Tomaten-Sehnsucht

tomatensehnsucht 8Ich weiß nicht, ob nur ich das so empfinde, aber Obst und Gemüse schmecken in diesem Jahr einfach überwältigend gut. Ich kann mich nicht erinnern, je so aromatische Erdbeeren gegessen zu haben. Und auch die Tomaten sind superb. Vor einigen Jahren kostet ich einmal von den gelben Tomaten. Sie waren so mehlig, dass ich sie um ein Haar wieder ausgepuckt hätte. Vom faden Geschmack ganz zu schweigen. Entsprechend gering war meine Begeisterung, als Herr H. vorschlug, einen tomatensehnsüchtigen Teller zusammenzustellen. Als er jedoch einen Beutel bunt gemischter Tomätchen anschleppte, die zudem noch extrem fruchtig und köstlich schmeckten, konnte ich mich nicht länger verweigern.

Für das Tomatensorbet (am besten am Vortag bereiten):

  • 250 g Tomaten
  • 60 g Zucker (ich: 40 g Zucker, 15 g Glukosesirup)
  • 1 TL Zitronensaft
  • Meersalz

tomatensorbet serieIch kochte die Hälfte der Tomaten zu Mus. Das ergab ca. 25 g intensives Tomatenaroma. Nach dem Abkühlen pürierte ich es mit den übrigen Zutaten, schmeckte mit Salz ab und strich die Masse durch ein Sieb. In der Eismaschine gefriert das Sorbet in ca. 20 Minuten. Da ich keine besitze, gab ich die Masse in ein vorgefrorenes Metallschälchen und stellte es in den Gefrierschrank. Alle zwei Stunden (drei Mal insgesamt) schlug ich das Sorbet kurz mit dem Schneebesen durch. Am nächsten Abend wirkte die Oberfläche des Sorbets zwar recht fest. Aber mit dem Kugelausstecher ließen es sich mühelos entnehmen.

Für die Tomaten mit Dattelvinaigrette:

  • 300 g Tomaten in verschiedenen Farben und Größen
  • Fleur de Sel, Pfeffer aus der Mühle
  • 40 g Dattelessig oder weißer Balsamico
  • 75 g natives Sonnenblumenöl
  • 2 getrocknete Datteln, in feine Streifen geschnitten
  • Meersalz, Pfeffer aus der Mühle

vinaigrette serieHerr H. schnitte die Tomaten je nach Größe in Hälften oder Viertel und entfernte dabei den Stilansatz. Ich verrührte den Essig mit Salz und Pfeffer, ließ beim Rühren das Öl einlaufen und hob zuletzt die Dattelstreifen unter. Herr H. drapierte die Tomaten, das Sorbet und beträufelte sie mit dem Dressing.

Für das Drumherum:

  • Tannenspitzenpesto* (ich: weg gelassen, als die Tannensitzen noch jung genug waren, wusste ich noch nichts von diesem Rezept)
  • 40 g Walnusskäse (ich: alter Friese)
  • 2 Parmesanhippen (ca. 20 g pro Hippe auf Backpapier bei 160°C ca. 8 Minuten gebacken)
  • 10 g Pinienkerne, geröstet
  • Basilikumspitzen nach Belieben

Ich legte die restlichen Zutaten auf die Teller und Herr H. beeilte sich mit dem Fotografieren. Das Sorbet schmolz eisern vor sich hin.

tomatensehnsucht 1Fazit: Eine äußerst gelungene Vorspeise, die Herr H. gleich unter der Rubrik „für Gäste“ abspeicherte. Beim Anrichten dachte ich, dass mir so akurate Teller doch ein wenig zu Chi chi seien. Als ich dann aber kostete, musste ich den Gedanken verwerfen. Es hat durchaus etwas, sich selbst zu Hause einen „Restaurantteller“ zu servieren. Das Tomatensorbet schmeckte überraschend fruchtig, zart schmelzend und köstlich. Ich könnte mir dazu durchaus auch eine Vanillesauce und frische Erdbeeren vorstellen. Ein kleiner Rest ist zum Glück noch da.

*Tannenspitzenpesto:

  • 100 g Brennnesseln, 3 Minuten blanchiert, kalt abgeschreckt
  • 150 g Haselnüsse, 15 Minuten bei 160°C im Ofen geröstet, Schalen abgerieben
  • 100 g Knoblauchzehen (wahrscheinlich nur, wenn er ganz frisch ist, sonst weniger)
  • 100 g Tannenspitzen
  • 3 EL Zucker
  • 2 TL Meersalz, Pfeffer aus der Mühle
  • 300 g Olivenöl

Alle Zutaten bis auf das Öl werden mit dem Pürierstab griesartig zerkleinert. Dann wird das Öl untergerührt und das Pesto in Gläser abgefüllt. Es hält sich im Kühlschrank mehrere Wochen. Sterilisiert man die Gläser etwa 20 Minuten bei 90°C, halten sie mehrere Monate. Wird nächstes Jahr probiert!

Aus: Dumaines wilde Gemüseküche Jean-Marie Dumaine, Nikolai Wojtko

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42 Gedanken zu „Tomaten-Sehnsucht

  1. Klingt alles extrem toll und nachmachbar; nur leider muss ich dich auf einen Rechtschreibfehler hinweisen, der extrem lustig ist, aber auch bei meinem müden Ist-Zustand grad für starke Verwirrung sorgte: die schreibst, das Sorbet solle man am ‚Vorteig‘ zubereiten…
    Ansonsten: weiter so, dein Blog gefällt mir sehr gut!

    Grüße aus B.

