Herbstauftakt mit Sommerfragment

dessert 4Flugreisen hinterlassen bei mir meist ein Gefühl der Ratlosigkeit. Eben noch tummelte ich mich im warmen Atlantikwasser, wanderte über die schroffe Küstenlandschaft der Algarve, bewunderte das überwältigende Angebot an frischem Fisch und schwupps gehe ich durch die Schiebetür des Hamburger Flughafens in den kühlen Herbstabend. Die Luft riecht nach Abgasen und es fällt mir schwer zu glauben, dass ich wirklich da bin, wo ich bin. Also ignoriere ich die Realität vorerst, setzte mich kurzbehost an Schreibtisch, innerlich von den schönen Erinnerungen noch wohlig gewärmt, und schreibe über ein herrliches Kirsch-Sahne-Eis, dass ich kurz vor dem Urlaub noch als Dessert zu einem sommerlichen Menue bereitet hatte. Das besondere an diesem Eis ist zum einen, dass es komplett eifrei ist und sich zum anderen ohne Eismaschine zubereiten und sofort servieren lässt. Ich traute meinen Augen kaum, als ich das Rezept zum ersten Mal las und probierte es sogleich aus.

Für das Sauerkirsch-Sahneeis (2 großzügige Portionen):

  • 4 knusprige, herbe Schokoladenkekse mit hohem Kakaoanteil ohne Schokoladenüberzug*
  • 100 g entsteinte, tiefgekühlte Sauerkirschen
  • 5 g Kirschgeist, optional (ich: weg gelassen)
  • 15 g Puderzucker
  • 75 g sehr gut gekühlte Sahne

eis serieDas wichtigste bei der Zubereitung ist die Temperatur der Sahne. Ich legte sie für eine gute Stunde ins Eisfach. Dann gab ich alle Zutaten (bis auf die Kekse) in den Zerkleinerer und ließ ihn laufen, bis eine cremiges Eis entstanden war. Bei ersten Mal hatte ich kühlschrankkalte Sahne verwendet. Das Eis war noch zu weich und hatte erst nach einigen Stunden des Frierens die perfekte Konsistenz. Versuch Nummero Zwei mit fast gefrorener Sahne brachte direkt nach dem Mixen die perfekte Konsistenz. Ich servierte das Eis auf einem Bett zerkrümelter Kekse. Ich mache es mir genauso einfach wie Micha und spare mir die Auflistung der Blogs, die diese deliziösen Kekse bereits gepostet haben. Die Sablés geistern auf jeden Fall vollkommen zu Recht seit Jahren durch die Foodblogszene. Warum ich sie nicht schon damals nachbuk, ist mir völlig schleierhaft. Ich habe sie inzwischen bestimmt schon an die 10 Mal gebacken. Gerade gestern Abend wieder einmal.

Für die Sablés au chocolat et au Fleur de Sel (ca 15 Stück):

  • 46,5 g Küvertüre 70%ig
  • 54 g Weizenmehl 550er
  • 9 g Kakaopulver
  • 1,5 g Natriumbikarbonat
  • 46,5 g Butter, pomadig
  • 37 g hellbrauner Rohrzucker
  • 15,5 g feiner Zucker
  • 1 g Fleur de Sel
  • 0,6 g Vanilleextrakt (oder stattdessen wie hier als „Männerversion“)

kekse serieIch rührte Butter und beide Zuckerarten cremig, bis der Zucker sich gelöst hatte. Herr H. hackte die Kuvertüre, gab sie zur Buttermischung und siebte Mehl, Kakaopulver und Natron darüber. Ich fügte Fleur de Sel und Vanilleextrakt hinzu, vermengte alles rasch zu einem homogenen Teig und ließ ihn zur Rolle geformt eine halbe Stunde im Tiefkühler rasten. Dann schnitt ich ca. 1cm dicke Scheiben von der Rolle, legte sie mit ausreichendem Abstand auf das Backpapier und buk sie 11 Minuten bei 190°C. Warum die Sablés mir beim Backen stets dermaßen breit laufen, weiß ich nicht. Über sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

dessert 7Fazit: Ein Dessert, dass sich aufgrund seiner einfachen Vorbereitung perfekt als Abschluss eines Menues eignet. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die gefrorenen Früchte unter Berücksichtigung der Anpassung der Zuckermenge, beliebig tauschen lassen. Herr H. war gleichermaßen begeistert, meinte jedoch, dass ihm die Sablés auch ohne Eis völlig ausreichen würden.

