Ein (Oster-)Ravioli-Wunder

basilikum ravioli mit detailHerr H. und ich unternahmen schon so manche Reise zusammen. Früher konnte ich es kaum erwarten, der Heimat den Rücken zu kehren und zu unbekannten Gefilden aufzubrechen. Das begann sich vor einem guten Jahr zu ändern. Ich gebe zu, dass der Abschied von meiner Küche mir inzwischen nicht mehr ganz so leicht fällt. Zwei Herzen scheinen nun in meiner Brust zu wohnen. Das eine schlägt für das Kochen und Backen, stärker als ich es mir je hätte träumen lassen und das andere schlägt für das Reisen. Bevor wir in die Osterfrische aufbrachen, allerdings nicht zu unbekannten Gefilden, musste der Kühlschrank natürlich noch von Verderblichem befreit werden und auf der Fensterbank stand ein Topf Basilikum in voller Pracht, der die Wasserknappheit mit Sicherheit nicht überleben würde. Nach kurzer Recherche in unserem neuen Lieblingsbuch* stand der Plan. Statt Nudeln mit Basilikum-Pesto würde das Basilikum direkt in den Nudelteig wandern.

Für den Basilikum-Pastateig:

  • 100 g Weizenmehl 405er
  • 50 g Hartweizenmehl
  • 2 Eigelb
  • 25 g frisches Basilikum
  • 25 g Wasser
  • 1 Pr. Salz
  • 1 TL Olivenöl

basilikum ravioli teig serieAls erstes gab ich Basilikum und Wasser in den Zerkleinerer und ließ ihn laufen, bis eine homogene Flüssigkeit entstanden war. Dann wog ich die restlichen Zutaten ab, füllte sie in eine Schüssel und vermischte sie mit einem Löffel. Anschließend knetete ich den quietschgrünen, herrlich nach Basilikum duftenden Teig ca. 10 Minuten von Hand. Nun durfte er abgedeckt ca. 2 Stunden ruhen. Zeit, sich den Tomaten zu widmen. Klassische Kombination.

Für die confierten Tomaten:

  • 200 g Cherry-Tomaten
  • Olivenöl
  • Salz
  • etwas gemahlene Vanille

konfierte tomaten serieIch heizte den Backofen auf 130°C vor, halbierte die Tomaten, tauchte die Schnittflächen in Olivenöl und legte sie in eine Form. Herr H. salzte sie und bestreute sie vorsichtig mit etwas gemahlener Vanille. Dann schob er die Form in den Backofen. Dort durften sie ca. 1,5 Stunden verbleiben. Bereits nach einer halben Stunde zog ein subtiler Vanilleduft durch die Küche, zugegeben, schon etwas seltsam, wenn man weiß, dass sich kein Kuchen, sondern Tomaten im Backofen befinden.

Für die Ravioli-Füllung:

  • 250 g Ricotta (in Küchenpapier gewickelt, eine gute Stunde abgetropft, Papier mehrmals gewechselt. Es verblieben 215 g)
  • Schale 1/2 Zitrone, fein gehackt
  • 1/4 TL Vanilleessenz
  • Salz

füllung serieEs wäre wahrscheinlich idealer gewesen, den Ricotta schon am Vortag abtropfen zu lassen, aber es ging auch so. Herr H. hackte die Zitronenzesten fein, ich verrührte sie, die Vanilleeseenz und ca. 1/4 TL Salz mit dem Ricotta, der einigermaßen trocken und bröselig war. Dann rollte ich die Teigbahnen aus (bis Stufe 7/9, ich hätte sie gern noch dünner gehabt, Herr H. bevorzugt dickere, das war der Kompromiss) markierte die Ravioligröße mit dem Stempel, setzte jeweils einen TL Füllung in die Mitte der Markierung  und bepinselte die Ränder mit Wasser. Dann legte ich die zweite Teigbahn darüber. Herr H. drückte die Ränder fest und entfernte die Luftblasen mithilfe einer Nadel. Die fertigen Ravioli lagerte ich auf einem mit Gries bestreuten Tuch.

