Bilaterale Beziehung

spargel mit lachs 2Dieses Mal ist Petra/ Chili & Ciabatta schuld, hat sie mir doch den Floh mit der Curry-Butter zum Spargel ins Ohr oder besser gesagt ins Auge gesetzt. Ich war so hingerissen, dass ich sogleich Zanderfilets besorgte und mich ans Werk machte. Ich wollte jedoch unbedingt ein luftig aufgeschlagenes Kartoffelpüree dazu. Und das weigerte sich dieses Mal beharrlich, luftig zu werden und endete trotzig als zäher Kleister. Herr H. sah mich nach dem ersten Bissen vorwurfsvoll an. So ginge das nicht. Ein gutes Püree stampfe man von Hand. Mit dem Kartoffelstampfer oder zur Not auch mit der Gabel. Ob er mir das zeigen solle? Der Zander hatte zudem nicht viel Eigengeschmack. Vielleicht gibt es auch da, wie beim Lakritz, ein Nord-Süd-Gefälle. Der Fischhändler meinte jedenfalls, Zander sei kein richtiger Fisch, ich solle doch lieber Makrele, Scholle oder auch Hornhecht nehmen. Ein gutes Stück Lachs würde es zur Not auch tun. Zweiter Versuch also.

Für das traditionelle Kartoffelpüree nach Friesenart:

  • 500 g Kartoffeln, geschält, gestückelt
  • ca. 100 g Milch oder etwas mehr, je nach gewünschter Konsistenz
  • 1 Stich Butter
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • 50 g Speck, ausgelassen (optional)
  • 1/2 Lauchzwiebel, in feine Ringe geschnitten (optional)

kartoffelpüree serieHerr H. goß die gegarten Kartoffeln ab und zerdrückte sie mit der Gabel, da ich den Kartoffelstampfer nach der Anschaffung der Presse der besten Nachbarin schenkte. Aber es geht so eben auch. Dann würzte er mit Pfeffer und Salz. Auf keinen Fall Muskat, musste ich mir anhören, die Nuss bereits gezückt. Also goß ich stattdessen die Milch an und gab den Stich Butter hinzu, noch etwas mehr, so sei es gut. Herr H. rührte zuletzt noch Speck und Lauchzwiebel unter und probierte. Triumphierend hielt er mir den Löffel hin. So müsse das schmecken! Ich stelle den Topf abgedeckt warm und präparierte den Spargel.

Für die Curry-Koriander-Sauce:

  • 600 g Spargel, geputzt, in wenig Wasser gegart
  • Spargelkochwasser (ca. 150 – 200 g)
  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 kleines Stück Ingwer, fein gerieben
  • ca. 100 g Weißwein
  • 1 – 1 1/2 TL Currypulver, 1/4 TL Kurkuma, 1 Pr. Asafoetida
  • Koriander nach Belieben
  • 1 TL Zucker
  • 1 TL Zitronensaft
  • 100 g Sahne

sosse serieDen gegarten Spargel stellte ich ebenfalls warm. Nun schwitzte ich Schalotten, Knoblauch und Ingwer in etwas Butter kurz glasig, goß schluckweise Weißwein an und ließ ihn jeweils vollständig reduzieren. Dann gab ich das Spargelkochwasser hinzu und ließ alles etwas auf die Hälfte einkochen. Ich schmeckte mit den Gewürzen, Zitrone, Zucker und Salz ab und gab die Sahne hinein. Nach ca. 10 Minuten war die Sauce auf die Hälfte eingekocht. Ich gab den gehackten Koriander hinzu, pürierte die Sauce fein und probierte. Sehr fein! Herr H. hatte in der Zwischenzeit den Lachs kurz in sehr heißem Öl angebraten und für ca. 7 Minuten in den auf 100°C vorgeheizten Backofen verfrachtet. Somit stand dem Essen nur noch das Foto im Weg.

spargel mit lachs 4Fazit: Wir beide waren absolut verblüfft, wie sehr der gute alte Spargel mit Curry und Koriander harmonierte. Ich musste zugeben, dass das von Herrn H. handgerührte Püree wesentlich besser schmeckte als mein maschinengerührtes und der Lachs war herrlich saftig und aromatisch. Ein absolut gelungene Vereinigung von einem deutschen Klassiker und einer indisch angehauchten Gewürzmischung. Was will man mehr?

 

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36 Gedanken zu „Bilaterale Beziehung

  1. Welch ein Kartoffelpüree? Das könnte ich sofort ohne alles essen. Naja, eigentlich ist es ja Kartoffelstampf, den ich noch lieber mag.
    Die Kartoffelsorte ist wichtig und die Butter. Man kann auch Olivenöl nehmen, aber das gefällt mir persönlich nicht.
    Auf jeden Fall ist es richtiges Seelenfutter.
    LG Toettchen

    • Ich hatte schon vermutet, dass das was für dich ist. 😉 Mit Olivenöl habe ich es noch nie gemacht, schwer vorstellbar, aber ausprobieren werde ich es.
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Wow, welcher Fischhändler bietet Dir denn von sich aus Hornhecht an?! Den hätte ich ja auch gerne … Zander hatte ich hier oben aber auch schon guten; das kann nicht am Lakritzäquator liegen. 😉

    • Ich empfehle einen Besuch auf dem Wandsbeker Wochenmarkt. 🙂 Muss ja auch mal ein Vorteil sein, auf dieser Seite der Stadt zu wohnen. Den Hornhecht habe ich übrigens glatt mitgenommen und Zander? Tja, ich weiß nicht, ob ich dem noch mal eine Chance gebe…

  3. Was für eine schöne Kombi- (außer den Korianderblättern)- Curry-Sahne-Sauce gibt es bei mir oft zu hellem Gemüse aber zu Spargel noch nie. Und Pürree, nur mit dem Stampfer und aus mehligen Kartoffeln und wie die Turbohausfrau schreibt, Butter bei die Fische. Oder Kartoffeln. Wird super luftig und schmeckt…..

