Auf dem Prüfstand

enchi 3Himmel, ist es wirklich schon 14 Jahre her, dass ich dieses Kochbuch zum ersten Mal in den Händen hielt? Es war damals bahnbrechend, so neu und aufregend, dass wir mit dem Nachkochen gar nicht hinterher kamen. Einige Gerichte, wie diese Enchiladas, rangierten einige Jahre so hoch im Kurs, dass es sie sogar einmal als Weihnachtsschmaus für die ganze Familie gab. Alle waren gleichermaßen begeistert. Als ich das Buch kürzlich in der Bücherhalle (ja, die haben wirklich fast alles) noch einmal flüchtig durchblätterte, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass mich die Rezepte nicht mehr sonderlich vom Hocker rissen. Sollte das etwa auch für die in der Versenkung verschwundenen, liebevoll „Enchis“ genannten Röllchen gelten? Da dieser Gedanke mich nicht mehr los ließ, musste ich mir Gewissheit verschaffen.

Für die Weizen-Tortillas (ca. 7 – 8):

  • 100 g Weizenvollkornmehl
  • 100 g Weizenmehl 550er
  • 35 g neutrales Pflanzenöl
  • 4 g Salz
  • 100 – 125 g Wasser

weizentortilla-teig serieDa ich mir einst bei einem Versuch Mais-Tortillas aus Massa Harina in einer Pfanne zu backen selbige komplett ruiniert hatte, bleibe ich bei den Weizen-Tortillas, obwohl ich weiß, dass die Mais-Tortillas um Längen besser schmecken. Ich verknetete alle Zutaten ca. 10 Minuten zu einem glatten Teig und ließ ihn abgedeckt gut 30 Minuten ruhen. Dann teilte ich ihn in 8 Portionen und rollte alle möglichst dünn aus (mit einer Tortilla-Presse hat man es definitiv einfacher. Melanie/ mangoseele, eine wesentlich bessere Kennerin der mexikanischen Küche, hat die Technik hier vorgestellt). Dann erhitzte ich eine gusseiserne Pfanne bei starker Hitze, buk die einzelnen Teigfladen pro Seite ca. 1 – 2 Minuten und lagerte sie mit einem feuchten Geschirrtuch bedeckt.

Für die Frijoles (am besten am Vortag bereitet):

  • 1 Dose Kidneybohnen, 240 g (oder 120 g Kidneybohnen über Nacht eingeweicht und in 1 guten Stunde weich gekocht)
  • 1 kleine Möhre, in Brunoise geschnitten
  • 1 Stück Knollensellerie, in Brunoise geschnitten
  • 1 Zwiebel, fein gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • je 1/2 TL Kreuzkümmel, Koriander, geröstet und gemahlen
  • je 1/2 TL Oregano und Rosenpaprika
  • 1 EL Tomatenmark
  • Salz, schwarzer Pfeffer

frijoles serieIch erhitze etwas Öl in einem Topf, schwitzte Zwiebeln, Möhre und Knollensellerie ca. 8 Minuten an, gab Knoblauch, Tomatenmark, Kreuzkümmel, Koriander und Oregano hinzu und ließ alles weitere 2 – 3 Minuten schwitzen. Dann gab ich die Bohnen, Rosenpaprika, wenig Wasser und Salz hinzu und ließ den Bohneneintopf ca. 20 Minuten köcheln, bis die Flüssigkeit sämig war.

Für die Tomatensalsa:

  • 1 kleine Dose Tomaten
  • 1 kleine Zwiebel, fein gehackt
  • 1 rote Chili, fein gehackt
  • 1 TL Zucker
  • je 1 Pr. Oregano, Kreuzkümmel, Koriander
  • Salz

enchillada sauce serieIch schwitzte Zwiebelwürfel in etwas Öl an, fügte die restlichen Zutaten hinzu und ließ die Sauce offen ca. 30 Minuten köcheln. Dann pürierte ich sie. Ich heizte den Backofen auf 200°C vor, legte je eine Tortilla auf die Arbeitsfläche, gab 2 EL Frijoles darauf und rollte sie ein. Nach und nach legte ich alle Rollen in eine geölte Auflaufform, gab die Sauce darüber und ließ sie eine halbe Stunde im Backofen zwecks Aromenverbindung.

Für die Guacamole:

  • 1 reife Avocado (das ist absolut unerlässlich, da die Guacamole ansonsten – wie meine – zu oxidieren beginnt, was durch NICHTS verhindert werden kann, weder durch eingelegte Kerne noch durch Säurezugabe)
  • 1 EL Crème Fraîche
  • ca. 1/2 Zehe frischer Knoblauch, je weniger desto besser
  • 1 Spritzer Limettensaft und wenig Limettenabrieb
  • 1 kleine Tomate, fein gewürfelt
  • Salz, schwarzer Pfeffer

guacamole serieIch gab alles bis auf die Tomatenwürfel in eine Schüssel und pürierte es mit dem Zauberstab und rührte die Würfel anschließend unter. Dadurch wird, im Gegensatz zum Musen mit der Gabel, eine unvergleichliche Cremigkeit erreicht. Inzwischen war auch Herr H. eingetroffen. Einigermaßen überrascht schaute er in den Backofen und rief, „Enchis, die hatten wir ja ewig nicht mehr.“

enchi 10Fazit: Die Enchiladas sind (ebenso wie das kürzlich vorgestellte japanische Huhn) völlig zu unrecht in der Versenkung verschwunden! Die Knusprigen Teigröllchen mit der kräftig gewürzten Bohnenfüllung, der Tomatensauce und der frischen Guacamole schmeckten uns genauso gut wir früher. Ein Klacks Crème fraîche macht sich auf den Enchiladas übrigens auch vorzüglich, sollte die Tomatensauce etwas zu scharf geraten sein.

