Fortunas Lächeln

ravioli 4Alles fing am letzten Freitag Nachmittag ganz schnöde mit Lust auf selbst gemachte Pasta an. Ich bereitete einen Teig vor, ohne genau zu wissen, was ich damit anstellen wollte. Manchmal erfüllt mich eine unerschütterliche Zuversicht, dass sich alles fügen wird. Während ich noch so hin und her überlegte, kam Herr H. nach Hause. Ich erzählte ihm von dem Teig und schwärmte von einer klassischen Lasagne. Er wandte ein, dass wir schon recht lange keine Ravioli mehr gemacht hätten. Es sei doch noch früh. Er öffnete den Kühlschrank, stöberte im Gemüsefach und hielt mir mit leicht missbilligendem Gesichtsausdruck die schon etwas schlappen Roten Bete entgegen. Die schmeckten aus dem Backofen bekanntlich am besten. Also legten wir, immer noch recht planlos, los.

Für die ofengegarten Roten Bete:

  • 4 Rote Bete (ca. 500 g)
  • Olivenöl
  • Kaffeeöl
  • Meersalz

randen serie 2Nachdem ich die Bete gründlich gewaschen hatte, wickelte ich sie fest in mit Öl bepinselter Alufolie und legte sie für ca. 1 Stunde in den auf 180°C vorgeheizten Backofen. Da nicht alle Bete gleich groß waren, überprüfte ich den Gargrad zwischendurch mit einem spitzen Messer. Die beiden sehr kleinen Beten waren bereits nach 45 Minuten fertig. Als die anderen auch gar waren, öffnete ich die Folie und schälte sie nach dem Abkühlen behutsam. Ich schnitt sie in ca. 1cm dicke Scheiben und beträufelte sie mit Kaffeeöl, das ich bereits vor einigen Wochen in guter Hoffnung angesetzt hatte (50 g Olivenöl, 2 EL Kaffeebohnen, erhitzt auf 70°C, mindestens 2 Tage ziehen gelassen, Bohnen abgefischt) und etwas Meersalz.

Für die Ofenkirschen:

  • große, vollaromatische Süßkirschen nach Belieben, entkernt
  • 2g Cointreau, zum Beträufeln
  • Puderzucker zum Bestäuben nach Belieben

kirschen serieDie Idee zu den Ofenkirschen lag irgendwie nahe. Ein Rest Süßkirschen, der mich an die letzte, leider missratene Torte erinnerte, mussten dringend verbraucht werden. Ein Blick in das Aromenlexikon verriet zumindest eine gewisse Harmonie mit Ziegenfrischkäse und Orange. Gemeinsam mit den Beten haben sie nur die Farbe. Ich beschloss, es auf einen Versuch ankommen zu lassen und schob die halbierten, entsteinten Kirschen, mit Cointreau beträufelt und Puderzucker bestäubt für ca. 15 Minuten zu den Roten Beten in den 180°C warmen Ofen.

Für die Ziegenfrischkäse-Basilikum-Ravioli (ca. 26 Stück à 7,5cm Durchmesser):

  • ca. 200 g Ravioliteig
  • 150 g Ziegenfrischkäse
  • 2-3 EL Vollmilch
  • 1 Handvoll frisches Basilikum, fein geschnitten oder gezupft
  • schwarzer Pfeffer

füllung serieFür die Füllung verrührte ich Ziegenfrischkäse, Basilikum und Pfeffer unter Zuhilfenahme einiger EL Milch. Den ausgeruhten (2h) Pastateig teilte ich in 3 Portionen und gab ihn nacheinander nach mehrmaligem Durchlassen bei größter Stufe bis zur zweitkleinsten (8/9) durch die Nudelmaschine. Ich legte eine Teigbahn auf die begrieste Arbeitsfläche, drückte den 7,5er Dessertring vorsichtig auf, um die Ravioli zu markieren und setzte mittig je 1 TL Füllung auf. Dann bepinselte ich die Kreisränder mit Wasser und legte eine zweite Teigbahn darauf. Herr H. stach die einzelnen Ravioli aus und „entlüftete“ sie, bevor er sie auf dem begriesten Tuch zwischenlagerte. Die ausgetochenen Ränder lassen sich zusammengeballt noch maximal 2 Mal ausrollen, bis der Teig zu trocken wird. Nachdem alle Ravioli fertig geformt waren, garte ich sie portionsweise ca. 4 Minuten in siedendem Salzwasser und lagerte sie ausgebreitet im warmen Ofen.

