Das frugale Mahl

tagliatelle 10Gestern Abend war es also soweit. Die Schwiegerfamilie (nicht die ganze, das wäre platztechnisch auch schwierig geworden) hatte sich bei uns zu einem weihnachtlichen Treffen eingefunden. Als ich im Vorfeld fragte, ob es bezüglich des Essen Wünsche gäbe, erfuhr ich, dass das Essen vegetarisch und zwiebelfrei sein solle. Zu dem Zeitpunkt antwortete ich noch fröhlich, super, kein Problem, das sei ein Kinderspiel. Dann begann ich Rezepte zu sichten und verzweifelte nahezu. Zwiebeln und Knoblauch wohin das Auge blickt. Ich fragte vorsichtig an, ob nur eine geschmackliche Abneigung bestünde und leider stellte sich heraus, dass es sich um eine pure Unverträglichkeit handele. So ein Mist. Da half auch kein „Maskieren“ weiter. Gerade, als ich nach stundenlangem Grübeln die Segel streichen wollte, erinnerte ich mich zum Glück an ein schlichtes Pasta-Gericht, dass ich kürzlich zubereitet hatte. Da waren doch keine Zwiebeln dabei gewesen, oder? Nein. Puh, Glück gehabt, selbst gemachte Pasta würden wohl alle mögen, dachte ich mir und der Rest würde sich finden.

Für die Pasta (für zwei Personen, für sechs habe ich die dreifache Menge bereitet, das kam mit Vor- und Nachspeise gut hin):

  • 100 g Weizenmehl 405er
  • 50 g Hartweizenmehl
  • 1 Ei + 1 Eigelb
  • einige Tropfen Olivenöl
  • 1 Prise Salz
  • ggf. 1 – 2 EL Wasser, falls der Teig nach einigen Minuten des Knetens noch zu bröselig sein sollte

nudeln serieIch gab alle Zutaten für den Teig bis auf das Wasser in eine Schüssel und vermengte sie grob mit dem Löffel. Dann knetete ich den Teig von Hand ca. 10 Minuten lang. Nach 5 Minuten des Knetens fügte ich noch etwas Wasser hinzu. Dann begann er elastisch und glatt zu werden. Die dreifache Menge Teig zu kneten ersetzt übrigens problemlos den Fittnessstudiobesuch. Ich habe heute tatsächlich Muskelkater in den Oberarmen. Ich ließ den Teig zugedeckt zwei Stunden ruhen und gab ihn dann portionsweise durch die Maschine. Die fertigen Teigbahnen schnitt ich mit dem Tagliatelle-Aufsatz. Die Pasta für zwei Personen fand lässig auf den Stuhllehnen Platz, die für sechs bestäubte ich etwas mehr mit Hartweizengries und lagerte sie in verschlungenen Häufchen auf einer großen, begriesten Leinwand.

Für die „Sauce“:

  • 50 g Walnusskerne, grob gehackt
  • 25 g Butter
  • 10 g Salbeiblätter, in feine Streifen geschnitten
  • Abrieb 1 Zitrone
  • 50 g Sahne
  • Parmesan, gehobelt, nach Belieben
  • 15 g Petersilie, gehackt
  • 30 g Zitronensaft (ca. 1/2)
  • Salz, schwarzer Pfeffer

sosse serieIch zerließ die Butter in der Pfanne, fügte nach 1 Minute die Salbeistreifen hinzu und ließ ihn ca. 2 Minuten braten, bis die Butter zu bräunen begann. Dann rührte ich Zitronenabrieb und Sahne unter, ließ alles kurz aufkochen, bis die Sahne anzudicken begann und zog die Pfanne vom Herd. Ich schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und garte die frische Pasta in reichlich Salzwasser in 3 – 4 Minuten. Herr H. hatte inzwischen die gehackten Walnüsse 15 Minuten bei 160°C im Backofen geröstet. Ich gab einige Esslössel des Pastakochwasser zur Sauce, erwärmte sie erneut und fügte die abgetropften Tagliatelle, den Zitronensaft und die Petersilie hinzu. Gut vermengt. Fertig. Herr H. richtete die Pasta in zwei Schalen an und bestreute sie großzügig mit Parmesanspänen und gerösteten Walnüssen.

tagliatelle 15Fazit: Bereits beim ersten Mal hatte uns die schlichte Aromenkombination voll und ganz überzeugt. Es braucht so wenig für einen großen Genuss! Auch unsere Gäste waren von den Tagliatelle mit Walnüssen schwer begeistert. Ich servierte dazu die obligatorischen honigglasierten Winterwurzeln, von denen jedoch reichlich übrig blieben. Vorab gab es die raffinierte Kürbissuppe (dieses Mal tatsächlich mit Muskatkürbis, der schmeckte mir ungleich besser) allerdings ohne Croutons und Garnelen und leider auch ohne Kürbiskernöl. Es war leider in der Zwischenzeit umgekippt. Dafür gab es dazu knuspriges Rote Bete-Knäckebrot, das nicht nur farblich einen schönen Akzent setzte. Eigentlich waren danach bereits alle satt und zufrieden, aber ohne ein Stückchen Zitrus-Schnitte konnte ich sie natürlich nicht ziehen lassen. Es war insgesamt vielleicht ein eher frugales Mahl, das tat jedoch der schönen Atmosphäre keinen Abbruch! Es muss wirklich nicht immer Wagyu sein.

