Von Holsteiner Art

Risotto Holsteiner Art 5Als Herr H. und ich noch in der schönen Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins wohnten, nun ja, ich gebe zu, dass sie architektonisch nicht unbedingt zu den schönsten Städten der Welt gehört, da sie im 2. Weltkrieg zu immerhin 80% zerstört worden war und der Wiederaufbau schnell vonstatten gehen musste, aber die Lage an der Förde und das herrliche Umland machen jede Bausünde mehr als wett, also, als wir noch dort wohnten und uns ernsthaft für das Kochen zu interessieren begannen, entstand irgendwann das „Risotto Holsteiner Art“. Es zeichnete sich durch einen recht hohen Wurzelgemüseanteil, eine süß-saure Note und durch eine stattliche Portion Speck aus. Im Prinzip konnte allerdings alles dort hinein wandern, was noch im Kühlschrank lauerte und weg musste. Ein Rum-Fort-Risotto also zugleich. Die Vorliebe der Norddeutschen für süß-saure Gerichte, Birnen-Bohnen und Speck oder Dithmarscher Mehlbüddel, um nur zwei zu nennen, inspirierte uns zur Zugabe von Mango-Chutney und Speck. Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Risotto damals auftischte. Mit dem Umzug nach Hamburg geriet es dann nach und nach in Vergessenheit, bis sich Herr H. gestern Abend daran erinnerte, nachdem wir ewig gegrübelt hatten, was wir denn zum Abend essen könnten.

Für das „Risotto Holsteiner Art“:

  • 120 g Risottoreis
  • ca. 100 g Speck, gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
  • 1 entsprechend großes Stückchen Ingwer, fein gewürfelt
  • 1 Schalotte, fein gewürfelt
  • 1 rote Chili, fein gehackt
  • ca. 150 g Knollensellerie, fein gewürfelt
  • ca. 150 g Möhren, fein gewürfelt
  • 4 kleine Tomaten, fein gewürfelt
  • ca. 100 g TK-Erbsen
  • ca 100 g Weißwein
  • ca. 700 g Gemüsebrühe
  • 1 EL Membrillo (statt Mango-Chutney)
  • 1 TL Birnen-Essig
  • Salz, weißer Pfeffer, gemahlen
  • ca. 50 g Blauschimmelkäse
  • Parmesan nach Belieben

zutaten serieDer Blauschimmelkäse gehört zwar traditionell nicht hinein, aber er musste weg und ich konnte mir gut vorstellen, dass er passen würde. Ich ließ zuerst den Speck aus, legte ihn zum Abtropfen auf Küchenkrepp und entfernte das Speckfett bis auf zwei EL. Darin briet ich zunächst Schalotte, Ingwer, Knoblauch und Chili an. Dann gab ich den Reis hinzu, einige Minuten später Möhre, Sellerie und Tomaten. Ich löschte mit Weißwein ab und ließ ihn vollständig einreduzieren. Nun fügte ich kellenweise die Brühe hinzu. Nach ca. 20 Minuten gab ich die Erbsen, das Membrillo hinein, ließ alles noch 5 Minuten köcheln, rührte den Blauschimmelkäse unter und schmeckte mit Salz, weißem Pfeffer und Essig ab. Gar nicht übel. Obwohl Herr H schon sehr, sehr hungrig war, machte er noch schnell einige Bilder.

Risotto Holsteiner Art 4Fazit. Die Weiterentwicklung unserer kulinarischen Fähigkeiten machte sich in der neuen Version des „Risotto Holsteiner Art“ deutlich bemerkbar. Was früher manchmal doch recht wild zusammengewürfelt und unausgewogen schmeckte, fügte sich hier perfekt zusammen. Den Parmesan braucht es nicht unbedingt zusätzlich, aber er musste auch weg und schadete nicht. Herr H. merkte an, dass er dieses Risotto sehr gern wieder häufiger auf unserem Speiseplan sähe. Dagegen habe ich nichts einzuwenden.

Nachtrag: Obwohl es hier im Norden schon seit Tagen dauerregnet, nähert sich das Fest der Feste unaufhaltsam. Auch Herr H. und ich werden uns für ein paar Tage zurückziehen, die Seele baumeln lassen und gewiss auch das ein oder andere Gericht auftischen. Wir wünschen allen unseren Lesern ebenso entspannte, friedliche und harmonische Feiertage – frohe Weihnachten eben.

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29 Gedanken zu „Von Holsteiner Art

  1. Pingback: Aufgefangen: das Kochbuchstöckchen | Kochpoetin

  2. Rum-Fort ist großartig, ich mag Rum-Fort-Gerichte sehr gerne 🙂
    Euer Risotto sieht wirklich sehr lecker aus und macht Lust auf mehr. Mal schauen, was so alles aus meinem Kühlschrank demnächst fort muss.

    Ich wünsche Euch schöne und erholsame Weihnachtstage!

    • Danke, Sandra. Mir geht es leider immer noch sehr oft so, dass sich die Essenplanung nach der Kühlschranklage richtet. Vielleicht kann ich das im neuen Jahr ändern. Das wäre immerhin ein guter Vorsatz. 😉
      Euch auch noch einmal schöne und entspannte Feiertage!