Für die Zitronenbutter:

  • ca. 30-40 g Butter
  • 1/2 TL Zitronenabrieb
  • 2-3 TL Zitronensaft
  • einige geröstete Mandelbättchen zum Garnieren

zitronenbutter serieDa es mir zu mühsam erschien, die Ravioli portionsweise in Butter zu schwenken, beschloss ich stattdessen, sie einfach mit heißer Butter zu beträufeln und etwas Zitrone würde sich doch sich auch gut machen? Ich erhitzte die Butter, rührte Saft und Schale ein und ließ alles einen Moment köcheln. Herr H. hatte bereits verzweifelt ein Raviolo pur verzehrt, der Arme. Aber nun war es zum Genuss nicht mehr weit.

ravioli 2Fazit: Nach dem Essen verneigte ich mich innerlich und dankte der großen Schicksalsgöttin für die glückliche Führung. Das Essen war ein echter Volltreffer gewesen. Alles ergänzte sich auf’s Feinste. Das Kaffeeöl machte sich, wie versprochen, zu den ofengegarten Beten wahnsinnig gut, die durch das ofengaren leicht entwässerten Kirschen steuerten eine kräftige Fruchtnote bei und vertrugen sich sogar mit den Beten. Die Ziegenfrischkäse-Basilikum-Ravioli waren einfach traumhaft, der Ziegengeschmack zwar kräftig, aber gut eingebunden. Man kann ihn auch, etwas feiner, mit Ricotta mischen und die Nudeltasche offen lassen. Die gerösteten Mandelblättchen steuerten neben etwas Knusper noch eine „tiefere“ Note bei und die Zitronenbutter verband alle einzelnen Komponenten perfekt. Herr H. teilte meine Begeisterung und merkte an, dass man für eine solche Köstlichkeit in einem Restaurant ordentlich berappen müsse. Wie gut, dass wir beide so gern kochen.

 

 

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Inselkinder ticken anders

fish 'n' chips 2Herr H. und ich teilen zwar die norddeutsche Herkunft. Aber während ich in der staubtrockenen Heide aufwuchs, tummelte er sich mit seinen Freunden am Strand. Wenn ich baden wollte, musste ich eine halbe Weltreise mit dem Fahrrad zum Schwimmbad unternehmen und das kühle Nass mit hunderten Kindern teilen. Herr H. hingegen hatte die Qual der Wahl. Denn in welche Richtung er auch ging, stieß er früher oder später auf das Meer. Das ist bei Inseln so. Als ich ihn anlässlich Sandras/ from-snuggs-kitchen Event zum Thema Kindheitserinnerungen befragte, entgegnete er, „ist doch ganz einfach, alle Kinder lieben Pommes.“ Soweit waren wir uns einig. „Und dazu: Fischstäbchen“, rief er begeistert aus, was mir nur ein Stirnrunzeln entlockte. Fisch mochte ich als Kind nicht mal in panierter Form. Der Gipfel des Genusses waren für mich große, fett triefende Schnitzel bei seltenen Gaststättenbesuchen. Da sich das inzwischen geändert hat und Herrn H.s Begeisterung für Fischstäbchen neu entfacht war, machten wir uns am Wochenende daran, dem alten Klassiker „Pommes mit Fischstäbchen“  ein wenig neues Leben einzuhauchen.

Für die Süßkartoffel-Pommes:

  • 500 g Süßkartoffeln
  • 2 EL Reisessig
  • 2 EL Sojasauce
  • 1 EL Mirin
  • 2 EL neutrales Öl

fritten serie 2Während Herr H. die Süßkartoffeln schälte und in Stäbchen schnitt, vermengte ich alle Zutaten für die Würzsauce in einer großen Schüssel, zu der es einen Deckel gibt. Ich heizte den Backofen auf 200°C vor und gab die Stäbchen in die Schüssel. Deckel drauf, ordentlich durchschütteln. Et voilà. Ich verteilte die Süßkartoffelstäbchen auf einem fettundurchlässigen Backpapier und schob sie in die Mitte des Backofens. Nach 15 Minuten begannen sie zu duften. Ich setzte das Blech weiter nach oben, schaltete die Grillfunktion ein und ließ sie weitere 15 Minuten garen. Mit einem Umluftofen werden sie dabei sicher noch um einiges knuspriger.

