Linsen deluxe mit Hindernissen

linsentartar 6Als Herr H. kürzlich vorschlug, wir sollten am nächsten Tag unbedingt dieses Linsengericht zubereiten, hörte ich nur mit halben Ohr zu. Leichtfertig gab ich ihm die Zusage und kümmerte mich weiter um das Backwerk, das jedoch leider unter keinem guten Stern zu stehen schien. Ehe ich mich darob lange grämen konnte, war bereits der nächste Abend da. Die Linsen waren am Vorabend vorbildlich eingeweicht worden und ich studierte zum ersten Mal aufmerksam das Rezept. Allein die Länge der Zutatenliste ließ mich kurz stutzen. Soviel Wirbel um eine Art Linsensalat, pardon, Linsentatar? Nun denn. Eilig schloss ich mich Herrn H. an, der bereits fleißig das Messer schwang.

Für das Rote Bete-Gurken-Relish (ergibt ca. 250 g fertiges Relish):

  • 20 g Ingwer, geschält und fein gehackt
  • 150 g Zucker
  • 250 g Rote Bete (1 mittlere), geschält, sehr fein gewürfelt
  • 250 g Salatgurke, geschält, entkernt, sehr fein gewürfelt
  • 150 g rote Zwiebeln, geschält, sehr fein gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, geschält, sehr fein gewürfelt
  • 1 TL gem. Ingwer (ich: weg gelassen)
  • 200 g Champagneressig (ich: Chardonnayessig)
  • 1/4 TL Salz, schwarzer Pfeffer
  • 1 TL Wasabi

rote bete relish serieDie Anleitung zur Herstellung dieses Relishes musste ich zweimal lesen. Dort steht, man solle den Zucker mit dem gemahlenen Ingwer erhitzen, bis er komplett geschmolzen sei. Diesen Vorgang kenne ich vom Backen, dort heißt er, „Zucker karamellisieren“. Dann gäbe man die gewürfelten Gemüse hinein. Wie jetzt? In das ca. 130 -140°C heiße Karamell? Das dann schlagartig erstarren würde? Das kam mir dann doch etwas zu merkwürdig vor. Ich kochte Zucker und Essig auf, bis sich der Zucker komplett gelöst hatte und gab dann die Gemüsewürfel hinzu. Ich ließ das Relish ca. 30 Minuten offen köcheln, bis es eine sirupartige Konsistenz hatte, würzte mit Wasabi, Salz und Pfeffer und füllte es direkt in Gläser ab. Es hält sich im Kühlschrank sicher einige Wochen.

Für das Linsentatar (was daran tatarisch sein soll, verstehe ich selbst nicht so genau, die Zutaten sind weder roh, noch werden sie gehackt):

  • 100 g Belugalinsen (ich: Puy Linsen, über Nacht eingeweicht)
  • 40 g Butter (ich: 15 g)
  • 30 g Mehl (ich: 12 g)
  • 100 g Fleischbrühe
  • 100 g trockener Rotwein
  • 60 g roter Portwein
  • 1 Schalotte, geschält und fein gewürfelt
  • 1 Gewürzgurke, fein gehackt (ich: weg gelassen)
  • 8 Kapern (ich: 5 größere Kapernbeeren sauer eingelegt), fein gehackt
  • 2 Sardellenfilets, fein gehackt
  • 2 EL Acetato balsamico, vom guten
  • 1 TL Senf
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 2 Eier

