„Kalkutta liegt am Ganges…“

made 11„…Paris liegt an der Seine. Doch dass ich so verliebt bin, das liegt an Madeleine.“, trällerte Herr H freudig, als der sah, dass ich die kürzlich aus Frankreich importierte Spezialform hervorgekramt hatte. Denn als Sandra/ from-snuggs-kitchen mich letzte Woche fragte, ob ich den von Foodfreak auf Reisen geschickten Teller, der nun schon über ein Jahr landauf und landab reist (siehe auch hier), bestücken wolle, konnte ich natürlich nicht nein sagen. Welch Glanz in unserer bescheidenen Hütte!  Ein so weit gereister Teller verlangt natürlich nach einem reisetauglichen Gebäck, den Madeleines, die ab 1874 auf dem Bahnhof Nancy verkauft werden durften.

« Madeleines von Commercy! Wenn man
diese wenigen Silben vor Ihnen ausspricht,
vor Ihnen, die Sie die Strecke von Paris nach
Nancy zurückgelegt haben, sehen Sie dann
nicht auf magische Weise den Bahnsteig eines
kleinen und schon alten Bahnhofs wieder, den
kleinen Bahnsteig auf dem die kleinen
Verkäuferinnen der bildverzierten Schachteln
hin und her gehen, geschlossen oder offen,
aufreizend… » (Ernest Beauguitte)

Hinreissend! Es fehlte nur noch das passende Rezept. Ich erinnerte mich dunkel, dass Britta/ kamafoodra am Anfang des Jahres eine Testreihe gemacht hatte. Die eigelblosen Madeleines von Lea Linster gefielen ihr am besten. Also mussten es die sein, Tradition hin oder her. Alles befindet sich nun einmal ständig im Wandel. Ich konnte es mir nicht verkneifen, noch zwei weitere, modernisierte Sorten auszuprobieren.

Für die Madeleines nach Lea Linster (reichte bei meiner Form mit 12 Mulden für 8 Stück):

  • 27 g Butter, geschmolzen
  • 1 großes Eiweiß
  • 33 g Puderzucker
  • 20 g Mehl
  • 13 g Mandelmehl
  • 1 Msp. Backpulver (ich: Weinsteinbackpulver)
  • etwas Zitronenabrieb nach Belieben

kamafoodra serieWährend Herr H die trockenen Zutaten siebte, schlug ich das Eiweiß mit einer Prise Salz zu festem Schnee. Dann hob ich erst die tockenen Zutaten unter und schließlich die geschmolzene Butter mit dem Zitronenabrieb. Es erstaunte mich sehr, dass der luftige Einschnee bei der Butterzugabe kaum zusammenfiel. Das kannte ich von Biskuitteigen, denen Butter zugegeben wird anders. Den fertigen Teig ließ ich einige Stunden im Kühlschrank ruhen. Dann butterte ich die Madeleines-Form mit dem Pinsel, bestäubte sie mit Butter und füllte je einen gehäuften TL Teig in die Mulden. Ich buk sie ca. 10 Minuten bei 190°C (sie werden auf der Oberseite etwas dunkler, wenn man sie im oberen Drittel des Backofen backt) und ließ sie auf einem mit Backpapier belegten Gitter abkühlen. wenn sie nicht sofort verzehrt werden, kann man sie einige Tage luftdicht verpackt aufbewahren.

Für die Matcha-Madeleines (6 Stück):

  • 31 g Zucker
  • 27 g Mehl
  • 1,5 g Matcha
  • 1 Msp. Backpulver (ich: Weinsteinbackpulver)
  • 1/2 Ei (25 g)
  • 27 g Butter, geschmolzen

matcha serieAuch hier mischte ich zunächst die trockenen Zutaten, rührte dann das Ei und zuletzt die geschmolzene Butter unter. Dann durfte der Teig ebenfalls einige Stunden im kühlen verbringen, während Herr H und ich auf den Rädern schwitzten. Ich gab ihn danach die die gebutterte, bestäubte Form und buk die Madeleines 9 Minuten bei 200°C, dieses Mal im oberen Drittel des Backofens. Auch sie durften auf dem mit Backpapier belegten Rost abkühlen, so können sie die Drähte nicht in das noch recht fragile Madeleine drücken.

