Zweierlei vom wilden Grün

spargel mit hopfen 4Wir sind endlich wieder zu Hause. Das mag seltsam klingen, denn die Insel verwöhnte uns mit kontinuierlichem Sonnenschein, frischer Meeresluft und allem, was eine Nordseeinsel sonst noch so bietet. Aber zu Hause warteten die eigene Küche, das eigene Bett und ein neues, spannendes Kochbuch*, in dem sich erstaunliche viele Marker tummeln. Passend zur Saison wählte ich ein Rezept mit grünem Spargel, Perlgraupen und (wildem) Hopfen. Herr H. pilgerte zum Wochenmarkt und kehrte enttäuscht zurück. Die Markhändler hätten ihn auf seine Frage nach Hopfentrieben nur verwirrt angeschaut. Ich erinnerte mich glücklicherweise dunkel daran, im Eilbektal Hopfenblüten gesehen zu haben. Also machten wir uns auf die Pirsch und wurden sofort fündig.

Für den grünen Spargel:

  • 300 g grüner Spargel
  • 1 Pr. Zucker, 1 Pr. Salz
  • Olivenöl

spargel serieNachdem ich das untere Drittel des Spargel geschält hatte, schnitt ich alle Stangen auf die gleich Länge. Die Abschnitte schnitt ich in 1/2cm dicke Scheiben und legte sie beiseite. Ich kochte wenig Wasser und die Spargelschalen in einem weiten Topf auf, blanchierte die Spargelstangen darin, ließ sie gut abtropfen und wickelte sie in einen mit Olivenöl bestrichen Bogen Alufolie. Vor dem Verschließen des Päckchens bestreute ich die Stangen mit wenig Zucker und Salz. Im auf 180°C vorgeheizten Backofen durfte der Spargel ca. 30 Minuten garen. Ich siebte die Spargelschalen aus dem Wasser und hob es auf.

Für die Graupen:

  • 60 g Perlgraupen, einige Stunden in kaltem Wasser eingeweicht
  • Blanchierwasser vom grünen Spargel
  • 60 g Zwiebeln, grob gehackt
  • 125 g Tomaten, gehäutet, grob gehackt
  • 1/8 l Weinessig (ich: ca. 30 g Chardonnay-Essig)
  • 1 EL Honig
  • 1/2 TL Korianderkörner
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 Msp. Chili, fein gehackt
  • frisches Koriandergrün nach Belieben, gehackt
  • Olivenöl, Salz, Pfeffer

graupen serieIch dünstete die Zwiebelwürfel abgedeckt in Ölivenöl glasig. Dann gab ich Honig, Tomatenmark und Korianderkörner hinzu und ließ alles kurz schmoren. Schließlich fügte ich alle restliche Zutaten hinzu und ließ die Sauce ca. 20 Minuten lang sirupartig einköcheln. In der Zwischenzeit kochte Herr H. das Blanchierwasser auf und gab die Graupen hinein. Nach 15 Minuten gab er die Spargelabschnitte hinzu und ließ sie ca. 10 Minuten mitköcheln. Dann siebte er die Graupen ab und hob das Wasser auf. Ich vermengte die Graupen mit der reduzierten Sauce und dem Koriandergrün, schmeckte mit Salz und Pfeffer ab und stellte sie warm.

Für die Hopfentriebe:

  • 80 g Hopfentriebe
  • Salz
  • Blanchierwasser

hopfen serieHerr H. wusch die Triebe und blanchierte sie anschließend ca. 3 Minuten im leicht gesalzenem Spargelwasser. Dann schreckte er sie in Eiswasser ab. Ich angelte mir einen Trieb und probierte. Sein Geschmack war leicht bitter und erinnerte mich an Spargel, perfekt, lediglich die etwas pelzige Oberfläche war gewöhnungsbedürftig.

spargel mit hopfen 12Fazit: Die Graupen in der Zwiebelsauce waren absolut köstlich, hätten aber für meinen Geschmack kein Tröpfchen Essig mehr vertragen. Sie harmonierten perfekt mit den Hopfentrieben und dem grünen Spargel. Auch Herr H. genoss die frühlingsfrische Mahlzeit sehr und stellte nach dem Essen erstaunt fest, dass die Mahlzeit nicht nur köstlichst, sondern auch vegan gewesen sein. Ausversehen, sozusagen. Mir ist das schnuppe, Hauptsache, es schmeckt!

*Aus: Dumaines wilde Gemüseküche Jean-Marie Dumaine, Nikolai Wojtko

 

 

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39 Gedanken zu „Zweierlei vom wilden Grün

  1. Pingback: Grüner Spargel, fast Sous-Vide gegart, dazu Rahmsauce und Puten-Fleischpflanzerl – magentratzerl

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  3. Pingback: Grüner Spargel, fast Sous-Vide gegart, dazu Rahmsauce und Puten-Fleischpflanzerl | magentratzerl

  4. Ich habe heute mal nach Hopfentrieben gesucht und war überrascht, dass sie bei mir um die Ecke überall wuchern. Deine Kombination wurde sofort etwas verändert nachgekocht und für sehr lecker befunden! Du kannst meine Veränderungen sicherlich bald auf dem Blog nachlesen…Liebe Grüße Melanie

    • Sag‘ ich doch, das Zeug ist ein wahres „Unkraut“. Vor unserer Haustür wächst es auch. Bin schon gespannt auf deine Veränderungen!
      Liebe Grüße,
      Eva

  5. Pingback: Kartoffel-Hopfen-Frittata | multikulinarisches

  6. Nachdem die Turbohausfrau neulich Hopfentriebe kredenzt hatte, fiel mir ein, dass ich in der Umgebung diverse Hopfen-Plätze gesichtet hatte. Dort haben wir im Sommer die Zapfen geerntet für Tee, wenn’s mit dem Einschlafen mal nicht so klappen will. Hopfentriebe hatte ich aber noch nie. Nachher gleich mal losziehen, nachdem ich mir bei der Hopfentriebe-Recherche bereits der Zahn gewaltig tropft. Ich denke auch an eine Spargel-Hopfentriebe-Kombi, da ersterer bereit liegt und die Triebe-Zeit wohl auch bald vorbei ist. Mal sehen.