linsentartar serieHerr H. hatte die Linsen in reichlich Wasser 10 Minuten lang knapp gar gekocht. Er schreckte sie kalt ab und stellte sie beiseite. Während die Linsen kochten, hatte er Rot- und Portwein ca. um die Hälfte eingekocht. Nun zerließ er die Butter, schwitzte Schalotten und Mehl darin an und löschte dann mit Brühe ab. Er gab die reduzierten Weine hinzu und raufte sich ein wenig die Haare. Obwohl ich Butter und Mehlmenge bereits reduziert hatte, war die Sauce viel zu sämig. Er goß einen großzügigen Schluck Wasser hinzu, gab Kapernbeeren, Sardellen und Senf in die Sauce und ließ sie 15 Minuten köcheln. Gegentlich fügte er etwas Wasser hinzu. Die fertige Sauce schmeckte er mit Salz, scharzem Pfeffer und Balsamico ab. Ich sah in den Topf und stellte fest, dass die Menge der Sauce recht üppig bemessen war. Ich gab sie durch ein Sieb, mischte das Siebgut und ca. 3 EL Sauce unter die Linsen und fror den Rest des Sauce zur späteren Verwendung (brav ettikettiert) ein. Nun fehlte nur noch das Spiegelei und endlich, endlich konnten wir kosten.

linsentartar 4Fazit: Da das Linsentatar als Vorspeise für 4 Personen gedacht war, hatte ich nur die Hälfte zubereitet. Direkt nach dem ersten Bissen bereute ich diese Entscheidung zutiefst, so wahnsinnig gut schmeckte es mir. Eine absolut gelunge Geschmackskomposition, die mich die Hürden auf dem Weg zum Ziel völlig vergessen ließ. Auch Herr H. war schwer angetan und seufzte tief, als die letzte Gabel des „Tatars“ mit cremigem Eigelb vermischt in seinem Mund verschwunden war. Ich würde beim nächsten Mal gleich eine dreifache Portion bereiten und die Rest einfrieren, so dass ich jederzeit auf diese Delikatesse zurückgreifen könnte.

Aus: Linsen – Das Kochbuch Achim Schwekendiek, Barbara Lutterbek

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36 Gedanken zu „Linsen deluxe mit Hindernissen

  1. Ein tolles winterliches Essen!! das mache ich sicher mal nach, mit dem Ei noch dazu, hmmm!
    Ich liebe Linsen, auch heute gab es welche 🙂

  2. Liebe Eva, wie herrlich, lecker können können Linsen sein? Hihihi das weiss ich jetzt. Deine Darstellung der Linsen in einem Prachtfoto, dass gibt mir das Wissen, wie lecker die sein müssen.

    Etwas schmunzeln muss ich bei „Linsentatar“. Genau wie Du, was soll daran Tatar sein? ABER ich finde die Bezeichnung sehr einladend. Wirklich! Ich denke mir, dass ich mir (Dank Deinem Rezept) mal sowas ausdenke und auf die Karte nehme.

    Merci vielmals
    Liebs Grüessli
    Roger

    • Lieber Roger,
      danke für das liebe Kompliment. Ich hoffe, dass du deine Interpretation des „Tartars“ dann auch postest, so dass ich zumndest virtuell bei dir zu Gast sein kann. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Diese interessante Kombination so vieler meiner „Lieblinge“ muß ich auf jeden Fall ausprobieren! Danke für schon sehr sehr viele, bisher unkommentierte, köstliche Anregungen für Gaumen u n d Auge!
    Und kurz zum „tatarischen“ – wahrscheinlich wegen der Mischung der vielen sehr fein gewürfelten (fein gehackten) Zutaten.

    Mit lieben Grüßen und gespannt auf weiteres !

  4. Klingt richtig lecker – (bis auf den Fisch und die Brühe – in meinem Fall zumindest. ;)). So „fein“ habe ich Linsen bisher noch nie gekocht – sondern entweder als klassischen Eintopf oder irgendwie asiatisch. Ich probiere das Rezept bestimmt mal bei Gelegenheit aus. 🙂

    Liebe Grüße,
    Sarah Maria

  5. Mhmm, das klingt ja wirklich nach einem tollen Linsenrezept! Und bringt mich auf die Idee, meine Roten Bete morgen mit Linsen zu kombinieren. 🙂 Und beehrt ihr uns jetzt eigentlich nächstes Wochenende in Berlin? Liebe Grüße Melanie