So. Jetzt werde ich mir eine lange Hose aus dem Schrank holen und mich dann auf die Suche nach neuen herbstlicheren Genüssen machen. Dazu lasse ich die leicht wehmütigen Gedanken an die großartigen Seezungen, die wir uns im Urlaub brieten, los – wir haben es tatsächlich kein einziges Mal in ein Restaurant geschafft, Dachterrasse und Fischangebot lockten einfach mehr – und stelle mich endlich voller Tatendrang der Realität.

Sauerkirscheis aus: AHIQ Küchen IQ 1 Basis Alexander Herrmann

Sablés au Chocolat aus: PH10 Pierre Hermé

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39 Gedanken zu „Herbstauftakt mit Sommerfragment

  1. Die liebe Eva ist wieder zu Hause und die kleine My im Herbst angekommen: willkommen! Dein Rezept erinnert mich daran, dass ich noch ein paar Erdbeeren eingefroren habe – genau für ein solches schnelles Eis. Bei mir klappt das übrigens auch, ohne dass die Sahne vorher gekühlt ist. Die Früchte entwickeln da genügend Kälte.

    • Danke, Sabine. Der erste Spaziergang in der Heimat förderte schon erstaunlich viel Herbstliches zutage, nur rot Ahornblätter haben wir noch nicht gefunden…
      Echt? Ohne Kühlung? Naja, es kommt wahrscheinlich auf das Verhältnis an, je mehr Frucht, detsto kalt. 🙂

  2. Hallo Eva, schön, wieder von dir zu lesen. Und jetzt hätte ich liebend gerne ein Eis …und die Sables (die schon seit mindestens einem Jahr auf meiner Nachbackliste stehen, aber leider zusammen mit ungefähr 3864 anderen Sachen)…

    Lieb Grüße,
    Barbara

    • Danke, Barbara. Du warst in der Zwischenzeit ja richtig fleißig! Bin noch nicht dazu gekommen, alles versäumte nachzulesen (und weiß auch nicht, ob ich das schaffen werde, es sind über 300 ungelesen Artikel in meinem Feedreader…). Die Kekse kann ich dir nur wärmstens empfehlen, die gehen auch ganz fix!
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Willkommen zurück zu Hause und in der Bloggerwelt.
    Du sprichst mir aus dem Herzen: genau so geht es mir auch immer, wenn ich aus einem Urlaub zurückkomme…mir fällt der Einstieg in den Alltag auch immer erst recht schwer!

  4. Mensch, ein Eis, dass man auch mal spontan machen kann, wenn Besuch kommt. Klasse!
    Aber diese Schokoladenkekse – die Sablés au chocolat et au Fleur de Sel – sind bisher an mir vorbei gegangen.
    Willkommen zurück in Hamburg. Dieses Fehl am Platze sein hält ja zum Glück doch nur kurze Zeit an. Wir können uns glücklich schätzen in so einer tollen Stadt zu leben.

