Älpler ganz elbnah

älplermagronen 5Ich bin Flachländler, durch und durch. Als ich damals aus dem Flugzeugfenster auf die Anden hinabsah, bekam ich einen riesigen Schrecken. Ich hatte einfach keine Vorstellung davon gehabt, dass es fast überall auf der Welt mehr oder weniger bergig ist. Eine abstrakte vielleicht, aber keine konkrete. Dort sollte ich Fahrrad fahren? Es stellte sich zum Glück heraus, dass zwischen Bergen auch immer Täler sind und die Berge nur selten am höchsten Punkt überquert werden müssen. Glück gehabt! Als Flachländler habe ich zudem nie eine besondere Vorliebe für den Wintersport entwickelt. Natürlich sind wir als Kinder gerodelt und auf dem „Hausberg“ (ca. 100m) Ski gefahren. Als ich jedoch älter wurde, erlahmte mein Interesse am Winter immer mehr. Deshalb entdeckte ich dieses köstliche Gericht, dass wahrscheinlich vielen aus dem Skiurlaub bekannt sein wird, erst jetzt. Älplermagronen. Pasta UND Kartoffeln UND Milch UND Sahne UND Käse. So etwas kann man doch nicht essen, oder? Herr H. rieb sich begeistert die Hände.

Für die Älplermagronen mit Röstziebeln:

  • 200 g festkochende Kartoffeln, geschält, in kleine Würfel geschnitten
  • je 250 g Milch und Wasser
  • 150 g Hörnchen oder Makkaroni
  • 1 große Zwiebel, in feine Ringe geschnitten
  • 1 EL Butterschmalz
  • 150 g Bergkäse (ich: 100 g)
  • (ich: ca. 50 g Speck, gewürfelt, knusprig gebraten))
  • Salz, schwarzer Pfefffer, Muskatnuss

magronen serieDie Sahne wird in diesem Rezept unterschlagen, ich bemerkte das leider erst zu spät. Beim nächsten Mal wird sie hinzugefügt. Ich brachte Milch und Wasser mit 1/2 TL Salz zum Kochen und ließ die Kartoffelwürfel darin 7 Minuten köcheln. Dann gab die Makkaroni hinzu und ließ sie ca. 12 Minuten mitköcheln. Dabei rührte ich recht häufig, da Milch und Stärke recht schnell ansetzten. Herr H. briet unterdessen die Zwiebelringe in Butterschmalz langsam goldgelb und knusprig. Das dauerte ca. 15 Minuten. Ich rieb den Käse, heizte den Backofen auf 200°C vor und butterte die Auflaufform. Die Makkaroni hatten nach der Kochzeit erstaunlicherweise die gesamte Flüssigkeit aufgenommen. Ich vermischte sie mit der Hälfte des Käses, der Hälfte der Zwiebeln, dem Speck, schmeckte alles mit Salz, Pfeffer und Muskat ab und füllte es in die Form. Darüber streute ich den restlichen Käse und die restlichen Zwiebelringe. Nach 15 Minuten Backzeit waren die Magronen perfekt überbacken.

Für das Apfelkompott:

  • 250 g süßsaure Äpfel
  • etwas Zitronensaft
  • etwas Apfelsaft oder Wasser
  • 1/2 Zimtstange
  • 1,5 – 2 EL Zucker
  • 1 Schuss Holunderblütensirup
  • (ich: ca. 250 g Ofenapfelmus, 1/2 Cox, fein gewürfelt, etwas Zitronensaft, 1TL brauner Zucker, Bratbutter)

apfelkompott 10Wer nicht das Glück hat, auf fertiges Ofenapfelmus zurückgreifen zu können, schält und entkernt die Äpfel, beträufelt sie mit Zitronensaft und kocht sie mit etwas Apfelsaft, Zimt und Zucker weich. Am Ende kann man das Apfelmus noch mit Holunderblütensirup abschmecken. Alternativ kann man natürlich auch gekauftes Apfelmus verwenden.

