El desayuno del campesino

tortilla 6Leichtsinnigerweise hatte ich den Nachbarn aus dem Nachbarhaus versprochen, ihnen beim Umzug zu helfen. Ich hatte verdrängt, dass sie im Dritten OG wohnen und ausgerechnet heute hatten wir den bislang heißesten Tag des Jahres. Nach getaner Arbeit war ich rechtschaffen platt und bat Herrn H., sich um die Auswahl und Vorbereitung des Abendessens zu kümmern. Ich streckte meine müden Glieder und lauschte dem Treiben in der Küche. „Für ganz hungrige Mäuler gibt es heute Abend El desayuno del campesino!“ sprach er. Ich buddelte in meinem eingestaubten Spanischwortschatz, um hinter das Geheimnis seiner Ankündigung zu kommen und vergewisserte mich durch einen Blick auf die Auswahl der bereits vorbereiteten Zutaten. Ich sah reichlich Kartoffeln, Ei, Chorizo und Zwiebeln. „Bauernfrühstück spanischer Art!“ rief Herr H: begeistert. „Geht ruckzuck und genau das richtige für körperlich hart arbeitende Menschen.“

Für die Tortilla:

  • 400 g Kartoffeln, als Pellkartoffeln gegart, vollständig erkaltet
  • 1 Zwiebel, in Ringe oder Halbringe geschnitten
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • Butterschmalz zum Braten
  • ca. 125 g rohe Chorizo, gehäutet, in Scheibchen geschnitten
  • 3 Eier
  • 50 g Sahne
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss
  • 1 EL frischer Thymian, Blättchen gezupft, gehackt
  • Basilikum nach Belieben

Zubereitung Tortilla serieHerr H. hatte die Kartoffeln ca. 15-20 Minuten in reichlich Wasser gegart und anschließend kalt abgeschreckt. Nachdem sie vollständig erkaltet waren, pellte er sie und schnitt sie in ca. 1cm dicke Scheiben. Das funktioniert mit am Vortag gegarten Pellkartoffeln wesentlich besser. Die Scheiben der frisch gegarten sind recht fragil. Herr H. hatte zudem bereits die übrigen Zutaten geschnippelt, Eier, Sahne und Gewürze verquirlt und die Zwiebelringe in Butterschmalz bei milder Hitze in ca. 10 Minuten weich gedünstet. Ich gab Knoblauch und Kartoffelscheiben hinzu und ließ alles ca. 5 Minuten bei mittlerer Hitze braten. dann gab ich Chorizo und Eimasse in die Pfanne und ließ sie weitere 5 Minuten bei mittlerer Hitze stocken. Herr H. hatte den Backofen auf 200°C (Umluft 180°C) vorgeheizt. Es hieß wir dürften ihn benutzen, wenn wir darauf achteten, uns nicht die Finger an der Bedienblende zu verbrennen und da der Servicetechniker erst am Dienstag kommen wird, blieb uns nichts anderes übrig. Ich schob die gestockte Tortilla in den Backofen und ließ sie in 20 Minuten goldbraun backen. Herr H. hatte inzwischen den Spargel (500 g) geschält, Butter und Olivenöl in der anderen Pfanne erhitzt, den leicht gezuckerten und gesalzenen Spargel eingelegt und die Temperatur nach kurzem Anbraten reduziert. Nach ca. 12 Minuten war der Spargel perfekt im eigenen Saft gegart, ganz ohne Alufolie oder ohne im Wasser seinen herrlichen Geschmack zu verlieren. Ich richtete Tortilla und Spargel auf vorgewärmten Tellern an und lauschte, während Herr H. waltete, dem immer lauter werdenden Knurren meines Magens.

tortilla 10Fazit: Herr H. hatte mit seiner Wahl wieder einmal den richtigen Riecher bewiesen. Die Kombination von Spargel und Tortilla empfanden wir beide als überaus gelungen! Wie gut, dass es ihn noch ein paar Wochen geben wird. Aber auch solo war die schlichte Tortilla ein absoluter Hochgenuss. Oft braucht es eben nur wenige Zutaten, um ein vortreffliches Gericht zuzubereiten. Es tut gut, sich von Zeit zu Zeit daran zu erinnern.

