbau so schnell keinen Reis mehr geben…

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