Für den Gurkensalat:

  • ca. 300 g Gurke, nach Belieben geschält, große entkernt
  • Ingwer, geschält und gerieben nach Belieben (ca. 10 g)
  • 1,5 EL Reisessig
  • 1 TL Zucker
  • Salz

gurkensalat serieIch schnitt die geschälten Gurken schräg in dünne Scheiben, gab sie in ein Sieb, bestreute sie mit etwas Salz und vermengte sie anschließend gut. Herr H. verrührte den geriebenenen Ingwer mit den restlichen Zutaten. Nach ca. 1 Stunde, spülte ich die Gurkenscheiben kurz ab und vermischte sie dann mit der Sauce. Beim nächsten Mal würde ich wahrscheinlich eine große Salatgurke verwenden und sie entkernen, da sie kleinen Gurken trotz Einsalzens noch recht stark wässerten.

Für die Avocado-Mayonnaise:

  • 1 kleines Ei (ca. 25 g), ja ein ganzes siehe auch hier
  • 1/2 TL Djion-Senf
  • 1 Spitzer Zitronensaft
  • 1 Spritzer Weißweinessig
  • 1 Pr. Pfeffer
  • etwas Salz
  • 100 g neutrales Öl (ich: Weizenkeimöl)
  • 1/2 reife Avocado, püriert

mayo serieAn dieser Stelle ein Bekenntnis. Es gibt angeblich diese völlig simple Art Mayonnaise herzustellen, indem man alle Zutaten (gleich temperiert) in ein hohes, schmales Gefäß gibt, den Stabmixer hineinstellt, wenige Sekunden laufen lässt und ihn dann langsam hochzieht. Fertig Mayonnaise. Das Netz wimmelt von Videos zu dieser Prozedur. Allein, bei mir wird das so nie und nimmer etwas. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, warum. Regelmäßig ist mir die Mayo dabei geronnen. Wer also vorbei kommen möchte und mich in das Wunder dieser Technik einweisen kann, dem ist ein Stück Torte sicher!

Ich gab zunächst Ei, Senf, Zitrone und Essig in eine Schüssel und schlug alles mit dem Handrührgerät weißschaumig auf. Dann gab ich während des Schlagens das Öl zunächst tropfenweise, dann in einem dünnen Strahl hinzu. Etwas umständlich, aber gelungen! Ich mixte zuletzt die pürierte Avocado unter, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und lächelte verzückt. Köstlichst!

Für die Fischstäbchen:

  • 2 Kabeljaufilets
  • Mehl
  • 1 Ei, verkleppert
  • Panko
  • Salz
  • 1-2 Spitzer Zitrone
  • Öl zum Frittieren

panierstrasseWährend sich das Frittieröl auf 175°C erwärmte, tupfte ich die Filets trocken, halbierte sie (der Topf ist zu klein für ein langes Stäbchen), salzte und säuerte sie und ließ sie die Panierstraße, Mehl, Ei, Panko, passieren, bevor ich sie portionsweise in 3-4 Minuten goldbraun ausbuk. Während sie anschließend auf Küchenkrepp abtropfen durten, richtete ich die Teller an.

fish 'n' chips 7Fazit: Nach dem Fotografieren stürzten wir uns hungrig auf das unglaublich köstlich duftende Essen. Super knusprige Fischstäbchen, herrlich frischer Gurkensalat und cremige Mayonnaise mit einem Hauch Avocado. Allein die Fritten hätten knuspriger sein können. Der neue Herd/ Backofen wird immer wichtiger. Dennoch sind es oft die einfachen Dinge, die uns glücklich machen und angeregte Gespräche über Erinnerungen anstoßen. Vielen Dank noch einmal, Sandra, für den wunderbaren Anstoß! Ich bin sehr gespannt, welche Erinnerungen anderswo wieder auftauchen werden.

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Inspiration aus: Arte in Cucina auf Reisen Wiebke van der Scheer, Margé Mijer

„Kalkutta liegt am Ganges…“

made 11„…Paris liegt an der Seine. Doch dass ich so verliebt bin, das liegt an Madeleine.“, trällerte Herr H freudig, als der sah, dass ich die kürzlich aus Frankreich importierte Spezialform hervorgekramt hatte. Denn als Sandra/ from-snuggs-kitchen mich letzte Woche fragte, ob ich den von Foodfreak auf Reisen geschickten Teller, der nun schon über ein Jahr landauf und landab reist (siehe auch hier), bestücken wolle, konnte ich natürlich nicht nein sagen. Welch Glanz in unserer bescheidenen Hütte!  Ein so weit gereister Teller verlangt natürlich nach einem reisetauglichen Gebäck, den Madeleines, die ab 1874 auf dem Bahnhof Nancy verkauft werden durften.

