Die Tortentherapie

torte 18Einige Aprikosen waren nach dem Hummschen Schwein noch übrig geblieben. Natürlich hätte ich einfach denken können. Rührteig, rohe Aprikosen, Zucker. Fertig. Das fällt mir jedoch aus unerfindlichen Gründen immer schwerer. Ich wollte eine Torte! Was eigentlich ebenso unerklärlich ist, da ich in meinen ersten 40 Lebensjahren selbige aus figurtechnischen Gründen gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser. So viele Kalorien, völlig überflüssig. Besonders gesund war das zudem nicht, aber ich will nicht abschweifen. Seit ich gelernt habe, Torten zuzubereiten und zu genießen, habe ich an Gewicht ab- und an Lebensfreude zugenommen. Wie das angehen kann? Ich bin selbst noch nicht ganz sicher. Vielleicht hat es mit der Liebe zu tun. Die Liebe, die in die Herstellung einer jeden Torte einfließt und dann beim Essen wieder in mich zurück. Vielleicht hat es auch mit dem bewussteren Genuss zu tun, da ich nun weiß, was es bedeutet, ein solches Kunstwerk zu schaffen und vielleicht hat es auch schlicht damit zu tun, dass ich nun beim bewussten Genuss kein schlechtes Gewissen mehr habe. Welche Gründe es auch immer sein mögen, ich plädiere auf jeden Fall für eine globale Tortentherapie.

Für den Walnuss-Biskuit (1 Boden à 16cm):

  • 12 g gemahlene Mandeln, geröstet
  • 22 g Puderzucker
  • 10 g Weizenmehl 405er
  • 27 g Walnüsse, fein gehackt
  • 38 g Eiweiß (ca. 1 mittleres)
  • 15 g Vergoise (ich: Muscovadozucker)

walnussbiskuit serie 2(Ich habe die dreifache Menge zubereitet und die übrigen 2 Böden für eine spätere Verwendung eingefroren.) Herr H. röstete die Mandeln und siebte anschließend Mehl und Puderzucker und hob die gehackten Walnüsse unter. Ich schlug das Eiweiß mit dem Muscovadozucker zu steifem Schnee. Den Zucker gab ich dabei in 3 Schritten zu. Dann hob ich die Tockenmischung behutsam unter den Eischnee und füllte den Teig in die 16er Springform, deren Boden ich mit Backpapier bespannt hatte. Ich buk den Boden ca. 28 Minuten bei 180°C und ließ ihn anschließend vollständig erkalten.

Für die Maronenmousse:

  • 1 Eigelb (ca. 20 g)
  • 20 g feiner Zucker
  • 60 g Vollmilch
  • 2 Blatt Gelatine
  • 100 g Maronencreme (Crème de Marrons)
  • 100 g Sahne, zu 80% aufgeschlagen

maronencreme serieIch verrührte Eigelb und Zucker, bis der Zucker sich gelöst hatte. Dann erhitzte ich die Milch, gab sie unter Rühren in die Eigelbmischung und alles zusammen zurück in den Topf. Ich erhitzte die Masse unter Rühren auf 83°C (zur Rose abziehen), rührte die Maronencreme ein und löste die gut ausgedrückte Gelatine darin auf. Nachdem die Creme etwas abgekühlt war (auf ca. 30°C), hob ich die Sahne unter. Die fertige Creme gab ich auf den Walnussbiskuitboden in eine 16er Springform, deren Rand ich mit Tortenrandfolie ausgekleidet hatte. Die Mousse durfte über Nacht im Kühlschrank erstarren.

Für die Bayerisch Creme mit Aprikosen:

  • 75 g Aprikosenpüree, passiert
  • 20 g Puderzucker, gesiebt
  • 1,5 Blatt Gelatine, in kaltem Wasser eingeweicht
  • 1/2 TL Vanilleessenz
  • 130 g Sahne, zu 80% aufgeschlagen

aprikosencreme serie 1Nachdem ich die Aprikosen püriert und passiert hatte, wer Schalenstückchen mag, spart sich das Passieren, verrührte ich es mit dem gesiebten Puderzucker und der Vanilleessenz. Dann schmolz ich die Gelatine im Wasserbad und rührte nach und nach das Aprikosenpüree ein. Als ich den die Sahne schlagen wollte, stellte ich fest, dass keine mehr im Haus war. Unglaublich. Ich flitze schnell los und besorgte einen neuen Vorrat. Ein großer Vorteil des Stadtlebens. Die geschlagene Sahne hob ich dann in zwei Schritten unter das Aprikosenpüree, füllte es auf die fest gewordene Maronencreme und stellte die Torte kalt. Etwas verwundert stellte ich fest, dass die Torte somit schon nahezu fertig war. Eine echte Expresstorte.

