Die Wette

misogemüse mit tofu 8Herr H. hätte die Rest des Grünkohls am liebsten direkt am nächsten Abend verspiesen und am nächsten Abend eine neu gekochte Portion und so fort. Als ich ihm erklärte, dass ich die Reste, die sowieso nicht für uns beide reichen würden, eingefroren hätte, stürmte er beleidigt aus der Küche. Ich rief ihm noch hinterher, dass ein leichteres, fleischloses Gericht genauso gut schmecken könnte und bekam zur Antwort nur ein aus der Ferne hallendes, „nie im Leben!“. Die Wette galt also. Ich entschied mich für ein klassisches Miso-Gemüse und suchte nach einer spannenden Ergänzung. Im Kühlschrank dümpelte noch ein einsames Stück Tofu. Ich überlegte. Bislang war es mir noch nie gelungen, ihn so zuzubereiten, dass er wirklich köstlich war. Dann erinnerte ich mich an ein Rezept von Frau Grandits und legte los.

Für den karamellisierten Tofu (sollte mindestens 1 Stunde marinieren):

  • 25 g brauner Zucker
  • 75 g Wasser
  • 1 EL Sojasauce
  • 1 EL süße Chilisauce
  • ca. 2cm Ingwer, fein gerieben
  • Saft und Schale 1/2 Limette
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 200 g Tofu, in 1cm große Würfel geschnitten
  • einige Tropfen Sesamöl
  • 1 EL Szechuanpfeffer, grob gemörsert

karamellisierter tofu serieIch schmolz den Zucker trocken, goß dann das Wasser hinzu und ließ es 5 Minuten köcheln. Dann gab ich Soja- und Chilisauce hinzu und ließ es weitere 5 Minuten köcheln. In der Zeit würfelte ich den Tofu. Ich goß die heiße Flüssigkeit in eine Schüssel, fügte die restlichen Zutaten bis auf den Szechuanpfeffer hinzu, rührte sie unter und badete die Tofuwürfel darin. Abgedeckt durfte er nun ca. 2 Stunden ziehen. Danach erhitze ich etwas Erdnussöl in der Wokpfanne, briet die Tofuwürfel darin goldbraun an und würzte sie mit Szechuanpfeffer. Ich probierte einen Würfel und war sogleich begeistert. Er war tatsächlich knusprig und herrlich würzig. Ich stellte die fertig gebrateten Würfel warm und kümmerte mich um das Gemüse.

Für das Miso-Gemüse (im Prinzip kann alles, was der Kühlschrank hergibt, verwendet werden, wenn es einigermaßen zusammen passt):

  • je ein gleich großes Stückchen Knoblauch und Ingwer, fein gehackt
  • 1 – 2 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten
  • je 1/2 rote und gelbe Paprika, in dünne Streifen geschnitten
  • 1 Brokkolistrunk, geschält, gewürfelt
  • 1 – 2 Möhren, in feine Streifen gehobelt oder geschnitten
  • 125 g braune Champignons, gewürfelt
  • ca. 30 g helles Miso
  • 1/2 TL Instant-Dashi
  • ca. 150 g Wasser
  • 1 TL Stärke
  • 2 – 3 EL japanische Sojasauce nach Belieben
  • Shichimi tōgarashi nach Belieben
  • frischer Koriander nach Belieben

miso-gemüse serie Da Herr H. immer noch schmollte, rüstete ich das Gemüse allein. Dann löste ich das Miso im Wasser auf und rührte Instant-Dashi und Stärke unter. Ich erhitze Erdnussöl bei starker Hitze in der Wokpfanne und briet zuerst Ingwer, Knoblauch und Frühlingszwiebel kurz an, fügte dann Paprika, Brokkoli und Möhren hinzu und ließ sie bei reduzierter Hitze abgedeckt ca. 5 Minuten schmoren. Dann nahm ich den Deckel ab, gab die Champignons hinzu und ließ sie kurz braten. Das Gemüse sollte gar, aber noch knackig sein. Ich gab die Misoflüssigkeit hinzu, ließ die Stärke anziehen und schmeckte mit Sojasauce und Shichimi ab. Herr H. steckte neugierig den Kopf durch die Tür. „Na, fertig geschmollt?“, fragte ich ihn grinsend. Es habe so gut gerochen, antwortete er, da habe er nachschauen wollen, was es denn gäbe. „Na, Miso-Gemüse mit Tofu“, klärte ich ihn auf. Leicht enttäuscht machte er sich ans Fotografieren.

misogemüse mit tofu 3Fazit: Sein Gesichtsausdruck hellte sich jedoch deutlich auf, nachdem er die ersten Tofuwürfel verkostet hatte. das sei mit Abstand das beste, das ich je mit Tofu angestellt hätte, sagte er und machte sich schweigend über den Rest her. Mir gefiel die Kombination von würzigem Miso-Gemüse und knackigem, süß-säuerlichem Tofu auch bestens. Und als ich Herrn H. nach dem Essen fragte, ob ich die Wette nun gewonnen hätte, gab er es widerwillig zu. Und dabei war das sogar vegan, grummelte er. Ich hielt wohlweislich den Mund und grinste still in mich hinein. Geht doch!