Für die Champignon-Rahm-Sauce:

  • 125 g Champignons, fein blättrig geschnitten
  • 1 kleine Schalotte, fein gehackt
  • 50 g Weißwein
  • 100 g Sahne
  • Petersilie nach Belieben

champignon sosse serieWir waren nicht ganz sicher, ob eine solche Sauce wirklich passend wäre, aber die Champignons mussten weg. Mut zum Risiko. Herr. H schnitt sie fein blättrig, während ich die Schalottenwürfel in Butter glasig schwitzte. Dann gab ich die Champignons hinzu, briet sie bei schwacher Hitze, bis sie knapp gar waren und goß Weißwein und Sahne an. Anschließend ließ ich die Sauce einköcheln, bis sie eine sämige Konsistenz hatte. Ich schmeckte mit Salz, Pfeffer und Petersilie ab und war recht überrascht vom Wohlgeschmack dieser schlichten Sauce. Herr H. hatte inzwischen die Ravioli portionsweise 4 Minuten in siedendem Wasser gegart. Es konnte angerichtet werden.

basilikum ravioli 5Fazit: Wir konnten es kaum abwarten zu probieren. Ich halbierte ein Raviolo (?) und kostete. Das zarte Basilikumaroma war erhalten geblieben, die Ricottafüllung ein Gedicht und die Champignon-Sauce erdete die Komposition. Auch die Vanille-Tomaten fügten sich mit dezenter Säure perfekt ein. Herr H. war gleichermaßen begeistert. Ich habe schon sehr, sehr viele „Eigenkreationen“ fabriziert, aber dieses war die erste, die wirklich absolut stimmig und rund schmeckte. Das Ganze war endlich größer als die Summe der Teile und mit diesem Erfolg fiel es mir ein kleines bisschen leichter, mich vorerst von meiner Küche zu verabschieden. Frohe Ostern allerseits!

*Das Lexikon der Aromen und Geschmackskombinationen Karen Page, Andrew Dornenburg

 

 

 

 

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35 Gedanken zu „Ein (Oster-)Ravioli-Wunder

  1. Wenn das so schmeckt wie es aussieht würde ich sagen:“ Du kannst kochen“ -:)

    PS. Endsilbe „o“ Einzahl, Endsilbe „i“ Mehrzahl
    „Uno Espresso“ oder „due Espressi“

    VG
    Paul

  2. Oh, das kenne ich! Da sitzt man im Urlaub, die herrlichsten Lebensmittel lachen einen dauernd an und dann hat man keine Küche. Schlimm ist das! 😉 Deine Ravioli klingen so toll! Confierte Tomaten mag ich eh immer und zu sehr vielen Dingen. Und aus Resteverwertung kann so Leckeres werden! Ich bin auch immer wieder erstaunt, welche Lebensmittel toll zusammenpassen.
    Herzliche Grüße,
    Dani

    • Danke, Dani. Wir achten darauf, (fast) immer eine Kochgelegenheit zu haben, sei es ein Campinggaskocher. Selbst darauf lassen sich erstaunliche Köstlichkeiten zaubern.
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Ein tolles Essen, da hätte ich mich gerne dazu gesellt 🙂 Die Farben sind einfach großartig.

    Ravioli müsste ich auch mal wieder machen, habe auch noch Unmengen an Mehl da, die italienische Verwandschaft halt… Die bringen das in Massen vorbei 😉

    • Danke, Sandra. Es war auch reichlich für zwei Personen. 😉
      Unmengen an Mehl? Und einen Topf Basilikum kannst du doch sicher auftreiben, also steht dem Nachkochen nichts im Weg. 🙂

  4. Perfekt! Ich mache gerade Ravioli und wollte dazu confierte Tomaten machen – jetzt brauche ich das Rezept dafür gar nirgends mehr zu suchen, sondern nehme einfach Deins. 🙂

    Was Kochen und Backen und Reisen angeht… Hm, ja, ich habe gerade Fernweh. 😉

    Schöne Ostern und einen schönen Urlaub!