Für den Aprikosenguss:

  • 50 g Aprikosenkonfitüre
  • 50 g Wasser
  • 10 g Glukosesirup
  • 1 Blatt Gelatine, in kaltem Wasser eingeweicht
  • evtl. etwas gelbe Lebensmittelfarbe

guss serie 1Ich kochte alle Zutaten bis auf die Gelatine auf, gab die Flüssigkeit durch das feinste Sieb und löste die gut ausgedrückte Gelaine darin auf. Da mir der Guss noch etwas blaß um die Nase aussah, gab ich kurzerhand einen Tropfen Farbe hinzu. Perfekt. Ich verteilte den Guss auf der Tortenoberfläche und stellte sie erneut kalt.

torte 9Fazit: Die beste Nachbarin, kaputt von der abendlichen Rennradtour, wurde zum Probieren eingeladen. Erfreut sagte sie zu, hatte sie doch schon von der letzten Torte nicht kosten können. Als ich die Torte aus der Form löste, war ich etwas enttäuscht. Ich hatte mir die unterschiedlichen Schichten etwas malerischer vorgestellt. Herr H. gab wie üblich sein Bestes, um ihr die schönste Seite abzuluchsen und dann konnten wir probieren. War ich von der Optik enttäuscht gewesen, so entschädigte mich der umwerfend gute Geschmack mehr als genug. Zarte Maronencreme, leicht säuerliche Aprikosencreme und ein herrlich intensiv-saftiger Walnussbiskuit. Köstlich. Auch Herr H. und die beste Nachbarin waren sehr angetan.

Recht frei nach: fruchtig süß Frische Patisserie-Ideen Kris Goegebeur, Joris Devos

Walnuss-Biskuit aus: PH10 Pierre Hermé

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42 Gedanken zu „Die Tortentherapie

  1. Pingback: Statt Torte: Piroschki – magentratzerl

  2. Pingback: Statt Torte: Piroschki | magentratzerl

  3. Liebe Eva,
    Irgendwie ist es doch wirklich seltsam, dass wir beide in der selben Woche den Herrn Goegebeur bemüht haben, oder? Deine Torte ist wirklich sehr schön geworden. Walnuss Biskuit? Habe ich noch nicht probiert, finde ich aber interessant zu den Aprikosen.
    Ich sag nur: Rohrpost 😉
    Liebe Grüße Maren

    • Danke, Maren. Naja, es liegt ein wenig auf der Hand, da das Buch ja neu ist. 🙂 Der Walnuss-Biskuit ist geschmacklich einer meiner Lieblings-Biskuit. Herr H. findet ihn sehr süß und kräftig. Musst du wohl ausprobieren. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  4. Ahhh, jetzt versteh ich die Logik: Ich esse zu wenig Torten! 😀
    Nachdem dieses Rezept jetzt nicht so arg kompliziert klingt, trau ich mich und speichere das ausnahmsweise einmal ab.

    Maronencreme: kann man die auch selber machen? Oder geht da nur fertiger Aufstrich aus dem Glas?

  5. Eva, du solltest definitiv neben deiner Pension mit Vollverpflegung noch ein kleines, schnuckeliges Cafe eröffnen! Sieh Dir deine Kommentare an, deine Blog-Präsenz spricht eine deutliche Sprache.
    LG
    Paul

    • Lieber Paul, danke für das Kompliment, aber wer soll das finanzieren? 😉
      Ich lade lieber einfach so zum essen und genießen ein, real und virtuell. 🙂 Und freue mich, wenn es gefällt!
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Solltest Du demnächst eine Praxis als Tortentherapeutin aufmachen, lass mich einer der ersten Patienten sein. Ich bin willig und probiere alles und möchte an Gewicht verlieren.
    Liebe Grüße
    Gerd

    • Soweit wird es wohl erstmal nicht kommen, aber wenn, dann darfst du definitiv der erste sein. 🙂 Ein wenig Bewegung vorab ist allerdings auch hilfreich. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  7. Vielleicht sollte ich mich doch mal mit Torten beschäftigen… wobei bei meinem Glück nur das Zubereiten schon ansetzt 😉

    Die Mischung aus Aprikosen und Maronen klingt ganz wunderbar!

