Echt jetzt?

schoko garnelen 9Schnaufend stellte Herr H. seinen Rucksack auf dem Küchenstuhl ab. Er hatte in der Bücherhalle fette Beute gemacht und kulinarische Werke wiegen zumindest realiter einiges. Ich machte mich sogleich über die neuen Schätze her und staunte nicht schlecht. „Kochen mit Schokolade„. Solch ein Buch hätte ich wahrscheinlich gleich links liegen gelassen, da die Rezepte in so betitelten Werken meist unharmonisch und an den Haaren herbei gezogen wirken. Ganz anders verhielt es sich bei diesem Exemplar. Es wird nicht bei der Verwendung von Schokolade gegeizt, unter jedem Rezept gibt es eine ausführlich begründete Weinempfehlung und direkt beim ersten Blättern sprangen mich die tiefbraunen Gnocchi an. Soviel Kakao ohne Zucker? Das konnte ich mir partout nicht vorstellen. Gleich am nächsten Abend probierten wir es aus.

Für die Kakao-Gnocchi:

  • 400 g Kartoffeln, in der Schale gegart
  • 1 TL Butter
  • Schokoladensalz (ich: Meersalz)
  • 1 Ei (ich: 1 Eigelb)
  • 50 g Weizenmehl 550er
  • 15 g Kakaopulver, stark entölt (ich: Criollo)
  • 1 EL Kakao-Nibs

kakao gnocchi serieWer häufiger backt, weiß, dass 15 g Kakaopulver eine stattliche Menge ist. Ich schluckte, als ich das Pulver zu den gepellten, ausgedampften, durchgepressten Kartoffeln gab. Herr H. stubste mich an. Also gab ich die restlichen Zutaten in die Schüssel und verknetete alles rasch zu einem recht weichen Teig. Herr H. hatte indes die Arbeitsfläche begriest und schnitt die 2cm dicken Rollen, die ich darauf gerollt hatte, in 1cm lange Stücke. Ich rollte sie einzeln über die Gabel und lagerte sie auf einem ebenfalls begriesten Tuch. Dann garte ich sie portionsweise in leicht siedendem Salzwasser und schreckte sie eiskalt ab. Die fertigen Gnocchi werden vor dem Servieren noch in Kakaobutter (oder Butter) gebraten.

Für das Gemüse:

  • 3 kleine Wildfenchel oder eine mittlere Fenchelknolle, Stängel geschält, in nicht zu kleine Stücke geschnitten
  • 250 g grüner Spargel, unteres Drittel geschält, bis auf die Köpfe schräg in Scheibchen geschnitten
  • 1/2 Spitzpaprika, feinst gewürfelt
  • 1 kleine Schalotte, feinst gewürfelt
  • Salz,
  • Butter und Olivenöl zum Dünsten
  • ca. 100 g Bio-Garnelen, vorgegart

gemüse serieHerr H. bereitete das Gemüse vor und hob Spargel- und Fenchelschalen und -abschnitte auf. Ich erhitzte das Butter-Olivenöl-Gemisch bei mittlerer Hitze, dünstete die Schalotte darin glasig und gab das restliche Gemüse bis auf die Spargelspitzen hinzu. Mit einer Prise Salz, reduzierter Temperatur, dann abgedeckt durfte es nun im eigenen Saft garen. Das dauerte ca. 15 Minuten. Nach 10 Minuten gab ich die Spitzen hinzu. Zum Schluss legte ich die Garnelen hinzu, um sie zu erwärmen. Die kleinen Wildfenchelknollen dufteten verführerisch. Dringende Kaufempfehlung! Ich hatte sie im Frischeparadies gefunden.

Für die Sauce mit weißer Kuvertüre:

  • 1 kleine Schalotte, fein gehackt
  • 1 Lorbeerblatt
  • ca. 150 g Gemüsefond
  • ca. 150 g Krustentierfond
  • 70 g Sahne
  • Mehlbutter zum Binden (ich: Pfeilwurzstärke)
  • 20 g weiße Kuvertüre, grob gehackt
  • 1 Schuss Weißwein
  • 1/2 rote Spitzpaprika, feinst gewürfelt
  • Schokoladensalz (ich: Meersalz)
  • (ich: weißer Pfeffer, frisch gemörsert)

