Gar nicht gemein!

kuchen 9Der gemeine Rührkuchen spielte in meinem von feinsten Torten und Backwaren durchzogenen Leben eine sehr untergeordnete Rolle, fast schon eine aschenputtelartige Schattenexistenz. Denn wer will sich schon mit einem krümeltrockenen, schnöden Kuchen abgeben, wenn er die cremigsten Schnitten mit den fantastischsten Aromen- und Konsistenzkombinationen haben kann? Dachte ich zumindest bis vor kurzem. Dann sah ich ihn, den wunderbaren Browniekuchen mit Miso, der Miss Cooketteria schon nach kürzester Zeit süchtig gemacht hatte. Meine Neugier war geweckt. Konnte ein so schlichter Kuchen süchtig machen? Ich buk ihn geschwind nach und kann nur bestätigen: dieser Kuchen rockt! Statt allerdings eine Vanillesauce dazu zu servieren, vermählte ich ihn kurzerhand mit einem unvorstellbar vanilligen Kollegen, dem Cake Infiniment Vanille des M. Hermé, über den ich kürzlich dort stolperte. Ob die Hochzeit unter einem guten Stern stünde?

Für den Browniekuchen mit Miso (ich habe die Originalteigmenge um ein Drittel reduziert, um Platz für den Vanilleteig zu schaffen und buk beide zusammen in einer 16er Springform):

  • 66,6 g Butter
  • 66,6 g Kuvertüre mit mindestens 50% Kakaogehalt
  • 13,3 g helle Misopaste
  • 66,6 g Zucker
  • 26,6 g Mehl
  • 6,6 g Kakaopulver
  • 1/4 TL Weinsteinbackpulver
  • 100 g Ei (2 mittelgroße)

schoko serieIch schmolz Kuvertüre und Butter im Wasserbad, rührte die Misopaste, sie sorgt statt der Prise Salz für das gewisse „Umami“, ein und siebte Mehl, Backpulver und Kakaopulver darüber. Nachdem ich es untergerührt hatte, gab ich das Ei in drei Schritten zu und schon war der Teig fertig. Kaum zu glauben, wie schnell und einfach das geht. Herr H. hatte derweil begonnen, den Vanilleteig herzustellen.

Für den Cake Infiniment Vanille (1/3 der Originalmenge):

  • 8 g Vollmilch
  • 2/3 Vanilleschote (ich: 1/2 TL Vanilleessenz)
  • 56,6 g weiche Butter
  • 41,6 g Puderzucker
  • 56,6 g Mandelmehl
  • 20 g Eigelb (von 1 Ei)
  • 1/3 Ei (16,6 g)
  • Abrieb 1/3 Tonkabohne
  • 55 g Eiweiß (von 1 Ei)
  • 13,3 g feiner Zucker
  • 26,6 g Mehl

vanille serieEr rührte zunächst Butter und Puderzucker schaumig, gab das Mandelmehl hinzu und schlug alles 5 Minuten, bis die Masse eine mousseartige Konsistenz hatte. Dann gab er Ei, Eigelb, Tonkabohnenabrieb, Vanilleessenz (wer mag, kann Milch und Vanilleschote aufkochen und 30 Minuten ziehen lassen) hinzu und rührte alles sorgfältig unter. Ich hatte inzwischen das Eiweiß mit Zuckerzugabe in drei Schritten aufgeschlagen, bis sich weiche Spitzen bildeten. Nun hob ich den Eischnee ebenfalls in drei Schritten unter den Teig, siebte das Mehl darüber und hob es vorsichtig unter. Die Besonderheit dieses Teiges besteht unter anderem darin, dass er ohne chemische Hilfsmittel gelockert wird durch die in der Masse enthaltene Luft.

füllen serieIch heizte den Backofen auf 170° C vor und füllte die Hälfte des Brownieteigs in die gebutterte Springform. Darauf strich ich die Hälfte des Vanilleteigs. Dann den Rest des Brownieteigs und zum Abschluss den restlichen Vanilleteig. Nach ca. 35 Minuten Backzeit machte ich die erste Stäbchenprobe. Nicht bestanden. In der Mitte war der Kuchen noch nicht durch. Nach weiteren 10 Minuten blieb kaum ein Krümel am Holzstäbchen haften. Ich nahm den Kuchen heraus, ließ ihn 15 Minuten in der Form abkühlen und entfernte sie dann. Nach dem vollständigen Abkühlen schnitt ich die in der Mitte gewölbte Oberfläche gerade, entdeckte dabei, dass weitere 10 Minuten Backzeit kein Fehler gewesen wären und beschloss, dem Kuchen noch einen Guss (hier allerdings ohne Zitrone) zu spendieren.