  5. Liebe Eva,
    herzlich Willkommen im hohen Norden. Ich weiß, es ist hart, aber hier ist es auch schön 😉 !
    Im Ernst: morgens noch im warmen Süden und abends in der rauhen Wirklichkeit – das lässt niemanden kalt. Aber man wärmt sein Herz mit all den schönen Erinnerungen 🙂 .
    Diese Art Eis zu machen, habe ich durch meinen Thermomix gelernt. So kann man wirklich in Nullkommanix ein leckeres Eis zaubern. Ich habe es bisher nur mit Himbeeren und Erdbeeren zubereitet. Ich sehe schon, als nächstes sind Kirschen dran.
    Übrigens – meinem Mann würden auch deine leckeren Schoko Sablés reichen 😉 . Das Rezept muss ich mir unbedingt merken.
    Liebe Grüße
    Maren

    • Liebe Maren,
      ich weiß doch, dass es hier auch schön ist und trotz des Gasherdes (und Ofens *grummel*) in der Ferienwohnung, war ich sehr froh, meine Küche wieder zu haben. Es hat eben immer alles (mindestens) zwei Seiten. So langsam kehrt auch die Backlust wieder. Mal sehen, was ich heute noch machen werde. Im Urlaub gab’s auf jeden Fall eher sehr faule und schlichte Kost, die jedoch dank der hervorragenden Qualität der Zutaten gut war. 🙂
      Und die Kekse? Unbedingt schnell backen, die sind wirklich klasse!
      Liebe Grüße,
      Eva

      • Das glaube ich! Ich habe auch gerade so leckere Sablees bretons gebacken, die süchtig machen. ( Rezept folgt demnächst)
        Schön, dass der Urlaub die neue Lust und Inspiration zum Backen gebracht hat. Wir sind gespannt 😉!

  6. Das ist schön, dass du wieder hier bist! Aber schlechtes Timing, bald bin ich weg. 😉
    Kriegen wir ein paar Urlaubsfotos zu sehen bitte? Wenigstens Fotos vom überwältigenden Fischangebot, von dem du geschrieben hast?

    Und nein: Nicht einmal du bringst mich dazu, dass ich Eis selber mache. Über die Sablés könnte man schon eher reden. 😉

    • Danke, Susi. Oh. Ihr fahrt auch in die Urlaub? Wie schön! Wohin wird es denn gehen?
      Das mit den Fotos war eigentlich nicht geplant. Mal sehen, was sich machen lässt. 🙂
      Die Sablés kann ich dir nur dringend ans Herz legen. Die sind echt gut!

  7. Schön, wieder bei Dir zu lesen. In den letzten Wochen kam auch bei mir der Gedanke an ein Eismaschinchen, aber wenn schon, dann mit Eigenkühlung, und dann kommt eben die Frage, ob es nun wirklich nötig sei, oder ob das Geld nicht doch besser in die Möblierung des bald (hoffentlich) fertigen Hauses geworfen werden sollte. Noch bin ich unschlüssig, und da mein Leben ohne Eismaschine nicht so schlecht war und ist, kann ich noch etwas zuwarten.

    • Danke, Erich. So richtig angekommen bin ich tatsächlich immer noch nicht. Wie gut, dass hier heute zumindest die Sonne scheint. Zur Eismaschine: es hat sich bei uns herauskristallisiert, dass wir lieber ein Stück Torte oder Kuchen essen als Eiscreme, damit hat sich die Frage erledigt. Und Möbel finde ich auf jeden Fall wichtiger. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen für die problemlose Fertigstellung des neuen Hauses!

  8. Von mir auch ein Willkommen 🙂
    Das Eis klingt toll. Ich hab in Bezug auf die Eisherstellung ja Scheuklappen….ich freu mich immer noch so über meine Eismaschine, dass ich über sowas gar nicht nachdenke. Sollte ich aber 🙂

    • Danke, Susanne. Ja, du besitzt ja jetzt so eine Turbomaschine. 😉 Bei mir steht erst mal die Anschaffung eines Toasters ins Haus (wir hatten in der Ferienwohnung einen und das olle Brot schmeckte getoastet um Welten besser) und selbst für den weiß ich eigentlich keinen guten Platz…

  9. Ach ja, das Eis mit-ohne Eismaschine. War bei mir bis jetzt immer so ein Glücksspiel – entweder perfekt oder bretthart. Ich ringe ja immer noch mit mir, was die Anschaffung eines Maschinchens angeht. Dummerweise ist die Kasse derzeit eher knapp und anderes meist wichtiger. Mei.
    Schön, das ihr wieder da seid, dass es schön war (Fotos!) – und von den Keksen nehm‘ ich mir mal einen – auch, wenn’s bald Abendbrot gibt.
    Schöne Grüße!