    Jane

  2. Liebe Eva,
    wenn Ihr mal einen sommerlich-sonntäglichen Ausflug nach Glückstadt macht, werdet Ihr einen großen Stand mit mindestens 25 Sorten Tomaten in allen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen entdecken; dieser Tomatenbauer ist manchmal auch auf dem Hamburger Isemarkt anzutreffen. Die besten Tomaten, die wir jemals kosten durften! Seither gibt es bei uns statt einer Obst- eine Tomatenschale: bunt, fruchtig und vielfältig, purer Genuss!
    Ansonsten bin ich eine eher stille Leserin Deines Blogs, der mich über Deine Küchenkunst staunen läßt.
    Herzliche Grüße aus dem südlichen Schleswig-Holstein,
    Sandkorn

  3. ein schöner Vorspeisenteller!! würde mir auch schmecken!
    das Tannenspitzenpesto kann ich mir gut vorstellen, es schmeckt ja auch der Wipferlzucker so gut und würzig! nächstes Frühjahr dann,
    lg

    • Danke, Friederike. Ja, bis zum nächsten Frühjahr müssen wir uns wohl gedulden. Wobei die Zeit so sehr rast, dass das gar nicht soo schwer ist. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  4. Hhmm… ich ernte wohl gleich jede Menge unverständlicher Kopfschüttler, aber mit Tomaten holt mich niemand hinterm Ofen hervor. Das heisst, mit frischen Tomaten! Ich weiss, noch viel schlimmer, aber ich mag die wässrige, glibbrige Konsistenz einfach nicht wirklich. Werden sie getrocknet, oder zu Sugo verarbeitet – gerne ja! Und das Sorbet, liebe Eva, wandert gleich mal in mein Sorbet-Rezeptsammelbuch 😉

    • Ich helfe dir, indem ich mich auch oute. Ich mag z. B. partout kein hartgekochtes Eigelb. Diese krisselig-trockene Konsistenz, der metallische Geschmack *schüttel*. Jeder hat halt was, was er nicht mag, mei. Aber im Sorbet machen sich die kleinen Glibberlinge wirklich gut. 😉

  5. tolle Idee – vor allem auch das Sorbet. – Und da ich auch keine Eismaschine (mehr) habe, bin ich auch für Tipps, wie es ohne geht, dankbar.

    • Danke, Eva. Ich habe gelesen, dass man fast jedes Eis prima ohne Maschine hinbekommt, wenn man die ständige Rührerei in Kauf nimmt und in Guarkern- und Johannisbrotkernmehl investiert.

  6. Das liest und sieht fantastisch aus! Dann warte ich jetzt nur noch auf die eigenen Tomaten, in der Hoffnung, dass sie dieses Jahr auch wieder gut werden, und schreite dann zur Tat 🙂

    Okay, das Sorbet hat es mir angetan, vielleicht warte ich doch nicht auf die eigenen 😉

  7. Ja, es gibt mittlerweile wirklich sehr schöne Paradeiser zu kaufen. Ich erinnere mich mit Schrecken, als ich vor 16 Jahren in diese Wohnung hier eingezogen bin, was da oft für Ware am Markt war. Dass ich damals eigene Paradeiser am Balkon zu ziehen angefangen habe, war nicht, weil es so en vogue war, sondern das war dringend notwendig.
    Du hast mir den gelben aber schon auch recht: Die sind zum Kaufen immer noch recht problematisch. Ich hatte letztens welche, die hab ich nach dem Kosten weggeschmissen, weil total geschmacklos.

    Danke für das Eisrezept ohne Eismaschine! So etwas gibt es in meinem Haushalt auch noch nicht, daher bin ich dankbar für jedes Rezept, das auch ohne Maschinchen auskommt.

    • Gern geschehen, Susi! Du hattest tatsächlich noch geschmacklose gelbe? Echt blöd, vielleicht hatte ich ja auch einfach nur Glück, ich muss es noch einmal probieren. Ich habe auch schon öfter selbst Tomaten gezogen, aber so richtig zufrieden war ich mit den Sorten auch nie.

  8. Schon allein die Überschrift hat mich begeistert. Und Obst und Gemüse essen wir auch total gern. Verwässerte Tomaten, geschmacklose Äpfel kenne ich auch. Ich frage mich dann immer, wie lange die im Kühlhaus lagen, oder mit welchen Düngemitteln die zur Reife gebracht worden sind.

    • DAnke, Mayumi. Die von dir beschriebenen Früchte heißen bei uns Zombis, also „Untote“, da sie auch nach Wochen des Herumliegens genauso aussehen, wie am Kauftag. Inzwischen bin ich ganz gut darin, sie zu identifizieren, so dass ich sie nicht mehr kaufen muss. 😉

  9. Das klingt traumhaft! Ich liebe solche Darreichungsarten-Assoziationsbrüche – oder wie man etwas wie Tomatensorbet oder süße Gnocchi eben nennen will, ja heiß und innig. Das wird definitiv eins meiner Ferienprojekte, auf das ich mich jetzt schon freue. Noch besser: Dank meines Tomatenhassers muss ich nichtmal teilen…

    • „Darreichungs-Assoziationsbrüche“, das muss ich mir unbedingt merken! Ich liebe sie auch. 🙂 Es klingt, als seien deine Ferien schon in Sichtweite, wie schön und Tomatenhasser ist der Kerl auch noch? tststs…

      • Tomaten, Pilze, Auberginen, Zucchini… das ganze gute Zeug. Und: Ja, ab heute! Muss zwar Ende nächster Woche noch zweimal ran, aber da-haann…

      • Jippieh!
        Und, wow, diese Menge der Abneigungen würde mich vor eine recht große Herausforderung stellen…

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