Der (Farb)Teufel im Detail

rote beete risotto 6Der Inhalt dieser Schale ist Verrat und Frevel zugleich und entspricht so gar nicht Frau Grandits Vorstellung von der Harmonie der Farben und Aromen. Ich hätte das Risotto auch lieber mit Rote-Bete-Kresse garniert, allein, es war keine da. In einem Privathaushalt herrschen andere logistische Regeln. Das musste ich im Laufe der letzten Monate schmerzhaft erkennen. Wie oft bin ich nicht auf einem Bund frischen Korianders, einer Handvoll Blaubeeren, etwas Schnittlauch oder einiger Thai-Auberginen sitzen geblieben. Gekauft in der Hoffnung, daraus fantastische Gerichte entstehen zu lassen und dann drängten Kochlust und Appetit mich doch in eine völlig andere Richtung. Da ich nur ungern etwas „umkommen“ lasse, artete die Verwertung teils in echten Stress aus und wer setzt sich dem schon freiwillig gern aus? Deshalb garnierte ich das Risotto ganz entspannt mit Rote-Bete-Blättern. Geschmacklich auch fein.

Für das Rote-Bete-Risotto:

  • 1/2 Rote Bete, reiskorngroß gestiftelt
  • 1 Schalotte, fein gewürfelt
  • 1 EL Olivenöl
  • 125 g Risottoreis
  • 1 kleines Lorbeerblatt
  • 50 g Weißwein
  • 25 g Rote-Bete-Saft
  • 250 g Gemüsefond (ich: 500 g)
  • 20 g Butter
  • 25 g Feta, zerbröselt (ich: 50 g)
  • Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • etwas Rote-Bete-Kresse zum Garnieren (ich: einige Rote-Bete-Blätter, in feine Streifen geschnitten)

risotto serieWährend Herr H. die reiskorngroßen Rote-Bete-Stückchen schnitt, trennte ich die Blätter von den Stielen, blanchierte die Stiele in Stücken geschnitten und fror sie, nach dem Abschrecken in Eiswasser, ein. Kann man immer gebrauchen. Dann dünstete ich die Schalottenwürfel im Olivenöl glasig, gab Reis und Lorbeerblatt hinzu und ließ beides ein Weilchen mitdünsten. Nun löschte ich mit Wein und Saft ab und ließ beides fast vollständig einkochen. Ich gab die Rote-Bete-Körnchen hinzu, bedeckte alles knapp mit Fond (heiß!), ließ ihn einkochen und goss wieder nach. So lange, bis das Risotto bissfest war. Danach rührte ich Butter und 2/3 des Fetas unter und schmeckte mit Salz und Pfeffer ab.

Für die Zimt-Ducca:

  • 2 EL Sesam, geröstet
  • 1 EL Koriander, geröstet
  • 1 TL Kreuzkümmel, geröstet
  • 1/4 TL schwarzer Pfeffer, gemörsert
  • 1/8 TL Zimtpulver
  • 1,5 EL Haselnüsse, geröstet und grob gehackt
  • 1 TL Fleur de Sel (besser: 1/2 TL)

ducca serieHerr H. hatte sich in der Zwischenzeit und das Ducca gekümmert. Er röstete die Gewürze trocken in der Pfanne, bis sie zu duften begannen. nachdem sie etwas abgekühlt waren, mahlte er sie in der Gewürzmühle. Dann hackte er die gerösteten Haselnüsse etwas feiner und vermischte alle Zutaten in einer Schüssel. ich schnupperte an der fertigen Mischung – köstlichst! Als ich jedoch mit dem Finger stippte und probierte, stellte ich fest, dass die Salzmenge etwas zu großzügig bemessen gewesen war.

rote beete risotto 2Fazit: Wie fast alle Gerichte, die wir bisher aus diesem Buch gekocht haben, war auch dieses Risotto geschmacklich ausgewogen und überraschend rund. Die Bete-Blätter fügten sich zumindest aromatisch gut ein und da ich das Risotto recht zurückhaltend gesalzen hatte, passte auch die recht kräftige Ducca gut. Herr H. bemerkte später, dass wir tatsächlich noch kein einziges Risotto-Rezept im Blog haben, was angesichts der Tatsache, dass es Risotto vor noch nicht allzu langer Zeit mindestens zweimal pro Woche gab, ein Unding ist und hiermit geändert.

Aus: Gewürze Tanja Grandits (Eine ausführliche und sehr gelungene Rezension des Buches gibt es hier bei Susanne/ Magentratzerl)

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30 Gedanken zu „Der (Farb)Teufel im Detail

  1. Ich bin ja ein sehr großer Rote-Bete-Risotto Fan, so dass dieses Rezept das erste war, da ich aus dem Buch nachgekocht habe. Nur meine bessere Hälfte fand es zu wenig original italienisch. Aber ich habe den restlichen Dukka dann noch zu Fisch verwendet, da macht er sich auch super! Liebe Grüße Melanie

    • Ich erinnere mich dunkel. Für mich ist Risotto zum Glück nicht allzu stark italienisch belegt, deshalb kam’s bei uns sehr gut an. Ducca zu Fisch? Werde ich probieren, es ist noch welche übrig. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Verrat ? Frevel ? Das mag für Torten gelten, wo man sich grammgenau an Rezepte halten muss, falls das Werk gelingen soll. Aber doch nicht beim Kochen. So gehts uns doch allen, die wir keine Restaurantküchen führen. Wir kochen mit dem, was erreichbar ist. Bete in Reiskorngrösse zu schnipseln, finde ich gut. Besser als alles nur mit Saft einzufärben.

