Suppenminimalismus

minestrone mit hummus 10Im Hause H. gibt es ein dicke Suppe, die seit Jahren immer wieder aufgetischt wird, sommers wie winters, es sei denn, es handelt sich um eine besonders heißen Sommerabend. In diese Suppe wandern immer Bohnen, Möhren, Sellerie, Tomaten und diverse Gewürze. Mal ein wenig Chorizo, mal Hack, je nachdem, was gerade so da ist. Über die Jahre wurde die Suppe immer weiter verfeinert, Gewürze kamen hinzu, andere wurden gestrichen. Es gibt fast nichts, was ich mit dieser Suppe nicht angestellt hätte. Sie war geschmacklich immer gut, aber nie richtig „rund“. Vor kurzem stieß ich bei Frau Grandits auf eine ähnliche Suppe, deren Clou im Minimalismus besteht. Nicht mehr hinzufügen, einfach mehr weglassen. Ich war skeptisch.

Für die Kichererbsen-Tomaten-Minestrone:

  • 1/2 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
  • 1 Schalotte, fein gewürfelt
  • 75 g Sellerie, fein gewürfelt (ich: Stangensellerie)
  • 75 g Petersilienwurzel, fein gewürfelt (ich: Möhre)
  • 1 EL Olivenöl
  • 150 g Kichererbsen, gekocht (ich: zusätzlich enthülst)
  • 250 g Tomatensaft
  • 250 g Gemüsebrühe
  • 1/4 TL Ajowan
  • 150 g Datteltomaten, halbiert (ich: geschälte aus der Dose)
  • einige Pecorinospäne zum Garnieren (ich: Parmesan)
  • einige Blätter rotes Basilikum zum Garnieren (ich: grünes)

minestrone serieIch dünstete Knoblauch-, Schalotten-, Sellerie- und Möhrenwürfel einige Minuten in Olivenöl an, fügte Kichererbsen, Tomatensaft und -hälften, Brühe und Ajowan hinzu, ließ alles aufkochen und danach auf kleiner Flamme ca. 20 Minuten köcheln. Frau Grandits lässt die Suppe nach dem Aufkochen nur 5 Minuten ziehen. Ich bevorzuge gegartes Gemüse. Zum Schluss schmeckte ich mit Salz und Pfeffer ab. Herr H. hatte inzwischen den/die/das Hummus hergestellt.

Für den/die/das Hummus:

  • 1 EL Wasser
  • 1,5 EL Sesam, gemörsert (ich: Tahin)
  • 100 g gekochte Kichererbsen (ich: zusätzlich enthülst)
  • 3 EL Zitronensaft
  • 2,5 EL Olivenöl
  • 1 Pr. Zucker
  • 1 Pr. Chilipulver
  • 1 Pr. Koriander, gemahlen
  • 2 Pr. Ajowan, gemahlen

hummus serieDamit hatte er die deutlich leichtere Aufgabe ergattert. Er gab einfach alles Zutaten in den Zerkleinerer und ließ ihn laufen, bis eine homogene, cremige Masse entstanden war. Zum Schluss stutzten wir. Wie, kein Salz? Ich probierte und schmeckte eigenmächtig mit einer guten Prise Salz ab. So passte es. Ich gab die Minestrone in flache Schalen und setzte einen Tupfen Hummus mittig auf (wer mag, kann auch den Spritzbeutel benutzen). Ein paar Parmesanspäne, einige Basilikumblättchen. Fertig.

minestrone mit hummus 11Fazit: Nicht ganz neidlos muss ich gestehen, dass die Minestrone absolut ausgewogen und rund geschmeckt hat und seither schon mehrmals wieder auf dem Tisch stand. Dagegen konnte meine dicke Suppe einfach nicht bestehen. Die Kunst scheint tatsächlich eher das Weglassen als das Hinzufügen zu sein. Es sei denn, man weiß genau, was zueinander passt, sich hebt und unterstreicht. Bis ich soweit bin, wird es wohl noch ein Weilchen dauern.

Aus: Gewürze Tanja Grandits

 

 

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34 Gedanken zu „Suppenminimalismus

  1. Pingback: Rezension: Tanja Grandits – Gewürze – magentratzerl

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  3. Erinnert mich ein bisschen an eine griechische Kichererbsensuppe. Schade. dass ich Dein Rezept nicht heute mittag gelesen habe, da hätte ich noch Kichererbsen für diese Suppe gehabt. Sie klingt lecker. Die haben sich jetzt in Hummus verwandelt… mit frisch gepresstem Orangensaft statt Zitrone.

  4. Klingt lecker – und die Hummus-Idee finde ich großartig. Kommt auf jeden Fall auf meine (laaaange) Liste der Dinge, die ich mal ausprobieren muss! 🙂

    Mit einem lieben Gruß,
    Sarah Maria

  5. Recht hast Du. Ich finde ja auch, dass weniger oft mehr ist – die mediteranen Rezepte von Elisabeth David sind dafür gute Beispiele. Da denkt man beim Lesen manchmal, ob das schon alles gewesen sein soll, und wenn man sich drauf einlässt, wird alles wunderbar, vorausgesetzt man benutzt beste Zutaten, die wirklich schmecken. Aber davon gehe ich bei Dir ohnehin aus ;-). Schönes Wochenende Dir mit Deiner tollen Suppe (die sicherlich schon aufgegessen ist, so gut wie sie aussieht)!