    • Danke, Ninive. Koriander habe ich auch erst vor einem guten Jahr zu lieben gelernt, davor konnte man mich mit dem Kraut jagen. 😉
      Und ja, ich war etwas sparsam mit der Butter, das hat sich sogleich gerächt…

  4. Sieht und liest sich fantastisch!

    Und ja, auch bei uns wird gestampft, dafür bestehe ich aber auf meine Muskatnuss!! Mal schauen, wie viel Spargel es noch gibt, wenn wir aus dem Urlaub zurück sind – entsprechend werde ich noch zur Tat schreiten, denn ER liebt Curry in allen Formen 😀

    • Danke, Sandra.
      Urlaub? Klingt wie Musik in meinen Ohren. Bei uns ist leider erstmal keiner in Sicht. 😦 Naja, dafür darf ich mich gleich an die nächste Torte machen. Sehr vielversprechendes Rezept. 🙂

  5. Ich habe mir kürzlich einen Kisag Isi Gourmetwhip weiss-der-Teufel-was-Rahmbläser für Profis reingezogen 🙂 Damit kriegst du echtes Luftibus-Kartoffelpüree hin 🙂 Im Übrigen besten Dank für den Input mit der Curry-Butter zu Spargel: meine Reaktion ist gerade die selbe wie bei dir! Zum Glück schlummert daheim noch Spargel im Kühlschrank 😉

    • So einen Isi-Whip hätte ich auch zu gern. Ich muss mal sehen, ob ich noch ein Eckchen für ihn freiräumen kann. Spätestens in der neuen Küche. 🙂
      Und die Inspiration verdanken wir Petra!

  6. Kartoffelstock gibt es bei mir nur mit dünner Sauce gefülltem Weiher.
    Sieht aber lecker aus, und mit Speck etc braucht es vermutlich keine Sauce. Ist eh Geschmackssache.

  7. Das Püree ist quasi schon nachgebaut….Wobei ich total gerne Kartoffelpüree gerne mit dem Handrührer aufschlage…kleistrig wird es dabei nicht. Und Muskat muss! Un-be-dingt!
    Aber was soll das heißen, Zander ist kein Fisch?

    • Wie gesagt, vielleicht habe ich einfach zu sehr an der Butter gespart.
      Zander, zumindest das Exemplar, das ich erwischt hatte, hat keinen besonders ausgeprägten Fischgeschmack. Das haben wir jedenfalls so empfunden. Vielleicht hat das was mit der Gewöhnung an Lakritz zu tun. 😉

  8. In unserem Haus darf ich grundsätzlich kein Kartoffelpüree zubereiten. Das ist ausschließlich Herrn Lu vorbehalten. Ich muss allerdings zugeben, dass er das weltbeste Püree macht (mit Mixgerät!). Absolut fluffig mit ordentlich Butter und einem Ei. Letzteres behagte mir anfangs gar nicht. Ich muss allerdings sagen, dass der Erfolg im recht gibt. Selbst meine Kinder, anfangs äußerst skeptisch, ordern jedes Mal wenn sie hier sind Kartoffelpüree.
    Tja, so kann’s gehen 😉
    Liebste Grüße Maren

    • Kartoffelpü und Frikadellen scheinen eine „Männerdomaine“ zu sein. 😉 Ei hat meine Oma früher auch immer ins Pü getan. Ich habe ihr Pü in bester Erinnerung, aber nun ja, wenn Herr H. in diesem Fall auf seine Methode besteht, soll es mir auch recht sein. Es hat auch gut geschmeckt.
      Liebe Grüße,
      Eva

  9. Spannende Kombination!
    Ich muss gestehen, das allerliebste Erdäpfelpüree ist mir das mit 1/2 Erdäpfeln, 1/2 Butter, aber das gibt es einfach nur alle Jubeljahre. Die Variante mit Speck und Lauchzwiebel kenne ich noch nicht, aber werde ich testen!

  10. Hattet ihr die gleiche Kartoffelsorte? Kleisterartiges Kartoffelpüree hat meiner Erfahrung nach nicht vorrangig mit der Stampfmethode zu tun (elektrisch oder von Hand) sondern eher mit der Art der Kartoffel. Das beste Püree ergeben mehligkochende Knollen (die es im Handel im seltener gibt, da es zu wenige Menschen gibt, die ihr Püree noch selbst machen). Halbfeste oder gar festkochende Kartoffeln werden zäh beim Pürieren. Ich stampfe zwar auch von Hand, aber „früher“ hat das elektrische Pürieren mit mehligkochenden jedenfalls gut geklappt.

    • Ja, wir hatten die gleiche Sorte. Ich vermute, es lag zum einen daran, dass sie beim ersten Mal wirklich lange abgelagert waren (=> mehr Zeit hatten, Stärke zu bilden) und ich mehr Butter verwendet hatte. Nun ja. Mehlig kochende Kartoffeln gibt es hier übrigens überall, ich bin nur kein großer Fan von ihnen, da sie mir beim Kochen immer zerfallen und sehr viel Wasser aufnehmen. Auch geschmacklich gefallen sie mir nicht so gut.
      P.S.: Inzwischen ist ein trüffelartiger Geruch wahrnehmbar. 🙂

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