sosse serieIm Buch wird der Krustentierfond aus den Schalen der Garnelen gekocht. Ich hatte leider nur bereits geschälte und vorgekochte Bio-Garnelen. Zum Glück wartete noch ein Glas Hummerfond auf seinen Einsatz im Vorrat. Herr H. hatte die Gemüseabschnitte in ca. 200g Wasser mit dem Lorbeerblatt ca. 20 Minuten sanft geköchelt und anschließend abgesiebt. Ich schwitzte die Schalotte in wenig Butter glasig, gab Gemüse- und Hummerfond hinzu und ließ alles bei mittlerer Hitze ca. auf 1/3 einreduzieren. Dann gab ich die Sahne und etwas Salz hinzu und ließ sie ebenfalls etwas einköcheln. Statt mit Mehlbutter band ich mit etwas in kaltem Wasser gelöster Pfeilwurzstärke und püriert die Sauce mit dem Stabmixer. Ich stellte den Topf zurück auf die Platte, gab Paprika, Kuvertüre und Weißwein hinzu und schmeckte mit weißem Pfeffer ab. Die Sauce schmeckte zwar leicht süß, hatte aber durch den Hummerfond ein sehr harmonisches Aroma. Herr H. hatte indes die Gnocchi gebraten. Es konnte angerichtet werden.

schoko garnelen 4Fazit: Da ich keine besonders hohe Erwartung an dieses Gericht hatte, probierte ich neugierig, aber eher beiläufig. Und was soll ich sagen? Es war eine echte Überraschung, wie gut die weiße Kuvertüre mit den Garnelen und den Kakao-Gnocchi harmonierte. Herr H. schüttelte nach jeder neuen Kombination, Garnele mit Sauce, Sauce mit Gnocchi, Gemüse mit Sauce, Gemüse mit Gnocchi, etc, immer wieder ungläubig den Kopf. Das könne doch nicht sein, dass eine so abstruse Kombination so gut schmecke. Konnte es aber und aus diesem Buch wird ganz sicher noch viel mehr gekocht. Es lohnt, die Kuvertürevorräte beizeiten aufzustocken.

Aus: Kochen mit Schokolade Eberhard Schell, Michael Meisen

Advertisements

30 Gedanken zu „Echt jetzt?

  1. Ich mag abstruse Kombinationen (wenn sie am Ende schmecken). Nach einmal scheußlichem Rosenkohl mit schoko-Soße bin ich aber zumindest bei feinherber Schoki an herzhaften Speisen vorsichtig. Soße mit weißer Kuvertüre stelle ich mir dagegen zu den Garnelen recht nett vor. Als Gnocchi-Legasthenikerin werde ich das Gericht wohl aber trotzdem nicht so schnell nachkochen. 😉

    • Echt? Ich hatte zuvor eher mit dunkler Schokolade gute Erfahrungen gemacht und war sehr skeptisch ob der (doch recht süßen) weißen. Aber es passte erstaunlich gut. Schade, dass du dir die Gnocchi entgehen lässt. 😉

  2. Sandra (From Snugg’s Kitchen) macht Bacon in die Cookies, Du Schoki ins herzhafte Gericht – ich liebe solche Überraschungen. An mein Chili con carne kommt immer sehr dunkles Kakaopulver oder etwas dunkle Schokolade. Ich glaube, man muss ab und zu einfach mal was ausprobieren. Tolles Gericht, finde ich!

    • Danke, Julia. Ja, das finde ich auch, also das mit dem Ausprobieren. Man kann dann ja hinterher entscheiden, was man für sich „übernimmt“. 🙂

  3. Bin ich engstirnig? Mangelt es mir an Abenteuerlust? Es würgte mich beim Lesen! Und ich dachte ‚…dann doch lieber 200g Butter in einer Hollandaise für 2 Personen…‘. Gruss Bea

    • Das glaube ich nicht, Bea. Die Großmutter einer Schweizer Freundin pflegte zu dem Thema immer zu sagen, „so sind die Menschen halt verschieden“. Ich hoffe bloß, du hast rechtzeitig aufgehört zu lesen. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  4. Aaach, das ist doch GENAU mein Geschmack! Krude, kruder – i moag’s :D! Einzig die Gemüsebeigabe werde ich dem Kerl zuliebe anpassen müssen, wahlweise nur für ihn eine Alternative kochen. Schließlich taste ich mich immer noch an Fenchel heran (wäre doch gelacht!) und Spargel schubse ich generell ungern vom Teller…

    • Oh, das freut mich. Was hast du gegen Fenchel? Generelle Anis/ Lakritz-Abneigung? Spargel hatten wir übrigens schon viel zu lange nicht mehr und heute Abend wird das auch nix. Aber manchmal muss es eben auch die klassische Lasagne sein. 😉