kuchen 2Fazit: In der Mitte war der Kuchen für meinen Geschmack noch etwas zu wenig durchgebacken, Herr H. und die beste Nachbarin störte das nicht im Geringsten. Sie befanden, ich könne diesen Kuchen gern regelmäßig backen. Ich probierte einen Bissen und war angenehm überrascht von der kräftigen Schokoladennote mit dem gewissen „je ne sais quois“, das die Misopaste verursachte. Die Vanilleschicht war sehr zart, feinporig und aromatisch. Eine durchaus gelungene Vermählung. Auch einzeln sind beide Kuchen ein Hochgenuss. Ich werde dem Rührkuchen definitiv in Zukunft eine größere Aufmerksamkeit widmen!

Anm.: Warum die beiden Schichten, die ich glatt getrichen eingefüllt hatte, sich beim Backen dermaßen wild und wellig entwickelten, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Ich habe nicht mit der Gabel nachgeholfen.

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44 Gedanken zu „Gar nicht gemein!

  1. Pingback: Miso-Walnuss-Plätzchen – magentratzerl

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  3. Oha, dein Kuchen ist mir vor lauter Kornelkirschen (die sind bei uns jetzt schon reif und müssen nach der Ernte schleunigst verarbeitet werden) völlig entgangen. Wird natürlich schnellstmöglichst nachgebacken.

  4. Dann geh ich mal auf Miso-Suche! Ich habe nämlich eine Leidenschaft für Rührkuchen, alleine schon weil sie so schnell gehen und man sie mal eben zwischendurch zubereiten kann 😀

  5. Doch, sehr gemein – weil ich nichts abbekomme (und zur Zeit selbst kaum zum Backen komme, auf dem Blog landet gerade nur alles mögliche aus dem Archiv). Trotzdem eine sehr spannende Sache mit Miso.

    • Da stimmt natürlich. 😉 Da muss dein Archiv ja noch ziemlich voll sein. Soviel habe ich gerade nciht auf Lager, aber dafür viel Zeit, ist auch was wert. 🙂
      Und den Kuchen kann ich auch dir nur ans Herz legen. Er ist ganz fix gemacht und deine Kinder werden ihn sicher lieben (wenn du ihnen das mit dem Miso verschweigst, Kinder sind da ja manchmal seltsam ;-)).

  6. Man, man, man, dass ist doch kein gemeiner Rührkuchen mehr! Du müsstest mal meine Missgestalten sehen, wenn ich backe. Darum lasse ich es auch meistens. Ich bewunder Dich.
    Liebe Grüße Gerd

    • Danke, Gerd. Das war nicht als „Fischversuch“ gemeint. Und ich wette, deine „Missgestalten“ schmecken absolut wunderbar, zu schade, dass du sie nicht postest!
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Ich war sogar noch fixer, hatte ihn ja schon einmal „pur“ gebacken. Er ist in beiden Varianten absolut empfehlenswert, wenn ich nicht schon die nächste Torte in Arbeit hätte, würde ich ihn heute glatt noch einmal backen. 😉
      Und dich drücke dir ganz doll die Daumen für MEHR ZEIT!

      • Na, vielleicht gibt’s den als Marschverpflegung für eine laaange Zugfahrt am WE. Überhaupt bin ich gerade gar nicht unglücklich mit der Art, wie meine Tage gefüllt sind. Das, was ich da gerade wieder an Berufsluft schnuppere, ist nämlich sehr, sehr angenehm. Zwar kommt erst der Master und dann steht in den Sternen, ob man so überhaupt landen könnte – is‘ ja nirgendwo mehr geld da. Aber allein das Wissen, dass es etwas gibt, was tatsächlich Spaß macht, nicht stumpfsinnig ist und sichtbare Resultate ausspuckt… ein Traum!

      • Oh, es geht schon dieses Wochenende los. Hast du es gut. Auch in Punkto „Berufsluft“, so etwas habe ich bislang nicht für mich gefunden. Freut mich sehr für dich!!

      • Dieses Wochenende für ein Wochenende und dann in zwei Wochen nochmal… alles ein bisschen kompliziert.
        Und: Wenn es die übliche Halbwertszeit übersteht, nach der sich bei mir normalerweise gewisse Abnutzungserscheinungen einstellen: ja. Ich berichte beizeiten (und weniger öffentlich) genauer!