Für die Schokoladen-Madeleines (6 Stück):

  • 31 g Zucker
  • 27 g Mehl
  • 1 Msp. Backpulver
  • 1/2 Ei (25 g)
  • Etwas Zitronenabrieb nach Belieben
  • 15 g Kuvertüre 60%ig
  • 12 g Butter, gemeinsam mit der Kuvertüre geschmolzen

schoko serieDas Prozedere wiederholte sich, nur schmolz ich hier die Kuvertüre gemeinsam mit der Butter und rührte sie abschließend unter den Teig. Matcha- und Schokoladen-Madeleines durften gemeinsam backen. Während die Matcha-Madeleines hübsche Bäuchlein entwickelten, rissen die Schokoladen-Madeleines teils oben auf. Entweder hatte ich zuviel Backpulver erwischt oder es lag an der zu großen Kuvertüremenge.

teig serieIch werde in Zukunft sicher noch häufiger Madeleines backen und unterschiedlichste Varianten testen, so sehr begeistert mich diese Zubereitungsform der „gemeinen Sandmasse“, der ich ansonsten nie viel abgewinnen konnte. Aber keine Sorge, ich werde nur die absoluten „Kracher“ posten.

made 10Fazit: Endlich stand der große Geschmackstest an. Wir ließen uns mit dem Teller gemütlich auf dem Sofa nieder und probierten zunächst die zitronigen. Nicht schlecht, befand Herr H., sehr klassisch. Beim Matcha-Madeleine rief er sofort spontan aus, das seien die besten und auch mich betörte der dezente, aber gut wahrnehmbare Matcha-Geschmack. Die schokoladigen enttäuschten zunächst etwas und waren auch von der Krume her nicht so fein wie die übrigen, aber im Abgang taten sie sich noch einmal groß hervor. Insgesamt eine gelungene und stimmige Mischung. So und nun macht der Teller sich weiter auf den Weg gen Süden.

Madeleines-Grundrezept aus: Myriams Kuchen, Tartes & Co. Myriam Zumbühl

Anmerkung: Kalkutta liegt natürlich nicht direkt am Ganges, sondern laut Wikipedia am Fluss Hugli, einem Mündungsarm im westlichen Gangesdelta, aber die geographische Präzision war Vico Torriani scheinbar weniger wichtig, als der stimmig gereimte Text.

 

 

 

 

 

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41 Gedanken zu „„Kalkutta liegt am Ganges…“

  1. Hallo Kochpoetin,
    sehen gut aus die Dinger.
    Hab seit 3 Wochen auch ein Blech. Gehen ja wirklich ganz einfach.
    Hast denn schon weitere Kracher entwickelt?

    Lieber Gruß Gerd.

    • Danke, Gerd. Leider habe ich das Blech schon vor über einem Jahr verliehen und bin von daher noch nicht zu weiteren Tests gekommen. Aber es gibt ja auch genug anderes auszuprobieren. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Pingback: Ein Teller geht auf Reisen | Foodfreak

  3. Der Teller reist noch oder wieder? Ich dachte, das Projekt sei beendet, aber Gott sei Dank ist dem nicht so, denn was für ein würdiger Rahmen für Deine perfekt aussehenden Madeleines! Ich liebe die Dingerchen sehr und muss bei ihrem Genuss immer an meine französische Gastfamilie zu Schulzeiten denken – bei meinem Abschied hatte die Maman des Hauses mir eine ganze Tüte voll für den Heimweg gebacken, sehr zum Leidwesen des kleinen Sohnes, der sie mir zu gern complètement abgeluchst hätte ;-).

    • Ja, der reist noch. Danke für das Kompliment. Ich war völlig überrascht, wie einfach sie zu backen sind. In Frankreich habe ich sie nie bewusst probiert – da gab es zu viele andere Verlockungen. 😉

  4. Schön, dass der Teller heil angekommen ist 🙂 Und so wunderschön in Szene gesetzt mit den verschiedenen Madeleines! Erinnert mich daran, dass ich auch noch welche testen wollte, dann kommt auch endlich die Form mal wieder zum Einsatz…

    • Danke, Sandra und, verzeih‘, ich hatte das nur in einem Kommentar angedeutet und deshalb keine mail geschrieben…
      War klar, dass du auch so eine Form hast. 😉 Ich bin auf deine Varianten gespannt!

  5. Sehr schöne Madeleines, Eva! Aber noch mehr danke ich dir für den Ohrwurm aus meiner Kindheit. Meine Eltern hatten eine Schallplatte auf der das Lied war und ich habe sie öfter in unserer Musiktruhe (!) aufgelegt 😀 . Ich wusste gar nicht, dass es von Vico Torriani ist.
    Liebe Grüße Maren

    • Danke, Maren. Du hast ganz sicher auch so ein Blech, oder? 😉
      Und es freut mich, dass sich zumindest einer über den Ohrwurm freut. Das Lied hätte es um ein Haar nicht in den Artikel geschafft, aber dann fiel mir nichts Besseres ein. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Oh, endlich kommt das langersehnte Blech zum Einsatz 😀 und gleich mit Pauken und Trompeten!

    Bei mir steht auch noch eine Variante von Heston Blumenthal aus, fällt mir gerade ein…

    • Ja, das war wirklich lang ersehnt. Ich freue mich riesig darüber und finde, dass das Madeleinesbacken sehr viel Freude macht, da es so leicht ist. 🙂
      Stimmt, die angekündigten Blumenthal-Madeleines habe ich bei der Recherche im deinem Blog vermisst – ich bin gespannt!