  6. Hallo Eva,
    das Gemüse zum heißen Karamell zu geben habe ich schon gemacht. Der erstarrt zwar, löst sich aber mit der Flüssigkeit, die man zugibt recht zügig wieder auf. Sind die roten Rüben roh oder schon gekocht, wenn du sie würfelig schneidest? Das interessiert mich, denn das Relish möchte ich unbedingt nachmachen 🙂

    • Ok, wenn du meinst. Was genau ist denn der Vorteil dieser Vorgehensweise? Die Roten Bete waren roh, aber recht klein gewürfelt. Und das Relish macht sich auch ziemlich gut zu mildem Käsebrot. 🙂

      • der Unterschied ist der malzigere Geschmack durch den Karamell.
        Das kleinwürfelige Schneiden der roten Rüben ist Arbeit für den Mitkoch, ich werd ihn gleich mal drauf vorbereiten 🙂

      • Aha. 🙂 Und es scheint, dass Männer generell lieber schnippeln, obwohl ich es inzwischen auch schon ganz gut kann – notgedrungen. 😉

  7. so – wieder da, nach einer Woche Familie. Linsensalat – das liebe ich in jeder Form. Diesen hier, muss ich auch mal ausprobieren. Mit Ei, das habe ich noch nie ausprobiert, aber ich liebe ja Eier, pochiert, gespiegelt oder gesetzt.
    Liebe Grüße
    Gerd

    • Danke, Gerd. Schon wieder Urlaub? 😉
      Das Ei dazu war wirklich gut, bsonders als das Eigelb sich mit dem „Salat“ verband. Hm… allein die Erinnerung daran macht mir wieder Appetit.
      Liebe Grüße,
      Eva

  8. Die Zutaten zu den Linsen klingen göttlich, und dazu ein Spiegel- oder pochiertes Ei, das muss umwerfend gewesen sein! Der Name ist allerdings wirklich verwirrend. Vielleicht hatten die Verfasser bei der Namensgebung nicht Tatar im Sinne von Schabefleisch, sondern eine Sauce tartare vor Augen? Zwar ist die Basis dort eine Mayonnaise aus gekochtem Eigelb (sehr lecker übrigens), wär also auch weit hergeholt, aber immerhin teilt sie mit diesem Linsen-Gericht die Gewürzgurken, Kapern und Schalotten… Lieben Gruß!

    • Danke, Claudia. Das war es. Zu blöd, dass wir nicht gleich die ganze Menge gemacht hatten. So ähnlich hatte ich bezüglich des Namens auch vermutet, aber irgendwie fand ich das dann sehr weit hergeholt, für mich wäre es einfach „Linsensalat“. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  9. Na, immerhin standen bzw. stehen in der Zutatenliste viele feine Sachen… mal schauen, ob sich unsereins dereinst auch die (Schnippel-)Arbeit macht. Wir haben gerade einen Rest Linsen-Sauce vertilgt (eigentlich -Bolognese – an der vermutlich so viel bologneisch ist wie an Eurem Tartar tartarisch ;)), ebenfalls als eine Art Salat. Zu Würstchen: Das perfekte schnelle Abendessen nach einem langen Tag im Freien 🙂
    Schönen restlichen Sonntag Euch!

    • Das stimmt. Es hat auch eine ganze Weile gedauert, sie alle bereit zu stellen und zu fotografieren. 😉 Aber es hat sich eindeutig gelohnt, auch wenn das gute alte Spiegelei ein wenig aus der Mode gekommen scheint. Linsen-Bolognese? Die könnte ich eigentlich auch mal wieder machen, wenn es nur nicht so viele andere Dinge gäbe, die 1. regelmäßig auf den Tisch müssen und 2. ausprobiert werden wollen, ganz schöner „Genussstress“. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  10. zweimal gelesen und muss sagen, was du draus gemacht hast, klingt sehr sehr fein und gar nicht so kompliziert (für mich „iwahaps“-Köchin bzw. so aus dem Ärmel geschüttelt) !!
    lg

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