Es könnte so einfach sein

pfannkuchen 5Nachdem mein Bedarf an Ofengerichten nach zweiwöchiger Backofenlosigkeit erstmal gestillt ist, stelle ich fest, dass es mir wie Sabine/ Schmeckt nach mehr geht. Ich will zwar nicht auf tierische Produkte verzichten, aber Pflanzliches aller Art ist für mich ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Mahls. Und zwar viel, bitteschön. Ein Essen ohne Gemüse oder gar mit einem traurigen Alibi-Salatblatt ist mir ein Graus. Mit etwas Erfindungsgabe, Zeit und Liebe lassen sich doch aus vermeintlich schlichten Zutaten wahre Delikatessen bereiten. Ich finde, es müssen nicht immer Jakobsmuscheln, Wagyu-Rind oder Ibérico-Schwein sein. Diese Gemüse-Kokospfannkuchen mit Linsen-Senfkorn-Curry sind ein perfektes Beispiel dafür, wie aus (fast) rein pflanzlichen Zutaten ein feines, raffiniertes und köstliches Gericht werden kann!

Für die Kokospfannkuchen (ca. 8 Stück):

  • 2 Eier
  • 4 EL Reismehl (ca. 60 g)
  • 100 g Kokosmilch
  • 1/2 TL Fischsauce
  • 1 /2 TL Sesamöl
  • neutrales Pflanzenöl zum Braten

pfannkuchenteig serieIch gab alle Zutaten in eine Schüssel, verrührte sie gründlich mit dem Schneebesen und erhitzte etwas Öl in einer beschichteten Pfanne bei mittlerer Hitze. Darin gab ich eine kleine Kelle Teig, verteilte sie, bis der Boden der Pfanne dünn bedeckt war und buk die Pfannkuchen beidseitig ca. 1-2 Minuten. Sie sollten dabei nicht bräunen. Die fertigen Pfannkuchen bedeckte ich mit einem feuchten Geschirrtuch. Herr H. hatte inzwischen die Gemüsefüllung vorbereitet.

Für die Pfannkuchenfüllung:

  • 1 kleiner Chinakohl, in feine Streifen geschnitten (ich: 1 Kohlrabi)
  • 1 Handvoll Zuckerschoten, in feine Streifen geschnitten (ich: weg gelassen)
  • 1 Pfälzer Möhre, in feine Streifen geschnitten (ich: 1 normale)
  • (ich: 1 rote Paprika, in feine Streifen geschnitten)
  • 1 EL Erdnussöl
  • 1 TL Ingwer, geschält und gehackt
  • 1 EL Sojasauce
  • 2 EL Koriander, grob geschnitten

füllung serieIm Rezept werden die Pfannkuchen mit rohem Gemüse gefüllt und anschließend 5 Minuten im Steamer gedämft. Ich entschied mich für ein leicht abweichende Vorgehensweise und pfannenrührte das Gemüse, bis es gerade eben gar, aber noch knackig, war, würzte es und füllte dann die Pfannkuchen damit, indem ich jeweils etwas Füllung auf das untere Drittel eines Pfannkuchens legte, die Seiten nach innen faltete und den Pfannkuchen dann aufrollte. Die fertigen Rollen hielt ich bei ca. 50°C warm. Herr H. hatte derweil das Curry gekocht.

Für das Linsencurry:

  • 150 g rote Linsen
  • 2 EL Seamöl (ich: Erdnussöl)
  • 1 1/2 EL Senfkörner
  • 2 Kardamomkapseln (ich: Kerne ausgelöst, mit Knoblauch und Meesalz gemörsert)
  • 1 mittlere Zwiebel, gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Stange Zitronengras, sehr fein gehackt
  • 20 g Ingwer, geschält und sehr fein gehackt
  • 1 Chili, gewürfelt
  • 1 EL gelbe Currypaste (ich habe davon immer etwas eingefroren, gekaufte geht natürlich auch)
  • 1/2 TL Kurkumapulver
  • 400 g Kokosmilch (ich: 150 g)
  • 3 EL Koriander, grob gehackt
  • grobes Meersalz

curry serieHerr H. garte die Linsen in ca. 8 Minuten knapp gar und schreckte sie kalt ab. Dann briet er Senfkörner, Knoblauch-Kardamom-Salz-Paste, Zwiebeln, Zitronengras und Ingwer 3 Minuten an, gab Chili Currypaste und Kurkuma hinzu und röstete sie kurz mit. Anschließend löschte er mit Kokosmilch ab und ließ alles 15 Minuten zugedeckt köcheln. Zum Schluss gab er Linsen und Koriander ins Curry und schmeckte mit Salz ab. Ich hatte inzwischen das Topping vorbereitet.

Für das Kokos-Chutney (keine Ahnung, warum es trotz trockener Konsistenz als Chutney bezeichnet wird):

  • 1/4 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 TL Ingwer, fein gehackt
  • 1/4 rote Chili, fein gehackt
  • 1 Pr. Kurkumapulver
  • Saft 1/2 Zitrone
  • 25 g Kokosflocken, leicht geröstet
  • 1/2 TL Zucker
  • 1/2 TL Fischsauce

topping serieDie Zubereitung war denkbar einfach. Nachdem ich alle Zutaten bereit gestellt hatte, vermengte ich sie in einer Schüssel und schmeckte noch einmal mit etwas Fischsauce ab. Dann richtete ich das Curry in flachen Schalen an und stellte jeweils einen halbierten Pfannkuchen darauf. Etwas Chutney, etwas gehackter Koriander und ein schnelles Bild und schon konnten wir schwelgen.

pfannkuchen 1Fazit: Das Linsencurry war dank der sparsamen Würzung herrlich rund und aromatisch, wie es bei einem Rezept von Frau Grandits nicht anders zu erwarten gewesen war. Der milde Geschmack und die seidige Konsistenz der Kokospfannkuchen überraschte uns hingegen sehr. Die Füllung hielt sich dezent im Hintergrund. Alles passte wunderbar zusammen. Ich war vorher skeptisch gewesen, ob die Portion für 2 Personen nicht etwas zu reichlich bemessen gewesen sei, aber bereits nach kurzer Zeit waren alle Schüsseln und Schalen geleert und Herr H. sah sich vergeblich nach Nachschlag um. Wie gut, dass noch ein paar Sablés übrig waren. Er lehnte sich zufrieden zurück und empfahl mir, den Konjunktiv (im Titel) zu streichen.

