Keine halben Sachen mehr!

szegediner gulasch 6Am vergangenen Wochenende hatte sich Herr H. bereit erklärt, den ersten sonnigen Frühlingssonntag mit Kistenschleppen zu verbringen, allerdings nur unter einer Bedingung. Zum Abendessen wolle er dafür endlich wieder einmal Fleisch, richtiges Fleisch, nicht nur ein paar magere Speckwürfel. Mit denen sei er in den letzten Wochen viel zu häufig abgespeist worden. Ich war so froh, dass er zur Mithilfe bereit war, dass ich dirket am Morgen ein Stück Schweinefleisch zum Auftauen in den Kühlschrank legte. Als wir am späten Nachmittag erschöpft und glücklich, eine kurzer Spaziergang an der Elbe war tatsächlich noch möglich gewesen und man konnte sogar selbst gehen ohne geschoben zu werden, nach Hause zurückkehrten, war das passende Rezept schnell gefunden. Szegediner Gulasch mit Kartoffelklößen halb und halb. Was für ein sonntagswürdiges Mahl!

Für das Szegediner Gulasch:

  • 400 g Schweinefleisch aus Ober- oder Unterschale, in ca. 2cm große Würfel geschnitten
  • 200 g Zwiebeln, grob gewürfelt
  • 20 g Schweineschmalz
  • 1 EL Paprikapulver edelsüß
  • 150 g Fleisch- oder Gemüsefond
  • 250 g Sauerkraut
  • 1 TL Kümmel
  • 15 g Tomatenmark
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Saure Sahne oder Crème fraîche nach Belieben
  • Petersilie nach Belieben

szegediner gulasch serieIch briet die Zwiebeln im Schmalz bei mittlerer Hitze unter Rühren glasig, gab das Fleisch hinzu, briet es kurz mit, rührte Paprikapulver ein und goss den Fond an. Dann durfte das Gulasch 30 Minuten abgedeckt schmoren. Danach rührte ich Sauerkraut, Kümmel und Tomatenmark ein und ließ das Gulasch weitere 40 Minuten garen. Zum Schluss schmeckte ich es mit Salz, Pfeffer und einem großzügigen Klacks Crème fraîche ab und stellte den Topf warm. Wird Saure Sahne verwendet, darf das Gulasch nicht mehr kochen, da sie ansonsten ausflockt.

Für die Kartoffelklöße halb und halb:

  • 1 Scheibe Toastbrot, gewürfelt (ich: weg gelassen)
  • Butter zum Braten (ich: weg gelassen)
  • 1 – 2 Zweige Marjoran
  • 750 g Kartoffeln, mehlig kochend (ich: Linda vom Vorjahr)
  • 1 TL Ascorbinsäure, Essig oder Zitronensaft
  • 1/2 TL Salz
  • 1 TL Speisestärke in 1 EL kaltem Wasser angerührt

klösse halb und halbHerr H. hatte, während ich mit dem Gulasch beschäfigt war, alle Kartoffeln geschält, die Hälfte der Kartoffeln gekocht, die andere Hälfte in eine Schüssel mit reichlich Wasser, in das Ascorbinsäure eingerührt war, gerieben. Er gab die geriebene Masse in ein Sieb und presste sie mithilfe eines Löffels kräftig aus. Das Wasser fing er in einer weiteren Schüssel auf. Nach ca. 10 Minuten hatte sich die Stärke am Boden abgesetzt. Vorsichtig goß er das Wasser ab, so dass nur die Stärke im Topf blieb. Er gab die noch sehr heißen, gekochten Kartoffeln durch die Presse, fügte die ausgedrückten geriebenen Kartoffeln, das Salz und die Stärke hinzu und vermengte alles zu einer homogenen Masse, die sich trotz der Säure sogleich seltsam verfärbte. Daraus formte er Klöße, die etwas größer als Golfbälle waren. Ich hatte reichlich Wasser zum Sieden gebracht, gesalzen und die gelöste Stärke eingerührt. Er ließ einen Probekloß vorsichtig ins Wasser gleiten. Der sank gemächlich zu Boden, blieb aber ganz. Also gab er die restlichen Klöße auch hinein. Nach einigen Minuten tauchten sie an der Oberfläche auf. Wir jubelten. Zu früh, wie sich nach der 20minütigen Garziehzeit herausstellte. Als ich den ersten Kloß herausfischen wollte, löste er sich in Wohlgefallen auf. Zurück blieb eine riesige Wassermenge mit Kartoffelflöckchen. Herr H. siebte sie ab, presste sie zusammen und meinte, vielleicht können man die Masse wir ein Rösti braten. Ich probierte ein wenig und spuckte es sofort wieder aus, fad, scheußlich, brrr!