  5. Liebe Eva
    Wie ihr so lieb zusammen kocht ist eine Freude zu lesen. Der grüne Teig brachte mich auf den Gedanken an Pastateig mit Thai-Kräutern, könnte sehr aromatisch werden und interessant, falls sich die Aromen erhalten wie beim Basilikum. Schön, wie Du die Detailtipps gibst, Griess auf das Tuch, und so.
    Ich wünsche noch eine schöne Zeit auf Sylt, der ganze Ostermontag ist ja noch.
    LG, Erich

    • Danke, Erich. Mit Thai-Basilikum und anderem kann ich mir den Teig auch gut vorstellen. Das Aroma blieb, zumindest bei mir, nach dem Kochen erhalten. Und wir haben zum Glück noch bis Donnerstag. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Frohe Ostern! Weiß genau, was du meinst: Ich komme gerade von der Autobahn (zurück aus dem Urlaub) und während mein Liebster die Koffer reintrug und die Räder vom Auto montierte, habe ich schon ein erstes winziges 4-Gänge-Menu gekocht. Es hat mir so gefehlt, das Selberkochen…
    Deine Ravioli waren sicherlich traumhaft! Das werde ich ausprobieren!
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Dir auch, also gehabt zu haben. 😉 Ein vier Gänge-Menue aus dem Ärmel?? Soweit bin ich noch lange nicht. Probiere auf jeden Fall den Teig mit dem pürierten Basilikum, der ist echt klasse!
      Liebe Grüße,
      Eva

      • 4 Gänge, aber ganz schlicht u ohne großen Aufwand, nicht zu vergleichen mit deinen traumhaften Ravioli!!
        Meine „Basilikum-Topf-Platagen“ haben wider Erwarten meine Abwesenheit überlebt, es sieht gut aus mit dem Ausprobieren…
        Liebe Grüße
        Cheriechen

    • Danke, Toettchen. Wie, es gab kein Essen heute? Wie kann das angehen??? Ich hoffe, du bekommst zumindest heute Abend etwas Feines! Und euch auch noch schöne Ostertage.

  7. Aber umso schöner ist dann doch die Heimkehr und die völlige Konfusion, welche der 18.373 neuen Ideen man zuerst auf den Tusch bringen soll… von den nachzukochenden Urlaubserinnerungen ganz zu schweigen! Diese Spontankombination spricht mich jedenfalls sehr an… Euer nächstes Ziel ist nicht zufällig – Tricolore! – Italien?
    Frohe Ostern!

    • Wir haben hier zum Glück auch eine, wenn auch nicht so luxuriös ausgestattete Küche und Zugang zu hochwertigen Rohstoffen. Von daher wird sich die Zahl der neuen Ideen wohl in Grenzen halten. Noch ist das Heimweh erträglich.
      Unser nächstes Reiseziel steht noch nicht fest – ich hatte auch erst mit einem solchen Titel gespielt…
      Euch auch!

  8. Nun hast du dich aber mit einem Riesentusch in die Osterferien verabschiedet 😉 Bravo zu diesen genialen Ravioli (und einen solch einzigen Ravioli hättest du mir ja aufheben können 😉
    Wundervolle Ferien und frohe Ostern für dich und Herrn H.

  9. Das Fragezeichen beim Raviolo kannst du wegtun, das stimmt so: ein Raviolo, mehrere Ravioli.
    Ein richtig schön grünes Osteressen hast du gezaubert.

    Liebe Eva, schöne Ostern wünsch ich dir und dem Herrn H.!

  10. Liebe Eva, zuvor wünsche ich euch ein schönes Osterfest in eurem Urlaubsort. Ich kann dich sehr gut verstehen mit deinen zwei Herzen 😉 . Mir geht’s genauso.
    Beginnend bei dem Pesto, das in die Ravioli wanderte, über die Vanilletomaten bis hin zur Championsauce lief mir das Wasser zunehmend im Mund zusammen. Manchmal entstehen aus der ‚Not‘ so tolle Gerichte.Man sollte viel öfter mal den Kühlschrank leeren müssen 😉 .
    Liebe Grüße Maren

    • Danke, Maren. Freut mich, dass ich mit der zunehmenden Obsession nicht allein da stehe. Die Kühlschrankleerung war übrigens nicht der alleinige Auslöser für die Kreativität. Es gibt dazu eben auch noch die „inspirierten“ Momente. Heute ist leider keiner in Sicht, es wird bei schnöden Spaghetti bleiben. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

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