Ich taute das Ofenapfelmus auf, briet die fein gewürfelten, mit Zitronensaft besprengten Cox-Würfel in etwas Butter an, fügte den Zucker hinzu und ließ sie kurz karamellisieren. Dann vermengte ich sie mit dem Ofenapfelmus und servierte es zu den Magronen.

älplermagronen 10Fazit: Man muss definitiv kein Bergbauer sein, um sich für die wunderbaren Älplermagronen begeistern zu können! Und dass ich ein Gericht in den höchsten Tönen lob, obwohl es so gar kein Gemüse enthält, ist fast schon revolutionär. Herr H. meinte zwar, Kartoffeln und Apfelmus gingen doch als Gemüse durch. Aber der Meinung konnte ich mich nicht anschließen. Wie auch immer. Älplermagronen wird es bei uns von nun an sicher häufiger geben, ich bin schwer angetan!

Aus: Mittagstisch – Leidenschaftlich vegetarisch Eschi Fiege

 

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42 Gedanken zu „Älpler ganz elbnah

  1. Die will ich auch lange schon mal machen…

    und ja, es ist komisch, wenn man so völlig andere Landschaft als zuhause hat. Als ich das erste Mal da oben im Flachland (grins) war, hab ich mich total unwohl gefühlt… kein Hügelchen, nichts, über all so ein ewiger Horizont… war schon sehr ungewohnt.

  2. Aelplermagronen ist ein Alpgericht, gibt es also während des Alpsommers auf Kuhalpen (Milch, Butter, Käse), wenn die Arbeitstage der Aelpler vor 4 Uhr beginnen und erst nach 20 Uhr enden: Die Höhenunterschiede zu Fuss (Vieh eintreiben, Hecken setzen und reparieren, Heuen, etc.) machen hungrig, weshalb es natürlich schon Sättigungsbeilage im Quadrat sein darf UND Butter UND Vollfettkäse…. Das Gericht hat ausserdem den Vorteil, dass möglichst wenig Volumen von unten herauf transportiert werden muss, nämlich faktisch nur Hörnli; die Aelpler sind ja Halbnomaden, die während des Sommers meistens auf verschiedenen Höhenstufen sömmern. Und auch Kartoffeln müssen nur für die Hälfte des Alpsommers mitgebracht werden, nachher stammen sie aus alpinem Eigenbau. Dies dürfte auch für das (im Rezept fehlende) Blattgemüse (Spinat, Mangold, Krautstiel) zutreffen. – Natürlich schmecken Aelplermagronen auch im Winter.
    Gruss Bea

    • Danke für die Information, Bea! Ja, sie schmecken im Winter ganz vorzüglich, vor allem, wenn man so viel Energie braucht, um den Körper zu beheizen. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Als Schweizerin müsste ich ja eigentlich Älplermagronen lieben. Ist aber nicht so. Bei mir geht die Kombi Kartoffeln und Nudel irgendwie gar nicht. Hingegen wenn man die Kartoffeln weglässt, dann mag ich das Zeugs schon. Vor allem mit viel Apfelmus.

    • Ich müsste ja auch eigentlich Grünkohl und Konsorten lieben. Macht nichts. Nur mit Nudeln schmecken die Magronen sicher auch und dieses Ofenapfelmus – einfach himmlisch! 🙂

  4. Soso – schmunzel – die Älplermagronen haben es also ins nördliche Flachland geschafft. Und dann noch soo appetitlich. Respekt, Respekt 🙂 das habt ihr sehr schön hinbekommen!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  5. Winterliches „Wohlfühlfutter“ – ich liebe es !
    Eines der wenigen Gerichte, bei dem sogar ich als Carnivore ohne Fleisch oder Wurst „auskomme“ 😉