« Madeleines von Commercy! Wenn man
diese wenigen Silben vor Ihnen ausspricht,
vor Ihnen, die Sie die Strecke von Paris nach
Nancy zurückgelegt haben, sehen Sie dann
nicht auf magische Weise den Bahnsteig eines
kleinen und schon alten Bahnhofs wieder, den
kleinen Bahnsteig auf dem die kleinen
Verkäuferinnen der bildverzierten Schachteln
hin und her gehen, geschlossen oder offen,
aufreizend… » (Ernest Beauguitte)

Hinreissend! Es fehlte nur noch das passende Rezept. Ich erinnerte mich dunkel, dass Britta/ kamafoodra am Anfang des Jahres eine Testreihe gemacht hatte. Die eigelblosen Madeleines von Lea Linster gefielen ihr am besten. Also mussten es die sein, Tradition hin oder her. Alles befindet sich nun einmal ständig im Wandel. Ich konnte es mir nicht verkneifen, noch zwei weitere, modernisierte Sorten auszuprobieren.

Für die Madeleines nach Lea Linster (reichte bei meiner Form mit 12 Mulden für 8 Stück):

  • 27 g Butter, geschmolzen
  • 1 großes Eiweiß
  • 33 g Puderzucker
  • 20 g Mehl
  • 13 g Mandelmehl
  • 1 Msp. Backpulver (ich: Weinsteinbackpulver)
  • etwas Zitronenabrieb nach Belieben

kamafoodra serieWährend Herr H die trockenen Zutaten siebte, schlug ich das Eiweiß mit einer Prise Salz zu festem Schnee. Dann hob ich erst die tockenen Zutaten unter und schließlich die geschmolzene Butter mit dem Zitronenabrieb. Es erstaunte mich sehr, dass der luftige Einschnee bei der Butterzugabe kaum zusammenfiel. Das kannte ich von Biskuitteigen, denen Butter zugegeben wird anders. Den fertigen Teig ließ ich einige Stunden im Kühlschrank ruhen. Dann butterte ich die Madeleines-Form mit dem Pinsel, bestäubte sie mit Butter und füllte je einen gehäuften TL Teig in die Mulden. Ich buk sie ca. 10 Minuten bei 190°C (sie werden auf der Oberseite etwas dunkler, wenn man sie im oberen Drittel des Backofen backt) und ließ sie auf einem mit Backpapier belegten Gitter abkühlen. wenn sie nicht sofort verzehrt werden, kann man sie einige Tage luftdicht verpackt aufbewahren.

Für die Matcha-Madeleines (6 Stück):

  • 31 g Zucker
  • 27 g Mehl
  • 1,5 g Matcha
  • 1 Msp. Backpulver (ich: Weinsteinbackpulver)
  • 1/2 Ei (25 g)
  • 27 g Butter, geschmolzen

matcha serieAuch hier mischte ich zunächst die trockenen Zutaten, rührte dann das Ei und zuletzt die geschmolzene Butter unter. Dann durfte der Teig ebenfalls einige Stunden im kühlen verbringen, während Herr H und ich auf den Rädern schwitzten. Ich gab ihn danach die die gebutterte, bestäubte Form und buk die Madeleines 9 Minuten bei 200°C, dieses Mal im oberen Drittel des Backofens. Auch sie durften auf dem mit Backpapier belegten Rost abkühlen, so können sie die Drähte nicht in das noch recht fragile Madeleine drücken.