  3. Sogar hungrig schiesst Herr H. noch Klasse Bilder 🙂 . alle Achtung!
    Auch von mir die besten Wünsche für ein paar gemütliche Tage und ein gesundes, genussvolles 2015.
    Liebe Grüsse aus … na ihr wisst schon 😉
    Andy

    • Ja, da sind wir beide recht „diszipliniert“. Selbst wenn ich abwinke, sagt er „was man hat, das hat man“. 😉
      Ihr habt es ja auch gut und lasst euch schön bekochen. Genießt es und kehrt erholt wieder „zurück“.
      Frohe Weihnachten und liebe Grüße aus der „Provinz“,
      Eva

  4. Ich wünsche euch auch wundervolle, erholsame und schöne Feiertage 🙂 bei mir ist gerade die große Kochfaulheit eingetreten, nach der Backmüdigkeit 😀 im Ofen schmort noch was für morgen und dann bin ich einfach mal herrlich faul und gemütlich.

    Holsteiner Schnitzel ist mir übrigens auch ein Begriff, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wie das eigentlich so ging 😀

    • Faul und gemütlich klingt ganz vorzüglich, liebe Britta. Mir sind hier bei der Familie auch mehr oder weniger die Hände gebunden. Das fühlt sich zwar reichlich komisch an, aber ein wenig genieße ich es auch, mir nichts „ausdenken“ zu „müssen“. 😉 Eine kreative Pause sozusagen.
      Ich wünsche euch weiterhin entspannte Feiertage,
      liebe Grüße,
      Eva

  5. Liebe Eva, lieber Herr H.,
    bleibt gesund und erholt euch gut, damit ihr im neuen Jahr wieder so viele schöne Sachen zaubern könnt wie bisher – das ist also ein ganz und gar eigennütziger Wunsch, denn ich freu mich schon, wenn ich hier wieder Neues lesen kann.
    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

    • Liebe Susi,
      vielen Dank für deinen ganz uneigennützigen Wunsch. 😉 Es wird nach den Feiertagen wie gewohnt hier weitergehen. Nun sind wir leider nicht am heimischen Herd, ein ganz seltsames Gefühl, aber manchmal ist ein wenig Abwechslung ja auch ganz schön.
      Euch auch frohe Weihnachten!
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Ich wünsche dir (und Herrn H.) ebenso schöne Festtage + einen guten Rutsch in‘ s neue Jahr ! Und freue mich auf weitere Leckereien (wie auch dieses spezielle Risotto) im kommenden Jahr.

  7. Frohes Fest nochmal, schöne Tage und gute Erholung 🙂
    Ich fand Kiel recht nett…es gibt schöne Ecken, und bei mir hat ja alles gewonnen, was irgendwie am Meer liegt. Und Euer Risotto, das gefällt mir auch.

    • Danke, Susanne. Ein wenig Erholung wird sicher nicht schaden, sie tritt wohl spätestens dann ein, wenn wir das Fest „überstanden“ haben. 😉 Und wenn es sich ergäbe, würde ich auch glatt wieder nach Kiel zurückziehen – leider sieht es nicht danach aus.

  8. Hach, ja, die Stadt hat aber tolle Ecken, die sich dem geneigten Touristen ja nicht sofort erschließen. Aber man kann alles vom Wasser aus erreichen, sagte einmal ein berühmter Fernsehmoderator. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Dein Risotto ist ein tolles Beispiel für Fusion-Küche. Ein besinnliches und genussreiches Fest!

    • Danke, Ulrike. Wir haben Kiel damals auch nicht freiwillig verlassen und sind trotz der 6 Jahre, die wir inzwischen in Hamburg wohnen, nicht so richtig warm mit der Stadt geworden…
      Ich wünsche dir auch schöne und entspannte Festtage!

  9. So sehr lange bin ich noch nicht auf deinem Blog Leserin. Aber das was du, zusammen mit Herrn H. machst, ist einfach toll.
    Drum möchte ich mich ganz herzlich für die viele Arbeit, die ihr beide euch macht, bedanken. Sagen möchte ich auf jeden Fall, dass alles so herrlich vor-, zubereitet und von euch angerichtet wird, dass schon alleine das eine Augenweide ist. Ganz zu schweigen von der Art der Beschreibung von dir, Eva. Man möchte am liebsten alles gleich nachmachen – auch wenn das leider nicht möglich ist für eine Einzelperson.
    Aber in Rezepte einfließen tut viel von euren Anregungen!

    Nochmals Danke – Frohes Fest – schöne und erholsame Stunden und Tage!
    Und dann natürlich auf ein Neues gesundes Jahr 2015 mit vielen Ideen!

    • Vielen lieben Danke für die schönen Komplimente! Wir machen das, was wir machen einfach sehr, sehr gern. Vielleicht merkt man davon ein bisschen. 🙂 Ich wünsche dir auch schöne und entspannte Feiertage.
      Liebe Grüße,
      Eva

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