Zwiegebackenes „Feuerwerk“

kürbisquiche 1Unter der Woche bin ich auf mich allein gestellt. Jeden Tag muss/darf ich auf’s Neue entscheiden, was es zum Abendessen geben wird. Herr H. ist dabei wenig hilfreich. Erkundige ich mich danach, worauf er Appetit habe, kommt meist ein allumfassendes „alles“. Neben dem gewöhnlichen Repertoire aus Pizza, Chili und Co. probiere ich auch gern Neues aus. Wenn ich mich für ein Rezept entschieden habe, ist die Umsetzung ein Klacks. Wenn nur das Wörtchen wenn nicht wäre. Denn bis es soweit ist, können durchaus Stunden vergehen. Es gilt den waghalsigen Spagat zwischen Kühlschrank-/ Vorratslage, eigenem Appetit und Abwechslung (jeden Tag Nudeln gilt nicht) zu vollbringen. Die Anzahl der Variablen in dieser Gleichung ist oft so groß, dass ich die Segel streiche und Herrn H. mit kalter Küche begrüße. Vorgestern rettete mich zum Glück der strahlende Anblick einer Quiche. Mein Appetit war geweckt und ich legte los.

Für den Mürbeteig (1 Boden à 16cm, 2 à 10cm):

  • 65 g Butter, raumtemperiert
  • 130 g Weizenmehl 405er
  • 25 g Ei (ca. 1/2)
  • 2 g Salz

Ich verknetete alles Zutaten rasch zu einem glatten Teig und legte ihn für 2 Stunden in den Kühlschrank. Nach der Ruhezeit butterte ich die 3 Tartringe, rollte den Teig portionsweise ca. 3mm dünn aus und passte ihn in die Ringe ein. Ich stippte die Böden mit der Gabel und fror die Formen ca. 30 Minuten ein. Danach buk ich die Böden ca. 20 Minuten bei180°C vor.

Für die Füllung:

  • 350 g Butternusskürbis, geschält, in 2cm große Stücke geschnitten
  • etwas Olivenöl
  • 100 g Stilton, zerkrümelt
  • 40 g Membrillo (Quittenpaste), in 1cm große Würfel geschnitten
  • 1,5 Eier (1/2 ist vom Teig ja noch übrig)
  • 75 g Sahne
  • 75 g Crème fraîche (ich: Joghurt)
  • Salz, schwarzer Pfeffer

füllen serieAls ich das Rezept zum ersten Mal durchgelesen hatte, war ich etwas skeptisch. Es sieht vor, dass der Kürbis im Ofen 30 Minuten bei 220°C gebacken wird und die Quiche anschließend noch einmal 40 Minuten. Würde der Kürbis sich bei einer derart langen Backzeit nicht in Wohlgefallen auflösen? Nach kurzer Überlegung garte ich den mit Olivenöl geschüttelten, gesalzenen Kürbis ca. 20 Minuten bei 200°C und ließ ihn anschließend kurz abkühlen. Dann verteilte ich die Kürbiswürfel, den Stilton und die Quittenpaste auf die vorgebackenen Böden, verrührte Sahne, Joghurt, Ei, Salz und Pfeffer mit dem Schneebesen und goß es darüber. Die Füllung sollte dabei nicht vollständig bedeckt werden. Ich buk die Quiches bei 190° eine gute halbe Stunde lang, bereitete in den Zwischenzeit einen Feldsalat mit Granatapfelkernen und überraschte Herrn H. bei seiner Rückkehr mit einer fertigen Mahlzeit. Das ist durchaus nicht selbstverständlich.

kürbisquiche 2Fazit: Nach dem ersten Bissen zitierte ich aus der Rezepteinleitung, „die Verbindung aus würzig-pikantem Blauschimmelkäse und süßer Quittenpaste entzündet im Mund ein eindrucksvolles Feuerwerk.“ Herr H. konnte, da er den Mund noch voll hatte, nur zustimmend nicken. Und anschließend grinsen ob der fulminanten Wortwahl. Fakt ist, dass die Quiche wirklich köstlich war und auch die Kürbiswürfel hatte das zweifache Backen formschön überstanden. Allein die Granatapfelkerne erregten Herrn H’s. Missfallen, aber das ist eine andere Geschichte.