szegediner gulasch 4Fazit: Obwohl es schon spät geworden war, plädierte ich für den bombensicheren Alternativplan: Kartoffelpüree. Wer ein gelingsicheres Rezept für die Klöße sucht, wird hier bei Barbara oder hier bei Susanne fündig. Ich weiß nicht genau, woran unser Scheitern lag. Vielleicht an der Kartoffelsorte? An den nicht mit dem Tuch gepressten geriebenen Kartoffeln? Oder an meinen norddeutschen Genen? Fest steht, so schnell werde ich es sicher nicht wieder probieren. Es gibt einfach zu viele andere köstliche Alternativen. Das Gulasch schmeckte auf jeden Fall auch mit Kartoffelpüree traumhaft und wurde sogleich in die Liste der Standardgerichte des Hauses H. aufgenommen.

Aus: Klassiker Über 300 internationale Rezepte mit Tipps und Varianten von Johann Lafer Teubner Verlag

Advertisements

46 Gedanken zu „Keine halben Sachen mehr!

  1. Vielen Dank, Eva. Da schaue ich nach Tagen in Deinen Blog und fühle mich wie immer sehr wohl. Bis auf ein leichtes Völlegefühl. 😀 Meine Güte, habt Ihr wieder leckere Dinge gezaubert, toll. 🙂
    Szegediner Gulasch ist nicht so meins, damit quälte uns unsere Mutter oft. Ich mag Gulasch zwar lieber ohne Sauerkraut, aber mit Kartoffelbrei hätte ich es doch auch genossen. Viele Grüße 🙂

  2. Cheriechen hat ein Kartoffel-Gnocchi-Trauma aus jungen Jahren, das auch noch nicht gänzlich austherapiert ist…
    Tatsächlich finde ich auch, dass es heute eine Kunst ist, gute Kartoffeln zu bekommen. Oder umgekehrt gesprochen: Früher war so ein Schrott wie heute nicht im Handel.
    Bei Semmelknödeln fühle ich mich sicher,
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Gnocchi-Trauma? Vielleicht können meine Rezepte Abhilfe verschaffen. Die Gnocchi nach Lafer sind absolut gelingsicher, versprochen!
      Und das mit dem Kartofelschrott, schlimm. Zum Glück darf die gute Linda wieder angebaut werden. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

      • Inzwischen sind schon welche geglückt, die mit Bärlauch z.B. im letzten Frühling…, aber damals habe ich vor Wut nur noch „Knotschi“ gesagt!
        Linda ist toll und Laura hatte ich zuletzt, die gefiel mir auch gut, so richtig kartoffelig im Geschmack…

      • Na denn. 🙂 Deine Wildkräuter machen sich sicher auch gut in Gnocchi – ich bin ja nicht so der Smothie-Fan. 😉

    • Auch nicht schlecht, aber da bevorzuge ich eher das Püree. 😉
      Dir auch ein schönes Wochenende, spätestens ab Montag soll’s auch wieder wärmer werden…
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Ist es fies, wenn ich jetzt schreibe, dass mich – ähnlich wie ninive – Dein Malheur ein bisschen beruhigt? Normalerweise bleibt mir hier ja mit schöner Regelmäßigkeit die Spucke weg (und bin ganz gehörig neidisch). Mir ist genau so eine Pampe zuletzt Weihnachten 2013 passiert, als ich der Familie vollmundig selbstgemachte Klöße angekündigt hatte, die bis dahin stets einwandfrei funktioniert haben. Tjaa… ! Und gestern erst ist eine Torte zwar sehr, sehr lecker, aber längst nicht so hübsch geworden wie bei Dir… also: nicht ärgern, nur wundern! Alles Liebe aus dem Süden!

    • Nein, warum sollte es fies sein? Bei uns geht regelmäßig etwas in die Bütten, nur probieren wir es dann (wenn der Fehler identifiziert werden konnte) meist noch einmal und schreiben dann erst darüber. Das Gulasch war aber so köstlich, dass er gleich in die Welt musste.
      Und gerade bei den Torten geht beim ersten Mal immer etwas schief, nicht neidisch sein!
      Liebe Grüße auch an den Kerl!
      Eva

  4. Dieser Klassiker ist Seelenfutter schlechthin. Ich habe mich noch nie an Knödel gewagt.
    Bei mir kommt das Gulasch ebenso mit Kartoffelpüree oder aber auch gerne mit Spätzle/“Knöpfli“ auf den Tisch (abgeleitet vom Sauerkraut mit Schupfnudeln). Auch nicht schlecht !