    • Danke auch dir! Ich habe mich erst einmal gegen eine Eismaschine entschieden. Wir stellten im Urlaub fest, dass wir beide keine großen Eisliebhaber mehr sind und so geht es ja eben auch. 🙂
      Fotos? Mhm-. Wir haben zwar welche gemacht, aber eigentlich nur als Erinnerungsstütze, nichts Spektakuläres, mal sehen, vielleicht finde ich eine gute „Zeigelösung“.
      Die Kekse sind auf jeden Fall sehr sehr empfehlenswert!
      Liebe Grüße,
      Eva

  10. Herzlich willkommen! Wie ich lese, freuen sich alle Blogger, dass Du wieder da bist.
    Und gleich mit einem Paukenschlag „Kirsch-Sahneeis“. Da schmilzt nicht nur das Eis, sondern auch ich hin.
    Liebe Grüße
    gerd

    • Danke, Gerd. Ja, ich bin auch ganz erstaunt, hätte nicht gedacht, dass irgendwer mich vermissen würde und ich habe das Internet in den zwei Wochen auch nicht sonderlich vermisst. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  11. Welcome back at home !
    Ich kenne das Gefühl dieser „Ratlosigkeit“ zu gut und kann dir mitfühlen. Dies mit dem kleinen Unterschied, dass ich meinen Urlaub in wärmere Gefilde noch vor mir habe.
    Aber auch der ist zeitlich befristet und ich werde z.g.Z. von der Winterkälte „empfangen …“ werden.

    • Danke schön. 🙂
      Du hast es gut. wir werden noch ein Weile von diesjährigen Urlaub „zehren“ müssen. Das mit der Rückkehr in die Kälte hat mir nie gut gefallen (oft gehabt) und deshalb haben wir es auch eine zeitlang nicht mehr gemacht, aber dieses Jahr bot es sich einfach an. In welche wärmeren Gefilde geht es denn bei dir?

      • In mittlerweile praktisch meine „zweite Heimat“ 🙂
        Thailand, mit sehr viel Reis und Currys – und natürlich auch Kultur wie Tempeln, weiteren Sehenswürdigkeiten und einen Abstecher zu Fel!x.

      • Da war ich tatsächlich noch nie. Das Essen sagt mir auf jeden Fall sehr zu und irgendwann führt uns vielleicht dann auch eine Reise dorthin. 🙂

  12. Schön, dass ihr wieder da seid!!! Und offensichtlich hattet ihr auch einen gelungenen Urlaub, wenn du wehmütig daran zurückdenkst. Gibt es Fotos bzw. ein Rezept eurer gebratenen Seezungen? (es darf auch gerne mal bei dir ein gaaanz einfaches, schnelles Rezept geben – wir wissen ja, dass du auch anders kannst 😉 )

    • Danke, Sabine. Ja, der Urlaub war für uns zwar eher untypisch, da stationär, aber sehr gelungen. Fotos gibt es von den Seezungen leider nicht. Ich habe sie ganz schlicht in einer Mischung aus (Salz-)Butter und Olivenöl gebraten, je nach Dicke und Größe 2 – 5 Minuten pro Seite. Dazu gab’s schlicht Kartoffeln, mal als Pü, mal als Pell und wunderbare Fava. 🙂 Einfach und schnell genug? 😉

  13. Klingt nach einem tollen Urlaub und macht mir noch mehr Lust auf das Land 🙂
    Aber schön, dass Ihr wieder da seid!

    Und so eine Portion Eis könnte ich jetzt auch. Bei den Keksen muss ich gleich mal schauen, ob dass die sind, die ich auch schon verbloggt habe oder andere…

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