Aus: Vegetarische Köstlichkeiten Yotam Ottolenghi

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40 Gedanken zu „Zwiegebackenes „Feuerwerk“

  1. Das wird was für’s nächste Wochenende, das dieswöchige ist rein essentechnisch schon „gegessen“. Einen Butternut habe ich noch im Vorrat und diese Quittenpaste, hach, die ist ein Mitbringsel der besten Schwester der Welt aus ihrem Malle-Urlaub und harrt auch noch. Auch wenn ich für Stilton nicht einmal durch die Stadt zum KdW fahren werde, sollte es evt. auf dem Wochenmarkt am Käsestand ein Eckchen geben oder eine Alternative 😉

    • Unseres auch – ausnahmsweise. Oft überlegen wir erst wenige Stunden vor dem Essen, was es geben soll. Zum Glück haben hier die Supermärkte mindestens bis 22h auf, sonst wären wir schon oft aufgeschmissen gewesen. Jaja, die Planung. 😉
      Und natürlich muss es nicht unbedingt ein Stilton sein. Ich denke, der ist in England/ London etwas weiter verbreitet als hier. 🙂

    • Das gefiel mir auch mit am besten an der ganzen Sache. 😉
      Der Winter hält sich hier in Hamburg zum Glück recht vornehm zurück – dir auch ein schönes Wochenende,
      Eva

    • Danke, Krisi. Echt? Ich war heute bei E* und da lagen noch etliche in der Gemüseabteilung, sogar Bio. Aber ersetzen kannst di ihn natürlich auch. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Das ist eine tolle Kombination. Das koche ich mal, wenn ich alleine Zuhause bin, denn wenn ich den bösen Kürbis noch mit Quitte kombiniere, wird der Liebste am Tisch endgültig streiken.
    Bei uns hilft gegen die abendliche „Hunger, aber keine Idee“-Problematik eigentlich nur ein Wochenplan. Denn ich bin meistens die letzte, die nach Hause kommt, aber soll trotzdem die Ideen liefern (der Liebste sagt auf die Frage meist auch „alles“). Und ohne Plan würde es drei bis viermal die Woche Pasta geben. Mindestens.

    • Danke, Stefanie. Oje, dein Liebster scheint ein wenig krüsch zu sein. 😉
      Das mit dem Wochenplan habe ich auch schon probiert, aber obwohl es meine eigenen Pläne waren, so fiel es mir immer wieder schwer, sie zu befolgen. Rebellischer Geist oder so. 😉 Irgendwann wird es vielleicht leichter werden, dann, wenn ich richtig kochen kann…

      • @Eva: Mein Rebellischer Geist hat irgendwann vor dem Hunrigen Magen kapituliert. 🙂 Aber ich lege nicht fest, wann es etwas gibt, das gibt ein kleines Gefühl von Wahlfreieheit (zumnindest am Anfang der Woche).
        Der Liebste ist bei manchen Dingen ein bisschen krüsch, das stimmt, aber dafür sehr pflegeleicht, wenn es um das Zusammenleben Vegetarierin & Fleischesser geht und isst sehr gerne vegetarisch. Da verzeihe ich dann auch leicht seine geringe Begeisterung bei Kürbis, Quitte, Rosinen und gekochtem Ei.
        Und wenn das hier noch nicht richtig kochen ist, warte ich mit Spannung auf die Blogeinträge, wenn du es richtig gelernt hast 😉

      • Da scheint dein Geist weniger rebellisch zu sein. Mein Magen hat es noch nicht geschafft, meinen zu zähmen. 😉
        Mir war gar nicht bewusst, dass du Vegetarierin bist. Da ist eine gewisse Krüschheit natürlich völlig Ok, wenn es nicht jeden Tag ein Schwein auf Toast sein muss. 😀
        Und das mit dem „nicht kochen können“ bezog sich auf das „freie“ kochen. Ein Rezept umzusetzen ist ja jetzt nicht soo schwer. Ich hoffe, dass ich das irgendwann können werde…

  3. Ach ich seh schon, das war ein großer Fehler, dein Membrillo nicht nachzumachen. Damals habe ich mich gefragt, was würde ich wohl damit tun. Nun bekomme ich immer wieder Antworten von dir geliefert!

  4. Würzig-Pikant und dazu etwas Süsses mag ich auch sehr gerne. Ein Klassiker ist da ja die Birne mit Blauschimmelkäse.

    Hier hätte der Italiener gejubelt wegen der Granatapfelkerne, aber wohl die Nase gerümpft, wegen des Kürbis 😉 Suppe geht mittlerweile, aber ansonsten konnte ich ihn noch nicht für Kürbis begeistern…

    • Die hat Herrn O. womöglich inspiriert zu seiner Kreation, die Birne. 😉
      Und ich hingegen komme nicht oft zur Kürbissuppe, obwohl ich sie inzwischen sehr mag. Es heißt dann, davon werde man doch nicht satt…

  5. Wenn das nicht mal eine Traum-Kombi ist. Und schon wieder vom lieben Herrn Ottolenghi 😉
    Ich liebe blauen Stilton, und Kürbis sowieso. Zu blöd, dass ich gerade noch in Kenia bin, wo lokal produzierter Käse (meistens Cheddar, der geht geschmacklich gerade noch so) allenfalls seinen Weg in einen Auflauf oder Mac&Cheese kommt. Importierten Stilton bekäme man wohl für ein halbes Vermögen auch irgendwo, aber so wie die den hier lagern, möchte ich den lieber nicht mehr essen. Da muss ich mich wohl noch 1-2 Monate gedulden und mir das Rezept gaaaaanz oben auf meine Nachkoch-Liste für zu Hause setzen! Danke fürs Teilen!