  5. Genau so geht Szegedinger Gulasch. So mag ich es auch am liebsten.

    Das mit den Knödeln find ich blöd! Ich bin nicht mehr so sicher, wie das mit den speckigen und den mehligen Erdäpfeln so klappt. In der Schule im Jahre Schnee habe ich gelernt, dass man Knödeln oder anderen Erdäpfelteig immer aus mehligen Erdäpfeln machen muss, aber Herr Lamiacucina hat vor einiger Zeit einen Teig aus speckigen Erdäpfeln gemacht. Der kennt sich ja jetzt nicht unbedingt schlecht aus, tät ich amal sagen, daher hat er mein diesbezügliches Weltbild ins Schwanken gebracht.

    • Danke, Susi. So ist das Rezept von der „Expertin“ abgesegnet! 🙂
      Im Jahre Schnee? Entspricht das „in grauer Vorzeit“?
      Tja und irgendwer wird das Kloßmysterium aufklären müssen. Ich kann es beim besten Willen nicht…

  6. vielleicht ist die Kartoffelsorte zu wenig mehlig und eher festkochend?
    ansonsten (mehr) Mehl dazugeben und ordentlich salzen…
    aber ich brauch gar keine guten Ratschläge geben, denn ich mache um Knödel immer noch einen Bogen – auch nach der Blogger-Knödelrettung 😉
    lg

  7. Und ich hatte mich gerade schon auf ein Rezept für Klösse ohne Ei gefreut 😉

    Also ein super Rezept für Kartoffelklösse habe ich auch, allerdings nicht halb-halb, sondern nur aus gegarten Kartoffeln – das aus dem großen Lafer. Die sind wirklich Klasse!

    Und Gulasch gab es hier auch schon lange nicht mehr, schließe mich Susanne an – muss ich dringend mal noch machen, bevor der Frühling da ist!

    • Naja, im Prinzip soll das Rezept ja funktionieren. Die Lafer-Klöße habe ich auch schon öfter gemacht. Die ähneln vom Teig her ja eher den italienischen Gnocchi. Aber sie funktionieren wenigstens. 🙂

  8. Ich fasse es nicht, bitte probiere die Klöße noch einmal.
    Es ist nicht schwer.
    Für Klöße halb und halb, bei uns heißen sie grüne Klöße brauchst du.
    1/4 gekochte, durchgepresste, noch heiße Kartoffeln,
    3/4 rohe, geriebene, stark ausgepresste Kartoffeln, von die du gern die Ascorbinsäure geben kannst, damit sie nicht anlaufen.
    Diese Masse wird mit den gepressten heißen Kartoffeln schnell vermengt und gesalzen.
    Tennisballgroße Klöße Formen und mit Semmelrösteln füllen.
    In einen größeren Topf ausreichend Wasser erhitzen, aufkochen lassen und salzen. Wenn die Klöße hineinkommen, darf das Wasser nicht meht kochen,muss aber siedend sein…die Klöße sinkender Boden und ziehen bei kleinster Hitze gar, sie sind fertig, wenn sie an die Oberfläche schwimmen und müssen dann sofort heraus genommen werden.
    Fertig.:-)

    • Danke, Ute. Im Prinzip habe ich es genauso gemacht, wie du schreibst. Außer, dass das Verhältnis von rohen und gekochten Kartoffeln anders war. Wie gesagt, entweder war’s die KArtoffelsorte oder mir fehlt das „Knödelgen“. Und irgendwann probiere ich es sicher noch einmal…

  9. Szegediner Gulasch! Muss ich auch nochmal machen, bevor es so richtig Frühling wird.
    Und die Knödel….hm…..ich kann da jetzt beim Lesen keine Ursache für den Zerfall finden. Das Auspressen ist schon wichtig, ich quetsche die Kartoffeln immer ziemlich im Tuch. Vielleicht war die Masse zu feucht. (Meine Tochter würde sagen, dass es an den fehlenden Broitwürfelchen lag, die müssen da rein bei Ihr 😉 ….. wobei die ja womöglich tatsächlich auch noch Feuchtigkeit aufnehmen….)

    • Ich war wirklich überrascht, wie gut das Gulasch schmeckt, da die Anzahl der Zutaten ja doch recht überschaubar ist.
      Und ich habe direkt nach dem Misserfolg dein Knödelrezept gelesen und mich umso mehr gewundert, dass meine zerfielen. Vielleicht liegt’s ja doch an der Kartoffelsorte. Irgendwann probiere ich es bestimmt wieder – wenn genug Gras düber gewachsen ist. 😉

  10. liebe Eva, wie mich dein Knödel-Pech beruhigt… nicht umsonst hab ich den Serviettenknödel zum Knödel meiner Wahl erkoren. Szegediner schmeckt ja mit fast allem… ich mag da sehr gerne auch Grieß-Nocken dazu. Und muß mich nun endlich mal um eine Schweinefleisch-Quelle kümmern…

    • Des einen Leid… 😉 Semmelknödel stehen auch hier noch an. Es ist bislang am Tuch und an den Semmelresten gescheitert. Grießnocken, warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen? Danke!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s