Frisch aus der Pastelaria

natas 6Fast jeder kennt sie und wer sie kennt, der liebt sie, muss sie lieben, diese kleinen cremegefüllten Knusperküchlein. Pastéis de nata. Ich aß sie, ähnlich wie Sybille, zum ersten Mal vor Ort während einer Interrailtour quer durch Westeuropa in der Mitte der 1980er Jahre. Viel Geld für Extravaganzen besaßen wir zwar nicht, aber so ein kleines Pastel kostete nicht die Welt. Knuspig-krachender Blätterteig, im Idealfall, umschließt eine köstlich schmelzende Vanillecreme, die mit einem Hauch Zitrone und Zimt aromatisiert ist. Eine zeitlang gab es hier in der Nähe ein portugiesisches Café, in dem man wahnsinnig gute Pastéis bekam. Leider gibt es das nicht mehr. Also musste ich sie, als ich mich auf den Urlaub einstimmen wollte, selbst backen. Die langwierige Recherche ließ mich diesem Rezept (ist auf englisch) folgen.

Für ca. 10 – 12 Pastéis de nata:

  • ca. 200 g Blätterteig (deutscher), selbst gemacht oder gekauft. Mir ist allerdings noch kein gekaufter untergekommen, den ich bedenkenlos verzehren würde.
  • 22 g Mehl
  • 160 g Zucker (kann locker um 50 g reduziert werden)
  • 3 Eigelb
  • 1 Ei
  • 300 g Milch (oder eine Mischung aus Milch und Sahne)
  • ein 2 x 4 cm großes Stück Zitronenschale (ich habe Limette genommen, Zitronen waren aus)

creme serieIch rollte den Blätterteig auf eine Größe von 20 x 10 cm aus und rollte ihn von der Längsseite her auf, so dass eine ca. 4 cm dicke Rolle entstand. Ich legte sie zurück in den Kühlschrank und kochte Milch und Limettenschale auf. Dann siebte ich Mehl und Zucker in eine Schüssel und goss durch ein Sieb die Hälfte der Milch unter Rühren hinzu. Nachdem eine homogene Masse entstanden war, rührte ich die restliche Milch ein. Nun verschlug ich die Eier leicht, gab einige Löffel (noch sehr heiße) Mehl-Zucker-Milchmischung hinzu, rührte sie ein und schließlich den Rest der Mischung. Die fertige Creme wird nicht mehr zur Rose abgezogen (warum auch immer) und durfte im Wasserbad abkühlen.

füllen serieAls die Creme abgekühlt war, heizte ich den Backofen auf 250°C vor, schnitt ca. 1cm dicke Scheiben von der Blätterteigrolle ab und rollte sie recht dünn aus. Nun legte ich sie in die gefetteten (muss man das überhaupt bei Blätterteig?) Mulden des Muffinblechs, verteilte die Creme darin (es sollte ca. 1cm Teigrand frei bleiben) und schob das Blech in den Backofen. Nach 8 Minuten zeigte sich die ersten charakteristischen dunklen Stellen auf der Creme. Man sollte die Form nach mximal 12 Minuten uas dem Ofen nehmen, ich hatte nach 10 Minuten das Gefühl, die Oberfläche würde mir zu dunkel werden, also nahm ich das Blech heraus. Nach kurzer Abkühlzeit befreite ich die Küchlein aus der Form und registriert leicht frustriert, dass sie wohl besser doch noch 2 Minuten im Ofen hätten bleiben können.