  7. Deine Madeleines sehen sehr gut aus. Die verwendete geringe Menge der Zutaten verwundert mich etwas. Bei mir muss es wohl kräftige Esser geben, denn auch meine Madeleines mit der 4-fachen Menge an Zucker, Butter, Mehl, Ei ist immer im ganz schnell weg. Allerdings mache ich nach Proust noch einen ganz, ganz kleinen Schuss Rosenwasser hinein. Das Rezept findest Du bei mir unter Madeleines…..

    • Danke schön. Ich habe mir deine Madeleines angesehen und die Form sieht deutlich größer aus. In meine Mulden passt nur ein gehäufter TL. Und da es hier ständig Torte gibt, muss ich die Mengen klein halten. 😉

  8. Madeleines wäre nun etwas, an das ich mich wagen könnte! Sie sehen wirklich zum Reinbeissen aus. Überrascht hat mich Eure Kenntnis dieses Liedes von Vico Torriani, einmal wegen Eures geschätzten Alters und dann, weil er ja ein Schweizer war, oder war er in Deutschland so bekannt? Hugli hätte ich kürzlich in einem Kreuzworträtsel wissen müssen, erinnere mich an das H am Anfang, schaue aber nie im Internet nach, und zudem sind die Fragen in den Rätseln, die ich löse, indirekt um die Ecke, also hiess es nicht Fluss in Kalkutta.

    • Seit gestern läuft mir das Lied nach, wie wir sagen, ich summe unbewusst immer wieder die Einstiegsmelodie und komme mir dabei blöd vor. Sagt man dem in DE auch „nachlaufen“?

      • Oh. Verzeih‘. 🙂
        Hmm… ich glaube, bei uns sagt man eher „nachhängen“ oder „nicht mehr aus dem Kopf bekommen“. „Nachlaufen“ ist aber auch ein sehr gutes Bild!

    • Auf jeden Fall, Erich. Sie zu backen ist wirklich kinderleicht. 🙂
      Unser geschätztes Alter liegt gemeinsam auch schon fast bei 100 und „der goldene Schuss“ war eine sehr beliebte Sendung hier in Deutschland.
      Gerätselt habe ich lange nicht mehr, nur über seltsamen Rezeptangaben…

  9. So eine schöne Geschichte von Ernest Beauguitte, dass gefällt mir. Ebeneso gut gefallen mir die Madeleines. Ich liebe sie, und wenn ich kommende Tage im Elsaß bin, bringen ich wieder welche mit.
    Liebe Grüße am Sonntag vom Bodensee
    Gerd

    • Danke, Gerd. Ich fand sie auch schön und kann das Geschichten-Erzählen ja nicht nur dir überlassen. 😉 Sind die aus dem Elsass denn gut? Es scheint, sonst würdest du sie ja nicht mitbringen.
      Liebe Grüße,
      Eva

  10. Deine Madeleines würde ich mir auch nicht entgehen lassen, obwohl ich sonst kein Fan dieses Gebäcks bin. Und danke für den Ohrwurm, der wird mich den Rest des Sonntags verfolgen.. 😉

  11. Sehr gut machen sich deine Madeleines auf dem Teller. Eine heilige Dreifaltigkeit! 😉
    Aber sag: Machen die Lea Linster-Madeleines bei dir das hübsche Madeleine-Bäuchlein? Bei mir haben sie das nämlich total verweigert. Sind zwar recht gute Madeleines geworden, aber das Bäuchlein fehlte.

    • Danke, Susi. Nette Assoziation. 🙂
      Ja, sie haben Bäuchlein bekommen, auch wenn diese durchaus noch etwas größer hätten ausfallen können. Komisch, bei Madeleines sind sie erwünscht… 😉

  12. Als wäre der Teller für sie gemacht worden – und zum Sofa haben Gebäck und Teller sicher auch gut gepasst. Schade, dass ich nicht bei der Verköstigung dabei war. Klingt alles sehr gemütlich und lecker!

    Mit lieben Grüßen,
    Sarah Maria

  13. Madeleine-Formen hatte ich neulich auch in der Hand- hab sie aber liegen lassen, sonst wird die Liste der Dinge für (du weißt schon wann) unendlich lang…. eine Kostprobe von allen käme mir jetzt grade gelegen. Ich glaub es wird Zeit für ein zweites Frühstück….
    Und wunderschön arrangiert auf dem Teller- ich bin gespannt wo er als nächstes auftaucht und ob ichs überhaupt mitkriege.

    • Ich kenne das. Also das mit den gegenständen, aber die Form musste ich unbedingt haben, für mich die perfekte Rührkuchendarreichungsform. 😉
      Und wohin der Teller reist, kannst du ja bei Pinterest verfolgen.

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