    • Danke, Robert. Ja, vielleicht sind diese Wörter für den Sachverhalt zu stark. Aber ich finde, es geht auch bei so einer Art zu kochen um die Details und ich bin immer wieder überrascht, wie harmonisch solche Gerichte dann schmecken. Und ich lerne viel beim exakten Nachkochen, so dass ich vielleicht irgendwann auch frei mit dem was da ist „verzaubern“ kann. 🙂

  3. Hübsch sieht das aus! Und im Gegensatz zu den teils farblich wohl technisch munter aufgepimpten Bildern im Buch, wirkt deines hier sehr authentisch und ansprechend. Das Rote-Beete-Risotto hatte ich selbst schon mal zubereitet, allerdings mit frisch geriebenem Meerettich getoppt, da ich die Kombi äusserst gerne mag. Das Zimt-Ducca werde ich mir für demnächst vornehmen, insobesondere, da mein Vorrat sich dem Ende zuneigt. Womöglich lasse ich aber den Zimt weg, ich denke das erweitert mein Einsatzspektrum nochmals ein Stück…

    • Danke, Marco. Technisch munter aufgepimpt trifft’s gut. Die Bilder sind für mich bislang auch das einzige Ärgernis an dem Buch, aber bei so guten Rezepten drücke ich gern ein Auge zu. Meerrettich ist zu Beten natürlich klassisch, aber probiere unbedingt mal den Zimt, hat was!

  4. Reiskornklein geschnipselt – boah!, Geduld braucht der Mann 🙂 Eine Stunde vor dem Mittagessen Food Blogs lesen grenzt ein bisschen an Masochismus, aber es gibt Appetit!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Ja, manchmal ist er erstaunlich geduldig. 😉 Und hungrig foodblogs lesen? Manch ich inzwischen nicht mehr. Ist fast noch schlimmer, als hungrig einzukaufen.
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  5. Jetzt machst Du mir hier weiter die Nase lang… Das Buch ist leider noch nicht eingetroffen, soll aber die nächsten 1-2 Tage kommen.

    Und mir fällt gerade wieder ein, dass ich noch schauen wollte, ob ich noch Rote Beete aussäen kann. Dann ernte ich am Wochenende die Möhren und säe noch schnelle die Beeten aus 😀

    • Das scheint ja eine unendliche Geschihcte zu sein mit dir und dem Buch. 😉 Naja, inzwischen sind soo viele Rezepte daraus online, da könntest du auch so schon mal eine Kostprobe kochen. 😉 Und viel Erfolg mit der Bete-Kresse!

  6. Das werde ich mir mal vormerken – es ist absehbar, dass die erste frische Rote Beete in meiner Bio-Kiste auftaucht 😉 Aber bestimmt werde ich zu faul sein, das Gemüse reiskorngroß zu stifteln – ich schätze, meine Reibe tuts auch. Was ist denn eigentlich Rote-Beete-Kresse? Nie gehört. Oder sind damit Keimlinge von der Roten Beete gemeint? Die könnte man ja leicht und in benötigten Mengen selbst herstellen – hat allerdings den Nachteil, dass mann dann schon ca. drei Tage vorher wissen muss, was man drei Tage später kochen will 😉 Aber die Dingerchen kann man ja auf jeden Salat streuen…

    • Oh, sicher tut’s die Reibe auch, aber die Stückchen sind dann natürlich eher „gerissen“ als geschnitten und ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass die Art des Schneidens tatsächlich Einfluss auf den Geschmack hat.
      Und zur Kresse? Ich vermute, dass es die Keimlinge sind, aber genau weiß ich es nicht. Und 3 Tage vorher wissen, was ich kochen werde? Nee, das geht gar nicht. 🙂

  7. Ein bisschen grün ist doch ganz schön 😉 Das mit dem Ducca klingt interessant, das werde ich mal ausprobieren. Risotto habe ich auch schon länger nicht mehr gekocht, ich weiß gar nicht warum…
    Und das mit den Sprossen/Blättern von irgendwas kommt mir sehr bekannt vor. So lecker das vermutlich auch ist, gerade bei Ottolenghi ärgert mich das manchmal ein bisschen, dass Salate aus 5 verschiedenen Blattsalaten und gefühlt 8 verschiedenen Kräutern oder Sprossen kombiniert werden. Für einen Privathaushalt ist das kaum machbar, wenn ich nicht 3/4 vom Salat hinterher wegwerfen will… Insofern finde ich passen die Rote Bete Blätter doch hervorragend! Liebe Grüße, Tring

    • Danke, Tring. Die Kombination von Ducca und Rote-Bete-Risotto war klasse.
      Und mit den Salaten? Ich habe selten so wenig Salat gegessen wie diesen Sommer, eben aus den Gründen, die du anführst. An dem einen Eichblattsalat hatten wir 5 Tage zu knabbern… Seitdem gab es keinen mehr. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  8. Sieht doch hervorragend aus. 🙂 Kresse kann schließlich jeder!
    Mir geht es aber auch oft so, dass ich Dinge irgendwie, wie auch immer, kombiniere, weil sie dringend verkocht werden müssen.

    Liebe Grüße zu dir!
    Sarah Maria

    • Danke, Sarah Maria. Kresse kann jeder. 😀 Herrlich!
      In den letzten Tagen habe ich auch einfach nur so vor mich hingekocht. Das kann manchmal auch überraschend gut sein…
      Liebe Grüße,
      Eva

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