natas 4Fazit: Die Limette machte sich wunderbar in der Creme. Der Blätterteig war dort, wo er durchgebacken war, knusprig, am Boden jedoch leicht klitschig. Ich hätte sie auch direkt noch ein zweites Mal gebacken, aber die Zeit reichte leider nicht, da wir packen mussten, um zu einer Feldstudienreise aufzubrechen. Ich bin gespannt, wie die Pastéis in Portugal schmecken werden, ob ich vielleicht einem Konditormeister ein Geheimrezept abluchsen kann und was die portugiesische Küche sonst noch so zu bieten hat. Zum Glück müssen wir dieses Mal nicht mit der Bahn fahren, in Zügen und auf Bahnhöfen schlafen und uns von Äpfeln und trocken Brot ernähren. In gut zwei Wochen, in denen wir tatsächlich internetlos sein werden, geht es hier wie gewohnt weiter. ♥

natas 3-klNachtrag: Es ist mir leider auch mit dem schönsten Lächeln nicht gelungen, dem Bäcker der ältesten Bäckerei Lagos (Panaderia Central gegründet 1906, Rua 1 de Mayo 29, Lagos, Portugal – leider ohne eigene Homepage) sein Rezept zu entlocken. Wir haben fast die gesamte Algarve nach dem besten Pastel* abgeklappert, fanden jedoch nichts vergleichbares. Die Pastéis der Bäckerei Central waren unvergleichlich knusprig, auch am Boden, der Blätterteig herrlich buttrig, die Füllung mousseartig und dezent süß. Ein leichte Zimtnote rundete den Genuss vollkommen ab. Ich konnte immerhin herausfinden, dass man, um die perfekte Knusprigkeit des Blätterteigs zu erhalten, spezielle, unbeschichtete Aluminiumförmchen benötigt, die es in Portugal in jedem größeren Supermarkt gibt. Natürlich musste ich einen Satz erstehen und sobald wir uns zu Hause wieder richtig eingerichtet haben, werde ich einen weiteren Versuch mit den neuen Formen starten und berichten!

* Uns wurde gesagt, dass man die besten Pastéis ohnehin nur in Belem, Lissabon bekommt. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage konnten wir in diesem Urlaub leider nicht überprüfen.

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39 Gedanken zu „Frisch aus der Pastelaria

  1. Hallo Eva,

    nachdem wir nun sichern sind, dass wir Pastéis de nata von Euch bekommen haben… da wir durch Euren Urlaub ein wenig verunsichert waren… kurz und knapp… Einfach nur lecker. Gruß Ron & Walle

  2. Ich liebe Pasteis de nata! In einem kleinen – relativ neuen – portugiesischen Café hier in der Nähe verkaufen sie welche mit selbstgemachtem Blätterteig – aber nur jeden Freitag und nur 30 Stück…Bisher habe ich es leider noch nicht geschafft sie zu erbeuten…Aber vielleicht muss ich mich doch einfach mal selbst an die Arbeit machen…Und Portugal steht auch recht weit oben auf meiner imaginären Urlaubsländerliste! Liebe Grüße Melanie

    • Wow, so macht man sich interessant. Vielleicht sollte ich auch einmal pro Woche 30 Stück backen und sie aus dem Fenster verkaufen. 😉 Zum einen übt das und zu andern gewinne ich so vielleicht neue „Tortenkunden“. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Ha! Gestern kam mir urplötzlich in den Sinn, dass ich ja noch nie in Portugal war – und dass das unglaublich schade ist. Jetzt habe ich noch einen guten Grund dort endlich mal hinzufahren! Die Küchlein klingen toll. 🙂

    • Danke, Sarah Maria. Portugal lohnt nicht nur wegen der Natas (wobei die Tourismusindustrie an einigen Stellen schon ganz schön „gewütet“ hat, aber es gibt immer noch wundervolle, ruhige Eckchen). 😉

  4. Einen gaanz schönen Urlaub!!! Solche Törtchen bekommt man auch in Hamburg auf dem Goldbeckmarkt bei einem Opi die schlange ist immer endlos aber er ist die Ruhe selbst 😉 daran musste ich grad direkt denken 🙂

  5. So ein kleines Törtchen würde ich jetzt auch gerne vernaschen! Sehen wirklich sehr lecker aus.
    Und vor dem eigenen Blätterteig drücke ich mich bisher immer… Kaufe dann einen im Bio-Supermartk und rede mir das schön 😉 Aber vielleicht schreite ich doch mal zur Tat.

    Einen schönen Urlaub Euch beiden!