  7. Hm … Seit ich in meinen jungen Jahren die grauslichsten Miso-Suppen produziert habe, bin ich ja eher der Ansicht, dass man Miso nicht essen kann. Aber eigentlich vertrau ich dir ja. Das heißt also, ich hab wahrscheinlich was falsch gemacht, oder? Gibt es da verschiedene Sorten? Hell und dunkel weiß ich, dass es gibt, aber unterteilen sich die vielleicht in genießbar und ungenießbar?

    • Oh, man kann Miso durchaus essen. So eine leckere Udonnudelsuppe in Miso-Dashi-Brühe mit Frühlingszwiebelröllchen und einem Stückchen Tempure. Mhmmmm.
      Es gibt, grob vereinfacht, drei Sorten (schau: http://de.wikipedia.org/wiki/Miso). Das weiße, Shiromiso, ist recht mild und fein würzig. Ich hatte auch mal das ganz dunkle (weiß grad nicht, wie es hieß). Das war schon speziell und nur in homöopathischen Dosen genießbar. Probiere den Kuchen unbedingt. Er ist wirklich sehr sehr gut! 🙂

      • Hm … das muss noch ein wenig sacken. Ich glaub die ja sofort, weil ich deinem Urteil vertraue, aber ich muss noch ein wenig an mir und meinem Verhältnis zu Miso arbeiten.

  8. Für mein Niveau tut’s der wirklich „gemeine“ Rührkuhen, habe ich sogar vor nicht allzu langer Zeit gebacken, war schon dieses Jahr 🙂
    Bei Deinem Wunderkuchen wird mir schon von den Zutaten schwindlig.

  9. Ich musste zweimal hinschauen … Eva und ein Marmorkuchen?? Natürlich nicht! Nicht wirklich! 😉 Da hast du aber offenbar zwei wunderbar passende Partner für eine Hochzeit ausgewählt und die Marmorierung haben die beiden ja schon ganz allein hingekriegt (Hochzeitsnacht im Backofen ?? 😉 )
    Liebste Grüße
    Maren

    • Danke, Maren. Jaaa, ich war erst auch nicht sicher, ob ich ihn wirklich poste. 😉 Hochzeitsnacht im Backofen wäre ein sehr viel schönerer Titel gewesen. Ich glaube, ich muss dich in Zukunft um Rat fragen, bevor ich schreibe. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

      • Ach, Eva, hinterher fallen mir auch immer lauter originelle Formulierungen ein!
        Aber warum einen so schönen Marmorkuchen nicht posten? Der Alltag besteht doch nicht nur aus aufwändigen Torten, so gern wir sie auch zubereiten und essen. Manchmal muss es eben schnell gehen und mein Mann würde jede Hermé Torte für ein Stück Marmorkuchen stehen lassen. Kannst mal sehen – jedem das Seine 😉 .
        Liebe Grüße Maren

      • Geht mir auch oft so…
        Warum nicht posten? Na, weil er in der Mitte nicht richtig durch gebacken war und irgendwie, hmmm, nicht besonders elegant aussah.
        Torte würde ich nie stehen lassen, aber oft reicht mir auch einfach ein Stück Bitterschoki. 😉
        Liebe Grüße,
        Eva

  10. Voll gemein ist, dass ich keinen Kuchen bekomme. Meine Elfe sagt ich sei zu dick 😀 Aber solche Gemeinheiten schüttele ich natürlich locker ab und verschwinde jetzt rührend in der Küche. Sie wird schon sehen 😉

      • Wir können essen was wir wollen, das verschwindet irgendwie im Nichts 😀

        Ja, ich habe gestern die Küche verwüstet und etwas leckeres gebacken. Unter gestrenger Aufsicht versteht sich. Vielleicht beschreibe ich das irgendwann. Wenn Elfchen mich lässt 😉

  11. Die Marmorierung ist klasse, ganz als hätte der Kuchen gewußt gegen welche Konkurrenz er antreten muß. Und Miso ist zwar wieder ungeeignet… aber etwas in dieser Art kann ich mir dennoch gut vorstellen in Bälde zu backen.

    • Ich war wirklich überrascht, hatte ich doch fest damit gerechnet, dass er gestreift werden würde…
      Statt Miso kannst du sicher auch etwas Fleur de Sel verwenden. 🙂

  12. Bei deinen Backkünsten ist so ein gemeiner Rührkuchen wohl tatsächlich kaum anspruchsvoller als ein Brot bebuttern 😉 Die Kombi mit Miso hört sich aber sehr gelungen an, insbesondere da ein solch „simples“ Backwerk eher in meiner Liga spielt 🙂

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