    • Danke, Caro.
      Ich bemühe mich um Abwechslung, aber seine Rezepte sind einfach am inspirierendsten. 😉
      Und auf Käsevielfalt würde ich gern verzichten, wenn ich es dafür warm hätte. Ich hab’s nicht so mit dem nordischen Winter…
      Kenia? Wieso hat es dich denn dahin verschlagen?

      • Vielleicht sollten wir tauschen? 😉 Ich mag Winter sehr und vermisse guten Käse… kann mich über Sonne und Wärme hier aber natürlich auch nicht beklagen. Zumal es in Nairobi nachts angenehm kühl ist und die Luftfeuchtigkeit auch nicht hoch ist. Ich schreibe hier gerade meine Masterarbeit und versuche das Bloggen nebenbei nicht zu kurz kommen zu lassen – gelingt mir bisher leider nur so mittelprächtig. LG Caro

      • Jederzeit gern. Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, was man am Winter mögen kann, allein die Tonnen an Klamotten, die man immer anplünnen muss, bevor man das Haus verlässt…
        Masterarbeit? In was denn, dass man dafür in Nairobi weilen muss?
        Liebe Grüße,
        Eva

      • Über Kartoffel-Kleinbauern in Kenia! Bin an einem Forschungsinstitut in Nairobi und für Befragungen und ein paar Versuche auch oft auf dem Land unterwegs. Sehr spannend!

  6. Die Kombination klingt fein und sieht großartig aus! Stilton musste ich übrigens ziemlich suchen, als ich ihn mir für Weihnachten in den Kopf gesetzt hatte. Jeder andere Blauschimmelkäse war einfacher zu kriegen. Ist das in Deiner Ecke von Hamburg anders?

    • Danke, Sabine. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es hier mit Stilton aussieht. Meiner war ein Rest eines Mitbringsels aus Berlin (KdW). Ich sage dir Bescheid, falls ich ihn hier irgendwo sichte. Hast du es schon im Frischeparadies probiert?

  7. Hier würde ja eher wegen des Kürbis gemosert…(oder doch wegen dem Kürbis?) und auch müßte auf Quittengelee ausweichen….das werde dann auch tun. Wenn die Herrschaften sich vom letzten Kürbis erholt haben 🙂

    • „Des“ ist wahrscheinlich korrekt. 😉 Und du hast auch Kürbisverächter am Tisch? Zu blöd, aber du könntest einfach zwei Varianten machen, dann wären vielleicht alle glücklich…

  8. Also mit Blauschimmelkäse muss ich der besten Ehefrau von allen gar nicht kommen, da verscherze ich mir zuviele Symathiepunkte 😦
    Vielleicht mach ich mir mal ein kleines Einzeltärtchen.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Danke, Maren. Und du könntest das tatsächlich tun, ein Exemplar befindet sich noch im TK. 😉 Direkt unter der neuen Torte, es würde sich also doppelt lohnen. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  9. Kein Hefeteig? Du verwunderst mich, aber ich mag den Mürbteig ja eh lieber 😉
    Mit der Quiche liebäugele ich auch schon länger. Momentan ist kein Kürbis mehr da, aber wenn ich mal wieder einen zwischen die Finger kriege ist die fällig. Allerdings werde ich vermutlich auf Quittengelee oder ähnliches ausweichen müssen. Ich kann mich nicht erinnern hier jemals Membrillo über den Weg gelaufen zu sein. Aber davon mal ganz abgesehen kann sich dein Herr H. doch wirklich nicht beschweren, wenn er unter der Woche regelmäßig bekocht wird – und wenn dann noch sowas dabei rauskommt… 🙂
    Liebe Grüße, Tring

    • Tja, das war ehrlich gesagt der letzte Versuch mit salzigem Mürbeteig. Ich finde meinen Pizzateig als Quichebett einfach um Längen besser. Komischerweise mag ich Mürbeteig tatsächlich am liebsten in süßer Umgebung. 😉
      Membrillo kannst du ganz einfach selber machen, wobei das jetzt schwierig werden dürfte mit den Quitten, Gelee ist auf jeden Fall geschmacklich gut, es verläuft aber wahrscheinlich beim Backen.
      Und dass Herr H. bekocht wird, das ist ein Teil unseres „Deals“, Arbeitsteilung uns so…
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Und umso mehr bleibt für dich. 😉 Herr H. behauptet, die Granatapfelkerne seien so hart, dass er Angst habe, ihm flögen beim Kauen die Inlays raus – „…“ 🙂

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