Last night in Britain

minzerbsen 1Da eine Reise in diesem Jahr weiterhin nicht in Sicht zu sein scheint, müssen Herr H. und ich die Welt halt kulinarisch in der eigenen Küche bereisen. Das hat den Vorteil, dass man riesige Distanzen mit wenig Ressourcen überwinden kann. Ein Abend in Japan, einer in Chile und dann wieder ab nach Andalusien? Kein Problem. In der Küche sind diese Orte nur wenige Gewürze voneinander entfernt. Kürzlich machten wir eine Stippvisite auf den britischen Inseln. Eine vegetarische, wohlgemerkt, das zum Pudding zugehörige Roastbeef war leider schon aus. Aber auch so ist dieses Gericht herrlich frühlingsfrisch und rather britisch.

Für den Yorkshire Pudding:

  • 2 Eier
  • 200 g Milch
  • 100 g eiskaltes Wasser
  • 120 g Mehl
  • Rindertalg zum Fetten der Muffinform (ich: Butter)

yorkshire serieDer Teig sollte vor dem Backen mindestens eine Stunde (besser über Nacht) ruhen, damit das Mehl aufquellen kann. Ich hatte am Morgen Ei, Milch und Eiswasser in einer Schüssel gründlich verschlagen, das Mehl darüber gesiebt und dabei immer weiter gerührt, damit sich keine Klümpchen bildeten. Anschließend rastete der Teig im Kühlschrank. Vor dem Backen heizte ich den Backofen mit gebutterter Muffinform auf 220°C, füllte den kalten Teig in die heiße Form, jeweils 2/3 der Muldenhöhe und buk ihn ca. 20 Minuten, bis die Puddings goldbraun und herrlich aufgeplustert waren.

Für die karamellisierten Zwiebeln:

  • 1 große rote Zwiebel, in Ringe geschnitten
  • (ich: eine Handvoll Speck, fein gewürfelt)
  • 1,5 EL Zucker
  • 2 EL Balsamico
  • etwas frischer Thymian (ich: leider nur getrockneter)
  • Salz

karamellisierte zwiebeln serieIm Buch wird zunächst ein helles Karamell aus Zucker und etwas Wasser gekocht, in dem die Zwiebeln dann gegart werden. Ich briet zunächst den Speck knusprig, legte ihn beiseite, schwitzte die Zwiebeln bei schwacher Hitze glasig und bestreute sie mit Zucker. Bei hoher Temperatur ließ ich den Zucker karamellisieren, löschte mit Balsamico ab und ließ ihn einreduzieren. Nun schmeckte ich mit Thymian, Salz und Speck ab und stellte die Zwiebeln warm.

Für die Minz-Erbsen und Möhren:

  • 2 Minzstängel, Blättchen abgezupft
  • 1 Romanasalat (ich: 1 Süsskartoffel, in Würfel geschnitten)
  • 250 g Erbsen, TK
  • 1 EL Butter
  • 25 g Gemüsebrühe
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Englischer Senf zum Abschmecken
  • (ich: eine Prise Zitronenabrieb)

minzmöhren serieHerr H. hatte in der Zwischenzeit die Süsskartoffeln in Butter angedünstet, die Brühe und 1 Prise Salz zugegeben und sie abgedeckt ca. 8 Minuten köcheln lassen. Nun gab er die Erbsen hinzu, ließ sie weitere 6 Minuten mitgaren und schmeckte abschließend mit Minze, Salz, Pfeffer, Senf und Zitronenabrieb ab. Fehlte bloß noch die Sauce, die Mulden der Puddings wollten schließlich gefüllt werden.

Für die Senfsauce:

  • 1 kleine Schalotte, fein gehackt
  • 1 EL Butter
  • 200 g Gemüsebrühe
  • 2 EL Englischer Senf
  • 1 EL Meerrettich, frisch gerieben (ich: Glas)
  • Salz, Pfeffer, Cayenne
  • 50 g Sahne

senfsosse serieIch schwitzte die Schalotte in der Butter glasig, gab die Brühe hinzu und ließ sie etwa um ein Drittel einkochen. Dann rührte ich Senf und Meerrettich ein, schmeckte mit Salz, Pfeffer und einer Prise Cayennepfeffer ab und goss die Sahne an. Nach weiterem Einkochen pürierte ich die Sauce mit dem Stabmixer und band sie mit ein wenig in Wasser aufgelöster Pfeilwurzstärke, da sie mir noch zu flüssig erschien und für weiteres Einkochen der Hunger zu groß war.