    • Danke, Sandra.
      Das mit dem Blätterteig ist wirklich kinderleicht, vorausgesetzt, man hat ein paar Stunden immer mal wieder Zeit zum Ausrollen. Und selbst gemachter Blätterteig schmeckt wirklich besser als jeder gekaufte! Nur Mut. 🙂

    • Danke, Andy.
      Die Nideltortli klingen nach einer schweizer Adaption der Natas und ich kann bestätigen, noch lauwarm sind sie am allerallerbesten. 😉
      Und das mit dem Blätterteig kann ich wirklich nur empfehlen. Es gibt ja auch die flinke „Blitzblätterteig-Variante“, vielleicht taugt die für dich zum Einstieg.

  6. Auch von mir noch liebe Urlaubsgrüße. Ich wünsche euch, dass sie Originale in Portugal mindestens genau so gut schmecken wie deine aussehen (obwohl ich mir das fast nicht vorstellen kann)

  7. Dafür könnt ich dich küssen Eva🙈 ich liiieeebe die Dinger und verputze die Teilchen in Portugal jeweils in rauen Mengen 😉 machs mir gleich und geniesst es auch ordentlich!

  8. Ein Schrei in meinem Rücken: „Das sind sie, das ist eine portugiesische Spezialität, die hab mit nach Hause genommen – 8 Stück. Davon hab ich in Lissabon jeden Tag gegessen.“
    WH hatte eine große Freude und ich auch.
    Liebe Grüße
    Gerd

    • 🙂 Ich konnte leider keine in Lissabon probieren. Das werden wir nachholen müssen. Aber jetzt habe ich ja die neuen Formen und kann weiter experimentieren.
      Liebe Grüße (auch an die WH!),
      Eva

  9. Ahh! ich liebe sie, die Pasteis! gibt es bei mir öfters mal für Besuch und sind immer der Knaller und gehen weg wie warme Semmeln.
    Versuch mal den Teig nicht noch mal auszurollen, sondern nur brachial in die Förmchen drücken, dann wird er nicht so klitschig 😉
    und natürlich einen wunderschönen Urlaub liebe Eva 🙂

    • Danke, Britta, den hatten wir. 🙂
      Deine Pasteis habe ich mir auch bei der Recherche angeschaut.
      Wenn man den Teig nicht ausrollt, bekommt er am Boden nicht die hübsche Ringstruktur. Ich habe jetzt neue (unbeschichtete) Formen und werde es damit probieren (und berichten).

  10. Liebe Eva, wie wunderschön passend zur Einstimmung auf euren Urlaub. Ich liebe Natas! Und ich bin total gespannt, wie sie in Portugal sind. Hast du den Blätterteig für die Natas extra selber gemacht? Ich habe neulich bei EDEKA immerhin fertigen TK Butterblätterteig gefunden. Der reicht natürlich im Leben nicht an selbstgemachten heran, aber immerhin ist einiges an Butter drin, so dass ich ihn, wenn’s schnell gehen soll, auch einsetzen würde.
    Jetzt wünsche ich euch eine wundervolle Reise! Erholt euch gut und lass dich inspirieren!
    Ganz liebe Grüße Maren

    • Liebe Maren, vielen Dank. 🙂
      Die Natas in Lagos waren um Längen besser als meine (siehe Nachtrag).
      Den Blätterteig habe ich tatsächlich selbst gemacht, ist nicht schwierig, dauert nur ein Weilchen, aber die meiste Zeit muss man ja nichts machen. 😉 Den Teig bei Edeka habe ich mir auch angeschaut, aber mich verwunderte die Inhaltsangabe „pflanzliche Fette“. Deshalb habe ich ihn lieber selbst gemacht.
      Zum Urlaub werde ich im neuen Beitrag noch etwas schreiben…
      Liebe Grüße,
      Eva

  11. Was für ein zauberhaftes neues Titelbild! Und jetzt bringst Du mich mit diesen Törtchen ein bisschen in die Bredouille – denn eigentlich hatte ich Miso-Kuchen für’s sonntägliche Picknick vorgesehen…
    Habt einen herrlichen Urlaub!

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