Rosige Zeiten

rosenkohlcurry 2So, Januar und Februar wären nahezu um die Ecke gebracht. Nun kann, soll und muss, bitte, endlich der Frühling kommen! Denkt, wünscht und hofft man. Aber der Frühling lacht sich ins Fäustchen und schickt einen kurzen graupelschauernden Gruß, während die Grippewelle sich von Süden nach Norden ausbreitet. In den Gemüseregalen herrscht neben den spanischen Mutanten gähnende Leere. Runzelige Steckrüben, labberige Kohlköpfe, wann gibt es endlich wieder Frisches aus heimischem Anbau? Wie jedes Jahr dehnt sich die Zeit wie ein altes, zähes Kaugummi. Da hilft nur eins: der beherzte Griff in die Tiefkühltruhe. Bei mir lagert dort derzeit immer ein großer Beutel wunderbaren Rosenkohls. Der ist nicht nur überaus gesund, sondern lässt auch klaglos erstaunlich viel mit sich machen. Vom Chipsersatz, über klassisch-exotische Beilage bis hin zum Hauptdarsteller ist alles drin und immer wieder überrascht er durch seine Wandlungsfähigkeit. Als Herr H. mir kürzlich ein Rezept für ein Wirsing-Rosinen-Curry vorlegte, ersetzte ich ihn mutig durch Rosenkohl und Cranberries. Denn für riesige Kohlköpfe ist hier einfach kein Platz.

Für das Rosenkohl-Cranberry-Curry:

  • ca. 300 g Rosenkohl (TK)
  • 1 kleine Süßkartoffel, geschält, in ca. 2cm große Stücke geschnitten
  • 1 rote Chili, entkernt, in Ringe geschnitten
  • 1 kleines Stück Ingwer, fein gerieben
  • 1 EL Butterschmalz
  • 1/2 TL Bockshornklee, gemahlen
  • 1/4 TL Kreuzkümmel, gemahlen
  • 1 Pr. Asafoetida (Teufelsdreck, ersatzweise wenig Knoblauch, zerrieben)
  • 1/4 TL Zimt, gemahlen
  • 1 TL Kurkuma, gemahlen
  • 50 g Cranberries
  • 50 g Walnusskerne, grob gehackt, geröstet
  • 1 TL brauner Rohrzucker
  • Salz
  • 150 g Kokosmilch
  • 1 EL Zitronensaft

zutaten rosenkohl-cranberry-curryserieWährend Herr H. sich um die Gewürze kümmerte, dämpfte ich Rosenkohl (direkt aus dem TK) und Süßkartoffelwürfel in 8 Minuten knapp gar. Herr H. erhitzte das Butterschmalz, gab Chili, Ingwer, Kreuzkümmel, Asafoetida, Bockshornklee, Zimt und Kurkuma hinein und röstete sie ca 2 Minuten unter Rühren. Dann gab er Cranberries und Zucker hinzu und röstete sie kurz mit. Ich gab die, je nach Größe, halbierten oder geviertelten Rosenkohlröschen und Süßkartoffelwürfel dazu, löschte mit Kokosmilch und etwas Wasser ab und salzte das Ganze. Nach ca 10 Minuten offenen Köchelns war die Sauce sämig. Herr H. schmeckte noch einmal mit Salz und Zitronensaft ab. Ich verteilte den vom fleißigen Reiskocher gegarten Basmatireis und das Curry auf zwei Schalen und bestreute es mit den gerösteten Walnüssen. Es duftete herrlich.

rosenkohlcurry 7Fazit: Das Wagnis hatte sich auf ganzer Linie gelohnt. Wieder einmal bewies der Rosenkohl seine faszinierende Anpassungsfähigkeit. Der intensive Kohlgeschmack verliert sich durch das Dämpfen ein wenig. Süß-säuerliche Cranberries, knusprig-kräftige Walnüsse und ein kräftiger Akkord indisch-warmer Gewürze verbinden sich mit Kokosmilch zu einem herrlichen sanften Curry. Mit solche Gerichten lässt sich die mühsame Wartezeit auf jeden Fall ein kleines bisschen erträglicher gestalten und in ein paar Wochen, wenn wir alle die ersten warmen Sonnenstrahlen, frischen Kräuter und ersten Spargelstangen genießen wird der Winter im Nu vergessen sein – bis zum nächsten Mal.

Frei nach: happinez kochen Nr. 1 2012 Heinrich Bauer Zeitschriften Verlag KG

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28 Gedanken zu „Rosige Zeiten

  1. Mmmh, das sieht allerdings rundum rosig aus, Eva, und klingt sehr verlockend! Cranberries stelle ich mir wunderbar darin vor – und bedanke mich zudem herzlich für den Link. Und in Sachen Februar-Regale gebe ich Dir recht: Ich weiß auch so langsam nicht mehr ein noch aus mit immer demselben restlichen Wintergemüse… Lieben Gruß!