Für die Schokoladen-Madeleines (6 Stück):

  • 31 g Zucker
  • 27 g Mehl
  • 1 Msp. Backpulver
  • 1/2 Ei (25 g)
  • Etwas Zitronenabrieb nach Belieben
  • 15 g Kuvertüre 60%ig
  • 12 g Butter, gemeinsam mit der Kuvertüre geschmolzen

schoko serieDas Prozedere wiederholte sich, nur schmolz ich hier die Kuvertüre gemeinsam mit der Butter und rührte sie abschließend unter den Teig. Matcha- und Schokoladen-Madeleines durften gemeinsam backen. Während die Matcha-Madeleines hübsche Bäuchlein entwickelten, rissen die Schokoladen-Madeleines teils oben auf. Entweder hatte ich zuviel Backpulver erwischt oder es lag an der zu großen Kuvertüremenge.

teig serieIch werde in Zukunft sicher noch häufiger Madeleines backen und unterschiedlichste Varianten testen, so sehr begeistert mich diese Zubereitungsform der „gemeinen Sandmasse“, der ich ansonsten nie viel abgewinnen konnte. Aber keine Sorge, ich werde nur die absoluten „Kracher“ posten.

made 10Fazit: Endlich stand der große Geschmackstest an. Wir ließen uns mit dem Teller gemütlich auf dem Sofa nieder und probierten zunächst die zitronigen. Nicht schlecht, befand Herr H., sehr klassisch. Beim Matcha-Madeleine rief er sofort spontan aus, das seien die besten und auch mich betörte der dezente, aber gut wahrnehmbare Matcha-Geschmack. Die schokoladigen enttäuschten zunächst etwas und waren auch von der Krume her nicht so fein wie die übrigen, aber im Abgang taten sie sich noch einmal groß hervor. Insgesamt eine gelungene und stimmige Mischung. So und nun macht der Teller sich weiter auf den Weg gen Süden.

Madeleines-Grundrezept aus: Myriams Kuchen, Tartes & Co. Myriam Zumbühl

Anmerkung: Kalkutta liegt natürlich nicht direkt am Ganges, sondern laut Wikipedia am Fluss Hugli, einem Mündungsarm im westlichen Gangesdelta, aber die geographische Präzision war Vico Torriani scheinbar weniger wichtig, als der stimmig gereimte Text.

 

 

 

 

 

Suppenphilosophisches

minestrone 5Als ich gestern Abend sehr erwartungsvoll den Ring von der neuesten Backkreation entfernte, konnte ich nur mit Mühe einen Schreckensschrei unterdrücken. Der Zusammenhalt des guten Stücks war, gelinde gesagt, dürftig. Ich bugsierte sie dennoch tapfer auf den Fototeller und trug ihn hinüber ins „Studio“, wo Herr H. bereits mit gezückter Kamera wartete. Er sah die Torte an, sah mich an und ich wusste, dass wir gerade das Gleiche dachten. Geht gar nicht. Fast hätte ich sie direkt entsorgt. Herr H. bestand auf die Verkostung. Mhm. Gar nicht so übel, wenn sie nicht nur so unansehnlich wäre. So schnell konnte ich sie natürlich nicht neu backen. Also muss es heute wieder etwas Herzhaftes geben. Minestrone. Aber nicht irgendeine, sondern die turboluxus-Variante des begnadeten Exilschweitzers Daniel Humm.

Für die Minestrone-Sauce:

  • 2 EL Olivenöl
  • 1 Zucchino, sehr fein gewürfelt
  • 1 Möhre, geschält, sehr fein gewürfelt
  • 30 g Knollensellerie, geschält, sehr fein gewürfelt (ich: Staudensellerie)
  • 2 EL Lauch, geputzt, fein gewürfelt
  • 1 EL geriebene Zwiebel (ich: fein gehackt)
  • 1 Knoblauchzehe, gepresst (ich: gewürfelt, mit dem Meersalz gemörsert)
  • 1 TL Tomatenmark
  • 60 g Weißwein
  • 1 l Hühnerbrühe (ich: Gemüsebrühe, das Monsterhuhn muss noch wachsen)
  • 500 g Tomaten, klein gewürfelt
  • 100 g Kartoffeln, sehr fein gewürfelt
  • 25 g Basilikumblätter
  • 5 g Minzeblätter
  • 1 EL Salz
  • 1/4 TL Piment d’Espelette
  • 2 EL kalte Butter
  • 2 TL Limettensaft