  8. Bin auch von globaler Tortentherapie überzeugt – irgendeinen Sinn muss es ja auch machen, zweimal im Jahr zu fasten. Meinen Mann kann ich allerdings leider nicht zur Mitarbeit (ausser zum Mitverzehr) gewinnen, er hält nichts von Rezepten, und kocht lieber aus dem Stehgreif. Einige (von keinerlei Kenntnis) geprägte Ausflüge in die Welt des Backens sind denn auch entsprechend ausgefallen… vielleicht braucht er eine Tortentherapie?

    • Du fastest 2 Mal im Jahr?. Puh. Das wäre nichts für mich. Habe früher auch regelmäßig gefastet, aber irgendwann fühlte es sich einfach nicht mehr gut an, zumal die Kilos schneller wieder da waren als ich Kilo sagen konnte. 😉

  9. Vielleicht liegt es auch an der so vernünftigen Dimension der 16-er Tortenform. Das ist eine Menge, die sogar wir essen würden, wenn nicht gerade Tortenenthaltsamkeitstherapie angesagt wäre.

    • Das natürlich auch. Mit 26er Torten kann ich allein optisch nichts anfangen, die brauchte man wohl damals, um die Erinnernug an den Krieg zu tilgen.
      Tortenenthaltsamkeitstherapie klingt nicht gut. 😉

  10. diese Tortendiät solltest du vermarkten 😀 geniale Idee. Deine Nachbarin wär ich auch gerne… ein Traum, seufz.
    wobei ich mich über meine auch nicht beklagen kann, in den 3 Monaten, die wir hier wohnen, sind wir eigentlich schon mehr Freunde als Nachbarn.

    • Ich werde sehen, was sich daraus entwickelt. Mir hat’s auf jeden FAll sehr geholfen. 🙂
      Es geht nichts über gute Nachbarn, du scheinst auch großes Glück gehabt zu haben. 🙂

  11. Beim Tortenbacken kann man abnehmen? Wenn ich das schon früher gewusst hätte, könnte ich jetzt vielleicht mit Kate Moss konkurrieren… (so spricht die frustrierte Dame, die beim Hosenkauf letzte Woche zu einer grösseren Grösse greifen musste…*soifz*)

    • Ja, scheinbar geht das. Aber ich esse ja auch nicht die ganze Torte auf einmal, sondern immer wieder ein Stückchen. Hosenkauf ist schrecklich… 😦 Generell, vor allem die Spiegel in den Umkleidekabinen…

  12. Liebe Eva, bei solcher Liebe zum hervorragendem Essen muss sogar der Gewichtsgott einsehen haben.
    Die Optik finde ich sehr gelungen und das der Geschmack sie noch übertrifft, ist bei deinen Meisterstücken zu erwarten.
    Liebe Grüße

  13. Kennst Du Anke Gröner? Falls nicht, lege ich Dir ihr Buch „Nudeldicke Deern“ wärmstens ans Herz. Ich glaube in diesen Dingen nämlich wie sie fest an die Macht der Genusses – und im Zuge dessen auch deren üppigeren Komponenten lieben gelernt. Diese Deine Version ist soeben GANZ weit oben auf der Nachbackliste gelandet – schließlich sind Aprikosen zur Zeit köstlich wie selten und in meiner Küche eine Torte mehr als überfällig. Schönen Sonntag Euch!

    • Klar kenne ich die. Das Buch habe ich auch gelesen, kann mich allerdings nicht mehr genau an den Inhalt erinnern. Macht aber nicht. Habe letzte Woche zum ersten Mal Creme double gekauft. 🙂
      Die Torte ist fix gemacht und soo lecker, leider ist schon alles weg…
      Liebe Grüße,
      Eva

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