minzerbsen 6Fazit: Was für ein gelungener Ausflug! Der saftige Yorkshire Pudding saugte die kräftig-cremige Senfsauce begehrlich auf. Die Minz-Erbsen erfrischten und die karamellisierten Zwiebeln sorgten für eine herrlich herzhafte Note. Den Speck hätte es für mich nicht unbedingt gebraucht, aber Herr H. fand ihn durchaus passend. Wenn nur die Planung der wirklichen Reisen so herrlich und mühelos wären.

Aus: Mittagstisch leidenschaftlich vegetarisch Eschi Fiege

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23 Gedanken zu „Last night in Britain

  1. Pingback: Eier in Senfsauce #wir retten was zu retten ist | anna antonia

  2. Was, gar keine Ausfahrt? Nichtmal ’ne kleine? Och! Die Einladung nach Näher oder Ferner steht, wisster, ne?
    Aber bis dahin ist Yorkshire Pudding sicher keine schlechte Wahl. Esse den Verwandten „Ofenpfannkuchen“ ja ausgesprochen regelmäßig solistisch…

    • Vielen lieben Dank. Darauf werden wir sicher einmal zurückkommen. Eine Ausfahrt wird es wahrscheinlich schon noch geben, nur ist die Reisezeit leider immer so sehr begrenzt. Mal sehen, was sich machen lassen wird.
      Ofenpfannkuchen kenne ich übrigens gar nicht, hört sich aber interessant an!
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Um den Yorkshire Pudding schleiche ich ja auch schon geraume Zeit herum. Ich weiß gar nicht, warum ich den noch nie ausprobiert habe. Das wird sich ändern. Und die Senfsauce hört sich auch super an 😉
    Liebe Grüße, Tring

    • Man muss nicht lange schleichen, er ist wirklich leicht gemacht, wenn man das mit der Teigruhe und der heißen Backform beherzigt und die Sauce dazu, himmlisch. 🙂
      Liebe Grüße,
      EVa

  4. Eine wirklich schöne Kombination! Um Yorkshire Pudding geistere ich ständig rum und bin in ständiger Versuchung ihn mal zu machen. Jetzt bin ich überzeugt! Wird bald umgesetzt 😀

    Und jetzt freue ich mich schon auf eine nächste kulinarische Reise mit Euch!

  5. Yorkshire Pudding hab ich noch nie gemacht, aber es scheint, das sollte man doch in Angriff nehmen! Danke fürs Mitnehmen auf eure Reise. Mit unserem altersschwachen Hund ist an Verreisen auch nicht mehr zu denken, daher gefällt mir deine Idee besonders gut!

    • Das kann ich dir auf jeden Fall guten Gewissens empfehlen, Susi. 🙂 Und ja, ich finde solche „virtuellen“ Reisen haben durchaus ihren Reiz. Gerstern waren wir in Italien – immer wieder herrlich!

  6. Yorkshire Pudding 🙂 Love it! Wenn alles klappt, gibt’s die bei mir am Weekend auch. Ich war erst kürzlich ein paar Tage in England (zum ersten Mal) und muss sowieso bemerken, dass die dortige Küche keineswegs so schlecht ist, wie man hier immer meint. Im Gegenteil! Regionale, hausgemachte und der Saison entsprechende Produkte werden da ganz schön gross geschrieben. Ich habe jedenfalls köstlich gespiesen 🙂

    • Davon habe ich schon öfter gehört, Marco. Auch wenn ich bei meinen damaligen Besuchen nicht das nötige Kleingeld hatte, um diese Behauptung zu verifizieren. 😉 Wer weiß, vielleicht schaffen wir das ja noch mal irgendwann.

  7. Das klingt ja phänomenal. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, Yorkshire Pudding als etwas anderes als als Beilage zu servieren – ein Fehler, wie mir scheint.
    …und ja, solche Reisen machen Spaß.

    • Danke, Susanne. Ja, manchmal finden sich wirklich gute Ideen in Büchern. Und ich hoffe doch sehr, dass vielleicht auch eine kleine „Echtreise“ drin sein wird… 🙂

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