    • Ich persönlich ziehe dem Hopfentee die gebraute Variante vor. 😉
      Ich hoffe, du hattest Erfolg bei der Ernte. Hier werden sie langsam aber sicher zu kräftig.

  7. Pingback: Gericht mit spannendem Mundgefühl: Rote-Bete-Spaghetti und Hopfentriebe | Das Rote Bete Blog

  8. Tolle Hopfen-Idee! Ich selbst bin untröstlich, dass „meine“ Hopfenhecke am Spreeufer entfernt wurde – im letzten Herbst hatte ich dort Dolden gesammelt und fand sie ebenfalls köstlich, aber dahin, dahin. Wie schön, dass Du mehr Glück hattest.

      • Bis jetzt ist er mir hier noch nicht wieder begegnet, schnief… Aber ich halte weiter Ausschau – die Dolden im Spätsommer sind ja etwas leichter zu erkennen als Blüten und Triebe, vielleicht habe ich da dann Glück. Einen schönen 1. Mai Dir!

    • Liebe Claudia, bei mir um die Ecke gibt es ganz viele Ecken, vielleicht musst du dich einfach mal nach Neukölln wagen. Zum Beispiel am Kielufer (Nähe Treptower Straße) habe ich welchen gefunden. Liebe Grüße Melanie

  9. Das ist ja interessant – Hopfensprossen – der Händler hier auf dem Markt hätte mich sicherlich auch verwirrt angeschaut und dann aber versucht, es mir für den nächsten Markt-Samstag irgendwie zu besorgen 🙂

    Werde ich gleich am nächsten Samstag mal in Auftrag geben, den Spargel und Graupen lieben wir.

    • Danke, Sandra. Wie gesagt, es sind die Triebe und die wachsen ganz sicher auch bei euch wild. Die Pflanze kann man eigentlich auch gar nicht verwechseln. Aber auch nur Spargel und Graupensauce sind schon eine sehr feine Sache. 🙂

  10. Jetzt aber noch schnell meinen Kommentar, da ich am Wochenende unterwegs war (Ohne Laptop). Hopfensprossen ist ein heimlicher Wunsch von mir und ich habe schon danach gesucht. Leider ergebnislos. Ich beneide Euch

    • Ein richtig freies Wochenende, wunderschön! Es waren leider nur die Triebe, die Sprossen gelten als absolute Delikatesse. Du bist da wahrscheinlich eher an der Quelle. Vielleicht kannst du nächsten März nachts heimlich mal ein Hopfenfeld besuchen. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  11. Wow. Mich beeindruckt ja vor allem, dass Du mal eben so weißt, wo man um Hamburg herum Hopfensprossen pflücken kann! Auch wenn ich mir gar nicht erst vorzunehmen brauche, das mit dem Hopfen nachzumachen: auch mit grünem Spargel allein klingt das schon fein. Und Spargelrezepte kann man eigentlich nie genug haben!

    • Danke, Sabine. War ja nicht mal außerhalb, sondern direkt an meiner Alltagslaufrunde. Und da ich nicht durch Musik abgelenkt bin beim Laufen, betrachte ich halt die Umgebung. 😉
      Und der grüne Spargel mit den Graupen allein war auch schon äußerst schmackhaft!

    • Ja, das war ein lustiger zufall, wobei es bei uns noch reichlich gibt. Und vegan war das Gericht ja doch nicht… wobei ich mal wieder feststelle, dass ich niemals vegan leben könnte, ohne Honig?! 😉

    • Ich habe meinen Tippfehler bereits korrigiert, es sind die jungen Hopfentriebe, die Sprossen (auch Hopfenspargel genannt) gibt es bereits im März. Sei werden von Hand ausgegraben und gelten als absolute Delikatesse. Vielleicht kommst du da nächstes Jahr dran, 🙂 echter Hopfen wird hier leider nicht angebaut.

  12. Klasse! Und euer Foto ist viel schöner als das auf dem Buchcover 😉 Ich komme gerade von einer Kräuterwanderung zurück und liebe wildes Kraut nun noch mehr als ohnehin schon.
    Nur zur Information übrigens: Vegan ist das Rezept nicht ganz – denn aus für mich nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen ist Honig bei „strenggläubigen“ Veganern verboten. Und bestimmt würde auch der Chardonnay-Essig verschmäht, da der Wein wahrscheinlich mit Gelatine geklärt wurde. 😉

    • Danke, Antje. Besitzt du das Buch oder hast du nur online nachgeschaut? Wir haben gestern das zweite Gericht daraus gekocht, wirklich sehr inspirierend.
      Und danke für die Info! Ich habe beim Schreiben partout nicht daran gedacht…

      • Noch besitze ich das Buch nicht – aber es befindet sich schon seit geraumer Zeit auf meiner Wunschliste 😉

      • Wir werden noch einiges daraus kochen und mal sehen, vielleicht darf es dann auch hier einziehen. Ist aber nicht vegetarisch…

  13. Hopfen! Du auch! Ich schreibe mir einen dicken Zettel, damit ich es diese Woche endlich schaffe, welchen zu besorgen. Das ist ja direkt ein gewisser Druck, den Ihr da ausübt….. 😉

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