sossenserieHerr Humm gibt einleitend bekannt, dass „grob gewürfelt“ sich auf Würfel mit einer Kantenlänge von 1,2 – 1,5cm , „gewürfelt 0,5cm und „fein gewürfelt“ 0,3cm bezieht . Hilfreich. Nachdem ich alles vorbereitet hatte, dünstete ich Zucchini, Möhre, Sellerie, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch in etwas 10 Minuten bei mäßiger Hitze weich. Die Würfel sollen dabei nicht bräunen. Dann fügte ich das Tomatenmark hinzu und dünstete es 2 Minuten lang mit. Ich löschte mit Weißwein ab und ließ ihn bei stärker Hitze auf die Hälfte einkochen. Nun fügte ich Brühe, Tomaten und Kartoffeln hinzu und ließ alles mit Deckel bei schwacher Hitze 30 Minuten köcheln. Danach zog ich den Topf von der Platte, stutzte kurz, als ich noch einen Blick auf das Foto im Buch warf, und gab seufzend Basilikum, Minze, Salz und Piment d’Espelette hinein. Die leuchtend orange Farbe würde ich nun nicht mehr erhalten. Ich ließ alles 20 Minuten ziehen, pürierte die Sauce und gab sie durch das feinste Sieb. Dann goß ich sie zurück in den gesäuberten Topf, ließ sie bei mittlerer Hitze einkochen, bis sie sämig war, und rührte die kalte Butter mit dem Handmixer unter. Das spritzte nicht schlecht. Zum Schluss schmeckte ich mit Limettensaft ab und stellte die Sauce warm.

Für die confierten Kirschtomaten:

  • 12 Kirschtomaten
  • 1 EL Olivenöl
  • 1/8 TL Zucker
  • 1/8 TL Salz

konfierte tomaten 10Auf das Häuten der Tomaten verzichtete ich aus Gründen. Ich heizte den Backofen auf 130°C vor, halbierte die Tomaten und zog sie mit der Schnittfläche durch das Olivenöl. Dann legte ich sie in eine eingeölte Form, bestreute sie mit Salz und Zucker und beließ sie ca. 45 Minuten im Backofen.

Für die Bohnen:

  • 50 g getrocknete große weiße Bohnen (Gigantes)
  • 50 g getrocknete Augenbohnen
  • 50 g getrocknete Cocobohnen
  • 50 g frische ausgelöste Borlottibohnen
  • 120 g Olivenöl
  • Salz
  • 1/8 große Zwiebel, fein gehackt
  • 2 TL fein gewürfelte Möhre
  • 2 TL fein gewürfelter Sellerie
  • 2 Lorbeerblätter
  • 2 Zweige Thymian
  • 10 schwarze Pfefferkörner
  • 5 grüne Bohnen (Haricots verts), geputzt
  • 1 EL Butter
  • Basilikumblätter, Minzblüten, Oregano zum Garnieren

bohnen 10Allein bei den Bohnen musste ich einen Kompromiss eingehen. In den Vorräten befand sich noch eine Dose gemischter Bohnen (netto 240 g) aus Südtirol. Perfekt. Dazu gab es statt frischer Borlotti- und grüner Bohnen Edamane, gehäutet, aus dem TK. Wer die getrockneten Bohnen vorrätig hat, weicht sie über Nacht getrennt ein und gart sie am nächsten Tag getrennt mit je 300 g Wasser und 30 g Olivenöl. Die restlichen Zutaten werden auf 4 Mullbeutel verteilt, die dann ins Bohnenkochwasser gehängt werden. Borlotti- und Augenbohnen haben eine Garzeit von etwa 45, weiße und Cocobohnen von ca. 75 Minuten.

Ich kochte die Edamame ca. 10 Minuten und schwenkte sie anschließend mit den anderen Bohnen in heißer Butter, um sie zu glasieren. Herr H., der inzwischen eingetrudelt war, staunte nicht schlecht, ob einer solch opulenten Suppe an einem normalen Wochentag. Ich stellte ca. 1/4 Liter der Sauce beiseite, schöpfte von der restlichen etwas auf zwei Teller, gab Bohnen und Tomaten hinzu und beträufelte alles mit etwas Olivenöl. Vom besten, selbstverständlich. Die zurückbehaltene Sauce versuchte ich mit dem Stabmixer aufzuschäumen, aber das Ergebnis ließ leider zu wünschen übrig. Das unterscheidet die Hobbyköche von den Profis. Ich verteilte den Nicht-Schaum auf den Teller und überließ sie Herrn H.

minestrone 8Fazit: Jede investierte Minute war mehr als Gold wert. Wir schwelgten Löffel um Löffel. Die Sauce war unglaublich cremig und würzig. Dadurch, dass alles getrennt gegart wurde, schmeckten die einzelnen Komponenten viel intensiver, als wenn sie einfach zusammen in einen Topf geworfen werden. Es ist wirklich zu schade, dass ich nicht immer so kochen kann, geschweige denn, mir so etwas auszudenken. Wobei…, zumindest was das Kochen angeht, wird es hier in Zukunft öfter solch‘ delikate Gerichte geben. Als ich das Herrn H. mit stolz geschwellter Brust offenbarte, lächelte er allerdings nur müde und wies mich darauf hin, dass schlichte Gerichte durchaus auch ihren Reiz hätten.