    • Danke, Claudia. Ja, es ist ein Kreuz (und natürlich ein Jammern auf hohem Niveau, die Kühltruhen sind ja reich gefüllt ;-)). Und zur Not greife ich eben auf Sachen wie die gute alte Erbsensuppen oder Sauerkraut zurück…
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Eine ganz banale Frage: Welchen Reiskocher kannst du empfehlen ,zB Modell v Reishunger, oder funktionieren ohnehin alle gleich gut? Und welche Grösse ist für wie viele normal hungrige Personen empfehlenswert?
    Sollte nicht unbedingt gleich wieder zu klein sein.
    LG
    Ingrid

    • Ingrid,
      ich habe ziemlich viel Erfahrung mit Reiskochern – da ich wesentlich mehr darin gemacht habe als „nur“ Reis kochen. Ich habe Rezepte für Singles kreiert, die immer sagen: Für mich alleine lohnt sich das Kochen nicht. Oder Bekannte, die ihn als einzige Kochstelle im Büro verwenden usw.
      Die Reiskocher sind sich alle ähnlich – und wenn du ihn nur dafür verwenden möchtest, der auch keinen Schnickschnack wie die, mit denen du dann eben mehr machen kannst.
      Mit so etwas bist du sicher auch gut bedient:
      Tristar-RK-6111-Reiskocher
      Grüße – Irene

    • Ich habe einen Tristar Reiskocher mit 0,6 l Volumen. Der reicht für uns beide und kocht auch Sushireis für 4 Personen. Aber dann ist das Limit erreicht. Ich denke, mit dem 1l Topf, den Irene empfiehlt, fährst du besser. Den Kocher von Reishunger kenne ich leider nicht.
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Die Kombination von Rosenkohl, Süßkartoffel und Kokosmilch ist eines meiner All-time-Winter-Favorites – grandios. Leider, leider werde ich es trotzdem an den Kerl nicht los, der für Rosenkohl verloren ist (auch, wenn er – wie ich finde – in diesem Gericht nach allem schmeckt, nur nicht nach Rosenkohl). Vielleicht muss ich es – wenigstens, was diese Zubereitung betrifft – mal mit Wirsing o. Ä. versuchen…

    • Das kann ich wirklich nur empfehlen, im Original wird ja auch Wirsing verwendet. Die Süßkartoffeln habe ich einfach dazugeschummelt, die musste dringend weg. 😉

      • Witzigerweise ist das – Rosenkohl und Süßkartoffeln mit Curry und Kokosmilch – meine Ursprungsfassung – also die, die ich zuerst kennen (und lieben) gelernt habe. Find’s kurios, dass man sowas durch spontane Abwandlungen re-kreieren kann… 😉

      • Ja, letztlich ist doch alles schon einmal da gewesen (wie ich grade sinniert habe ;-)). Aus einer ganz alten Schrot & Korn habe ich auch noch ein Rezept für ein Rosenkohl-Curry…

  4. Ich würde sagen – Deine Blumenkohl- ist meine Rosenkohl-Abneigung 😀
    Aber ich mache es dann, wie Du – ich greife zum Brokkoli, schmeckt sicherlich auch!

    Und Rezept nehm ich gleich mal mit, hätte noch Brokkoli im Haus!

  5. Das liest sich gut und sieht gut aus. Und da der Frühling dieses Jahr besonders lange auf sich warten läßt (ich glaube, das sage ich jedes Jahr….) schaffe ich halt nochmal Rosenkohl an.

    • Danke, Susanne. Es ist aber auch jedes Jahr das Gleiche. Ich denke immer, wenn nur erst der Februar geschafft ist und vergesse dabei gern, dass der März auch noch lausig sein kann, eigentlich sollte man ja dazu lernen… 😉

  6. Danke für das tolle Rezept. Ich esse sehr gerne und öfters mal Rosenkohl, von dir bekomme ich hier prima Anregungen für Gewürze. Mit denen tue ich mich nämlich etwas schwer.
    Hast du schon mal Rosenkohl-Salat gemacht?
    Wir hatten mal einen Test: maschinell geschnittene Rosenköhlchen / von Hand geschnittene.
    Die von Hand haben gewonnen (aber vielleicht war auch das Messer in der Maschine nicht optimal.
    Die Salatsoße einfach nach eigenem Gusto.
    Grüße – Irene

    • Rosenkohl-Salat? Mit rohem Rosenkohl? Nein, ich bin generell kein großer Salat-Fan (mehr). Aber vorstellen kann ich mir das schon und dann natürlich von Hand geschnitten. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  7. Wir fahren nächste Woche zum Skilaufen – noch etwas Winter käme uns also durchaus nicht ungelegen. Sorry, wenn wir da etwas egoistisch sind. Aber keine Sorge, der Frühling ist gleich um die Ecke 😉
    Euer Curry gefällt mir gut.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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