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23 Gedanken zu „Auf dem Prüfstand

  1. Bisher habe ich meine Tortillas immer gekauft – zwar im Bioladen, aber halt nicht selbst gebacken. Ich könnte ja mal probieren… denn das schaut sehr sehr köstlich aus.
    Nachträglich noch ganz herzliche Glückwünsche zu deinem Geburtstag, liebe Eva.

    • Lieben Dank, Sabine. Vielleicht habe ich auch, was das Selbermachen angeht, einen leichten Knall. Gestern fragte mein Gast, ob ich den Blätterteig für die Natas etwa selbst gemacht hätte. Und ich antwortete leicht verwundert, klar, warum nicht? 😉

  2. Klingt ganz genau so als ob mir das seeeehr gut schmecken würde… und ich muß zugeben Tortillas nach dem ersten Versuch gänzlich aufgegeben zu haben, zu mühsam, das Ausrollen. Fand ich damals zumindets und denke heute mit dem „Handicap“ wirds bei dieser Einschätzung bleiben.

    • Das Ausrollen ist tatsächlich sehr mühsam, aber es soll so eine Presse geben, mit der es ganz einfach geht. Ich habe leider zum einen wahrlich keinen Platz mehr für neue Gerätschaften (zum Geburtstag kam ein Toaster ins Haus und jetzt geht wirklich nichts mehr) und zum anderen mache ich sie nicht häufig genug…

  3. Ich habe die guten Stücke noch nie selber gemacht – immer „nur“ irgendwo gegessen. Schätze, das sollte ich mal ändern. Die Zutaten habe ich so gut wie alle zu Hause. Also keine Ausreden mehr. 😉

  4. Hier auch Weizentortillas. Beim Maismehl fehlt mir das Gluten, die kriege ich einfach nicht ausgerollt. Manchmal mische ich die beiden Sorten. Ich muss die mal wieder machen. Um ehrlich zu sein….bei uns gibt da immer so Röllchen nach Jamie O.: Tomatensauce, Avocadocreme, Käse……

  5. Uih, da hast du mich geschmacklich erwischt, Eva! Enchilladas liebe ich auch und habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Egal, ob mit Fleisch- oder Veggiefüllung – lecker! Und, dass du die Tortillas auch noch selbst zubereitet hast, ehrt dich natürlich besonders! Das Rezept muss ich mir unbedingt abspeichern. Vielen Dank!
    Liebe Grüße Maren

    • Das freut mich sehr, Maren! Die Tortillas auf diese Art selbst zu machen geht im handumdrehen, nur das Ausrollen ist etwas mühsam. Meine waren auch noch etwas zu dick geraten…
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Schwarze Bohnen hatte ich auch schon mal als Füllung. Ich Geschmacksbanause konnte jedoch keinen Unterschied feststellen. Also im Geschmack batürlich, in der Farbe schon. 😉

  6. Als Enchis schmecken sie sicherlich lecker, als Enchiladas lasse ich Mexikopuristin die Tex-Mex Variante nicht durchgehen 😉 Aber da bringst du mich auf die Idee, endlich mal rote Enchiladas auf meinen Blog zu stellen. Fehlen mir nur noch die Chiles Anchos…Liebe Grüße Melanie

  7. Prüfstand! Hah! Voll die verkappte Autoliebhaberin, wie? 😛 Super Idee dieses Rezept. Auch, wenn Huhn aus Japan natürlich gleich viel besser ist. Was mich auf eine Idee bringt.

  8. Ha, der rote Avocado“kern“ ist ja toll :D! Enchiladas hatte ich erst einmal: bei einem Mexikaner, den man als (einigermaßen) authentisch rühmt, der allerdings auf erstaunlich viel Convienience zurückgreifen musste – ich meine, ich schrieb schonmal davon. Jedenfalls war das Essen nicht dazu angetan, uns von den dortigen (Bar-)Hockern zu reißen. Möglicherweise wäre das bei einem Eigenbau frei nach dem Hause H anders – zumal uns Euer Hühnchen ja absolut überzeugen konnte.
    Übrigens: Was ist aus Eurer Pilt-Pirsch geworden?

    • Herr H. ist ein Spielkind. 😉
      Ich erinnere mich, kein schönes Erlebnis. Der Eigenbau wird dich sicher mehr überzeugen!
      Die Pilz-Pirsch fiel leider der langanhaltenden Trockenheit zum Opfer. Alle Pilze halten die Köpfe scheinbar unter die Erde, aber morgen soll es regenen. 🙂

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