Aus: I NY Daniel Humm

The Humm(ing) Pig

schweine humm 5Dank der wunderbaren Sandra/ from-snuggs-kitchen gelangte ich vor einer guten Woche endlich in den lang ersehnten Genuss, in Daniel Humms I NY zu stöbern. Aufgeregt entfernte ich die Verpackung, setzte mich gemütlich an den Küchentisch und blätterte. Als ich am Ende des Wälzers angekommen war, fing ich ratlos wieder von vorn an. Wahrscheinlich hatte ich etwas übersehen. Irgendein Gericht müsste doch förmlich darum betteln, nachgekocht zu werden. Aber auch beim zweiten, intensiveren Studium wurde ich nicht fündig. Entweder fehlten mir die teils doch recht speziellen Zutaten oder die Gerichte sprachen mich einfach nicht an. Herr H., der genauso gespannt auf das Buch gewesen war, verfügte, dass man erst druch das Nachkochen eines Gerichts urteilen könne. Und ein Rippenstück vom Milchferkel hätte doch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bio-Schweinefilet, dass uns meine Mutter vor gut einem halben Jahr aus Gallin mitgebracht hatte. Also los!

Für die eingelegten Senfkörner (am besten am Vortag herstellen):

  • 37,5 g Senfkörner
  • 125 g weißer Balsomicoessig (ich: Chardonnay-Essig)
  • 1 TL Salz
  • 1/2 TL Zucker

senf serieHerr H. blanchierte die Senfkörner am Vorabend ca. 30 Sekunden in kochendem Wasser und spülte sie anschließend unter kaltem Wasser gründlich ab. Dann kochte er Essig, Salz und Zucker kurz auf, goss die Flüssigkeit über den Senf und ließ alles abgedeckt über Nacht ziehen. Die eingelegten Senfkörner halten sich luftdicht verschlossen im Kühlschrank mindestens eine Woche und sind vielseitig verwendbar.

Für die Zwiebelblätter:

  • 1 Gemüsezwiebel
  • 8 Zweige Thymian
  • 2 EL Butter
  • Salz

zwiebel serieIch bestrich ein Stück Alufolie mit der Butter, legte die Thymianzweige und die Zwiebel darauf und salzte sie. Dann verschloß ich das Paket und legte es auf eine 2cm hoch mit grobem Meersalz gefüllte Fom (der Sinn des Meersalzbetts erschloss sich mir allerdings nicht, da die Zwiebel doch vollständig verpackt war) und schob sie für ca. 2 Stunden in den auf 175°C vorgeheizten Backofen (anfangs hatte er noch gut 200°C, da ich nebenbei noch ein Brot buk, aber das schadete nicht). Die weiche Zwiebel ließ ich abkühlen, bevor ich die einzelnen Schichten abblätterte.

Für die gebratenen Aprikosen:

  • 1 Bund Zitronenthymian (meiner gab leider nur einige Zweige her)
  • 5 Lorbeerblätter
  • 4 Aprikosen (ich: 7), halbiert
  • Salz
  • 30 g Puderzucker (ich: 15 g)

gebratene aprikosen serieIch legte eine mit Butter gefettete Form mit Zitronenthymian und Lorbeerblättern aus, setzte die gesalzenen Aprikosenhälften mit der Schnittfläche nach unten darauf und bestäubte sie mit Puderzucker. Dann schob ich sie für 7 Minuten in den auf 175°C vorgeheizten Backofen. Da sich nach den 7 Minuten noch nicht sonderlich viel getan hatte, ließ ich sie weitere 10 Minuten backen. Dann wendete ich die Aprikosenhälften, goss 150 g Wasser in die Form und schmorte alles weitere 20 Minuten.

