Geht immer!

kartoffelsalat 6Kartoffelsalat. Mein bisheriger Standard-Kartoffelsalat, den ich wirklich nur ganz, ganz selten auf den Tisch brachte, weil er mir immer eine Spur zu schlicht, zu derb und zu, hm, gewöhnlich war, beruhte auf einem Schwiegermutter-Rezept mit Essig-Öl-Dressing, sauren Gurken, Apfel und Matjes. Herr H. bedauerte seinen seltenen Auftritt auf unserem Speiseplan sehr. Im Gegensatz zu mir liebt er (fast) jeden Kartoffelsalat heiß und innig und wenn er dann noch ein gebratenes Würstchen dazu bekommt, ist er dem siebten Himmel spürbar näher. Als ich eines Abends letzte Woche wieder einmal viel zu spät und vollkommen inspirationslos durch die Kochbücher blätterte, witterte er sogleich seine Chance. Da gäbe es doch diesen sehr fein wirkenden Kartoffelsalat mit Trüffelöl, ob der denn raffiniert genug sei? Mangels alternativer Ideen ließ ich es auf einen Versuch ankommen.

Für die Kartoffeln:

  • ca. 400 g kleine, festkochende Kartoffeln
  • reichlich grobes Meersalz

kartoffel serieHerr H. heizte den Backofen auf 190°C vor, bedeckte den Boden einer Auflaufform großzügig mit grobem Meersalz und plazierte die gewaschenen und trocken getupften Kartoffeln darauf. Nach ca. 45 Minuten waren sie gar. Noch warm pellte er sie vorsichtig und schnitt sie in ca. 5mm dicke Scheiben. Alternativ können die Kartoffeln natürlich auch als Pellkartoffeln gegart werden.

Für die Marinade:

  • 2 Schalotten
  • 150 g Geflügelfond
  • durchgesiebte Flüssigkeit von ca. 100 g Kirschtomaten
  • 4 EL Weißweinessig
  • 1 Eigelb
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 2-3 EL Trüffelöl (ich: Trüffelbutter)
  • 2-3 EL Traubenkernöl oder ein anderes mildes Pflanzenöl

marinade serieIch kochte den Geflügelfond und Tomatenwasser auf, gab die Schalotten hinzu und ließ alles ca. 10 Minuten offen köcheln. Dann siebte ich die Schalotten ab, verquirlte das Eigelb mit dem Essig und rührte nach und nach den heißen Fond ein. Ich schmeckte mit Salz und Pfeffer ab. Anschließend mixte ich mit dem Stabmixer erst stückweise Trüffelbutter und schluckweise das Öl unter. Herr H. vermengte warme Kartoffeln und Marinade in einer Schüssel und ließ sie abgedeckt 30 Minuten durchziehen. Nach dem Ziehen hatten die Kartoffelscheiben die Marinade fast vollständig aufgenommen.

Für das Finish:

  • Kartoffelscheiben in Marinade
  • ca. 100 g Kirschtomaten, entkernt (Saft aufgefangen und durchgesiebt für die Marinade) und in feine Streifen geschnitten
  • 1 kleine Salatgurke, entkernt, in dünne Halbringe geschnitten
  • 1/2 Bund Kerbel, gezupft, nicht gehackt (ich: Basilikum)

kartoffelsalat serieDie Tomatenstreifen hatte ich schon vorab geschnitten, da ihr Saft in die Marinade wandern sollte. Herr H. kümmerte sich um das Braten der Würstchen, während ich die restlichen Zutaten zu Kartoffelsalat gab und unterhob. Dabei probierte ich natürlich auch und war sehr positiv überrascht von dem feinen Geschmack der marinierten Kartoffelscheiben.

kartoffelsalat 1Fazit: Nach dem Essen war ich sehr, sehr froh, dass ich mich wieder einmal auf Herrn H.s Insistieren eingelassen hatte. Der Kartoffelsalat ist mir großem Abstand der köstlichste, den ich je gegessen habe und er wird direkt am nächsten Wochenende zum Grillen mit der ganzen Familie zubereitet. Und da Sandra/ From-Snuggs-Kitchen sich derzeit Rezepte rund um die sommerliche Grillzeit wünscht, sende ich diesen Beitrag natürlich zu ihr! Ich hoffe, dass er vielleicht an ihren Lieblings-Kartoffelsalat herankommt oder ihm vielleicht sogar den Rang abläuft.

Blog-Event CIX - it's BBQ-time!

Aus: Klassiker Teubner Verlag

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26 Gedanken zu „Geht immer!

  1. Ganz genau so geht es mir auch! In der Regel esse ich Kartoffelsalat einmal im Jahr – und zwar Heiligabend; schön feist mit Mayo und Würstchen. Reicht dann aber wieder 364 Tage. Interessant, dass es dazwischen eher die Kerle sind, denen es nach derlei Hausmannskost gelüstet – für eine ordentliche Portion Bratkartoffeln mit Speck würde meiner jede noch so raffinierte Kreation stehen und liegen lassen. Nicht, dass gegen Bratkartoffeln was einzuwenden wäre, aber… aber… aber…! Die Salatverison mit Trüffelöl klingt allerdings nach einem echten Kompromiss – zumal ich da mein Trüffelöl wieder gewinnbringend einsetzen könnte. Gespeichert :)!

    • Das mit dem Kartoffelsalat an Heilig Abend finde ich höchst seltsam. Gab es bei uns nie. Mir war Kartoffelsalat meist zu Mayo-lastig. Aber mir diesem kann ich mich anfreunden. Bratkartoffeln habe ich tatsächlich noch nie gemacht. Ich fürchte, das wird noch ein langer Weg, zumal ich keine tolle eingebratene Eisenpfanne besitze…

  2. Das klingt sehr besonders – und Abwechslung bei Kartoffelsalaten kann ja nicht schaden! Auch wenn ich regelmäßig zu meinem persönlichen Klassiker mit Mayo-Joghurt-Kräuter-Dressing zurückkehre.

  3. Dein Blog habe ich über „Grain de Sel“ kennen gelehrt. Einfach toll, schön. Ich habe dieses Wochenende fast alles gelesen. Du sollst stolz sein mit so einem wunderbacher Blog !

  4. Das ist ja wirklich eine ausgefuchste Sache! Trüffelöl oder -butter in einem Erdäpfelsalat. Was für eine wunderbare Idee. Danke fürs Zeigen!

  5. Der Kartoffelsalat klingt wirklich super! Ich bin ja kein Kartoffelsalat-Fan, der Italiener dafür um so mehr. Da schlägt wohl der deutsche Teil durch 😉

    Das Rezept nehme ich auf alle Fälle mal mit, der (Grill)-Sommer ist ja noch lang. Und Du glaubst es nicht, bei mir gibt es morgen im Blog auch Kartoffelsalat *g*

  6. Wie gut, dass du Trüffelbutter genommen hast und nicht dieses künstliche Trüffel-Öl! Das probiere ich beim nächsten Grillen aus, ich muss nur noch nach Trüffelbutter schauen, hast du eine empfehlenswerte Quelle?

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