      • Passend ist er schon, SEHR sogar ! Ich spreche nur davon, dass ich bei diesem Gericht AUSNAHMSWEISE auf etwas „Fleisch-Wurstiges“ verzichten kann. Und das heisst etwas ! 😉

  6. Ui, davon hab ich ja noch nie gehört. Aber das liegt wohl an der Herkunft als Flachländlerin. Berge sind mir immer noch nicht geheuer und Schnee finde ich überflüssig. Das Rezept probiere ich aber mal aus. 😀

  7. Das ist also Dein schweizer Lieblingsgericht? Älplermagronen sind toll, ich kann die Begeisterung verstehen.
    Und sonst geht es mir wie Ninive….ich bin so eine Mittelgebirglerin….nur Flachland, da fühle ich mich unwohl.

    • Ja, zumindest das neueste. 🙂 Wer weiß, was mir noch so alles entgangen ist durch meine Wintermuffeligkeit. Und ich bin zwar Flachländerin, aber urlaubsweise fühle ich mich auch in den Bergen (wandernd) wohl – zumal ich ja weiß, dass ich dann wieder ins Flachland kann. 😉

  8. Das ist ein wunderbares Winteressen! Nur mit der deutschen Variante, dazu Apfelmus zu essen, komm ich nicht ganz klar. Aber ihr esst zu vielem Apfelmus, oder? Erdäpfelpuffer auch, glaub ich?

    • Danke, Susi. Das finde ich auch und Apfelmus passt wirklich vorzüglich dazu. Ja, wir essen das hier auch zu Puffern, manche sogar zu Pfannkuchen, aber das mag ich auch nicht so – liegt aber auch an den Pfannkuchen. 😉

  9. Ach ja, das hätte ich sein können… Musste gerade schmunzeln, als ich unten vegetarisch gelesen habe und mir sicher war, dass ich Speck wahrgenommen habe 🙂

    Und ja, Älpler ist was feines! Und sogar beim italienischen Schwiegerpapa gibt es öfters Pasta mit Kartoffeln. Isst mal wohl in Sizilien auch.

    • Du weißt ja, Speck-Vegetarier und so. Es würde aber sicher auch ohne gut schmecken. 😉
      Mit Kartoffelteig gefüllte Pasta kenne ich, kommen glaube ich von Sardinien, andere waren mir noch nicht bekannt.

  10. Ich hab gelächelt- meine erste Reise an die Nordsee, so mit 14 Jahren, hat mich ganz nervös gemacht- ich konnte dieses flache Land nicht beruhigend empfinden, ganz im Gegenteil.
    Dein Magronen-Rezept klingt phänomenal- gut für den Winter, so läßt er sich wenigstens ein wenig ertragen.

  11. Die Kombination aus Nudeln UND Kartoffeln habe ich mir bis jetzt nicht vorstellen können. Ist vermutlich auch sowas (Nord-)Deutsches: Dass man Kartoffeln als „Sättigungsbeilage“ empfindet und nicht als Gemüse und darum nicht Sättigungsbeilage und Sättigungsbeilage kombinieren möchte, wie es viele andere Kulturen tun (z. B. im mittleren Osten, wo es diesen genialen angebackenen Kartoffelreis gibt, oder in Indien, wo Kartoffelcurries ganz selbstverständlich zu Brot und Reis gereicht werden). Wenn ich eure Elogen so lese, lohnt der Schattensprung vielleicht doch…
    Schöne Grüße aus der Sonne (die diesen HERRLICHEN Langlaufschnee eliminiert, GNA!)!

    • Das ist bestimmt etwas norddeutsches. Aber der Schattensprung lohnt sich wirklich. Nach einem herrlichen Wintertag draußen kommen die Magronen bestimmt noch einmal doppelt so gut. Bei uns ist es (zum Glück) seit Montag frostfrei, aber dafür natürlich dauergrau. Egal, hauptsache der Frühling macht sich endlich auf die Socken. 😉
      Liebe Grüße ins Bergland!
      Eva

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