      • Witzigerweise liebe ich Fenchel, Anis & Co als trockenes Gewürz – und, vor allem: als Tee. Bloß das ganze Gemüse war in vielen Zubereitungen nicht meins – vielleicht, weil es manchmal an Stangensellerie erinnert (noch so ein Kandidat…). Da ich inzwischen aber viele, viele dieser Animositäten erledigen konnte (allen voran: Koriander!!!) bin ich zuversichtlich, dass es auch mit mir und dem Fenchel noch was wird… 🙂

      • Ieehhh, Fenchel-Tee. 😉
        Das mit dem Koriander und mir hat auch ziemlich lange gedauert. Da hast du mir was voraus. Also bin ich zuversichtlich, dass das mir dem Fenchel auch noch klappen wird.

      • Hey, das freut mich riesig! Hätte nicht gedacht, dass sich jemand daran wagen würde. Umso besser, dass es euch gut geschmeckt hat. Danke für’s Feedback! 🙂

  5. Hallo,
    Das klingt wirklich nach einer sehr interessanten Kombi. 15g Kakao fand ich jetzt auch recht viel, aber es scheint ja alles seinen Sinn zu haben. 🙂 Die Gnocchi probiere ich bestimmt bald mal aus.

    LG
    Nika

    • Ja, den hatte es, Nika. Manchmal hilft ein wenig Vertrauen, wenn auch nicht immer. Die Gnocchi kann ich uneingeschränkt empfehlen, die mag sicher jeder. Viel Freude beim Kochen!
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Wow! Eine Kombi genau nach meinem Gusto, da wäre ich wohl auch gleich sofort drauf angesprungen 🙂 Und wenn ich mir gerade im Kopf die verschiedenen Kombinationen von Herrn H. auf der Gabel vorstelle, so nicke ich bestätigend! Ich stelle mir das wirklich gelungen vor! Merkliste!!

  7. Ich habe mich die Tage auch in Form von Mole an die deftigen Schokoladen-Gerichte getraut. Dazu habe ich hier auch noch ein entsprechendes Buch liegen. Anfangs war ich ebenso skeptisch wie Du, aber mittlerweile bin ich doch begeistert.

    Das Gnocchi-Rezept nehme ich auf alle Fälle mit, bei nur einem Eigelb und Kakao kann ich nicht widerstehen!

    • Siehste, Mole. Die ist auch in dem Buch zu Hühnerbrust, aber das Bild ist ein wenig abschreckend. Alles so Ton in Ton… 😉
      Und ich bin sicher, dass die Gnocchi dir gefallen werden!

  8. Haha, wie witzig – genau wie auch Cooketteria dachte ich im ersten Moment eher an eine interessante Surf and Turf Variation… so kann sich das Auge täuschen. Kakao an Gnocci kann ich mir wunderbar vorstellen und dann auch noch lecker Kakaonibs drin…mmmh! Nur weiße Kuvertüre? Hab gar keine Vorstellung, wie die in Kombination mit den anderen Zutaten wohl schmecken könnte. Aber anscheinend ja wunderbar – sollte also vielleicht auch mal einen Blick in dieses Buch werfen. Danke für den schönen Beitrag! LG Caro

    • 🙂
      Ja, die Gnocchi waren in der Tat fein, genau wie die Sauce dazu und zu allem, aber das ist natürlich Geschmackssache wie eigentlich alles.
      Liebe Grüße,
      Eva

  9. Ihr habt mich angesteckt mit Eueren Bücherhallenbesuchen; ich habe just meine Bücherei-Karte verlängert. Am Wochendende geht es in die Zentralbücherei, mal sehen, was da wartet 🙂
    Zum Rezept: Den Kakao in den Gnocchi, den kann ich mir gut vorstellen. Die Bitternote passt bestimmt. Ein wenig schlucke ich aber bei der Kuvertüre in der Soße…und weisse noch dazu, die ist ja so süß. Und das dann mit Krustentieren. Käme auf einen Versuch an.

  10. Erstes Bild gesehen und gedacht: Fein, das sieht lecker aus. Spargeln, Fenchel, Crevetten und Rinderfilet, interessante Kombination. Text gelesen und dann rote Ohren bekommen….

    • Ja, als ich die Bilder zum ersten Mal sah, dachte ich auch, wow, die Gnocchi sehen irgendwie „fleischig“ aus. 😉
      Aber wieso gab das bei dir rote Ohren?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s