    • Frau David ist für den nächsten Bücherhallenbesuch bereits vorgemerkt. 🙂
      Dir auch ein schönes Wochenende (habe ich heute morgen glatt vergessen, war nur auf dem Sprung, wollte in Mutters Garten buddeln)!
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Ja, mir fällt auch oft auf, wie lecker „einfach“ doch ist 😉

    Aber wie Du schon schreibst, wenn man weiß wie, kann man auch aus vielem etwas leckeres zubereiten. Da bin ich aber auch noch weit entfernt von…

    • Wenn man sich bloß öfter beherrschen könnte. 😉 Wobei es mir seit ein paar Wochen leichter fällt, es besteht also noch Hoffnung, dass ich irgendwann einmal gut kochen können werde…

    • Was „braucht“ man schon. Ajowan schmeckt thymianartig, ist aber etwas kräftiger und verträgt sich gut mit Fenchel, Koriander und hmm, vergessen. Ich habe ja mehrere „Gewürzkisten“, vielleicht wäre das auch für dich eine Lösung? 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  7. Na endlich eine Verwendung für das ganze Sackerl Ajowan, das ich ein einziges Mal für ein Rezept gebraucht habe. Vielen Dank dafür. Und auch für die Einfachheit.

  8. ….und ich frage mich, warum ich bisher nicht auf den Gedanken gekommen bin, dass Ajowan zu Kichererbsen – und auch zu Tomaten – passen könnte. Danke für den Anstupser.

  9. Ha! Eine Verwendung für mein Ajowan, das seit dem Kauf unbenutzt hier herumliegt! Danke – nicht nur für das Rezept, sondern auch für das Urteil. Denn ich mache Suppen auch, und zwar auch eher so irgendwie. Aber jetzt werde ich mal versuchen, mich an das Rezept zu halten.

    • Meinen ersten Ajowan hatte ich 3 Jahren nach Ablaufdatum entsorgt, dann las ich in einem Artikel von Robert von ihm und kaufte mir ein neues Päckchen. Das ist jetzt häufiger im Gebrauch. 😉 Und ja, minimalistische Disziplin lohnt sich sehr!

  10. Und wieder einmal dazugelernt: Ajowan – kannte ich bisher nicht. Die Suppe sieht lecker aus und das Rezept liest sich auch so. Ich liebe ja Suppen jeder Art, (am liebsten dicke Suppen mit viel Gemüse). Ein schönes Wochenende wünscht Toettchen

    • Ajowan schmeckt irgendwie thymianartig, ich kam durch Roberts „Kreuzkümmelersatzmischung“ (Name vergessen, Asche auf mein Haupt) darauf, macht sich wirklich gut mit Koriander, Fenchel & Co.. Und dicke Suppen mag ich definitiv am liebsten. Euch auch ein schönes Wochenende + Liebe Grüße,
      Eva

  11. Ja, ich neige auch dazu, vieles reinzuwerfen, vor allem in Pastasaucen, was der Mitgenießer dann oft anmosert. Wie auch sonst im Leben: Minimalismus ist das Geheimnis. 🙂

    • Ja, genau, in Pastasaucen passiert mir das auch noch häufig, wobei die schlicht definitiv besser schmecken, aber wenn man halt noch was da hat, was weg muss/will… ich versuche, mich demnächst zurüch zu halten. 🙂

  12. Ajowan… soso. Musste ich tatsächlich erstmal nachsehen. „Königskümmel“ klingt aber tatsächlich sehr lecker (und Ajowan „königlich“). Ebenso wie der Rest. Aber was meinst Du, wäre es legitim, auch den Sellerie zu minimalisieren und wegzuerfinden? Ist schließlich das einzige Gemüse, das ich nur ganz selten und dann in kleinsten Dosierungen schätze…

    • Hatte erst überlegt, den deutschen Namen auch miteinzubeziehen, Königskümmel hört sich irgendwie sehr vornehm an. 😉 Den Sellerie kannst du natürlich einkürzen, ich mag ihn auch erst seit 1-2 Jahren, die Knollenvariante allerdings schon etwas länger. Vielleicht wäre dann allerdings der Griff zur Petersilienwurzel ratsam. 🙂

  13. Eigentlich bin ich eher der Herbst-/Winter-Suppen-Typ, aber zu eine Schüssel deiner Ministrone würde ich jetzt auch nicht nein sagen 🙂 Ich finde das mit den Aromen auch sehr faszinierend und man lernt nie dabei aus.
    Liebe Grüße
    Emma

    • An Sommerabenden, wenn es kühl und windig ist, so wie heute, kommt mir ein Süppchen immer recht. Vielleicht sollte ich eine kochen, aber ich habe noch 30 Eier zu verarbeiten… 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

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