Karamellisierter Tofu aus: Gewürze Tanja Grandits

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56 Gedanken zu „Die Wette

  1. Das sieht richtig richtig toll aus!!! Habe mir das Rezept gleich ausgedruckt um es so bald wie möglich nach zu kochen! Ich liebe alles mit Tofu, bin ein richtiger Tofufanatiker 🙂
    Liebe Grüsse Ida

  2. Pingback: Feine Lauchcremesuppe mit Lauchstroh, Tofuwürfeln und Brennnesselfrüchten | Landkräuter

  3. Sehr schön! Endlich zeigt mal wer, was wirklich in Tofu stecken kann! Er wird meiner Meinung nach leider zu unrecht verteufelt. Dabei bereiten ihn die meisten schlicht falsch zu. Langweilig, fade, uninspiriert! Frölein Grandits macht uns das Gegenteil vor. Ich spreche aus Erfahrung 😉

    • Danke, Marco. Und dieses Schicksal erleidet nicht nur der Tofu. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass jeder Mensch alles mögen würde, wenn es nur gut zubereitet wäre…
      Schön, dass du den Tofu schon kennst! 🙂

  4. Ojee, Tofu ist so gar nicht meins. Ich nehme alle paar Jahre wieder mal einen Anlauf und probiere ihn. Ich glaube, ich mag einfach die Konsistenz auch nicht.
    Die Wette hast Du anscheinend gewonnen – aber um was habt ihr gewettet?

    • Die Konsistenz ist gerade hierbei herrlich knusprig. Deshalb war ich ja auch so begeistert. 🙂
      Und wetten tun wir immer nur um’s „recht haben“, ist das nicht der schönste Gewinn? 😉

  5. Tofu kann richtig gut schmecken, wenn man ihn entsprechend würzt. Sonst schmeckt er halt nach Styropor und ich finde es schade, dass viele sagen, sie mögen keinen Tofu, weil sie ihn nur ungewürzt kennen.

    Danke für die Tipps, damit hast Du glaube ich wieder ein paar davon überzeugt, dass es auf die Zubereitung ankommt. 🙂

    • Ich muss sagen, dass ich ihn Japan oft ungewürzten (Seiden)tofu in Suppen gegessen habe und dass er mir dort ganz wunderbar schmeckte. Es ist halt auch eine Frage des Tofus…
      Und ob ich jemanden überzeugen konnte? Ich weiß nicht. Aber wenn jemand das Rezept probiert und es ihm schmeckt, dann freue ich mich natürlich. 🙂

  6. Ich mag Tofu ganz gern, wenn er geräuchert, herzhaft mariniert oder mit Weizenstärke bemehlt knusprig gebraten wurde. Dein Rezept kommt auf die Wuschliste. Klingt super. Tofu hätte ich da, aber ansonsten mangelt es mir leider an den Asia-Zutaten. Pfff.

    • Ich hatte mit geräuchertem Tofu oft Pech, sprich, er war so stark geräuchert, dass er fast schon ungenießbar war. Und die passenden Asia-Zutaten bekommst du in der Stadt doch gewiss, oder? 🙂

  7. Yummi! Das klingt aber lecker und lässt sich ja fast in unsere Vegan-Challenge integrieren. Nur „fast“, weil Herr Hildmann uns den weißen Reis nicht erlaubt 😉
    Meine Tofu-Vorurteile waren fast noch größer, als meine Sojamilch-Vorurteile. Aber da wir gestern gar köstlich marinierten und gebratenen Tofu hatten, bekomme ich beim Lesen deines Rezepts ne Pfütze auf der Zunge!
    Liebe Grüße!
    Svenja.