Für die Aprikosensauce:

  • 1 EL Zucker
  • 75 g Aprikosen, fein gewürfelt
  • 1/2 TL weißer Balsamicoessig plus etwas zum Abschmecken (ich: Chardonnay-Essig)
  • 1 TL Rapsöl
  • 50 g Scheinefleischabschnitte, gewürfelt (ich: hatte keine)
  • 1 winzige Schalotte, in dünne Ringe geschnitten
  • 60 g Weißwein
  • 250 g Hühnerjus (ich: Fond)
  • 125 g Hühnerbrühe (ich: Wasser)
  • 3 Zweige Thymian
  • Salz

aprikosensosse serieHerr H. erhitzte den Zucker und ließ ihn goldbraun karamellisieren. Dann gab er die Aprikosenwürfel hinzu und ließ sie unter Rühren 2 Minuten köcheln. Er gab den Essig hinein und ließ sie weitere 6 Minuten köcheln. Ich hatte inzwischen die Schalotten in dem Rapsöl weich gedünstet, mit Weißwein abgelöscht und ihn fast vollständig einreduziert. Nun gab ich die Aprikosen, den Hühnerfond und das Wasser hinzu und ließ die Sauce 30 Minuten offen köcheln. Ich pürierte sie, gab sie durch das feinste Sieb und goss sie zurück in den gesäuberten Topf. Herr H. ließ sie bis zur gewünschten Konsistenz einkochen und schmeckte mit Essig und Salz ab. Dabei huschte ein feines Lächeln über sein Gesicht, dass ich nicht so recht interpretieren konnte.

Für das Schweinefilet:

  • 1 EL Rapsöl
  • 1 Rippenstück vom Milchferkel, 450 g (ich: Schweinefilet, ca. 300 g)
  • 2,5 EL Butter (ich: 1 EL)
  • 2 Zweige Thymian
  • 1 Knoblauchzehe, gequetscht
  • 4 Frühlingszwiebeln, 3 Minuten blanchiert, eiskalt abgeschreckt
  • 30 g Hühnerbrühe
  • Meersalz
  • junger Mizunasalat (ich: Eichblattsalat)

fleisch serieDas Fleisch hatte ich bereits am Nachmittag dünn mit Senf bestrichen. Nun tupfte ich ihn wieder ab, briet das Filet rundherum braun an, fügte Butter, Thymian und Knoblauch hinzu und schob es in den auf 150°C vorgeheizten Backofen. Gelegentlich beträufelte ich es mit dem Bratensaft. Nach 15 Minuten begann ich die Kerntemperatur zu überwachen. Als sie 55°C erreicht hatte, nahm ich das Filet aus dem Ofen und ließ es 15 Minuten ruhen, bevor ich es in Scheiben schnitt. Die blanchierten Frühlingszwiebeln schwenkte ich kurz in etwas Butter, um sie zu glasieren. Herr H. bereitete inzwischen die nicht vorgesehene Sättigungsbeilage.

Für das Lavendel-Kartoffel-Püree:

  • 300 g geschälte, mit 1 TL getrockneten Lavendelblüten gegarte Kartoffeln (ich: Annabell)
  • ca. 100 g Milch
  • 1 EL Butter
  • Salz, scharzer Pfeffer

pü serieHerr H. erhitzte Milch und Butter in einem Topf, bis die Butter sich gelöst hatte, gab dann die Kartoffeln durch die Presse hinzu – die Lavendelblüten hatte er zuvor entfernt, schmeckte mit Pfeffer und Salz ab und hob die Kartoffeln behutsam unter die Milchmischung. Endlich fertig. Ich richtete an, er lichtete ab.

schweine hummFazit: Was soll ich sagen? Ich bin sehr froh, auf eine zusätzliche Gemüsebeilage verzichtet zu haben. Die geschmorten Aprikosen mit den eingelegten Senfsamen waren absolut köstlich. Das Filet war herrlich zart und schmolz buchstäblich im Mund und als ich etwas Kartoffelpüree mit Aprikosensauce probierte, verstand ich Herrn H.s geheimnisvolles Lächeln plötzlich. Ein Gedicht! Nachdem wir alles bis auf das letzte Senfkorn verputzt hatten, sah Herr H. mich triumphierend an. Ich und meine Vorurteile. Dieses Essen sei mindestens eines Sternes würdig. Mir blieb nichts, als reumütig zuzustimmen.

Aus: I NY Daniel Humm