Aus: Die Welt in Lafers Küche Johann Lafer, Michael Wissing (Konzeption)

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23 Gedanken zu „El desayuno del campesino

  1. Frisch zurück aus dem Urlaub in Andalusien kann ich bestätigen, das Frühstück wurde uns morgens unter anderem wirklich angeboten 😀

    Ich konnte ja leider nicht zugreifen, aber der Italiener befand es für gut. Und ich drucke das Rezept gleich mal, am Wochenende kommen die Mädels und wollen Tapas machen. Da passt die Tortilla wunderbar 🙂

    • Echt. Puh, Glück gehabt. Ich habe das einfach mal so behauptet, ohne es genau zu wissen. Ich hoffe, der Urlaub war schön. Viel Spaß am Wochenende! 🙂

    • Gern geschehen, Sabine. Das war aber auch wirklich zu köstlich. Sobald wir wieder kochen und backen können, werde ich es definitiv wieder kochen. 🙂

  2. Egal wann, das würde ich immer nehmen! Auch ohne körperlich harte Arbeit.
    Eine schöne Kombination, auch der Spargel dazu.

  3. bei uns ist es heute auf 13° zurückgegangen- immerhin nach 4 herrlichen freien Draußen-Leben-Sommertagen. Deine Spargel-Gar-Methode werd ich mir hoffentlich merken, find ich klasse, und die Tortilla- auch bei kühleren Temperaturen und nach geistig anstrengender Arbeit käme mir da ein Stück recht.

    • Danke, Christine. Ja, ihr Südlichter seid leider oft wettertechnisch im Vorteil. Was soll’s? Mache ich das Beste daraus, so ein Sommerschmorgericht ist ja durchaus auch etwas Feines. 😉

  4. Ich reihe mich in die lange Schlange der ‚Haben-Wollenden‘ ein und einen Ohrwurm habe ich jetzt auch – dank Susanne geht mir jetzt Viktor Jara nicht mehr aus dem Kopf… hach, waren das noch Zeiten – Jugenderinnerungen! 😉

  5. Ach was sind wir froh, dass bei Euch Herd und Ofen wieder funktionstauglich sind. Dieses Desayuno schmeckt auch mir nicht nur zum Frühstück.
    Liebe Grüsse aus dem heissen Zürich,
    Andy

    • Funktionstauglich war er die ganze Zeit, nur eben nicht fehlerlos. Das wird sich hoffentlich morgen klären. Drük‘ mir die Daumen. 🙂
      Liebe Grüße aus dem kühlen Hamburg,
      Eva

  6. Ich bin dabei meine Lieblingsblogs „im Schweisse meines Angesichts“ zu goutieren und zu kommentieren (ohne Aircon!). Um bei Kräften zu bleiben wäre mir ein Stückchen deiner Tortilla echt willkommen. P.S. Ich esse es auch kalt 😉

    • Bei euch scheinen die sommerlichen Temperaturen konstanter zu sein. Bei uns war es nur am Freitag heiß, jetzt bibbern wir wieder bei 16°C. Und Tortilla bekommst du hier jederzeit gern – auch warm. 🙂

  7. Oje – ich habe mich gestern so wenig wie nur irgend möglich bewegt. Maximal von meinem Arbeitsplatz in die Küche und wieder zurück. Umziehen wollen hätte ich da nicht so gerne, aber so Termine macht man ja nun mal leider Wochen im voraus. Gegen die Tortilla hätte ich allerdings absolut gar nichts einzuwenden, die nehme ich zur Not auch nach nem Tag im Freibad 😉 Liebe Grüße, Tring

    • Eben. Leider kann man sich das passende Wetter zur gewählten Aktivität nicht aussuchen. Aber inzwischen ist auch der fiese Muskelkater wieder weg und ich habe direkt Lust, mal wieder etwas Feines zu backen. 🙂

  8. Das gefällt mir besser als das Standard-Bauernfrühstück.
    ….und irgendwie habe ich jetzt einen Ohrwurm….das Wort „campesino“ hat mich jetzt an Victor Jara erinnert…und „Te recuerdo Amanda“ kriege ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf…komische Umwege macht das Hirn manchmal….

  9. Hätte auch gerne ein Probiertellerchen voll, kann allerdings nur einen Besuch im unklimatisierten, völlig überlaufenen Baumarkt vorweisen. Zählt das auch als körperliche Arbeit? 😉

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