Aus: Gewürze Tanja Grandits

 

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28 Gedanken zu „Es könnte so einfach sein

  1. Das klingt toll!
    Habe mich vor einigen Wochen mit einem Schwung neuer Gewürze eingedeckt: Hier in Bremen gibt’s einen Gewürz-Lagerverkauf mit tollen Gewürzen ohne Chemie, Schwefel, etc. PP. Und seitdem bin ich auf der Suche nach neuen Rezepten, in denen ich sie ausprobieren kann. Deins kommt definitiv auf die Liste. Klingt super. 🙂

  2. Beim ersten flüchtigen Hinschauen hatte ich auf Schollenröllchen getippt – aber so leckere kleine Pfannküchlein nähme ich umso lieber im Vorbeigehen mit ;-). Zumal Linsen-Curry zu meinen Lieblingen gehört, Deines klingt sehr überzeugend. Lieben Gruß!

    • Schollenröllchen? da bringst du mich auf eine Idee. 😉
      Die Pfannkuchen sind auf jeden Fall, genau wie das Curry, sehr empfehlenswert. Überhaupt steckt das Gewürze-Kochbuch von Frau Grandits voller Schätze, gerade gestern Abend habe ich ein bereits gepostetes Gericht wieder gekocht, weil es so umwerfend gut schmeckt!
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Linsencurry mit Senf – klingt, als würde mir das sehr gut schmecken 🙂 Und mir fällt gerade dabei auf, dass es schon länger keine Linsen gab. Sollte ich dringend ändern.

    Die Pfannkuchen sind doch auch sicherlich interessant zum Frühstück/Dessert mit Obst?

  4. Mh, das klingt großartig! Ich bin ja auch immer überrascht, wie „rund“ Essen schmecken können, die kein Fitzelchen Tier enthalten. Wir hatten vor ein paar Tagen wieder so einen Eintopf, bei dem mir erst im Nachhinein aufgefallen ist, dass er vegan war – uns hat nichts gefehlt. Nicht, dass ich ein ordnetliches Steak vom Teller schubsen würde, aber es geht mir da wie Dir: Wenn nicht ausreichend und hochwertiges Grünzeug mit von der Partie ist, macht vieles keinen Spaß.

    • Schwester im Geiste. 😉 Ich weiß auch nicht, woher dieses Verlangen kommt. Aber es scheint aufzufallen. Neulich beim Schnelleinkauf auf dem Weg vom Flughafen nach Hause meinte die Kassirerin zu mir, „das ist ja mal ein schöner Einkauf“…

      • WARUM um alles in der Welt habe ich so lange gewartet, das nachzubauen, mh?! Du ahnst nicht, WIE glücklich und zufrieden wir gerade auf dem Sofa hängen :D! Allein das Topping! Und das Curry! Die Pfannkuchen! Vor allem: alles zusammen! Das wird es wieder geben, da sei Dir sicher (zumal: ein Viertel eines kleinen (!) Chinakohls ist mehr als genug, ebenso 125g Zuckerschoten – die Reste müssen dann ja auch verkocht werden… ;))! Dann vielleicht auch mit Fotos – die hatten gegen unbändige Esslust nämlich keine Chance…
        Schöne Grüße gen Norden!

      • Das weiß ich nicht. 😉
        Freut mich riesig, dass es euch so gut geschmeckt hat. Ich warte auf die Fotos. 🙂

  5. Lass Dich nicht beirren. Du machst das schon richtig gut. Anstatt Backofen kannst Du auch den Teig in Lehm schlagen und Feuer in einer Grube machen… (soviel Steinzeit muss nicht sein).
    Warum hast Du keinen Backofen mehr?

    • Danke schön.
      Ich hatte nur im Urlaub keinen (bzw. einen grottigen Gas-) Backofen. Nach zwei Wochen war mein Jieper auf Pizza, Lasagne und Co. entsprechend stark. Den musste ich erstmal mit Leckereien aus dem heimischen Ofen befriedigen – und zum Glück musste ich dazu keine Grube graben. 😉

  6. „Ich finde, es müssen nicht immer Jakobsmuscheln, Wagyu-Rind oder Ibérico-Schwein sein.“ Hihi, nee, so jeden zweiten oder dritten Tag nehme ich statt der Jakobsmuscheln dann gerne den Hummer. 😉
    Im Ernst: Dieses Rezept nehme ich mir mal gleich mit, das klingt toll! Und in Indien sind mir häufiger „trockene“ Chutneys begegnet. Ich glaub, das steht eher so allgemein für „Würze obendrauf oder nebenher“.

    • Danke, Sabine. Ich war nur etwas verwirrt, weil ich in Punkto Chutney andere Informationen gefunden hatte. Aber es geht doch nichts über eine Recherche vor Ort! 🙂
      😉 Manchmal reicht auch einfach etwas Speck.

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