    • Waaas, der erlaubt keinen weißen Reis?? Dabei ist der doch vegan. 😉 Ich weiß, natürlich ist er nicht „vollwertig“ genug. Das Gericht geht aber bestimmt auch mit Vollkornreis. Und der Tofu auf diese Art zubereitet wird dir schmecken!
      Liebe Grüße,
      Eva

      • Es ist vollbracht und schmeckte sehr lecker! Der Tofu war allerdings nach einer Stunde in der Marinade noch nicht sooo gut durchgezogen. Aber insgesamt besteht hohes Wiederholungspotential 😉
        Liebe Grüße

      • Oh, das freut mich. 🙂 Und ja, das mit dem Marinieren ist so eine Sache. Habe mal gelesen, dass Marinade pro Stunde ca. 1mm tief ins Fleisch eindringt. Wie das bei Tofu ist, weiß ich nicht, aber eine etwas längere „Einwirkzeit“ schadet sicher nicht.
        Liebe Grüße (an alle),
        Eva

    • Du wirst lachen, ich habe Tofu(ersatzprodukten) gegenüber immer noch große Vorurteile, aber als „Natur“-Tofu und gewissermaßen Hülsenfrüchtequark betrachte ich ihn inzwischen als wunderbare Zutat.

  8. Tofu mag ich normalerweise in zwei Varianten: geräuchert und in Würferl geschnitten, dann rundherum knusprig gebraten, so hat er eine feine Textur. Oder wie in China üblich als nicht-vegetarische Variante. Aber du lässt mich gerade zweifeln, ob es nicht vielleicht doch eine dritte Variante geben könnte. Dabei hab ich doch neben dem Tofu- auch noch ein Miso-Problem … Hm …

  9. Ich habe mich immer noch nicht mit Tofu angefreundet, sollte ich bei Gelegenheit noch mal versuchen. Bis auf den Tofu hätte ich auch soweit alles im Haus. Und ER ist immer mit Gerichten aus dem Wok zu „bezaubern“ 😀

  10. Ich hab einen Tofu zuhause… na da muss ich schauen ob ich das soo ähnlich hinkriege, denn einige Zutaten habe ich nicht vorrätig… und der Tofu hat genau auf diese Kochidee gewartet.
    Lieben Gruß aus Vöran
    Alexia

      • Nein, stimmt! Aber der Tofu wurde endlich einer guten Bestimmung zugeführt dank deines Beitrages. Und er wurde wirklich sehr knusprig und aromatisch mit dem vorherigen Karamellisieren des Zuckers. Dankeschön für diesen Tipp.
        Liebe Grüße
        Alexia

      • Das hatte ich schon so verstanden. 🙂 Ich picke mir anderswo auch meist nur Anregungen heraus und lege dann frei Schnauze los.
        Liebe Grüße,
        Eva

  11. Das. Wird. Ausprobiert!
    So habe ich Tofu noch nie zubereitet – und ich bin schon ohne das Rezept ein goßer Tofu-Fan. Wer weiß, was ich erst danach bin…. 😀 Ich bin gespannt! 😉

    Liebe Grüße,
    Sarah

  12. Mmmh, sieht köstlich aus! Dass Tofu, Szechuan-Pfeffer und Sesamöl ein Dream-Team sind, weiß ich noch vom Mapo-Tofu, daher kann ich mir das Aroma hier sehr gut vorstellen, und dazu auch noch knusprig, toll. Dabei fällt mir ein Rezept mit im Ofen gebackenen Tofu von David Lebovitz ein – das ergibt auch eine spannende Konsistenz. Lieben Gruß!

    • Mapo-Tofu. Das erinnerst du mich an etwas. Mhmm… ich sehe shcon, ich muss heute noch einkaufen.
      Das Rezept von David Lebovitz habe ich seinerzeit auch ausprobiert, aber bei mir wurde der Tofu im Ofen nicht knusprig…
      Liebe Grüße,
      Eva

  13. Das klingt tatsächlich nach einem Rezept, wo man Tofu auch essen könnte. 🙂
    Ich mochte / mag immer nur geräucherten oder bereits fertig feurig mexikanisch marinierten & frittierten Tofu. Gab es früher im Reformhaus, ich muss mal schauen, ob es das noch gibt. Tofu pur habe ich schon lange nicht mehr gekauft, wäre mit Deinem Rezept aber mal einen Versuch wert. 🙂

    • Das klingt nicht nur so. 😉
      Gewürzten Tofu habe ich früher gelegentlich gekauft, aber so richtig sagte mir der nie zu und beim geräucherten hatte ich auch oft Pech. Deshalb kaufe ich eigentlich nur noch Naturtofu und mache selbst was draus. Und dieses Mal hat’s halt besonders gut geklappt.

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