Aus: Vegetarische Köstlichkeiten Yotam Ottolenghi

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32 Gedanken zu „Das frugale Mahl

  1. Nachdem wir zu Weihnachten das Ottolenghi-Kochbuch geschenkt bekommen hatten, habe ich das Gericht zwischen den Jahren nachgekocht. Es ist wirklich köstlich. Und das mit heimischen Walnüssen – einfach genial. Nur der Salbei hat durch das Einfrieren etwas an Aroma verloren. Aber was soll’s. Irgendwann sprießen die Kräutlein wieder. Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein frohes neues Jahr!

    • Ah, ihr habt es auch. Da wir das geliehene in gut zwei Wochen abgeben müssen und noch immer so viele Marker darin stecken, haben wir es gestern auch gekauft und das soll etwas heißen, normalerweise kaufen wir keine Bücher. 😉 Und heimische Walnüsse? Wow, bei uns war die Ernte dieses Jahr ausgefallen. Ich hoffe auf die diesjährige. 🙂
      Dir und den Deinen auch ein wundervolles Jahr mit allem, was du dir wünscht!

  2. Frische Pasta ist mit einer schlichten Sauce doch oft am besten! Und dein zitroniges Sößchen mit Walnüssen stelle ich mir gar köstlich vor! Liebe Grüße und frohe Festtage! Liebe Grüße Melanie

    • Danke, Melanie, auf jeden Fall! 🙂 Ich vermute mal, du bist inzwischen schon bei deiner Familie. Liebe Grüße an alle unbekannterweise und schöne, entspannte Feiertage euch,
      Eva

  3. Eva, mal ne Frage zur Pasta,
    machst du die immer frisch, oder trocknest du die Nudeln auch?
    Ich habe nämlich beim Trocknen das Problem, dass sie da, wo sie aufgehängt sind, brechen.
    Zu gerne wüsste ich, ob man das irgendwie abstellen kann.
    Teig war schon mit, aber auch ohne Ei – mal Grieß/Mehl, mal nur Grieß.
    Bin gespannt.

    • Ich mache dir Nudeln immer frisch, zum einen, weil mein Lagerplatz inzwischen arg begrenzt ist und zum anderen, weil sie bei mir auch immer brechen. Ich kann dir also leider nicht weiterhelfen, aber vielleicht weiß Robert/ lamiacucina Rat?

    • Danke schön, Claudia. Nicht wahr, Zwiebeln und Co. sind das „Rückgrat“ der Küche, so scheint es mir zumindest. 🙂
      Euch auch noch einmal schöne Feiertage,
      Liebe Grüße,
      Eva

  4. Das Pasta-Rezept nehm ich doch gleich mal mit! Ein perfektes Gericht für die letzten importierten Walnüsse, die noch auf eine Verwertung warten. Und ein noch besseres Gericht vor der Weihnachtsvöllerei 😀

  5. Die lang ersehnte Pastamaschine wird demnächst zur Wirklichkeit werden 🙂 Ich freu mich schon! Nudeln mit Walnuss mag ich ganz besonders – gerne auch in Kombi mit etwas Blauschimmelkäse! Aber ein wenig Zwiebel müsste bei mir schon dazu 😉

    • Danke schön , Susi. IKEA macht’s möglich. 😉
      Und der neue Ottolenghi? Ich dachte, dass wäre schon durchgeklungen, sagenhaft! Ich bin von vielen Rezepten bereits sehr positiv überrascht worden. 🙂

  6. Schon wieder Ottolenghi. Hoffentlich hat die Bibliothek zwischen den Festtagen offen, damit ich dieses Meisterwerk endlich in die Finger bekomme. 🙂 Hast du das Öl im Schrank oder im Kühlschrank aufbewahrt? Seit ich heikles Öl wie Hasel- und Walnuss, Pistazie und Kürbiskern im Kühlschrank lagere, ist mir noch keines ranzig geworden.

    • Ich drücke dir die Daumen! Das Öl stand auf dem Kühlschrank und war seit dem Sommer abgelaufen. Als ich es vor zwei Monaten zum letzten mal benutzt habe, schmeckte es noch gut. Und ich wusste nicht, dass man Öle im Kühlschrank aufbewaren kann, wäre eh schwierig platztechnisch. 😉

  7. Liebe Eva, du stellst dein Licht mal wieder unter den Scheffel. Ein Menu mit selbstgemachten Nudeln kann niiiiemals frugal sein. Ein wunderbares Essen, ich wäre gerne Gast bei dir (wenn ich das Dessert auslassen dürfte 😉 )

  8. und für fleischliebende Zwiebel-Esser läßt sich diese Paste ruckzuck verwandeln…. sowas Ähnliches hab ich früher – mit Streifen von Schweinefilet- gelegentlich gekocht. Ohne wärs mir aber tatsächlich mittlerweile lieber.

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